Familie von Pescatore (Preußen)

Familie von Pescatore (Preußen)

3 Wochen 3 Stunden her - 3 Wochen 2 Stunden her
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Familie von Pescatore – Herkunft, Nobilitierungen, Stammreihe und Wappen

Liebe Forumsteilnehmer,
eine Anfrage, die Herkunft und Genealogie der preußisch nobilitierten Familie von Pescatore näher zu klären bittet und die teilweise widersprüchlichen Angaben aus den genealogischen Taschenbüchern, dem Siebmacher und den preußischen Standeserhebungen miteinander abzugleichen.

Herkunft der Familie
Die Familie war katholisch und leitete ihre Herkunft offenbar von einem Patrizier- beziehungsweise Dekurionengeschlecht aus Novara in Oberitalien her. Die gelegentlich vorkommende Ortsangabe „Ovara“ dürfte ein Übertragungs- oder Lesefehler sein.
Ein Zweig soll zu Beginn des 16. Jahrhunderts nach Broglio im Maggiatal im heutigen Kanton Tessin gelangt sein. Als Jahr wird teilweise 1515, in anderen Darstellungen etwa 1520 genannt.
 Im Jahre 1736 sollen zwei Brüder Broglio verlassen haben:
  • Francesco Maria Vittore Pescatore, geb. 1710, der sich in Koblenz niederließ,
  • Giuseppe Antonio Maria Pescatore, später auch Joseph oder Jules-Joseph-Antoine genannt, der nach Luxemburg ging.
Aus diesen Zweigen entwickelte sich offenbar die später in Luxemburg und Deutschland ansässige Familie.

Karl Anton Pescatore und seine beiden Söhne
Als Vater der beiden später nobilitierten Halbbrüder erscheint:
Karl Anton Pescatore, auch Charles beziehungsweise Antoine Charles Pescatore genannt,
I. vermählt mit Fanny Charlotte Kraemer, 1856–1885,
II. vermählt mit Margarete Konstanze Henriette Marie von Broesigke, 1870–1902.

Aus der ersten Ehe stammte Dominik Wilhelm Pescatore, aus der zweiten Ehe Hans Hermann Pescatore.
Nach den Einträgen im Siebmacher führte Karl Anton Pescatore bereits vor den Nobilitierungen seiner Söhne ein Wappen, das dem später verliehenen Adelswappen in den wesentlichen Bestandteilen entsprach.

Preußische Nobilitierungen
Hans Hermann von Pescatore
Hans Hermann Pescatore, geb. Karlsruhe 4. Januar 1900, wurde aufgrund Allerhöchster Kabinettsorder vom 30. Juni 1913 zu Kiel in den preußischen Adelsstand erhoben.
Das Adelsdiplom wurde am 24. November 1913 im Neuen Palais bei Potsdam ausgefertigt.
Er war später Rittmeister im Oberkommando der Wehrmacht und Mitglied der Deutschen Adelsgenossenschaft.
Er vermählte sich am 9. Dezember 1931 in Medan auf Sumatra mit
Maria-Pacifica Freiin von Türckheim genannt von Baden, geb. Londorf in Oberhessen 25. Oktober 1903.
Als Wohnadresse wird im Gotha Berlin-Wilmersdorf, Hohenzollerndamm 201, genannt.

Dominik Wilhelm von Pescatore
Sein Halbbruder 
Dominik Wilhelm Pescatore, geb. Berlin vermutlich 12. April 1879, Rittergutsbesitzer auf Schwenzin und Vielist, wurde aufgrund Allerhöchster Kabinettsorder vom 3. April 1914 im Achilleion auf Korfu in den preußischen Adelsstand erhoben.
Das Diplom wurde am 24. Juni 1914 zu Kiel an Bord der S. M. Y. „Hohenzollern“ ausgefertigt.
Das teilweise genannte Datum 24. Juli 1914 dürfte demnach unrichtig sein.Dominik Wilhelm war später Besitzer des etwa 104 Hektar umfassenden Erbhofes Höhenkirchen bei München, Rittmeister a. D. und Mitglied der Deutschen Adelsgenossenschaft.
Er vermählte sich auf Schloss Hohenthurm bei Halle an der Saale am 1. September 1913 mit
Gisela Isidore Helene Antonie von Wuthenau, geb. Geuz bei Köthen 2. November 1893, gest. Großhesselohe 26. Januar 1937.Sie war ursprünglich evangelisch und trat am 19. September 1920 zur katholischen Kirche über.

Aus der Ehe werden zwei Söhne genannt:
  1. Bonaventura Karl Borromäus Feodor Fritz Maria von Pescatore, geb. München 3. November 1921; im Gotha als Gefreiter in einem Infanterieregiment bezeichnet.
  2. Wilfried Luitwin Hans Karl Borromäus Maria von Pescatore, geb. Höhenkirchen 7. August 1923; offenbar am 8. August 1943 im Zweiten Weltkrieg gefallen.
Die Vornamen erscheinen in den Quellen teilweise abweichend, etwa „Wilfred Litwin“ oder „Karl Borromäus Bonaventura Fedor Fritz Maria“.

