Küffer von Asmannsvilla-Conti - genealogische Konstruktion?
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Küffer von Asmannsvilla-Conti - genealogische Konstruktion?
3 Wochen 6 Tage her - 3 Wochen 6 Tage her
Küffer von Asmannsvilla-Conti – anerkannter Ritterstand, Ranglistenadel oder genealogische Konstruktion?
Ich möchte hier die bisher zusammengetragenen Hinweise zur Familie Küffer von Asmannsvilla, später auch Küffer von Asmannsvilla-Conti bzw. Küffer von Asmannsvilla-Breteuil-Conti, geordnet zur Diskussion stellen.
Die Familie tritt seit dem frühen 19. Jahrhundert in Böhmen bzw. Österreich mit dem Adelspartikel „von“ auf. In späteren Quellen begegnen Formen wie „Ritter Küffer von Asmannsvilla“, „Ritter Küffer von Asmannsvilla-Conti“ und vereinzelt auch die noch weiter ausgeschmückte Variante „Asmannsvilla-Breteuil-Conti“. Trotz dieses durchaus selbstbewussten Namensgebrauchs scheint bislang kein wirklich belastbarer Adelsakt bekannt zu sein. Gerade deshalb ist die Familie ein interessantes Beispiel für die Grauzone zwischen amtlicher Duldung, gesellschaftlicher Anerkennung, genealogischer Konstruktion und möglicher Adelsanmaßung.
1. Der Befund bei Vavřínek 2008
Im zweiten Band des Almanachs von Vavřínek, 2008, erscheint die Familie unter:
„Küffer z Asmannsvilla“
Die dortige Darstellung ist bemerkenswert, weil sie zwar einen Ritterstand behauptet bzw. voraussetzt, aber keine eigentlichen Nobilitierungsdaten mitteilt. Der Text lautet sinngemäß übersetzt:
Auffällig ist hier die Formulierung: bestätigt, nicht „verliehen“. Es wird also keine neue Nobilitierung behauptet, sondern eine Anerkennung aufgrund eines vorgelegten genealogischen Nachweises. Gerade dieser angebliche Nachweis wäre der entscheidende Punkt: Wo liegt er? Welche Behörde bestätigte den Ritterstand? Gibt es dazu einen Akt im österreichischen Adelsarchiv, in böhmischen Gubernialakten, bei der Hofkanzlei oder im Archiv des Prager Erzbistums?
Noch auffälliger: In dem Vavřínek-Auszug erscheint nur „z Asmannsvilla“, nicht aber „Conti“ oder gar „Breteuil-Conti“. Diese späteren Zusätze sind daher gesondert zu untersuchen.
2. Wappen nach dem beigefügten Vavřínek-Auszug
Der tschechische Text beschreibt das Wappen wie folgt:
Blasonierung in deutscher Fassung:
Geviert, mit blauem Herzschild, darin ein goldener Adler. Feld 1 und 4 in Gold auf silbernem Dreiberg ein grüner Ährenhalm bzw. grüner Halm; Feld 2 und 3 in Schwarz ein nach links gewendeter goldener Löwe. Auf dem Schild ein gekrönter Turnierhelm mit schwarz-goldenen Decken; als Kleinod zwei Büffelhörner, eines golden, eines silbern.
Anmerkung: Die Formulierung „grüner Halm/Ährenhalm“ folgt dem tschechischen „zelený klas“. Die Abbildung wirkt etwas stilisiert; bei einer endgültigen Blasonierung wäre zu prüfen, ob tatsächlich eine Ähre, ein Getreidehalm oder allgemein ein Pflanzenstängel gemeint ist.
