Die Zanna von Santa Trinità und Königstein

Die Zanna von Santa Trinità und Königstein

4 Wochen 1 Tag her - 4 Wochen 1 Tag her
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Die Zanna von Santa Trinità und Königstein – ein Ampezzaner Adelsgeschlecht
Ein besonders interessantes Geschlecht des historischen Tiroler Raumes sind die Zanna von Santa Trinità und Königstein, italienisch meist de Zanna di Santissima Trinità e Pietra Reale genannt. Die Familie stammt aus Ampezzo, dem heutigen Cortina d’Ampezzo, das bis 1918 zur gefürsteten Grafschaft Tirol gehörte.
Die unterschiedlichen deutschen, italienischen und lateinischen Namensformen lauten unter anderem:
  • Zanna von Santa Trinità und Königstein
  • Zanna von S. Trinità und Königstein
  • de Zanna di Santissima Trinità e Pietra Reale
  • de Zanna in Santissima Trinitate et Petra reali
  • Zanna von Heiliger Dreifaltigkeit und Königstein
„Pietra Reale“ wurde dabei im Deutschen mit „Königstein“ wiedergegeben.

Frühe Nachrichten und Adelserhebungen
Die Familie Zanna ist in Ampezzo bereits im 15. Jahrhundert nachweisbar. In einer lokalhistorischen Untersuchung wird für das Jahr 1472 eine „donna Zanna“ erwähnt.
Für Pietro de Zanna wird eine ältere Adels- beziehungsweise Wappenverleihung durch Kaiser Ferdinand I. aus dem Jahr 1559 überliefert. Dieser Vorgang scheint allerdings nur aufgrund späterer Abschriften bekannt zu sein und sollte daher noch anhand der ursprünglichen Quelle überprüft werden. Auch die Fischnaler-Wappenkartei der Tiroler Landesmuseen verzeichnet einen Eintrag „Zana, Konigstein (1559)“.

Von besonderer Bedeutung war:
Giovanni Maria de Zanna, Jurist, öffentlicher Notar, Holzhändler und Kanzler der Gemeinde Ampezzo.Er erhielt von Kaiser Leopold I. den Adel beziehungsweise die Bestätigung eines bereits bestehenden Adels mit dem Prädikat:„di Santa Trinità e Pietra Reale“

Nach einer lokalhistorischen Veröffentlichung datiert das Originaldiplom vom 3. Januar 1692. In anderen genealogischen und heraldischen Zusammenstellungen wird dagegen der 1. März 1692 genannt. Welche Datierung richtig ist, müsste durch Einsicht in das Originaldiplom geklärt werden.

Am 24. Juli 1692 wurde Giovanni Maria de Zanna außerdem zum Hauptmann der Tiroler Landmilizkompanie von Ampezzo bestellt. In der deutschsprachigen Ernennungsurkunde soll er als „Johann Maria de Zanna von Hl. Dreyfaltigkeit und Königstein“ bezeichnet worden sein.

Im Jahr 1705 soll die Familie als „Zanna von S. Trinità und Königstein“ in die Tiroler Adelsmatrikel aufgenommen worden sein.
Das Bauvorhaben Giovanni Maria de ZannasUm 1694 ließ Giovanni Maria de Zanna bei Minel in Ampezzo einen repräsentativen, befestigten Ansitz errichten. Das Bauwerk war offenbar mit Mauern, Türmen und einem Graben geplant und wurde von der örtlichen Gemeinschaft als eine Art Schlossbau wahrgenommen.
Die Gemeinde Ampezzo widersetzte sich jedoch dem Vorhaben. Am 18. August 1696 wurde die Einstellung der Arbeiten angeordnet. Hintergrund dürfte die besondere Verfassung der Talgemeinschaft gewesen sein, die keine bevorrechtete Stellung einzelner adeliger Familien innerhalb der Gemeinde dulden wollte.
Erhalten beziehungsweise später wiederhergestellt wurde die zur Anlage gehörende Kapelle zur Heiligsten Dreifaltigkeit. Die Stiftung der Familienkapelle wurde 1707 urkundlich geregelt.
Die unvollendete Schlossanlage wurde während der Kämpfe des Jahres 1809 von italienisch-französischen Truppen niedergebrannt. Damals führte ein Ignazio de Zanna ein örtliches Aufgebot gegen die französischen und verbündeten Truppen.

Weitere Angehörige
Zu den bekannten Angehörigen der Familie gehörte:Leopoldo de Zanna, *1721, † 1787, Propst des Augustiner-Chorherrenstiftes Neustift bei Brixen.
Sein Wappen ist auf einem Grab- beziehungsweise Erinnerungsstein überliefert und bietet einen wichtigen Anhaltspunkt für die spätere Form des Familienwappens.
In neuerer Zeit werden unter anderem genannt:
  • Luigi de Zanna, Künstler,
  • Angelo de Zanna, Bürgermeister von Cortina d’Ampezzo von 1943 bis 1946 und Vertreter der traditionellen „Regole“,
  • Illuminato de Zanna.
Noch in einer 1992 veröffentlichten Untersuchung war von etwa zehn Familien des Namens de Zanna in Ampezzo die Rede. Ob sämtliche heute Namen tragenden Familien genealogisch in direkter männlicher Linie auf den historischen Adelsträger zurückgeführt werden können, wäre allerdings noch zu untersuchen.

