Leyendecker von Leyenstein (1806)
- USchu
-
Autor
- Offline
- Beiträge: 652
Leyendecker von Leyenstein (1806)
3 Wochen 7 Stunden her - 2 Wochen 4 Tage her
Leyendecker von Leyenstein (1806) – neue Spuren zur Familie, Herkunft weiterhin ungeklärt
Die Nobilitierung von 1806
Gesichert ist die Erhebung des k. k. Unterleutnants Reinhard Leyendecker in den österreichischen Adelsstand mit dem Prädikat „von Leyenstein“.
Das Diplom wurde am 20. April 1806 in Wien ausgefertigt. Reinhard Leyendecker wird darin als Unterleutnant im Infanterieregiment „Gemmingen“ bezeichnet.
Quelle: AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 525.10
Leyendecker, Reinhard, Unterleutnant im Infanterieregiment Gemmingen, Adelsstand „von Leyenstein“, Wien, 20. April 1806.
Der Hofadelsakt umfasst insgesamt 16 Folien.
Im Gesuch, in den militärischen Beilagen oder im Konzept des Diploms könnten sich Angaben zu Geburtsort, Alter, Eltern, bisherigem Dienstverlauf und möglicherweise auch zu Ehefrau und Kindern finden.
Das Regiment „Gemmingen“
Beim Regiment „Gemmingen“ handelte es sich um das spätere böhmische Infanterieregiment Nr. 21. Im Militär-Schematismus von 1817 wird für dieses Regiment die Hauptwerbbezirksstation Königgrätz und als Stabsort Josephstadt in Böhmen genannt.
Die Inhaberfolge lautete:
Die Prager Spur von 1817 betrifft offenbar Joseph
In den bisherigen Forumsbeiträgen wurde vermutet, Reinhard Leyendecker von Leyenstein sei noch 1817 beim Invalidenhaus in Prag als Unterleutnant im Ruhestand tätig gewesen.
Diese Angabe ließ sich im Militär-Schematismus von 1817 nicht bestätigen.
Dort erscheint vielmehr ein:
Joseph Leyendecker von Leyenstein, Oberleutnant im böhmischen Infanterieregiment Nr. 11.
Ob Joseph ein Sohn, Bruder oder sonstiger Verwandter des 1806 geadelten Reinhard war, ist noch nicht nachgewiesen. Die Namensführung und der zeitliche Zusammenhang machen eine nahe Verwandtschaft jedoch wahrscheinlich.
Die Angabe, Reinhard sei 1817 beim Prager Invalidenhaus beschäftigt gewesen und ungefähr zu dieser Zeit verstorben, sollte daher vorerst nur als unbestätigte Arbeitshypothese behandelt werden.
Ein weiterer wichtiger Akt: Emanuel, 1845
Im Österreichischen Staatsarchiv befindet sich außerdem ein eigener Akt zu:
Emanuel Leyendecker von Leyenstein, 1845
AT-OeStA/AVA Adel HAA 570.29
Dieser Akt umfasst sechs Folien und ist bemerkenswerterweise in der Serie „Adelsentsetzungen“ eingeordnet. Der Archivkatalog verweist ausdrücklich auf Reinhard Leyendecker und dessen Nobilitierung vom 20. April 1806.
Daraus ergibt sich eine Reihe neuer Fragen:
Weitere Namensträger
Weitere online auffindbare Spuren zeigen, dass die Familie zumindest im 19. Jahrhundert im österreichischen und böhmischen Raum vertreten war.
Im Zusammenhang mit den Kämpfen des Jahres 1849 wird ein:
August Leyendecker von Leyenstein, k. k. Hauptmann im 4. Bataillon des Infanterieregiments Nr. 20 „Welden“, genannt.
Im Militär-Schematismus von 1861/62 erscheint August Leyendecker von Leyenstein außerdem mit dem Aufenthalts- beziehungsweise Dienstort Komorn.
Ein Wenzel Leyendecker von Leyenstein wird um 1880 als Adjunkt bei der Forstdirektion der Herrschaft Chlumetz in Böhmen angeführt.
Ob Joseph, Emanuel, August und Wenzel Brüder, Söhne oder Enkel des Adelserwerbers waren, kann derzeit noch nicht entschieden werden. Sie bilden aber wichtige Ansatzpunkte für eine künftige Stammtafel.