3. Genealogische Angaben nach Vavřínek, geordnet
Jan Petr Ritter Küffer z Asmannsvilla
* 25.12.1767
† 24.04.1854, begraben in Břevnov
Hofrat und Direktor der erzbischöflichen Kanzlei in Prag
oo Týn nad Vltavou 1800
Jana Františka Walcherová
* Týn nad Vltavou 20.04.1783
† Prag 29.01.1850, begraben in Břevnov
Kinder:
1. Rudolf Küffer z Asmannsvilla
* Prag 30.07.1802
† 28.01.1872
k. k. Finanzrat
oo Trient 1828
Terezie Mussacková
* Trient 24.01.1808
† Prag 26.08.1881
Kinder Rudolfs:
1.1. Albert Küffer von Asmannsvilla
* Trient 25.01.1837
† Wien 14.03.1918
k. k. Generalmajor bzw. Titular-Generalmajor
oo 29.04.1871
Beatrice Hosseková
* 1848
† 14.04.1920
Dieser Albert ist auch in der gedruckten bzw. digitalisierten militärischen Überlieferung nachweisbar. Die ÖStA-Generalsliste führt ihn als „Küffer von Asmannsvilla, Albert Ritter“, geboren 25.01.1837, gestorben 13.03.1918, 1899 pensioniert, 15.06.1908 Titular-Generalmajor. Die Abweichung beim Todestag, 13.03. bzw. 14.03.1918, wäre anhand von Sterbematrik bzw. Parte zu klären.
1.2. Ludovika Küffer z Asmannsvilla
* Trient 1845
† Prag 05.07.1917
oo Prag 05.07.1876
Karel Schwenk, Edler z Rheindorfu
* Prag 13.12.1834
† Prag 16.09.1896
k. k. Oberleutnant des Artillerieregiments Nr. 10
1.3. Bedřich Vilém / Friedrich Wilhelm Küffer z Asmannsvilla
* Trient 1846
† 01.06.1897
k. k. Oberstleutnant, Träger des Militär-Verdienstkreuzes, Offizier des serbischen Takovo-Ordens
oo Prag 1870
Adéla Bauerová
* Prag 1850
Kinder:
(1) Rudolf
(2) Alice
1.4. Václav Zikmund / Wenzel Sigmund Küffer z Asmannsvilla
* Brünn 1849
† 22.09.1872
Hörer/Student des landwirtschaftlichen Instituts in Děčín-Libverda
2. Marie Johanna Küffer z Asmannsvilla
* 1804
Aufseherin bzw. Verwalterin eines Waisenhauses auf dem Hradschin
oo 1822
Václav Zikmund Edler Morawetz
* Kutná Hora 16.11.1799
† Prag 11.06.1873
3. Ludovika Küffer z Asmannsvilla
* Prag 1805
4. Albert Küffer z Asmannsvilla
* Prag 08.07.1813
† Prag 23.08.1891, begraben in Břevnov
1836 Priesterweihe; 1858 Kanoniker des Prager Metropolitankapitels; 1872 Archidiakon; 1883 Dekan des Kapitels; 1873 Generalvikar der Prager Erzdiözese; 1878 päpstlicher Hausprälat; 1886 Komtur des Franz-Joseph-Ordens; Ritter des parmensischen Konstantinischen St.-Georgs-Ordens I. Klasse.
5. Vilemína / Wilhelmine Küffer z Asmannsvilla
* 09.01.1815
† 09.04.1899, begraben in Břevnov
oo
František Vilém / Franz Wilhelm Kosteletzky
* Brünn 13.03.1801
† Prag 19.08.1887, begraben in Břevnov
Dr. med., Professor der Botanik an der Prager Universität, Dekan des Professorenkollegiums der philosophischen Fakultät 1850/51 und 1857/58, Prorektor 1852/53, Rektor 1867/68, Direktor des Universitäts-Botanischen Gartens.
6. Eleonora Küffer z Asmannsvilla
* Prag 30.10.1820
† Prag 09.04.1894, begraben in Břevnov
Literaturangabe bei Vavřínek:
P. R. Pokorný: Heraldické památky na hřbitově u sv. Markéty v Břevnově, unveröffentlichter Vortrag.
4. Die Kritik Friedrich Graf Lanjus’
Besonders scharf äußerte sich Friedrich Graf Lanjus in seiner Rezension des Freiherrlichen Gotha 1938 über diese Familie. Nach dem im Ausgangsposting zitierten Wortlaut betrifft dies den bei Gemmingen auftretenden Albert Ritter Küffer von Asmannsvilla-Conti, gestorben 1934 in Gmunden. Lanjus verweist dabei auf Roman Freiherr von Procházkas Werk Meine 32 Ahnen und ihre Sippenkreise und sieht die dortigen Ausführungen offensichtlich als genealogisch höchst problematisch an.
