Gab es eine gedruckte „Ehrenrangliste“ für Österreich nach 1918?

Gab es eine gedruckte „Ehrenrangliste“ für Österreich nach 1918?

2 Wochen 2 Tage her
#
Gab es eine gedruckte „Ehrenrangliste“ für Österreich nach 1918?

Immer wieder taucht bei der Forschung zu Offizieren des Ersten Weltkriegs die Frage auf, ob es für Österreich bzw. die ehemalige k.u.k. Wehrmacht ein Werk gab, das der deutschen Ehren-Rangliste des ehemaligen Deutschen Heeres vergleichbar wäre.

Ausgangspunkt

Für das Deutsche Reich erschien 1926 im Verlag E. S. Mittler & Sohn die Ehren-Rangliste des ehemaligen Deutschen Heeres auf Grund der Ranglisten von 1914 mit den inzwischen eingetretenen Veränderungen, herausgegeben vom Deutschen Offizier-Bund. Dieses Werk verzeichnete die Offiziere des ehemaligen deutschen Heeres auf Grundlage der Ranglisten von 1914 und führte spätere Veränderungen ein. Bibliographisch ist das Werk mit Berlin, Mittler, 1926, XVII + 1275 Seiten nachgewiesen.

Kurzantwort

Nach derzeitigem Stand scheint es für Österreich-Ungarn bzw. für das ehemalige k.u.k. Heer kein unmittelbares Gegenstück in Buchform gegeben zu haben, das nach 1918 in gleicher Weise alle Offiziere des alten Heeres, ihre Dienstgrade von 1914, spätere Veränderungen und die gefallenen Offiziere mit Datum und Ort zusammengeführt hätte.

Es gibt jedoch mehrere wichtige Ersatzquellen, die je nach Fragestellung sehr hilfreich sind.

1. Die k.u.k. Ranglisten bis 1918

Für die Zeit bis zum Ende der Monarchie sind die amtlichen Ranglisten die wichtigste Ausgangsquelle. Besonders relevant sind:
  • Ranglisten des Kaiserlichen und Königlichen Heeres 1918, Wien 1918.
  • Ranglisten der k.k. Landwehr und der k.k. Gendarmerie 1918, Wien 1918.
  • Rangliste der k.u.k. Kriegsmarine, insbesondere die Ausgaben bis 1918.

Die Ranglisten des Kaiserlichen und Königlichen Heeres 1918 sind ein sehr umfangreiches Werk; Google Books weist für Band 1 allein 2286 Seiten nach. Sie erfassen jedoch den Stand der Monarchie bzw. der militärischen Verwaltung bis 1918 und sind daher keine nachträgliche „Ehrenrangliste“ im Sinne der deutschen Publikation von 1926.

2. Österreichisches Bundesheer nach 1918

Für die Republik Österreich ist ein eigenes Nachfolgewerk nachweisbar:

Schematismus für das österreichische Bundesheer und die Bundesheeresverwaltung, herausgegeben vom Bundesministerium für Heereswesen, Wien, Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei, nachgewiesen 1928–1937.

Bemerkenswert ist, dass die Wienbibliothek dieses Werk ausdrücklich als Nachfolger der früheren Ranglisten des Kaiserlichen und Königlichen Heeres führt. Ab 1935 erschien es unter dem Titel Dienstrang der Offiziere und Berufsoffiziere der bewaffneten Macht Österreichs und der Beamten des Landesverteidigungsressorts. Für 1938 wird vermerkt, dass die Ausgabe nur für den Dienstgebrauch gedruckt wurde.

Wichtig: Dieses Werk betrifft das österreichische Bundesheer der Ersten Republik bzw. des Ständestaates. Es ist daher für aktive oder übernommene Offiziere nach 1918 sehr nützlich, ersetzt aber keine Gesamtliste der ehemaligen k.u.k. Offiziere des Weltkriegs.

3. Verlustlisten 1914–1919

Für gefallene, verwundete, vermisste oder kriegsgefangene Soldaten und Offiziere sind die österreichisch-ungarischen Verlustlisten eine zentrale Quelle. Sie erschienen während des Krieges und teils noch nach Kriegsende bis 1919.

Sie sind besonders wertvoll, wenn man nach einzelnen Personen sucht, da sie häufig Rang, Truppenkörper, Herkunftsort, Jahrgang und Art des Verlustes enthalten. Allerdings sind sie keine Rangliste und auch kein geschlossenes Offiziersverzeichnis.