Das Adoptions- und Adelsübertragungsgesuch von 1882
Ein weiterer Hofadelsakt betrifft:
Benedikte Lucia Magdalena Leyendecker von Leyenstein
Sie ersuchte 1882 um die Adoption der minderjährigen:
Eva Clotilde Johanna Eichler
und zugleich um Übertragung des Adels auf das Adoptivkind.
Quelle:AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 525.11
Auch hier ist zu beachten, dass der Archivkatalog lediglich ein Gesuch verzeichnet. Ob die Adoption und insbesondere die Adelsübertragung bewilligt wurden, ist aus der Kurzbeschreibung nicht ersichtlich.
Gerade dieser Akt könnte genealogisch besonders wertvoll sein. Bei einem derartigen Ansuchen mussten regelmäßig Identität, Familienstand, Abstammung und persönliche Verhältnisse der Beteiligten dargelegt werden. Möglicherweise enthält er daher Geburts-, Tauf-, Ehe- oder Verwandtschaftsnachweise, die eine Verbindung zu Reinhard und den übrigen Namensträgern herstellen.
Zur möglichen Herkunft des Adelserwerbers
Der Familienname Leyendecker, auch in Schreibweisen wie Leiendecker, Leidecker, Leydecker oder Leyendecker vorkommend, ist ursprünglich eine Berufsbezeichnung.
Ein Leyendecker war ein Dachdecker, der Dächer mit Schieferplatten deckte. Der Wortbestandteil „Leyen“ beziehungsweise „Leien“ geht auf eine ältere Bezeichnung für Schiefer, Stein oder Steinplatte zurück.
Der Name ist besonders mit dem rheinisch-moselländischen und westdeutschen Schiefergebiet verbunden. Sprachgeschichtlich wären daher unter anderem das Rheinland, die Moselregion, die Eifel oder angrenzende Gebiete als mögliche Herkunftsräume denkbar. Auch niederländische beziehungsweise niederdeutsche Namensformen sind bekannt.
Dies ist jedoch nur ein namenkundlicher Hinweis. Eine konkrete Herkunft Reinhards aus Deutschland, Bayern oder den Niederlanden ist damit nicht bewiesen. Ebenso kann eine Familie mit diesem Berufsnamen unabhängig voneinander an verschiedenen Orten entstanden sein.
Auffällig ist allerdings, dass die Steinplatten im Wappen offenbar auf den Namen „Leyendecker“ beziehungsweise das Prädikat „Leyenstein“ anspielen. Es dürfte sich somit zumindest teilweise um ein redendes Wappen handeln.
Wappenbeschreibung
Nach der bisher vorliegenden Darstellung könnte das Wappen folgendermaßen beschrieben werden:
Geviert von Grün und Rot; in den Feldern 1 und 4 je eine natürliche flache Steinplatte, in den Feldern 2 und 3 je ein schrägrechts gestellter blanker Degen mit goldenem Griff. Auf dem gekrönten Bügelhelm mit rechts grün-silbernen und links rot-silbernen Decken zwei schräggekreuzte goldene Fahnen, deren Tücher jeweils mit drei schwarzen Querstreifen belegt sind.
Zusammenfassung und offene Fragen
Der bisherige Forschungsstand lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:
Gesichert ist die Nobilitierung des Unterleutnants Reinhard Leyendecker am 20. April 1806. Sein Regiment „Gemmingen“ war das böhmische Infanterieregiment Nr. 21. Ein Aufenthalt oder eine Tätigkeit Reinhards beim Prager Invalidenhaus im Jahr 1817 konnte bislang nicht bestätigt werden.
Dagegen ist 1817 ein Oberleutnant Joseph Leyendecker von Leyenstein nachweisbar. Weitere Namensträger sind Emanuel, August, Wenzel und Benedikte Lucia Magdalena. Ihre verwandtschaftlichen Verbindungen untereinander müssen noch geklärt werden.
Besonders wichtig erscheinen nun drei Akten:
Die Nobilitierung von 1806
Gesichert ist die Erhebung des k. k. Unterleutnants Reinhard Leyendecker in den österreichischen Adelsstand mit dem Prädikat „von Leyenstein“.
Das Diplom wurde am 20. April 1806 in Wien ausgefertigt. Reinhard Leyendecker wird darin als Unterleutnant im Infanterieregiment „Gemmingen“ bezeichnet.
Quelle: AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 525.10
Leyendecker, Reinhard, Unterleutnant im Infanterieregiment Gemmingen, Adelsstand „von Leyenstein“, Wien, 20. April 1806.
