Frederico Guilherme von Hoonholtz (1795–1837): Hohnhorst, Hohnholz, Hohenholz?

Frederico Guilherme von Hoonholtz (1795–1837): Hohnhorst, Hohnholz, Hohenholz?

3 Wochen 1 Stunde her - 3 Wochen 1 Stunde her
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Bitte um genealogische Mithilfe aus Brasilien
Anfrage von Gustavo Bragança de Azevedo Della Giustina aus Südamerika. Gesucht wird die Herkunft seines Vorfahren Frederico Guilherme von Hoonholtz, deutsch wohl Friedrich Wilhelm genannt, der 1795 in Preußen geboren worden sein und am 31. Dezember 1837 in Itaguaí in Brasilien verstorben sein soll.

Die entscheidende Frage lautet, ob Frederico Guilherme einer österreichischen Familie von Hohenholz beziehungsweise Hohenholtz, der niedersächsischen Familie von Hohnhorst oder möglicherweise einer anderen, bislang nicht identifizierten Familie angehörte.

Die brasilianische Überlieferung
Im Buch von Juvêncio Saldanha Lemos, Os Mercenários do Imperador, wird Frederico Guilherme auf den Seiten 225–227 in einer Aufstellung des brasilianischen 27º Batalhão de Caçadores, also des 27. Jägerbataillons, unter der Schreibweise Hohnholz genannt.
Nach den Erläuterungen von Saldanha Lemos soll diese Liste von Aurélio Porto im brasilianischen Nationalarchiv aufgefunden worden sein. Aufgrund der darin angeführten Personen und Dienststellungen sei sie möglicherweise um 1826, eventuell sogar bereits 1824 entstanden. Das Jahr 1824 gilt zugleich als das mutmaßliche Ankunftsjahr Frederico Guilhermes in Brasilien. Sollte diese Datierung zutreffen, wäre dies einer der frühesten bekannten Belege für ihn.
Der Anfragende vermutet, dass aus einem Namen wie „Hohenholz“ in Brasilien allmählich „Hoonholtz“ geworden sein könnte. Solche lautlichen und orthographischen Anpassungen deutscher Familiennamen kamen bei Einwanderern durchaus vor. Die Namensähnlichkeit allein reicht jedoch nicht als Nachweis einer genealogischen Identität aus.

Ein wichtiger weiterer Namensbeleg: Hohnhorst
Eine zusätzliche und für die Forschung bedeutende Quelle ist das Werk des deutschen Offiziers Carl Schlichthorst:C. Schlichthorst: O Rio de Janeiro como é, 1824–1826. Uma vez e nunca mais. Contribuições de um diário para a história atual, os costumes e especialmente a situação da tropa estrangeira na capital do Brasil.
In der darin enthaltenen Aufstellung des 27º Batalhão de Caçadores de 1ª Linha findet sich folgende Eintragung:
Quartel-Mestre: Alferes Hohnhorst.
Demnach hieß der Quartiermeister des Bataillons in dieser Quelle Hohnhorst. Rang und Funktion stimmen mit dem Zusammenhang überein, in dem der Vorfahre gesucht wird.
Diese Schreibweise verdient besondere Beachtung, weil Schlichthorst selbst dem Umfeld der ausländischen Truppen in Brasilien angehörte und über die Jahre 1824 bis 1826 berichtete. „Hohnhorst“ ist außerdem der Name eines alten niedersächsischen Adelsgeschlechts. Da Frederico Guilherme nach der Familienüberlieferung aus Preußen oder Norddeutschland stammte, erscheint diese Spur mindestens ebenso prüfenswert wie die österreichische Hohenholz-Hypothese.
Bislang ist allerdings auch in den verfügbaren genealogischen Übersichten der Familie von Hohnhorst kein Friedrich Wilhelm beziehungsweise Frederico Guilherme des Geburtsjahrgangs 1795 eindeutig identifiziert worden.
Quelle und Digitalisat: www2.senado.leg.br/b...em/id/1043
Direktes Digitalisat: www2.senado.leg.br/b...sequence=4
Die betreffende Eintragung befindet sich auf der gedruckten Seite 302.

