Wenzl von Sternbach – frühe Stammfolge

Wenzl von Sternbach – frühe Stammfolge

1 Monat 20 Stunden her - 1 Monat 20 Stunden her
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Wenzl von Sternbach – frühe Stammfolge und offene genealogische FragenIch versuche derzeit, die genealogische Skizze der Familie Wenzl beziehungsweise Wentzl, später Freiherren von Sternbach zum Stock und Luttach, nach KÖGL, Band 2, S. 931, mit den Angaben aus den Adelsakten und weiteren genealogischen Werken abzugleichen. Dabei ergeben sich einige Ergänzungen, aber auch erhebliche Widersprüche.

Wappen- und Adelsverleihungen
Der älteste archivalisch nachweisbare Vorgang betrifft Pankraz Wenzl von Püchl. Er wird als gräflich und freiherrlich von Thurn’scher Diener und Lehensmann bezeichnet. Den Wappenbrief erhielt er am 9. April 1571 in Lignitz vom Hofpfalzgrafen Franz Graf und Freiherr von Thurn und Kreutz. Es handelte sich somit nicht um einen von Erzherzog Ferdinand II. ausgestellten Tiroler Wappenbrief, wie teilweise angegeben wird. Im Österreichischen Staatsarchiv befindet sich eine Abschrift aus dem Jahr 1826; das Wappen ist darin auf fol. 3v enthalten.
Ein weiterer, nun tatsächlich erzherzoglicher Wappenbrief wurde am 24. März 1577 in Innsbruck für die Brüder
  • Stefan,
  • Mathias,
  • Christof,
  • Oswald und
  • Adam Wenzl
ausgestellt. Das Österreichische Staatsarchiv verweist hierzu auch auf das Original im Tiroler Wappenbuch IV, fol. 39. Diese Urkunde ist für die Rekonstruktion der ersten Generationen besonders wichtig, weil die Skizze bei KÖGL offenbar nicht alle fünf Brüder berücksichtigt.
Am 12. Jänner 1664 in Regensburg erhielt Johann Baptist Wenzel, Dr. iur., Kanonikus in Brixen und salzburgischer Konsistorialrat, den Adelsstand mit Wappenbesserung. Der amtliche Archivdatensatz nennt eindeutig den 12. Jänner 1664; die Angabe „12. November 1664“ im Biographischen Lexikon dürfte daher auf einem älteren Übertragungs- oder Druckfehler beruhen.Nach der ausführlicheren Darstellung im Biographischen Lexikon erstreckte sich diese Erhebung in den rittermäßigen Reichs- und erbländisch-österreichischen Adel auch auf Johann Baptists Brüder:
  • Stephan, Herr auf Kirchegg, Getreuenstein und Ragen in Bruneck,
  • Andreas, Herr auf dem Ansitz Stock zu Uttenheim,
  • Christoph und
  • Jakob,
sowie auf die Vettern Wilhelm und Kaspar Wenzl. Mathias, der in der Skizze nach KÖGL als eigentlicher Begünstigter der Erhebung von 1664 erscheint, wird dagegen in dieser Aufzählung nicht genannt.Die weitere Entwicklung zum Namen Sternbach vollzog sich in mehreren Schritten:
  • Am 18. November 1684 wurde Anton Wenzl und seinen Brüdern gestattet, sich nach dem Brunecker Ansitz „Wentzl zu Sternpach“ zu nennen.
  • 1690 erfolgte die Eintragung in die Tiroler Adelsmatrikel.
  • Am 26. März 1698 erhielten Anton und Franz Andreas Wenzel als Vettern den Reichsfreiherrenstand mit dem Namen „Wenzel Freiherr von Sternbach“.
  • 1700 folgte eine böhmische Freiherrenerhebung für Christoph Andreas Wenzel auf Kirchegg.
Vorläufige genealogische Skizze
Nach KÖGL beziehungsweise den bisher zusammengetragenen Angaben wäre folgende Stammfolge anzusetzen:

I. Pankraz Wenzl
Pankraz soll aus Böhmen gestammt und sich in Tilliach im Pustertal niedergelassen haben. Er war salzburgischer Pfleger auf Schloss Lengberg. Lengberg liegt allerdings nicht in Kärnten, sondern bei Nikolsdorf im heutigen Osttirol, wenn auch nahe der Kärntner Grenze.
Als Ehefrau wird Katharina beziehungsweise Catharina Kerschbaum(er) genannt, angeblich geboren 1515, gestorben 1595 und um 1540 mit Pankraz vermählt. Die Stammtafel im Biographischen Lexikon nennt „Pongratz Wentzl aus Tilliach“ und „Katharina Kerschbaum“, enthält jedoch keine Heirats- oder Lebensdaten. Auch der behauptete Anschluss Katharinas an die alte Rittner Familie Kerschbaumer wäre noch anhand zeitgenössischer Quellen zu prüfen.

