Generalmajor Joseph Stika von Passeka (1768?–1832)

Generalmajor Joseph Stika von Passeka (1768?–1832)

1 Monat 13 Stunden her - 1 Monat 13 Stunden her
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Generalmajor Joseph Stika von Passeka (1768?–1832) – Herkunft und Anschluss an die Familie Štika z Paseky

Liebe Freunde,

ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit den mir bekannten Adels- und Wappenverleihungen durch böhmische Hofpfalzgrafen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der Herkunft des österreichischen Generalmajors Joseph beziehungsweise Josef Stika von Passeka und nach seinem genealogischen Anschluss an die im 17. Jahrhundert geadelte Familie Štika z Paseky.

Die Adelserhebung von 1648
Nach den bisher vorliegenden Angaben wurde Martin Štika, Verwalter des Schlosses Neuhaus – heute Jindřichův Hradec –, am 12. August 1648 durch Wilhelm Slawata von Chlum und Koschumberg in den Adelstand erhoben und erhielt dabei ein Prädikat und Wappen.
Martin Štika soll zu diesem Zeitpunkt bereits seit 24 Jahren in den Diensten Slawatas gestanden haben.
Die gelegentlich anzutreffende Bezeichnung der Familie als „altböhmisches Rittergeschlecht“ erscheint allerdings zumindest erläuterungsbedürftig. Sofern sich kein älterer Adelsnachweis finden lässt, dürfte die nachweisbare adelige Geschichte der Familie erst mit der Erhebung Martins im Jahre 1648 beginnen. Eine Familie des 17. Jahrhunderts kann zwar zweifellos als altes böhmisches Adelsgeschlecht bezeichnet werden; die Formulierung „alt-böhmisches Rittergeschlecht“ könnte aber den Eindruck einer wesentlich weiter zurückreichenden ritterständischen Herkunft erwecken.
Auch der Almanach českých šlechtických a rytířských rodů 2021 enthält einen Eintrag zur Familie Štika z Paseky beziehungsweise Stika von Passeka. Von besonderem Interesse wären die dort verwendeten Quellen und die enthaltene Stammfolge.

Generalmajor Joseph Stika von Passeka
Der gesuchte Generalmajor erscheint in den Quellen mit unterschiedlichen Schreibweisen:
  • Joseph oder Josef Stika von Passeka
  • Stika von Paseka
  • Štika z Paseky
  • Stika de Passeka
Seine militärische Laufbahn lässt sich in groben Zügen rekonstruieren:
  • spätestens 1814 Oberst und Kommandant des Infanterieregiments Nr. 15,
  • noch in den folgenden Jahren als Oberst dieses Regiments nachweisbar,
  • Beförderung zum Generalmajor 1826, wobei als Rangdatum auch der 23. Februar 1824 genannt wird,
  • 1827 Brigadier in Podgórze in Galizien,
  • 1828 Brigadier in Wien,
  • spätestens 1829 Festungskommandant und Brigadier in Salzburg,
  • Pensionierung am 9. März 1832,
  • Tod in Salzburg im August 1832.
Nach dem verlinkten Sterbeeintrag der Salzburger Dompfarre starb er am 3. August 1832 als pensionierter Generalmajor. Das bei Antonio Schmidt-Brentano angeführte Datum 13. August 1832 dürfte daher auf einem Lese-, Abschreib- oder Druckfehler beruhen.
Sterbeeintrag der Salzburger Dompfarre: data.matricula-onlin...TBV/?pg=65
Leider enthält der Sterbeeintrag offenbar weder einen Geburtsort noch ein genaues Geburtsdatum. Auch Schmidt-Brentano konnte solche Angaben nicht ermitteln.

Eine historische Untersuchung aus dem Jahre 1984 nennt ihn jedoch ausdrücklich als:
Josef Stika von Passeka, 1768–1832
Diese bislang wichtigste Spur würde das Geburtsjahr auf ungefähr 1768 eingrenzen. Die Angabe scheint im Zusammenhang mit einer Archivalie des Oberösterreichischen Landesarchivs zu stehen, vermutlich OÖLA, F 8/21, fol. 891. Zu prüfen wäre, ob diese Akte lediglich das Alter beziehungsweise Geburtsjahr nennt oder auch den Geburtsort enthält.