Der Kern der Kritik: Die Familie Küffer sei mit dem niederösterreichischen Herrengeschlecht von Kueffarn/Kuffarn in Verbindung gebracht worden; dieses wiederum sei wegen Namensähnlichkeiten und älterer Verwechslungen mit den Kuenringern genealogisch überhöht worden. Von dort sei der Weg zu „Azzmanswiesen“ und dann zur lateinisch anmutenden Form „Asmannsvilla“ nicht weit gewesen. Dazu seien dann noch „Reichsritter“-Qualität und später französisch klingende Zusätze wie „Conti“ bzw. „Breteuil-Conti“ getreten.
Aus dem Ausgangszitat:
Die Spitze gegen einen angeblichen „Adelsproben-Examinator und Chef der k. k. heraldischen Kammer“ ist wohl gerade als ironische Distanzierung zu lesen. Jedenfalls wäre zu klären, wer diese Person gewesen sein soll und ob damit überhaupt eine amtliche österreichische Stelle gemeint war.
5. Amtlicher Gebrauch ist nicht automatisch Adelsnachweis
Gerade der Fall Küffer zeigt sehr schön das methodische Problem: Der Name „Küffer von Asmannsvilla“ wurde offenkundig in amtlichen oder halbamtlichen Verzeichnissen geführt, etwa im militärischen Bereich. Das beweist den Gebrauch und eine gewisse amtliche Duldung, aber noch nicht die rechtliche Grundlage des Adels.
Im k. k. bzw. k. u. k. Militärbereich finden sich immer wieder Familien, deren Adelsführung später schwer oder gar nicht mit einem Nobilitierungsakt zu unterlegen ist. Im Thread wurde dazu der Begriff „Ranglistenadel“ verwendet. Dieser Begriff ist nicht amtlich, beschreibt aber das Phänomen recht gut: Ein Name steht in Ranglisten, Schematismen oder Standesverzeichnissen mit „von“, „Ritter“ oder ähnlichen Formen, ohne dass sich bisher eine einwandfreie Verleihung, Bestätigung oder Anerkennung nachweisen lässt.
Für Preußen wurde im Thread auf ähnliche Erscheinungen verwiesen. Dort bestanden enge Kontakte zwischen Verlag Mittler & Sohn, Geheimer Kriegskanzlei und Heroldsamt; dennoch finden sich auch dort Offiziere mit adeliger Namensform ohne klaren Nachweis. Für Österreich ist der Fall noch reizvoller, weil das Innenministerium zwar Adelsanmaßungen verfolgte, die Praxis aber offenbar nicht jede zweifelhafte Führung verhindern konnte.
6. Zur Frage der „Ersitzung des Adels“
Im Zusammenhang mit solchen Fällen wird häufig auf die „Ersitzung des Adels“ verwiesen. Diese ist aber nicht ohne weiteres auf Österreich übertragbar. Für Preußen und Bayern gibt es in der Literatur Hinweise auf rechtliche Konstruktionen, die als Ersitzung gedeutet werden können. Für Österreich ist hingegen Vorsicht geboten: Langjähriger unbeanstandeter Gebrauch allein ist kein vollwertiger Ersatz für einen Adelsakt.
Für die Familie Küffer wäre daher zu unterscheiden:
7. Arbeitsbefund für ein Adelslexikon
Bis zum Auffinden eines tragfähigen Adelsaktes würde ich die Familie vorsichtig etwa so führen:
Als interner Vermerk wäre sinnvoll:
8. Offene Fragen an das Forum
9. Quellen und bisher genannte Literatur
Vorläufiges Fazit
Die Familie Küffer von Asmannsvilla ist kein einfacher Fall einer klar dokumentierten Nobilitierung. Vielmehr treffen hier mehrere Ebenen aufeinander: ein früher amtlicher bzw. gesellschaftlicher Gebrauch des Ritterstandes, militärische Ranglisten- und Schematismeneinträge, adeliges Konnubium, eine bei Vavřínek übernommene Bestätigung aufgrund eines angeblichen Stammbaums, später stark ausgeweitete Namensformen mit „Conti“ bzw. „Breteuil-Conti“ und schließlich eine ausgesprochen scharfe Kritik Friedrich Graf Lanjus’.