Der Hofadelsakt umfasst insgesamt 16 Folien.
Im Gesuch, in den militärischen Beilagen oder im Konzept des Diploms könnten sich Angaben zu Geburtsort, Alter, Eltern, bisherigem Dienstverlauf und möglicherweise auch zu Ehefrau und Kindern finden.
Das Regiment „Gemmingen“
Beim Regiment „Gemmingen“ handelte es sich um das spätere böhmische Infanterieregiment Nr. 21. Im Militär-Schematismus von 1817 wird für dieses Regiment die Hauptwerbbezirksstation Königgrätz und als Stabsort Josephstadt in Böhmen genannt.
Die Inhaberfolge lautete:
- 1778 Gemmingen,
- 1808 Rohan,
- 1810 Albert Graf Giulay.
Die Prager Spur von 1817 betrifft offenbar Joseph
In den bisherigen Forumsbeiträgen wurde vermutet, Reinhard Leyendecker von Leyenstein sei noch 1817 beim Invalidenhaus in Prag als Unterleutnant im Ruhestand tätig gewesen.
Diese Angabe ließ sich im Militär-Schematismus von 1817 nicht bestätigen.
Dort erscheint vielmehr ein:
Joseph Leyendecker von Leyenstein, Oberleutnant im böhmischen Infanterieregiment Nr. 11.
Ob Joseph ein Sohn, Bruder oder sonstiger Verwandter des 1806 geadelten Reinhard war, ist noch nicht nachgewiesen. Die Namensführung und der zeitliche Zusammenhang machen eine nahe Verwandtschaft jedoch wahrscheinlich.
Die Angabe, Reinhard sei 1817 beim Prager Invalidenhaus beschäftigt gewesen und ungefähr zu dieser Zeit verstorben, sollte daher vorerst nur als unbestätigte Arbeitshypothese behandelt werden.
Ein weiterer wichtiger Akt: Emanuel, 1845
Im Österreichischen Staatsarchiv befindet sich außerdem ein eigener Akt zu:
Emanuel Leyendecker von Leyenstein, 1845
AT-OeStA/AVA Adel HAA 570.29
Dieser Akt umfasst sechs Folien und ist bemerkenswerterweise in der Serie „Adelsentsetzungen“ eingeordnet. Der Archivkatalog verweist ausdrücklich auf Reinhard Leyendecker und dessen Nobilitierung vom 20. April 1806.
Daraus ergibt sich eine Reihe neuer Fragen:
- Wer war Emanuel Leyendecker von Leyenstein?
- In welchem Verwandtschaftsverhältnis stand er zu Reinhard?
- Was war der Anlass des Verfahrens von 1845?
- Kam es tatsächlich zu einer Adelsentsetzung?
- Betraf ein etwaiges Verfahren nur Emanuel persönlich oder auch weitere Angehörige?
- Enthält der Akt genealogische Nachweise über seine Abstammung?
Weitere Namensträger
Weitere online auffindbare Spuren zeigen, dass die Familie zumindest im 19. Jahrhundert im österreichischen und böhmischen Raum vertreten war.
Im Zusammenhang mit den Kämpfen des Jahres 1849 wird ein:
August Leyendecker von Leyenstein, k. k. Hauptmann im 4. Bataillon des Infanterieregiments Nr. 20 „Welden“, genannt.
Im Militär-Schematismus von 1861/62 erscheint August Leyendecker von Leyenstein außerdem mit dem Aufenthalts- beziehungsweise Dienstort Komorn.
Ein Wenzel Leyendecker von Leyenstein wird um 1880 als Adjunkt bei der Forstdirektion der Herrschaft Chlumetz in Böhmen angeführt.
Ob Joseph, Emanuel, August und Wenzel Brüder, Söhne oder Enkel des Adelserwerbers waren, kann derzeit noch nicht entschieden werden. Sie bilden aber wichtige Ansatzpunkte für eine künftige Stammtafel.
Das Adoptions- und Adelsübertragungsgesuch von 1882
Ein weiterer Hofadelsakt betrifft:
Benedikte Lucia Magdalena Leyendecker von Leyenstein
Sie ersuchte 1882 um die Adoption der minderjährigen:
Eva Clotilde Johanna Eichler
und zugleich um Übertragung des Adels auf das Adoptivkind.