Die österreichische Familie von Hohenholz
Dass eine österreichische Adelsfamilie dieses Namens existierte, ist durch die Reichsadelsakten eindeutig belegt.
1727: Adelsstand
Am 11. Oktober 1727 erhielt Niklas Sebastian Hochholzer, auch Hohholzer geschrieben, kaiserlicher Rat, den Adelsstand mit dem Prädikat:
Edler von Hohenholz
Archivnachweis:
AT-OeStA/AVA Adel RAA 189.29  www.archivinformatio...id=2379608

1734: Ritterstand
Am 2. Oktober 1734 wurde derselbe Niklas Sebastian Hohenholtz beziehungsweise Hochholzer, damals am russischen Hof akkreditierter Rat und Resident, in den Ritterstand erhoben.
Archivnachweis:
AT-OeStA/AVA Adel RAA 194.32  www.archivinformatio...id=2379843
Die wechselnden Schreibweisen Hochholzer – Hohholzer – Hohenholz – Hohenholtz sind somit bereits in den österreichischen Archivnachweisen feststellbar.

Ein Hohenholz-Eintrag in der Wiener Hof- und Burgpfarre
Georg Freiherr von Frölichsthal verweist in seinem Werk Der Adel der Habsburgermonarchie im 19. und 20. Jahrhundert. Index zu seinen Genealogien, Seite 167, beim Namen Hohenholz auf das Neue Jahrbuch der Heraldischen Gesellschaft „Adler“ von 1902, Seite 58.
Dort findet sich in den Auszügen aus den Matriken der k. k. Hof- und Burgpfarre in Wien folgende Trauung:
  1. November 1802: Josef Reichsritter von Hohenholz, Sohn des Franz und der Josefa Cheret, 34 Jahre alt, mit Franziska Wolf, 25 Jahre alt.
Josef Reichsritter von Hohenholz wäre demnach ungefähr 1768 geboren worden. Aufgrund seines Alters könnte er theoretisch der Generation des Vaters oder eines nahen Verwandten des 1795 geborenen Frederico Guilherme angehört haben. Ein tatsächlicher Zusammenhang ist damit jedoch noch keineswegs bewiesen.
Jahrbuch der Heraldischen Gesellschaft „Adler“: archive.org/details/...1/mode/2up
Trauungsbuch der Wiener Hof- und Burgpfarre: data.matricula-onlin...04/?pg=130
Für eine weitere Prüfung wären insbesondere die Nachkommen des 1802 verheirateten Josef Reichsritters von Hohenholz sowie dessen Geschwister zu ermitteln.

Die behauptete Verwandtschaft mit Maximilian Freiherrn von Schneeburg
Nach Tetrá de Teffés 1977 erschienener Biographie Barão de Teffé, militar e cientista. Biografia do almirante Antônio Luiz von Hoonholtz soll Frederico Guilherme von Hoonholtz ein Cousin des Maximilian Freiherrn von Schneeburg gewesen sein.
Maximilian von Schneeburg war der erste tatsächliche Leiter beziehungsweise Verwalter der Colônia Itajahy, aus der die heutige Stadt Brusque im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina hervorging. Nach genealogischen Angaben war er ein Sohn des Joseph Johann Freiherrn von Schneeburg und der Maria Barbara Limbek von Lilienau. Als Geburtsjahr werden 1798 beziehungsweise 1799 und als Geburtsort Eger in Böhmen genannt.
Weiterführender Beitrag: enciclopedia.brusque...Schneeburg