Gerade deshalb wäre der Fall genealogisch und adelsrechtlich sehr lohnend. Entscheidend bleibt die Frage: Gibt es irgendwo den angeblichen Anerkennungs- oder Bestätigungsakt, oder beruht die ganze Konstruktion letztlich auf einer vorgelegten, aber nie wirklich geprüften genealogischen Ableitung?
Ich möchte hier die bisher zusammengetragenen Hinweise zur Familie Küffer von Asmannsvilla, später auch Küffer von Asmannsvilla-Conti bzw. Küffer von Asmannsvilla-Breteuil-Conti, geordnet zur Diskussion stellen.
Die Familie tritt seit dem frühen 19. Jahrhundert in Böhmen bzw. Österreich mit dem Adelspartikel „von“ auf. In späteren Quellen begegnen Formen wie „Ritter Küffer von Asmannsvilla“, „Ritter Küffer von Asmannsvilla-Conti“ und vereinzelt auch die noch weiter ausgeschmückte Variante „Asmannsvilla-Breteuil-Conti“. Trotz dieses durchaus selbstbewussten Namensgebrauchs scheint bislang kein wirklich belastbarer Adelsakt bekannt zu sein. Gerade deshalb ist die Familie ein interessantes Beispiel für die Grauzone zwischen amtlicher Duldung, gesellschaftlicher Anerkennung, genealogischer Konstruktion und möglicher Adelsanmaßung.
1. Der Befund bei Vavřínek 2008
Im zweiten Band des Almanachs von Vavřínek, 2008, erscheint die Familie unter:
„Küffer z Asmannsvilla“
Die dortige Darstellung ist bemerkenswert, weil sie zwar einen Ritterstand behauptet bzw. voraussetzt, aber keine eigentlichen Nobilitierungsdaten mitteilt. Der Text lautet sinngemäß übersetzt:
Das Geschlecht sei wahrscheinlich rheinischen oder französischen Ursprungs. Jan Petr sei zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Prag gekommen, und zwar in Diensten des Erzbischofs Wilhelm Florentin Fürst Salm-Salm. Auf Grundlage des vorgelegten Stammbaums bzw. der vorgelegten Abstammungsnachweise sei ihm der Ritterstand bestätigt worden.
Auffällig ist hier die Formulierung: bestätigt, nicht „verliehen“. Es wird also keine neue Nobilitierung behauptet, sondern eine Anerkennung aufgrund eines vorgelegten genealogischen Nachweises. Gerade dieser angebliche Nachweis wäre der entscheidende Punkt: Wo liegt er? Welche Behörde bestätigte den Ritterstand? Gibt es dazu einen Akt im österreichischen Adelsarchiv, in böhmischen Gubernialakten, bei der Hofkanzlei oder im Archiv des Prager Erzbistums?
Noch auffälliger: In dem Vavřínek-Auszug erscheint nur „z Asmannsvilla“, nicht aber „Conti“ oder gar „Breteuil-Conti“. Diese späteren Zusätze sind daher gesondert zu untersuchen.
2. Wappen nach dem beigefügten Vavřínek-Auszug
Der tschechische Text beschreibt das Wappen wie folgt:
Gevierteter Schild mit blauem Herzschild, darin ein goldener Adler. In Feld 1 und 4 in Gold auf silbernem Dreiberg ein grüner Ährenhalm bzw. grüner Halm. In Feld 2 und 3 in Schwarz ein nach links gewendeter goldener Löwe. Gekrönter Turnierhelm mit schwarz-goldenen Decken. Kleinod: ein goldenes und ein silbernes Büffelhorn.