Spätere Adelsanerkennungen und ein Entsetzungsverfahren
Nach den genealogischen und archivalischen Repertorien werden folgende weitere Vorgänge genannt:
  • 14. Juni 1836, Wien: österreichische Adelsanerkennung für Josef Franz Anton Zanna;
  • 1847: österreichische Adelsentsetzung beziehungsweise ein entsprechendes Verfahren gegen Ignaz von Zanna;
  • 12. März 1931: italienische Adelsanerkennung für Angelo de Zanna di Santissima Trinità e Pietra Reale.
Gerade die Angabe von 1847 bedarf einer genaueren Überprüfung. Zu klären wäre, ob tatsächlich eine förmliche Entziehung des Adels vorlag, ob sie nur Ignaz von Zanna persönlich betraf oder ob es sich um ein Verfahren wegen einer bestimmten Form der Adels- oder Prädikatsführung handelte.Auch für die italienische Anerkennung von 1931 wäre die genaue Bezeichnung des Dekrets beziehungsweise der königlichen Anerkennung festzustellen.

Das Wappen
Die Überlieferung des Wappens ist nicht ganz einheitlich. Offenbar existieren eine ältere beziehungsweise verkürzt wiedergegebene Form und ein später wesentlich erweitertes Familienwappen.Vereinfachte, dem Jahr 1692 zugeschriebene FormUnter einem Schildhaupt mit einer auffliegenden Taube ein gevierter Schild:
  1. in Silber ein roter Turm mit schwarzen Fensteröffnungen;
  2. in Rot ein silberner Turm mit schwarzen Fensteröffnungen;
  3. und 4. von Silber und Rot gespalten, darin pfahlweise zwei Rosen in verwechselten Farben.
Die zugehörige Helmzier ist in dieser verkürzten Beschreibung nicht angegeben.
Ob diese Darstellung tatsächlich vollständig dem Diplom von 1692 entspricht oder lediglich eine vereinfachte Wiedergabe darstellt, bleibt zu prüfen.

Spätere beziehungsweise ausführlichere Form
Geviert mit einem in die untere Schildhälfte verschobenen Mittelschild. Der Mittelschild ist schrägrechts von Rot und Silber geteilt. Auf der Teilung liegt ein Patriarchenkreuz in verwechselten Farben; darüber und darunter befinden sich jeweils drei kleine dreizackige Kronen, ebenfalls in verwechselten Farben. Die Felder 1 und 2 zeigen in Silber beziehungsweise Rot je einen Torturm in verwechselten Farben. Der Spalt zwischen den beiden Feldern ist mit einem Patriarchenkreuz in verwechselten Farben belegt.
Die Felder 3 und 4 sind von Silber und Rot gespalten und am Spalt jeweils mit einem Patriarchenkreuz in verwechselten Farben belegt. Feld 3 enthält zusätzlich kleine Rosen, Feld 4 kleine heraldische Lilien.Über dem Schild stehen zwei gekrönte Turnierhelme. Auf jedem Helm erscheint ein wachsender silberner Greif, die beiden Greifen einander zugewendet. Zwischen den Helmen erhebt sich am oberen Schildrand ein silberner Torturm.

Auf dem Wappen des Propstes Leopoldo de Zanna sind insbesondere die beiden Türme, die Taube, die Patriarchenkreuze, Rosen, Lilien und der Mittelschild erkennbar.
Für eine verbindliche Blasonierung wären jedoch farbige Abbildungen oder Fotografien der Diplome von 1559 und 1692 notwendig.

Das Familienwappen im Ortsbild von Cortina
Das Wappen der Familie de Zanna befindet sich gemeinsam mit zahlreichen weiteren Wappen alter Ampezzaner Familien auf einer historischen Hausfassade an beziehungsweise nahe der heutigen Piazza Angelo Dibona in Cortina d’Ampezzo.Dort finden sich unter anderem Wappen beziehungsweise Namen der Familien:
  • de Begontina,
  • Mignielli,
  • Alverà,
  • Gaspari,
  • Zangrandi,
  • Costantini,
  • Franceschi,
  • Colli beziehungsweise Colle,
  • Fabrizi,
  • Girardi
  • und de Zanna.
Noch zu klären wäre, ob es sich bei der fotografierten Fassade genau um den Comùn Vècio, das alte Gemeindehaus, oder um die Ciasa de ra Regoles handelt. Beide Gebäude stehen in enger Verbindung mit der Geschichte und den heraldischen Traditionen der Talgemeinschaft.Cortina d’Ampezzo und sein Ortszentrum dienten 1981 als Drehort für den James-Bond-Film „In tödlicher Mission“, Originaltitel For Your Eyes Only. Ob gerade die betreffende Wappenfassade in einer konkreten Filmszene deutlich zu erkennen ist, müsste noch durch einen Vergleich mit dem Film überprüft werden.