Quelle:AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 525.11
Auch hier ist zu beachten, dass der Archivkatalog lediglich ein Gesuch verzeichnet. Ob die Adoption und insbesondere die Adelsübertragung bewilligt wurden, ist aus der Kurzbeschreibung nicht ersichtlich.
Gerade dieser Akt könnte genealogisch besonders wertvoll sein. Bei einem derartigen Ansuchen mussten regelmäßig Identität, Familienstand, Abstammung und persönliche Verhältnisse der Beteiligten dargelegt werden. Möglicherweise enthält er daher Geburts-, Tauf-, Ehe- oder Verwandtschaftsnachweise, die eine Verbindung zu Reinhard und den übrigen Namensträgern herstellen.
Zur möglichen Herkunft des Adelserwerbers
Der Familienname Leyendecker, auch in Schreibweisen wie Leiendecker, Leidecker, Leydecker oder Leyendecker vorkommend, ist ursprünglich eine Berufsbezeichnung.
Ein Leyendecker war ein Dachdecker, der Dächer mit Schieferplatten deckte. Der Wortbestandteil „Leyen“ beziehungsweise „Leien“ geht auf eine ältere Bezeichnung für Schiefer, Stein oder Steinplatte zurück.
Der Name ist besonders mit dem rheinisch-moselländischen und westdeutschen Schiefergebiet verbunden. Sprachgeschichtlich wären daher unter anderem das Rheinland, die Moselregion, die Eifel oder angrenzende Gebiete als mögliche Herkunftsräume denkbar. Auch niederländische beziehungsweise niederdeutsche Namensformen sind bekannt.
Dies ist jedoch nur ein namenkundlicher Hinweis. Eine konkrete Herkunft Reinhards aus Deutschland, Bayern oder den Niederlanden ist damit nicht bewiesen. Ebenso kann eine Familie mit diesem Berufsnamen unabhängig voneinander an verschiedenen Orten entstanden sein.
Auffällig ist allerdings, dass die Steinplatten im Wappen offenbar auf den Namen „Leyendecker“ beziehungsweise das Prädikat „Leyenstein“ anspielen. Es dürfte sich somit zumindest teilweise um ein redendes Wappen handeln.
Wappenbeschreibung
Nach der bisher vorliegenden Darstellung könnte das Wappen folgendermaßen beschrieben werden:
Geviert von Grün und Rot; in den Feldern 1 und 4 je eine natürliche flache Steinplatte, in den Feldern 2 und 3 je ein schrägrechts gestellter blanker Degen mit goldenem Griff. Auf dem gekrönten Bügelhelm mit rechts grün-silbernen und links rot-silbernen Decken zwei schräggekreuzte goldene Fahnen, deren Tücher jeweils mit drei schwarzen Querstreifen belegt sind.
Zusammenfassung und offene Fragen
Der bisherige Forschungsstand lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:
Gesichert ist die Nobilitierung des Unterleutnants Reinhard Leyendecker am 20. April 1806. Sein Regiment „Gemmingen“ war das böhmische Infanterieregiment Nr. 21. Ein Aufenthalt oder eine Tätigkeit Reinhards beim Prager Invalidenhaus im Jahr 1817 konnte bislang nicht bestätigt werden.
Dagegen ist 1817 ein Oberleutnant Joseph Leyendecker von Leyenstein nachweisbar. Weitere Namensträger sind Emanuel, August, Wenzel und Benedikte Lucia Magdalena. Ihre verwandtschaftlichen Verbindungen untereinander müssen noch geklärt werden.
Besonders wichtig erscheinen nun drei Akten:
- AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 525.10
Nobilitierung Reinhard Leyendecker, 1806. - AT-OeStA/AVA Adel HAA 570.29
Emanuel Leyendecker von Leyenstein, 1845, Serie Adelsentsetzungen. - AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 525.11
Adoptions- und Adelsübertragungsgesuch, 1882.
- Geburtsdatum und Geburtsort Reinhard Leyendeckers,
- Namen und Herkunft seiner Eltern,
- seine Ehefrau und seine Kinder,
- sein genaues Sterbedatum und sein Sterbeort,
- die Verwandtschaft von Joseph, Emanuel, August und Wenzel,
- das Ergebnis des Verfahrens gegen Emanuel im Jahr 1845,
- das Ergebnis des Adoptions- und Adelsübertragungsgesuches von 1882,
- eine möglichst diplomgetreue Wappenbeschreibung.
"IN OMNIBUS ORDO"
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