Wappen
Das 1913 und 1914 verliehene Wappen wird wie folgt beschrieben:
Zweimal geteilt: oben in Silber ein rot-gezungter schwarzer Adler; in der Mitte in Blau drei balkenweise gestellte fünfstrahlige goldene Sterne; unten in natürlichem Wasser ein rechtshin gegen die Öffnung einer natürlichen Fischreuse schwimmender, goldgeschuppter blauer Barsch.
Auf dem gekrönten Helm mit rechts blau-goldenen und links blau-silbernen Decken drei silberne Reiherfedern.
Da ein sehr ähnliches Wappen bereits vor den Nobilitierungen im Siebmacher bei den bürgerlichen Geschlechtern erscheint, dürften die preußischen Diplome das ältere Familienwappen im Wesentlichen bestätigt oder geringfügig verändert haben.

Offene Fragen
Insbesondere folgende Punkte wären interessant:
  1. Lässt sich die behauptete Herkunft aus dem Patriziat beziehungsweise Dekurionat von Novara durch zeitgenössische italienische Quellen belegen?
    Gibt es Einträge in kommunalen Adelsmatrikeln, Dekurionenlisten, Notariatsakten oder Kirchenbüchern von Novara?
  2. Wann ist die Familie tatsächlich nach Broglio eingewandert?
    Ist das Jahr 1515 urkundlich nachweisbar oder handelt es sich um eine spätere familiengeschichtliche Überlieferung?
  3. Sind Francesco Maria Vittore und Giuseppe Antonio Maria Pescatore eindeutig als Brüder dokumentiert?
    Existieren Tauf-, Heirats-, Bürgerrechts- oder Auswanderungsunterlagen in Broglio, Koblenz oder Luxemburg?
  4. Wie verläuft die gesicherte Stammreihe von den im Jahre 1736 ausgewanderten Brüdern bis zu Karl Anton Pescatore?
    Besonders gesucht werden vollständige Geburts-, Heirats- und Sterbedaten sowie Berufs- und Besitzangaben der dazwischenliegenden Generationen.
  5. Wer waren die Eltern und Großeltern von Karl Anton Pescatore?
    In welchen Orten lebte er, und welche berufliche oder gesellschaftliche Stellung nahm er ein?
  6. Welche genaue Form hatte das voradelige Familienwappen?
    Lassen sich die Abbildungen und Beschreibungen im Siebmacher zeitlich genauer einordnen und einem bestimmten Familienmitglied zuweisen?
  7. Unterscheiden sich die Wappenbriefe von 1913 und 1914 in Einzelheiten?
    Insbesondere wäre zu prüfen, ob Adler, Fisch, Reuse, Helmdecken oder Helmzier in beiden Diplomen tatsächlich vollkommen gleich dargestellt wurden.
  8. Wo befinden sich heute die beiden preußischen Adelsdiplome beziehungsweise deren Akten?
    Sind im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz vollständige Nobilitierungsakten mit Lebensläufen, Abstammungsnachweisen und Wappenzeichnungen erhalten?
  9. Welches Geburtsdatum Dominik Wilhelms ist richtig?
    Neben dem 12. April 1879 wird vereinzelt auch der 22. April 1879 genannt. Lässt sich dies anhand eines Berliner Geburts- oder Taufeintrages entscheiden?
  10. Wie lauten die vollständigen und amtlich richtigen Vornamen der beiden Söhne Dominik Wilhelms?
    Die gedruckten und digitalen Quellen weichen bei „Bonaventura“, „Feodor/Fedor“, „Wilfried/Wilfred“ und „Luitwin/Litwin“ voneinander ab.
  11. Was ist über das weitere Schicksal von Bonaventura von Pescatore bekannt?
    Gibt es Nachkommen, Heirats- oder Sterbedaten beziehungsweise militärische Unterlagen?
  12. Lässt sich der Tod Wilfried von Pescatores am 8. August 1943 durch eine Verlustmeldung, Gräberkartei oder militärische Personalakte bestätigen?
  13. Gab es aus der Ehe Hans Hermanns mit Maria-Pacifica Freiin von Türckheim genannt von Baden Nachkommen?
    In den bislang vorliegenden Angaben fehlen entsprechende Fortsetzungen.
Als Literatur liegen insbesondere die preußischen Standeserhebungen von Houwald, die einschlägigen Gothaischen Genealogischen Taschenbücher, die Siebmacher-Einträge sowie familiengeschichtliche Arbeiten zur Familie Pescatore vor.Für Hinweise auf italienische, schweizerische, luxemburgische, preußische oder kirchenbuchliche Quellen wäre ich sehr dankbar.
"IN OMNIBUS ORDO"

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