 

Offene Fragen
  1. Besitzt jemand eine Abbildung oder vollständige Transkription der Adels- beziehungsweise Wappenverleihung für Pietro de Zanna von 1559?
  2. Kann anhand des Originaldiploms von 1692 geklärt werden, ob die Verleihung beziehungsweise Adelsbestätigung am 3. Januar oder am 1. März 1692 erfolgte?
  3. Handelte es sich 1692 um eine erstmalige Erhebung in den erbländisch-österreichischen Adel oder um die Bestätigung eines bereits 1559 erworbenen Adels?
  4. Liegt jemandem der Eintrag der Familie in der Tiroler Adelsmatrikel von 1705 als Abbildung oder vollständige Abschrift vor?
  5. Welchen genauen Inhalt haben die Akten AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 1109.25 und AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 1109.26?
  6. Was war der rechtliche Anlass für die sogenannte Adelsentsetzung des Ignaz von Zanna im Jahr 1847? War sie eine persönliche Strafe oder hatte sie Auswirkungen auf weitere Familienangehörige?
  7. Durch welchen italienischen Rechtsakt wurde Angelo de Zanna am 12. März 1931 anerkannt? Existieren ein königliches Dekret, ein Ministerialakt oder entsprechende Regie Lettere Patenti?
  8. Hat jemand eine farbige Abbildung des Wappens aus dem Diplom von 1692, aus der Schildhaupt, Taube, Helmdecken und Helmzier eindeutig hervorgehen?
  9. Lassen sich die ältere, einfachere Wappenform und das spätere, wesentlich komplexere Wappen bestimmten Familienzweigen oder einzelnen Verleihungsakten zuordnen?
  10. Kann das Gebäude mit der Wappenfassade an der Piazza Angelo Dibona eindeutig als Comùn Vècio oder Ciasa de ra Regoles identifiziert werden?
  11. Ist die betreffende Hausfassade tatsächlich in „In tödlicher Mission“ erkennbar, oder diente lediglich der Platz beziehungsweise das unmittelbare Ortszentrum als Drehort?
  12. Wofür stehen die in der Literaturübersicht verwendeten Abkürzungen FROE, SPR, EUN, LDO, ESN, FNV, ANI und TAM genau?
Quellen und Literatur
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon, Band XVI, zugleich Band 137 der Gesamtreihe, S. 463.
  • Österreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungsarchiv, Adelsarchiv, Hofadelsakten, Allgemeine Reihe:
    AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 1109.25
    AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 1109.26
    www.archivinformatio...px?ID=1707
  • Hye, Franz-Heinz von: Die Wappen des alten Tiroler Adels bis zum Übergang Tirols an Bayern 1805/06, Schlern-Schriften 353, S. 272.
  • Tiroler Matrikelstiftung, vormals Tiroler Adelsmatrikel, Ausgaben 1978, 1992 und 2006.
  • Sammlung Goldegg.
  • Tiroler Landesmuseen, Fischnaler-Wappenkartei, Einträge „Zana, Königstein“, „Zana, S. Trinita“ und „Zanna, Pietra reale“:
    wappen.tiroler-lande...rawer=We-Z
  • Innerhofer, Herbert Theobald / Richebuono, Giuseppe: „Il prevosto di Novacella Leopoldo de Zanna (1721–1787)“, in: Ladinia, Band 16, 1992:
    www.micura.it/upload...es/199.pdf
  • Cortina Dolomiti, Kirchen, Kapellen und De-Zanna-Anlage:
    cortina.dolomiti.org...-und-kult/
    cortina.dolomiti.org...castle-en/
  • Regole d’Ampezzo, Ciasa de ra Regoles:
    www.regole.it/IT/pag...ra-regoles
  • Collegio Araldico, Libro d’Oro della Nobiltà Italiana:
    www.collegio-araldic...ALIANA.pdf
  • Italia.it, Cortina d’Ampezzo als Drehort von For Your Eyes Only:
    www.italia.it/en/ven...-eyes-only
  • Weber, Franz Sylvester: „Das Bozner Geschlechterbuch. Hundert Stammfolgen aus dem Jahre 1770. Nach der Handschrift in der Museumsbücherei“, in: Karl M. Mayr (Hrsg.), Jahrbuch für Geschichte und Kunst 1935/36, zwei Bände, Athesia, Bozen 1936; insbesondere Schaubild VI, 5.
  • Tiroler Anzeiger, 16. November 1936, Nr. 265.
  • Pfaundler.
  • Libro d’oro, Ausgabe 1937/39.
  • Weitere Literaturangaben nach den verwendeten Repertorien:
    FROE – SPR 8 | TIA 16.1.1936 | EUN 2 | LDO 10 | ESN | FNV | ANI 30/2, 31 | TAM ab Band 2.
"IN OMNIBUS ORDO"

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