Frölich, Grafen in Schweden – Herkunft aus Gersdorf in der Steiermark

Frölich, Grafen in Schweden – Herkunft aus Gersdorf in der Steiermark

4 Wochen 1 Tag her
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Liebe Mitforscher,
beim Ergänzen der Literatur zum schwedischen Adel bin ich im ersten Band von Wrangels Svenska Adelns Ättartaflor, S. 394, auf folgende Herkunftsangabe zur schwedischen Grafenfamilie Frölich gestoßen:
„Frölich. Grefliga ätten n:r 49. Greflig 1706 21/6; introducerad 1719. Äldste kände stamfadern, Didrik Frölich till Gersdorff i Steiermark, tillhörde en gammal tysk, adlig ätt. Hans sonson Hans Kristoffer tog 1630 anställning i konung Gustaf II Adolfs tjänst och stupade 1658 vid Kopenhamn.“
Nach den schwedischen genealogischen Angaben wäre der älteste bekannte Stammvater also ein Didrik/Dietrich Frölich „zu Gerdorf/Gersdorf in der Steiermark“, angeblich aus altem deutschem Adel. Sein Enkel Hans Christoffer Frölich soll 1602 auf Gerdorf geboren worden sein, 1630 in die Dienste Gustav II. Adolfs getreten und am 3. Dezember 1658 vor Kopenhagen gefallen sein. Aus seinem Sohn Carl Gustaf Frölich ging die schwedische gräfliche Linie Nr. 49 hervor; Naturalisation 1682, Introduktion 1683, Grafenstand 21. Juni 1706, Introduktion 1719.

Eine österreichisch-steirische Spur lässt sich tatsächlich finden, allerdings nicht ohne Fragen. Fritz Posch behandelt in seinem Aufsatz über Steirer in fremden Diensten die weststeirische Familie Frölich: Hans Frölich habe 1583 den Pramerhof zu Gersdorf bei Gams erworben; sein Sohn Hans Dietrich Frölich habe ihn 1602 an Georg Sigmund von Wildenstein verkauft, sei 1604 nach Mecklenburg emigriert, und dessen Sohn Hans Christoffer, 1602 noch in Gersdorf geboren, sei 1630 in schwedische Dienste getreten und 1658 vor Kopenhagen gefallen. Damit scheint die schwedische Tradition im Kern nicht aus der Luft gegriffen zu sein. Zu klären bleibt jedoch, ob mit „Gerdorf/Gersdorf in Steiermark“ wirklich Gersdorf bei Gams gemeint ist und nicht etwa ein anderes Gersdorf, etwa Gersdorf an der Feistritz.Besonders interessant ist die Wappenfrage. Das schwedische Wappen der Grafen Frölich scheint dem Herzschild nach auf die Frö(h)lich von und zu Frö(h)lichsburg aus Tirol zu verweisen. In der Fischnaler Wappenkartei finden sich mehrere einschlägige Einträge zu Frölich/Fröhlich von Fröhlichsberg bzw. Fröhlichsburg. Auch im ÖStA liegt ein Akt von 1691 vor: „Frölich von und zu Frölichsburg, Mathias, Franz, Balthasar, Brüder und ihr Vetter Johann Jakob, Bestätigung des ihren Voreltern verliehenen Adels, Wappens und Prädikates als rittermäßigen Adelsstandes, Wappenbesserung, Wien 26.5.1691“.

Damit ergeben sich zwei mögliche Deutungen:
  1. Die schwedischen Frölich stammen tatsächlich aus der weststeirischen Familie Frölich zu Gersdorf bei Gams; die spätere Wappenführung könnte im Zuge der schwedischen Naturalisation bzw. Standeserhöhung mit einer behaupteten oder angenommenen Verwandtschaft zu den Tiroler Frölich von Fröhlichsburg verbunden worden sein.
  2. Es bestand eine echte genealogische Verbindung zwischen der steirischen Familie Frölich zu Gersdorf und den Tiroler Frölich von Fröhlichsburg, die jedoch in den bisher herangezogenen Quellen noch nicht sauber nachgewiesen ist.
Gegen eine einfache Gleichsetzung spricht, dass der alte Siebmacher 1703, Band 5, Tafel 66, eine steiermärkische Familie Frölich mit offenbar anderem Wappen zeigt. Das müsste gegen die schwedische Wappenführung und gegen das Tiroler Frölichsburg-Wappen genau verglichen werden.Zusätzlich fällt auf, dass die Tiroler bzw. bayerischen Frölich von Frölichsburg ihre einschlägige Wappenbestätigung bzw. Wappenbesserung 1691/1692 erhielten – also zeitlich nahe an der schwedischen Naturalisation der Frölich. Ob Wien damals von der schwedischen Wappenführung wusste oder ob hier unabhängig voneinander auf eine ältere Wappentradition zurückgegriffen wurde, bleibt offen.

Vorläufiger Befund
Eine Frölich-Familie in Gersdorf bei Gams ist für die Zeit um 1583–1602 nachweisbar. Die Verbindung Hans Frölich – Hans Dietrich Frölich – Hans Christoffer Frölich passt bemerkenswert gut zur schwedischen Tradition. Nicht ausreichend gesichert erscheint mir dagegen bisher die Aussage, es habe sich um eine „alte deutsche adelige Familie“ gehandelt, ebenso wenig die genealogische Verbindung zu den Tiroler Frölich von und zu Fröhlichsburg.

Offene Fragen
  1. Gibt es steirische Landtafel-, Gült- oder Lehnsakten, die Hans Frölich bzw. Hans Dietrich Frölich zu Gersdorf ausdrücklich als adelig oder landständisch ausweisen?
  2. Ist der bei Wrangel/Elgenstierna genannte „Didrik Frölich“ mit Hans Dietrich Frölich, dem Verkäufer des Pramerhofes 1602, identisch – oder wurde in der schwedischen Überlieferung eine zusätzliche Generation eingeschoben?
  3. Gibt es einen urkundlichen Nachweis für die Ehe Hans Dietrich Frölichs mit Catharina von Othen aus Kärnten, wie sie in der schwedischen Genealogie erscheint?
  4. Ist Hans Christoffer Frölichs Geburt 1602 in Gersdorf in einer steirischen Matrikel oder in einem Herrschafts-/Gültakt nachweisbar, oder beruht diese Angabe ausschließlich auf schwedischer bzw. späterer Literatur?
  5. Enthalten die schwedischen Naturalisation- oder Introduktionsakten von 1682/1683 eine Begründung oder Beilage zur österreichisch-steirischen Herkunft und zur Wappenführung?
  6. Lässt sich das schwedische Frölich-Wappen mit dem Tiroler Frölichsburg-Wappen heraldisch vollständig decken, oder betrifft die Übereinstimmung nur Herzschild bzw. einzelne Bestandteile?
  7. Gibt es in den Reichsadelsakten oder Tiroler Adelsmatrikeln Hinweise, dass die Frölich von Fröhlichsburg eine steirische Nebenlinie oder Verwandtschaft in Gersdorf/Gams hatten?
Quellen und Hinweise
Wrangel, Svenska Adelns Ättartaflor, Bd. 1, S. 394.Adelsvapen-Wiki, „Frölich nr 49“: www.adelsvapen.com/g...lich_nr_49
"IN OMNIBUS ORDO"

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