II. Mutmaßliche Söhne des Pankraz
Die Skizze bei KÖGL nennt:
  1. Oswald, Steuereinnehmer im Pustertal und Bürger von Bruneck,
  2. Stephan, Bürgermeister von Bruneck,
  3. Christoph, Bürger von Bruneck.
Der Wappenbrief von 1577 nennt dagegen ausdrücklich fünf Brüder: Stefan, Mathias, Christof, Oswald und Adam. Mathias und Adam fehlen somit in der bisherigen Stammtafel. Zu klären bleibt außerdem, ob alle fünf tatsächlich Söhne des Pankraz waren oder ob der Begriff „Brüder“ in der Urkunde auf eine andere Generation zu beziehen ist.

III. Der umstrittene Anschluss des Andreas Wenzl
Nach der KÖGL-Skizze war Andreas Wenzl, der 1619 mit seinen Brüdern den Ansitz Stock zu Uttenheim und das Luttacher Urbar erwarb, ein Sohn des Bürgermeisters Stephan.
Die im Biographischen Lexikon wiedergegebene Stammtafel führt dagegen:
Pankraz Wentzl – Christoph Wentzl zu Bruneck – Andreas, geboren 1586, gestorben 1655.
Dieser Andreas war mit Brigitte Perkhofer von Moos, gestorben 1665, vermählt. Auch die umfangreiche private Wenzl-Datenbank ordnet Christoph als Sohn von Pankraz und Katharina Kerschbaum ein.
Der entscheidende Anschluss lautet somit entweder:
Pankraz – Stephan – AndreasoderPankraz – Christoph – Andreas.IV.

Die Generation der Adelserhebung von 1664


Als Kinder des Andreas werden in der KÖGL-Skizze genannt:
  • Stephan, Besitzer von Kirchegg, Getreuenstein und Ragen,
  • Andreas, Besitzer von Stock und Begründer der späteren Sternbacher Linie,
  • Johann, Kanonikus in Brixen und Freising,
  • Christoph,
  • Jakob, dessen Linie 1819 erloschen sein soll.
Hinzu kommen aus einer Seitenlinie Wilhelm und Kaspar. Diese Personengruppe stimmt bemerkenswert gut mit den 1664 gemeinsam begünstigten Brüdern und Vettern überein. Der bei KÖGL nur als „Johann“ bezeichnete Kanonikus dürfte daher mit Johann Baptist Wenzel, Dr. iur., identisch sein.

V. Übergang zur freiherrlichen Linie
Das Biographische Lexikon führt als nächsten Vertreter Andreas Wentzl von Stock und Sternbach, geboren 1619, vermählt mit Maria Hueber von Mauern, gestorben 1694. Von ihm beziehungsweise seinem Familienzweig gingen die ältere und jüngere Linie aus. Genannt werden unter anderem Bartholomäus Wentzl von Stock und Sternbach, geboren 1648, gestorben 1680, sowie Anton Wentzl, geboren 1651, gestorben 1716.Der Ausdruck „Gründer der freiherrlichen Linie“ für Andreas ist daher nur eingeschränkt richtig: Er begründete offenbar den maßgeblichen Familienzweig, die eigentliche Reichsfreiherrenerhebung erfolgte jedoch erst 1698 für Anton und Franz Andreas Wenzel von Sternbach.

Weitere Verbindung
In der KÖGL-Skizze erscheint ferner:
Ursula Wenzl, vermählt mit Georg Zeiller von Zellheim, Pfleger in Taufers.
Gerade diese Ehe wäre für den Anschluss an die Familie Zeiller von Zeilheim beziehungsweise Zellheim von besonderem Interesse. Gesucht werden daher ein Heiratseintrag, eine Eheberedung oder andere zeitgenössische Nachweise, aus denen Ursulas Eltern und ihre genaue Stellung innerhalb der Wenzl-Familie hervorgehen.

Offene Fragen
Wer kann bei folgenden Punkten weiterhelfen?
  1. Gibt es einen belastbaren Nachweis für die angeblich böhmische Herkunft des Pankraz Wenzl?
  2. Worauf bezieht sich die Bezeichnung „von Püchl“ im Wappenakt von 1571?
  3. Sind die fünf im Jahr 1577 genannten Brüder tatsächlich Söhne des Pankraz?
  4. War Andreas Wenzl, geboren 1586, ein Sohn des Stephan oder des Christoph?
  5. Lassen sich die Lebensdaten der Katharina Kerschbaum(er) und ihre Zugehörigkeit zur Rittner Familie Kerschbaumer belegen?
  6. Ist Ursula Wenzl, Ehefrau des Georg Zeiller von Zellheim, genealogisch eindeutig einzuordnen?
  7. Welche Quelle belegt das Erlöschen der Jakob-Linie 1819 beziehungsweise der Linien von Wilhelm und Kaspar?
  8. Existiert eine vollständige und quellenkritisch bearbeitete Stammtafel der Wenzl und Freiherren von Sternbach zum Stock und Luttach?
Die umfangreiche PRO-GEN-Stammtafel von Erik Wenzel bietet zahlreiche weiterführende Personendaten. Da es sich jedoch um eine private genealogische Zusammenstellung handelt, sollten die dortigen Angaben möglichst mit Kirchenbüchern, Urkunden, Verlassenschaftsakten und den Beständen des Familienarchivs Sternbach abgeglichen werden.
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