Die Verwandtschaftsangabe könnte von besonderer Bedeutung sein, weil sie eine Verbindung zu einer Familie aus dem Bereich der Habsburgermonarchie nahelegt. Bislang fehlt jedoch die entscheidende Information: Über welche Eltern oder Großeltern sollen Schneeburg und Hoonholtz miteinander verwandt gewesen sein?
Der Ausdruck „Cousin“ kann in familiengeschichtlichen Überlieferungen zudem eine weiter entfernte Verwandtschaft bezeichnen. Ohne Benennung des gemeinsamen Vorfahren ist die Angabe nicht überprüfbar.
Nach Mitteilung des Anfragenden beruhte Tetrá de Teffés Darstellung auf Informationen aus dem engeren Familienkreis. Zu ihren Gewährspersonen sollen Söhne des Barons von Teffé gehört haben, darunter der 1870 geborene Diplomat Oscar de Teffé von Hoonholtz. Dieser soll bis zu seinem 19. Lebensjahr bei seiner Großmutter Joana Cristina von Hoonholtz, der Ehefrau Frederico Guilhermes, gelebt haben.Tetrá de Teffé erhielt tatsächlich 1941 den Machado-de-Assis-Preis der Academia Brasileira de Letras. Ausgezeichnet wurde jedoch ihr Roman Bati à porta da vida, nicht die erst Jahrzehnte später erschienene Biographie des Barons von Teffé. Ihre Nähe zur Familie macht die Überlieferung beachtenswert, ersetzt aber keinen urkundlichen Abstammungsnachweis.

„Ritter des Deutschen Ordens“
Auf Seite 35 der Biographie heißt es über Frederico Guilherme:
pertencia a uma família nobre, Cavaleiros da Ordem Teutônica
Sinngemäß bedeutet dies, er habe einer adeligen Familie angehört, die mit den Rittern des Deutschen Ordens verbunden gewesen sei.
Hier ist zwischen zwei vollkommen unterschiedlichen Begriffen zu unterscheiden:
  1. dem Ritterstand als adeligem Rang beziehungsweise Stand und
  2. einem Ritter oder Mitglied des Deutschen Ordens als Angehörigem einer geistlichen Ordensgemeinschaft.
Die Bezeichnung „Cavaleiros da Ordem Teutônica“ kann daher nicht ohne Weiteres als missverständliche Übersetzung des österreichischen Ritterstandes der Familie Hohenholz erklärt werden. Sollte tatsächlich eine Verbindung zum Deutschen Orden bestanden haben, müsste sich zumindest ein konkreter Angehöriger in Ordensunterlagen, Aufschwörungsakten oder Mitgliederverzeichnissen nachweisen lassen.

Vorläufige Einschätzung
Der gegenwärtige Forschungsstand erlaubt noch keine Gleichsetzung von Hoonholtz und Hohenholz.Gesichert erscheint derzeit lediglich:
  • Im österreichischen Adelsarchiv ist seit 1727 beziehungsweise 1734 eine Familie Hohenholz/Hohenholtz, ursprünglich Hochholzer, nachweisbar.
  • 1802 heiratete in Wien ein Josef Reichsritter von Hohenholz, Sohn des Franz und der Josefa Cheret.
  • In brasilianischen Darstellungen erscheint Frederico Guilherme unter den Schreibweisen Hoonholtz und Hohnholz.
  • In einer zeitnahen Aufstellung der ausländischen Truppen wird der Quartiermeister des 27. Jägerbataillons ausdrücklich Hohnhorst genannt.
  • Eine österreichische oder preußische Geburtsurkunde, in der Frederico Guilhermes Eltern genannt werden, liegt bislang nicht vor.
  • Die behauptete Cousinschaft mit Maximilian von Schneeburg ist bisher genealogisch nicht aufgelöst.
Damit stehen vorläufig mindestens drei mögliche Namensspuren nebeneinander:
Hohenholz/Hohenholtz – Hohnhorst – Hoonholtz/Hohnholz
Besonders die Schreibweise Hohnhorst sollte nicht als bloßer Schreibfehler übergangen werden. Sie könnte auf eine eigenständige norddeutsche Herkunft hinweisen.