4. Kriegsarchiv und Personalquellen

Für vertiefende Personenforschung ist das Österreichische Staatsarchiv, Abteilung Kriegsarchiv, zentral. Dort befinden sich Personalunterlagen zu Offizieren, Unteroffizieren, Mannschaften und Beamten der bewaffneten Macht von etwa 1740 bis 1918, darunter Musterlisten, Grundbuchblätter, Conduite- und Qualifikationslisten, Dienstbeschreibungen, Militärmatriken, Pensionsbücher sowie Verlust- und Gefangenenlisten des Ersten Weltkriegs.

Für Offiziere sind insbesondere die Qualifikationslisten und Dienstbeschreibungen wichtig. Sie können oft mehr leisten als eine gedruckte Rangliste, da sie biographische, dienstliche und teilweise auch beurteilende Angaben enthalten.

5. Auszeichnungen und Belohnungsakten

Für ausgezeichnete Soldaten und Offiziere ist außerdem der Bestand der Neuen Belohnungsakten im Kriegsarchiv einschlägig. Dort finden sich Belohnungsanträge, meist mit Rang und Regiment; bei Anträgen ab etwa Herbst 1917 können auch Geburtsjahr, Assentierungsjahr und Geburtsort genannt sein.

Gedruckt erschien während des Krieges das Ehrenbuch der österreichisch-ungarischen Wehrmacht. Die Ausgezeichneten im Weltkrieg, herausgegeben vom k.u.k. Kriegsarchiv, Wien 1917. Dieses Werk ist jedoch keine Rangliste aller Offiziere, sondern betrifft Auszeichnungen.

6. Zur Frage der Adelstitel und Prädikate

Eine nach 1919 in Österreich erschienene amtliche Liste hätte österreichische Adelstitel und Prädikate wohl nicht mehr in der alten Form führen dürfen. Das Adelsaufhebungsgesetz vom 3. April 1919 hob den Adel und bestimmte Titel und Würden österreichischer Staatsbürger auf; die Führung dieser Bezeichnungen wurde untersagt. Für genealogische Forschung bleibt daher wichtig, Personen sowohl unter der historischen Namensform als auch unter der republikanischen Namensform zu suchen.

Vorläufiges Fazit

Ein österreichisches Werk, das der deutschen Ehren-Rangliste des ehemaligen Deutschen Heeres von 1926 vollständig entspricht, ist mir derzeit nicht nachweisbar.

Als praktische Ersatzquellen empfehlen sich:
  • für den Stand bis 1918: die k.u.k. Heeres-, Landwehr- und Marine-Ranglisten,
  • für aktive österreichische Offiziere nach 1918: der Schematismus für das österreichische Bundesheer und die Bundesheeresverwaltung,
  • für Gefallene und Verwundete: die Verlustlisten Österreich-Ungarns 1914–1919,
  • für detaillierte Offiziersbiographien: Qualifikationslisten und Dienstbeschreibungen im Kriegsarchiv,
  • für Auszeichnungen: Personalverordnungsblätter, Belohnungsakten und das Ehrenbuch der österreichisch-ungarischen Wehrmacht.

Quellen und weiterführende Hinweise
Offene Fragen an die Runde
  • Ist jemandem ein tatsächlich nach 1918 erschienenes Gesamtverzeichnis ehemaliger k.u.k. Offiziere bekannt, das über die amtlichen Ranglisten von 1918 hinausgeht?
  • Gab es in Offiziersverbänden, Kameradschaftsverbänden oder Regimentsvereinen gedruckte Nachkriegslisten, die ähnlich wie eine Ehrenrangliste aufgebaut waren?
  • Sind für einzelne k.u.k. Regimenter gedruckte Totenbücher, Gefechtskalender oder Offiziersverzeichnisse bekannt, die gefallene Offiziere mit Todesdatum und Ort aufführen?
  • Welche Erfahrungen gibt es mit der Kombination aus Rangliste 1918, Verlustliste und Qualifikationsliste im Kriegsarchiv?
  • Wurde der Schematismus für das österreichische Bundesheer nach 1928 in der Praxis als offizieller Nachfolger der alten k.u.k. Ranglisten verwendet?
"IN OMNIBUS ORDO"

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Login Form