Blasonierung in deutscher Fassung:
Geviert, mit blauem Herzschild, darin ein goldener Adler. Feld 1 und 4 in Gold auf silbernem Dreiberg ein grüner Ährenhalm bzw. grüner Halm; Feld 2 und 3 in Schwarz ein nach links gewendeter goldener Löwe. Auf dem Schild ein gekrönter Turnierhelm mit schwarz-goldenen Decken; als Kleinod zwei Büffelhörner, eines golden, eines silbern.
Anmerkung: Die Formulierung „grüner Halm/Ährenhalm“ folgt dem tschechischen „zelený klas“. Die Abbildung wirkt etwas stilisiert; bei einer endgültigen Blasonierung wäre zu prüfen, ob tatsächlich eine Ähre, ein Getreidehalm oder allgemein ein Pflanzenstängel gemeint ist.
3. Genealogische Angaben nach Vavřínek, geordnet
Jan Petr Ritter Küffer z Asmannsvilla
* 25.12.1767
† 24.04.1854, begraben in Břevnov
Hofrat und Direktor der erzbischöflichen Kanzlei in Prag
oo Týn nad Vltavou 1800
Jana Františka Walcherová
* Týn nad Vltavou 20.04.1783
† Prag 29.01.1850, begraben in Břevnov
Kinder:
1. Rudolf Küffer z Asmannsvilla
* Prag 30.07.1802
† 28.01.1872
k. k. Finanzrat
oo Trient 1828
Terezie Mussacková
* Trient 24.01.1808
† Prag 26.08.1881
Kinder Rudolfs:
1.1. Albert Küffer von Asmannsvilla
* Trient 25.01.1837
† Wien 14.03.1918
k. k. Generalmajor bzw. Titular-Generalmajor
oo 29.04.1871
Beatrice Hosseková
* 1848
† 14.04.1920
Dieser Albert ist auch in der gedruckten bzw. digitalisierten militärischen Überlieferung nachweisbar. Die ÖStA-Generalsliste führt ihn als „Küffer von Asmannsvilla, Albert Ritter“, geboren 25.01.1837, gestorben 13.03.1918, 1899 pensioniert, 15.06.1908 Titular-Generalmajor. Die Abweichung beim Todestag, 13.03. bzw. 14.03.1918, wäre anhand von Sterbematrik bzw. Parte zu klären.
1.2. Ludovika Küffer z Asmannsvilla
* Trient 1845
† Prag 05.07.1917
oo Prag 05.07.1876
Karel Schwenk, Edler z Rheindorfu
* Prag 13.12.1834
† Prag 16.09.1896
k. k. Oberleutnant des Artillerieregiments Nr. 10
1.3. Bedřich Vilém / Friedrich Wilhelm Küffer z Asmannsvilla
* Trient 1846
† 01.06.1897
k. k. Oberstleutnant, Träger des Militär-Verdienstkreuzes, Offizier des serbischen Takovo-Ordens
oo Prag 1870
Adéla Bauerová
* Prag 1850
Kinder:
(1) Rudolf
(2) Alice
1.4. Václav Zikmund / Wenzel Sigmund Küffer z Asmannsvilla
* Brünn 1849
† 22.09.1872
Hörer/Student des landwirtschaftlichen Instituts in Děčín-Libverda
2. Marie Johanna Küffer z Asmannsvilla
* 1804
Aufseherin bzw. Verwalterin eines Waisenhauses auf dem Hradschin
oo 1822
Václav Zikmund Edler Morawetz
* Kutná Hora 16.11.1799
† Prag 11.06.1873
3. Ludovika Küffer z Asmannsvilla
* Prag 1805
4. Albert Küffer z Asmannsvilla
* Prag 08.07.1813
† Prag 23.08.1891, begraben in Břevnov
1836 Priesterweihe; 1858 Kanoniker des Prager Metropolitankapitels; 1872 Archidiakon; 1883 Dekan des Kapitels; 1873 Generalvikar der Prager Erzdiözese; 1878 päpstlicher Hausprälat; 1886 Komtur des Franz-Joseph-Ordens; Ritter des parmensischen Konstantinischen St.-Georgs-Ordens I. Klasse.