Fundstelle:  www.ooegeschichte.at...0214_f.pdf
Schmidt-Brentano:  www.oesta.gv.at/dam/...6-1918.pdf

Die Adelsbestätigung von 1833
Am 15. September 1833 ließ seine Witwe Josephine Stika von Passeka für sich und ihre vier Töchter den Adel bestätigen.
Der entsprechende Akt befindet sich im Österreichischen Staatsarchiv unter: 
AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 952.11 Stika von Passeka, Josephine, Witwe, und ihre vier Töchter, Adelsbestätigung, 1833
www.archivinformatio...id=4391821

Dieser Akt dürfte für die weitere Forschung die wichtigste Quelle darstellen. Möglicherweise enthält er:
  • Taufscheine oder Geburtsangaben der Töchter,
  • den Trauschein der Eltern,
  • Angaben über Herkunft und Geburtsort des Generalmajors,
  • militärische Dienstzeugnisse,
  • eine Abschrift oder Bestätigung des Adelsbriefes von 1648,
  • eine genealogische Darstellung des behaupteten Anschlusses an Martin Štika,
  • Namen und Wohnorte weiterer Familienmitglieder.
Im Akt befindet sich außerdem eine spätere Anfrage aus dem Jahre 1887 von Ilka Freiin Karg von Bebenburg, die offenbar eine amtliche Bestätigung über die im Adelsarchiv vorhandenen Nachweise der Familie benötigte. Auch daraus könnten sich genealogische Anhaltspunkte ergeben.

Die vier Töchter
Ein privater Online-Stammbaum nennt als Tochter des Generalmajors:Gabriele Cölestine Stika von Passeka, geboren um 1818, gestorben 1868, verheiratet mit Moritz beziehungsweise Moses Gabriel Fischhof.

Daneben werden als Schwestern Natalie, Ottona und Katharina genannt. Katharina soll später den Namen von Benitzky geführt haben.
www.geni.com/people/...6814132436

Die Übereinstimmung von genau vier genannten Töchtern mit dem Adelsbestätigungsakt von 1833 ist auffällig. Da es sich bei Geni jedoch um einen nutzergenerierten Stammbaum handelt, wären sämtliche Angaben durch Tauf-, Trauungs- oder Sterbematriken sowie durch den Adelsakt zu bestätigen.

Besonders hilfreich wäre es, die Geburts- und Taufeinträge dieser vier Töchter zu ermitteln. In ihnen könnten Alter, Rang, Regiment, Garnisonsort oder Herkunft des Vaters angegeben sein. Da Joseph Stika von Passeka vor seiner Verwendung in Salzburg an verschiedenen Orten der Monarchie stationiert war, müssen die Töchter allerdings nicht in Salzburg geboren worden sein.

Möglicher Anschluss an die Berauner LinieIm böhmischen Almanach wird unter anderem Franz Wenzel Štika z Paseky genannt:
  • geboren am 18. September 1685 in Prag,
  • Primator von Beraun,
  • gestorben am 28. November 1723 in Beraun.
Das mitunter genannte Todesdatum 8. November 1723 soll nach dem Matrikenbefund zu berichtigen sein.Von Franz Wenzel sind Nachkommen bekannt. Als möglicher Angehöriger dieser Linie kommt ein Enkel namens:
Johann Joseph Franz Štika von Paseky, geboren am 3. Dezember 1753 in Beraun, in Betracht.
Ursprünglich erschien denkbar, dass dieser Johann Joseph Franz mit dem späteren Generalmajor identisch sein könnte. Die inzwischen aufgefundene Angabe 1768–1832 spricht jedoch deutlich dagegen. Bei einer Geburt im Jahre 1753 wäre er bei seiner Beförderung zum Generalmajor bereits etwa 71 Jahre alt gewesen und bei seinem Tod fast 79 Jahre alt.
Das wäre zwar nicht völlig ausgeschlossen, passt aber nur schwer zu der belegten aktiven Verwendung als Brigadier und Festungskommandant bis kurz vor seiner Pensionierung.