Erbetene Unterlagen und weiterführende Fragen
Um die Untersuchung fortsetzen zu können, wären folgende Angaben und Unterlagen besonders hilfreich:
  1. Woher stammen das Geburtsjahr 1795 und die Angabe „Preußen“?
    Gibt es einen brasilianischen Sterbe-, Heirats-, Einbürgerungs-, Militär- oder Kirchenbucheintrag, in dem Geburtsort, Eltern oder Religion genannt werden?
  2. Kann ein vollständiger Stammbaum im Mannesstamm vorgelegt werden?
    Erbeten wäre die Linie von Frederico Guilherme bis zum heutigen Anfragenden beziehungsweise zu den bekannten männlichen Nachkommen, jeweils mit Geburts-, Heirats- und Sterbedaten sowie den verwendeten Quellen.
  3. Existiert eine Kopie der von Aurélio Porto im brasilianischen Nationalarchiv gefundenen Liste?
    Wichtig wären Archivsignatur, Bestandsbezeichnung, Datierung und eine Abbildung der originalen Namensschreibung.
  4. Welche Schreibweise erscheint im frühesten Originaldokument?
    Sinnvoll wäre eine chronologische Übersicht sämtlicher nachgewiesener Varianten: Hoonholtz, Hohnholz, Hohnhorst, Hohenholz, Hohenholtz oder weitere Formen.
  5. Welche Dienstunterlagen haben sich zum Quartiermeister des 27. Jägerbataillons erhalten?
    Soldlisten, Ernennungen, Quartiermeisterrechnungen, Personalakten oder Entlassungspapiere könnten Herkunft und früheren Militärdienst nennen.
  6. Wie genau soll die Verwandtschaft mit Maximilian von Schneeburg verlaufen sein?
    Gibt es in den Familienpapieren einen Namen der gemeinsamen Großeltern, einen Brief oder eine sonstige zeitgenössische Quelle?
  7. Lassen sich Mitglieder der Familie im Deutschen Orden nachweisen?
    Welcher Angehörige soll wann und in welcher Eigenschaft dem Orden angehört haben?
  8. Welches Wappen führte die brasilianische Familie von Hoonholtz?
    Von besonderem Interesse wären Siegel, Petschaften, Briefköpfe, Grabdenkmäler, Porträts oder Familiengegenstände mit Wappen. Entscheidend wären Herkunft und früheste Datierung der Darstellung. Anschließend könnte geprüft werden, ob eine Übereinstimmung mit dem Wappen der österreichischen Hohenholz oder der niedersächsischen Hohnhorst besteht.
  9. Sind die Seiten 35 und 66 der Biographie von Tetrá de Teffé sowie die Seiten 225–227 bei Saldanha Lemos als Scan verfügbar?
    Für die Beurteilung wären der genaue Wortlaut, die Fußnoten und die dort genannten Quellen erforderlich.
  10. Hat jemand Zugang zu vollständigen Stammtafeln der Familien von Hohenholz und von Hohnhorst für die Zeit von etwa 1750 bis 1825?
    Gesucht werden insbesondere nicht weiterverfolgte Söhne, Militärangehörige oder nach Preußen beziehungsweise nach Brasilien ausgewanderte Familienmitglieder.
Vielleicht können Mitglieder mit Kenntnissen des österreichischen Adelsarchivs, der preußischen und hannoverschen Militärgeschichte, des Deutschen Ordens oder der frühen deutschen Einwanderung nach Brasilien zur Klärung beitragen.Vorerst sollte die österreichische Hohenholz-Hypothese als interessante Möglichkeit, nicht aber als bewiesene Abstammung behandelt werden. Der Beleg „Hohnhorst“ im 27. Jägerbataillon eröffnet eine mindestens ebenso wichtige zweite Forschungsrichtung.
"IN OMNIBUS ORDO"

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