5. Vilemína / Wilhelmine Küffer z Asmannsvilla
* 09.01.1815
† 09.04.1899, begraben in Břevnov
oo
František Vilém / Franz Wilhelm Kosteletzky
* Brünn 13.03.1801
† Prag 19.08.1887, begraben in Břevnov
Dr. med., Professor der Botanik an der Prager Universität, Dekan des Professorenkollegiums der philosophischen Fakultät 1850/51 und 1857/58, Prorektor 1852/53, Rektor 1867/68, Direktor des Universitäts-Botanischen Gartens.
6. Eleonora Küffer z Asmannsvilla
* Prag 30.10.1820
† Prag 09.04.1894, begraben in Břevnov
Literaturangabe bei Vavřínek:
P. R. Pokorný: Heraldické památky na hřbitově u sv. Markéty v Břevnově, unveröffentlichter Vortrag.
4. Die Kritik Friedrich Graf Lanjus’
Besonders scharf äußerte sich Friedrich Graf Lanjus in seiner Rezension des Freiherrlichen Gotha 1938 über diese Familie. Nach dem im Ausgangsposting zitierten Wortlaut betrifft dies den bei Gemmingen auftretenden Albert Ritter Küffer von Asmannsvilla-Conti, gestorben 1934 in Gmunden. Lanjus verweist dabei auf Roman Freiherr von Procházkas Werk Meine 32 Ahnen und ihre Sippenkreise und sieht die dortigen Ausführungen offensichtlich als genealogisch höchst problematisch an.
Der Kern der Kritik: Die Familie Küffer sei mit dem niederösterreichischen Herrengeschlecht von Kueffarn/Kuffarn in Verbindung gebracht worden; dieses wiederum sei wegen Namensähnlichkeiten und älterer Verwechslungen mit den Kuenringern genealogisch überhöht worden. Von dort sei der Weg zu „Azzmanswiesen“ und dann zur lateinisch anmutenden Form „Asmannsvilla“ nicht weit gewesen. Dazu seien dann noch „Reichsritter“-Qualität und später französisch klingende Zusätze wie „Conti“ bzw. „Breteuil-Conti“ getreten.
Aus dem Ausgangszitat:
Die ganze Weisheit des „heraldischen Chefs“ beruht darauf, daß Küffer so ähnlich aussieht und klingt wie Kueffarn (Kuffarn/Bez. Krems/NÖ), von wo sich ein Herrengeschlecht nannte, dem ein Hadmar (1141–1186) angehört, der öfters mit den beiden gleichzeitigen Hadmars von Kuenring verwechselt wurde, was wieder zu der Annahme führte, die von Kueffarn seien ein Zweig der Kuenringer. Da letztere aber von Azzo von Azzmanswiesen abstammen, galt dieser auch als Ahnherr der von Kueffarn. Wenn man nun die Küffer zu deren Nachkommen machte, so lag es nahe, das „Ur“-Prädikat „Azzmanswiesen“ auszugraben und ihnen – „gebessert“ in „Asmannsvilla“ – beizulegen, samt dem Titel „Reichsritter“ [...]
Die Spitze gegen einen angeblichen „Adelsproben-Examinator und Chef der k. k. heraldischen Kammer“ ist wohl gerade als ironische Distanzierung zu lesen. Jedenfalls wäre zu klären, wer diese Person gewesen sein soll und ob damit überhaupt eine amtliche österreichische Stelle gemeint war.
5. Amtlicher Gebrauch ist nicht automatisch Adelsnachweis
Gerade der Fall Küffer zeigt sehr schön das methodische Problem: Der Name „Küffer von Asmannsvilla“ wurde offenkundig in amtlichen oder halbamtlichen Verzeichnissen geführt, etwa im militärischen Bereich. Das beweist den Gebrauch und eine gewisse amtliche Duldung, aber noch nicht die rechtliche Grundlage des Adels.