Der 1753 geborene Johann Joseph Franz sollte daher vorerst nicht als Generalmajor identifiziert werden. Möglich bleibt jedoch, dass Joseph Stika von Passeka aus einer jüngeren Generation oder einer Seitenlinie derselben Berauner Familie stammte.

Antonia Waclawiczek, geborene Stika de Passeka
Eine weitere mögliche Angehörige der Familie ist Antonia Waclawiczek, geborene Stika de Passeka, deren Sterbeeintrag sich 1825 in Načeradec findet:  ebadatelna.soapraha.cz/d/9410/37

Noch ungeklärt ist:
  • wie alt Antonia bei ihrem Tod war,
  • wer ihr Ehemann war,
  • wo sie geboren wurde,
  • ob ihre Eltern im Eintrag genannt werden,
  • ob sie eine Schwester, Tante oder sonstige Verwandte des Generalmajors gewesen sein könnte.
Eine vollständige Lesung und Übersetzung dieses Eintrags wäre daher sehr willkommen.

Procházka
Ein weiterer Hinweis findet sich offenbar bei Roman Freiherr von Procházka, Meine zweiunddreißig Ahnen und ihre Sippenkreise, Seite 415 (siehe Anhang).
Gerade wegen seiner häufig weitreichenden genealogischen Verknüpfungen wäre eine genaue Überprüfung der Angaben erforderlich.

Vorläufiges Ergebnis
Derzeit lässt sich Folgendes festhalten:
  1. Die adelige Familie geht nach den bisherigen Angaben auf den 1648 geadelten Schlossverwalter Martin Štika zurück.
  2. Generalmajor Joseph Stika von Passeka starb 1832 in Salzburg.
  3. Das wahrscheinlich richtige Todesdatum ist der 3. August 1832.
  4. Eine quellennahe Sekundärangabe nennt als Lebensdaten 1768–1832.
  5. Damit ist eine Identität mit dem 1753 in Beraun geborenen Johann Joseph Franz Štika eher unwahrscheinlich.
  6. Josephs Witwe Josephine und ihre vier Töchter erhielten am 15. September 1833 eine österreichische Adelsbestätigung.
  7. Der genealogische Anschluss des Generalmajors an die 1648 geadelte Familie ist weiterhin nicht bewiesen.
Offene Fragen
Kann jemand folgende Punkte ergänzen oder überprüfen?
  1. Hat jemand Zugang zum Adelsakt AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 952.11?
    Enthält er Geburts-, Heirats- oder Herkunftsnachweise des Generalmajors sowie die Namen und Lebensdaten seiner vier Töchter?
  2. Kann jemand die Angabe „1768–1832“ anhand der vermutlich zugrunde liegenden Archivalie OÖLA F 8/21, fol. 891 überprüfen?
    Wird dort ein genauer Geburtsort oder ein vollständiges Geburtsdatum genannt?
  3. Besitzt jemand den Almanach českých šlechtických a rytířských rodů 2021?
    Welche Stammfolge und welche Quellen werden im Eintrag Štika z Paseky beziehungsweise Stika von Passeka angegeben?
  4. Kann jemand den Eintrag bei Procházka, Meine zweiunddreißig Ahnen und ihre Sippenkreise, Seite 415, vollständig wiedergeben oder zusammenfassen?
  5. Existieren im Wiener Kriegsarchiv Conduitelisten, Musterlisten oder Personalakten des Generalmajors?
    Solche Unterlagen sollten normalerweise Alter, Geburtsort, Religion, Eintritt in den Militärdienst und frühere Regimenter nennen.
  6. Lassen sich die Taufeinträge der vier Töchter ermitteln?
    Besonders gesucht werden Gabriele Cölestine, Natalie, Ottona und Katharina Stika von Passeka.
  7. Kann jemand den Sterbeeintrag der Antonia Waclawiczek, geborene Stika de Passeka, vollständig entziffern und genealogisch einordnen?
  8. Gibt es einen urkundlichen Beleg für die Bezeichnung „altböhmisches Rittergeschlecht“ vor 1648, oder handelt es sich dabei um eine spätere Ausschmückung der Familiengeschichte?
Für jeden Hinweis, insbesondere zu Geburtsort und Eltern des Generalmajors sowie zu den Nachweisen im Adelsbestätigungsakt von 1833, wäre ich sehr dankbar.

 
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