Im k. k. bzw. k. u. k. Militärbereich finden sich immer wieder Familien, deren Adelsführung später schwer oder gar nicht mit einem Nobilitierungsakt zu unterlegen ist. Im Thread wurde dazu der Begriff „Ranglistenadel“ verwendet. Dieser Begriff ist nicht amtlich, beschreibt aber das Phänomen recht gut: Ein Name steht in Ranglisten, Schematismen oder Standesverzeichnissen mit „von“, „Ritter“ oder ähnlichen Formen, ohne dass sich bisher eine einwandfreie Verleihung, Bestätigung oder Anerkennung nachweisen lässt.
Für Preußen wurde im Thread auf ähnliche Erscheinungen verwiesen. Dort bestanden enge Kontakte zwischen Verlag Mittler & Sohn, Geheimer Kriegskanzlei und Heroldsamt; dennoch finden sich auch dort Offiziere mit adeliger Namensform ohne klaren Nachweis. Für Österreich ist der Fall noch reizvoller, weil das Innenministerium zwar Adelsanmaßungen verfolgte, die Praxis aber offenbar nicht jede zweifelhafte Führung verhindern konnte.
6. Zur Frage der „Ersitzung des Adels“
Im Zusammenhang mit solchen Fällen wird häufig auf die „Ersitzung des Adels“ verwiesen. Diese ist aber nicht ohne weiteres auf Österreich übertragbar. Für Preußen und Bayern gibt es in der Literatur Hinweise auf rechtliche Konstruktionen, die als Ersitzung gedeutet werden können. Für Österreich ist hingegen Vorsicht geboten: Langjähriger unbeanstandeter Gebrauch allein ist kein vollwertiger Ersatz für einen Adelsakt.
Für die Familie Küffer wäre daher zu unterscheiden:
- Wurde ein älterer ausländischer Adel nach Österreich/Böhmen anerkannt?
- Gab es eine österreichische oder böhmische Adelsbestätigung?
- Gab es lediglich eine genealogische „Anerkennung“ aufgrund eines vorgelegten, aber fragwürdigen Stammbaums?
- Oder handelt es sich um einen gesellschaftlich und amtlich geduldeten, aber rechtlich nicht sauber belegten Gebrauch?
7. Arbeitsbefund für ein Adelslexikon
Bis zum Auffinden eines tragfähigen Adelsaktes würde ich die Familie vorsichtig etwa so führen:
Küffer von Asmannsvilla, später auch Küffer von Asmannsvilla-Conti bzw. Küffer von Asmannsvilla-Breteuil-Conti. Seit dem frühen 19. Jahrhundert in Böhmen/Österreich mit adeliger Namensform auftretende Familie, wahrscheinlich rheinischen oder französischen Ursprungs. Nach Vavřínek soll Jan Peter Küffer aufgrund eines vorgelegten Stammbaums der Ritterstand bestätigt worden sein; ein Nobilitierungs- oder Bestätigungsakt ist bislang nicht nachgewiesen. Amtlicher Gebrauch des Namens im k. k./k. u. k. Militärbereich ist belegt, insbesondere bei Albert Ritter Küffer von Asmannsvilla, Titular-Generalmajor. Die späteren Zusätze „Conti“ bzw. „Breteuil-Conti“ bleiben besonders erklärungsbedürftig.
Als interner Vermerk wäre sinnvoll:
Status: Adel bzw. Ritterstand behauptet/geführt; amtlicher Namensgebrauch nachweisbar; rechtliche Grundlage bisher ungeklärt.
Warnhinweis: keine gesicherte Nobilitierung oder Adelsbestätigung bekannt; genealogische Ableitung zu Kueffarn/Kuenring/Azzmanswiesen nach Lanjus stark problematisch.
8. Offene Fragen an das Forum
- Hat jemand den in der Zeitschrift Genealogie, Band 18, S. 106 ff. genannten Aufsatz zur Familie Küffer von Asmannsvilla vorliegen? Wer ist der Autor, und wie lautet der genaue Titel?
- Gibt es einen nachweisbaren Akt zum angeblichen Diplom vom 15.04.1805 in Wien? Falls ja: in welchem Bestand?
- Ist im Österreichischen Staatsarchiv, insbesondere im AVA-Adelsarchiv, in Hofkanzleiakten oder in böhmischen Gubernialakten ein Vorgang „Küffer“, „Kuffer“, „Küffer von Asmannsvilla“, „Asmannsvilla“ oder ähnlich nachweisbar?
- Woher stammt die bei Vavřínek erwähnte „vorgelegte Abstammung“? Ist dieser Stammbaum erhalten?
- Lässt sich die Herkunft Jan Peters, geboren 25.12.1767, tatsächlich im Rheinland oder in Frankreich nachweisen?
- Ist die Trauung Jan Peter Küffer – Jana Františka Walcherová, Týn nad Vltavou 1800, in den Matriken überprüfbar?
- Wann tritt erstmals der Zusatz „Conti“ auf? In einer Matrikel, in einem Militärakt, in einer Parte, in einem Taschenbuch oder erst in privater genealogischer Literatur?
- Wann und wodurch erscheint die erweiterte Form „Breteuil-Conti“?
- Gibt es noch Grabdenkmäler der Familie am Friedhof bei St. Margareta in Břevnov, und tragen sie das beschriebene Wappen?
- Kann jemand die Eheverbindungen mit Schwenk von Rheindorf, Hossek, Bauer, Morawetz, Kosteletzky, Gemmingen, Musach oder Mosweiller von Mos zu Weiler durch Matriken oder gedruckte Genealogien bestätigen?
9. Quellen und bisher genannte Literatur
- Vavřínek, Almanach 2008, Band II, Artikel „Küffer z Asmannsvilla“, S. 245–246; beigegebene Fotos mit Wappen und Genealogie.
- P. R. Pokorný: Heraldické památky na hřbitově u sv. Markéty v Břevnově, unveröffentlichter Vortrag; bei Vavřínek als Quelle genannt.
- Friedrich Graf Lanjus, Rezension des Freiherrlichen Gotha 1938; im Ausgangsposting zitiert.
- Roman Freiherr von Procházka: Meine 32 Ahnen und ihre Sippenkreise, Leipzig 1928.
- Genealogie, Band 18, S. 106 ff.; angeblich umfangreicher Aufsatz zur Familie Küffer von Asmannsvilla.
- Wiener Taschenbuch 1926, S. 350; dort offenbar Eheverbindungen mit Schwenk-Rheindorf, von Musach und Mosweiller von Mos zu Weiler.
- Antonio Schmidt-Brentano: Die k. k. bzw. k. u. k. Generalität 1816–1918, Österreichisches Staatsarchiv, dort: „Küffer von Asmannsvilla, Albert Ritter“.
- ÖStA-PDF: Die k. k. bzw. k. u. k. Generalität 1816–1918
- Hungaricana: Militär-Almanach und Schematismus 1791–1914
- Adelslexikon.com – Literaturquelle 43
- Adelslexikon.com – Literaturquelle 57
- Adelsrecht.de: Ersitzung des Adels
Vorläufiges Fazit
Die Familie Küffer von Asmannsvilla ist kein einfacher Fall einer klar dokumentierten Nobilitierung. Vielmehr treffen hier mehrere Ebenen aufeinander: ein früher amtlicher bzw. gesellschaftlicher Gebrauch des Ritterstandes, militärische Ranglisten- und Schematismeneinträge, adeliges Konnubium, eine bei Vavřínek übernommene Bestätigung aufgrund eines angeblichen Stammbaums, später stark ausgeweitete Namensformen mit „Conti“ bzw. „Breteuil-Conti“ und schließlich eine ausgesprochen scharfe Kritik Friedrich Graf Lanjus’.
Gerade deshalb wäre der Fall genealogisch und adelsrechtlich sehr lohnend. Entscheidend bleibt die Frage: Gibt es irgendwo den angeblichen Anerkennungs- oder Bestätigungsakt, oder beruht die ganze Konstruktion letztlich auf einer vorgelegten, aber nie wirklich geprüften genealogischen Ableitung?
"IN OMNIBUS ORDO"
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