[BUCHTIPP] Der Hochadel Kroatien-Slawoniens
- USchu
-
Autor
- Offline
- Beiträge: 652
[BUCHTIPP] Der Hochadel Kroatien-Slawoniens
2 Wochen 2 Tage her - 2 Wochen 2 Tage herDer Hochadel Kroatien-Slawoniens – zwischen Verlust, Verteidigung und Neuerwerb von Elitenpositionen
Diskussionsanstoß zur Adelsgeschichte Südosteuropas
Mit dem Band Der Hochadel Kroatien-Slawoniens. Zwischen Verlust, Verteidigung und Neuerwerb gesellschaftlicher Elitenpositionen (1868–1918) hat Daniel Lalić 2017 eine Studie vorgelegt, die für alle interessant sein dürfte, die sich mit Adel, Genealogie, Heraldik, politischer Elitenbildung und der Geschichte der Habsburgermonarchie beschäftigen.
Der Untersuchungszeitraum ist bewusst gewählt: 1868 beginnt mit dem ungarisch-kroatischen Ausgleich, der die Stellung Kroatien-Slawoniens innerhalb des ungarischen Reichsteils der Doppelmonarchie regelte. 1918 markiert das Ende der Habsburgermonarchie und damit auch das Ende der alten politischen Rahmenbedingungen, in denen sich der kroatisch-slawonische Hochadel bewegte.
Bibliographische Angaben
- Autor: Daniel Lalić / Daniel Lalic
- Titel: Der Hochadel Kroatien-Slawoniens. Zwischen Verlust, Verteidigung und Neuerwerb gesellschaftlicher Elitenpositionen (1868–1918)
- Reihe: Elitenwandel in der Moderne / Elites and Modernity, Band 18
- Verlag: De Gruyter Oldenbourg
- Erscheinungsjahr: 2017
- Erscheinungsdatum laut Buchhandelsangaben: 10. Oktober 2017
- Umfang: je nach Zählweise 229 bzw. 237 Seiten
- Abbildungen: 27 Schwarz-Weiß-Abbildungen
- ISBN Hardcover: 978-3-11-051869-6
- eISBN PDF: 978-3-11-052123-8
- eISBN EPUB: 978-3-11-051876-4
- DOI: doi.org/10.1515/9783110521238
Worum geht es?
Die Studie stellt eine verbreitete Niedergangserzählung in Frage. Der kroatisch-slawonische Hochadel sei, so die zentrale These nach Verlagsbeschreibung, nicht einfach untergegangen oder „dekadent“ geworden, sondern habe seine gesellschaftliche Stellung auf spezifische Weise behauptet. Eine wichtige Rolle spielte dabei seine Beteiligung am Nation-Building, also am politischen, sozialen und kulturellen Aufbau einer modernen kroatischen Nation innerhalb der komplexen Strukturen Österreich-Ungarns.
Damit wird der Adel nicht nur als Träger alter Herrschaftsrechte betrachtet, sondern als Akteur in einem Modernisierungsprozess: im Landtag, im Umfeld des Banusamtes, in Wirtschaft, Landwirtschaft, Banken, Vereinen, gesellschaftlicher Repräsentation und familiären Netzwerken.
Inhaltliche Schwerpunkte des Bandes
Nach den öffentlich zugänglichen Inhaltsangaben behandelt Lalić unter anderem folgende Themen:
- den kroatischen Hochadel als politische Elite zwischen Nationalbewegung, Revolution und den Reformlandtagen von 1861 bis 1867;
- den Sabor, also den kroatischen Landtag, und das Banusamt als Bühne politischer Elitenbehauptung und Elitenkompromisse;
- die Rolle des Hochadels im Sabor von 1868 bis 1918;
- die Frage, ob das nationale Narrativ vom Rückzug oder Niedergang des Adels wirklich trägt;
- die wirtschaftliche Rolle des kroatisch-slawonischen Hochadels;
- Großgrundbesitz, Landwirtschaft, Unternehmen, Banken und Wirtschaftsvereine als Felder adeliger Aktivität;
- adelige Identität, insbesondere Jagd, Wohltätigkeit, Familie, Stammbaum, Wappen, Familiensitz und Konnubium.
Warum ist das für uns interessant?
Für genealogisch und heraldisch Interessierte ist besonders spannend, dass hier Adel nicht nur als rechtlicher Stand oder als Namens- und Wappenträger erscheint, sondern als soziales Netzwerk. Genau an diesem Punkt berührt das Buch viele Fragen, die auch in unserem Forum immer wieder auftauchen:
- Wie behaupteten adelige Familien ihre Stellung nach 1848?
- Welche Rolle spielten Grundbesitz, Heiratspolitik und Familienarchive?
- Wie wichtig waren Wappen, Stammbäume, Familiensitze und Erinnerungskultur für adelige Identität?
- Wie verhielt sich der kroatisch-slawonische Hochadel zwischen Wien, Budapest, Zagreb und den regionalen Herrschaftszentren?
- War der Adel Bremser, Anpassungskünstler oder aktiver Mitgestalter der Moderne?
Gerade der südosteuropäische Raum wird in der deutschsprachigen Adelsforschung oft weniger stark wahrgenommen als Böhmen, Mähren, Österreich, Ungarn oder Preußen. Lalićs Arbeit scheint hier eine wichtige Lücke zu schließen, weil sie die Adelslandschaft Kroatien-Slawoniens in den größeren europäischen Diskurs über Elitenwandel, „Obenbleiben“ und Modernisierung einordnet.
Namen und Familien als mögliche Anknüpfungspunkte
In der Vorschau und den bibliographischen Hinweisen begegnen unter anderem Namen und Familien wie Drašković / Draskovich, Erdődy, Pejačević, Khuen-Héderváry, Keglević, Janković, Bombelles, Kulmer und Hellenbach. Für unser Forum könnten gerade diese Familien interessante Einstiegspunkte bieten, etwa zu Besitzgeschichte, Wappen, Heiratsverbindungen, politischer Rolle und Archivalien.
Einordnung
Besonders reizvoll ist der Ansatz, den Adel nicht nur unter dem Gesichtspunkt von Verlusten zu betrachten. Natürlich verlor der Adel im 19. Jahrhundert alte rechtliche Privilegien und musste sich in veränderten politischen Verhältnissen behaupten. Aber Lalić fragt offenbar danach, wie diese Familien dennoch Elitenpositionen verteidigten oder neu erwarben.
Das ist für die Adelsgeschichte methodisch wichtig: Nicht nur der formale Verlust alter Standesrechte zählt, sondern auch die Frage, ob und wie Familien weiterhin Einfluss ausübten – durch Besitz, politische Mandate, Ämter, Vereine, Kreditinstitute, Heiratskreise, symbolische Repräsentation und kulturelles Kapital.
Diskussionsfragen an das Forum
- Hat jemand den Band bereits gelesen und kann etwas zur Quellenbasis sagen?
- Welche kroatisch-slawonischen Hochadelsfamilien waren im Sabor besonders einflussreich?
- Gibt es genealogische oder heraldische Standardwerke, die Lalićs Darstellung sinnvoll ergänzen?
- Wie unterscheidet sich die Entwicklung des kroatisch-slawonischen Hochadels von jener des ungarischen, österreichischen oder böhmischen Adels?
- Welche Rolle spielten Familien wie Drašković, Pejačević, Erdődy, Khuen-Héderváry, Bombelles oder Hellenbach konkret in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft?
- Sind in Archiven oder Familienbeständen Wappenbriefe, Stammtafeln, Besitzakten oder Korrespondenzen dieser Familien gut erschlossen?
- Der Google-Books-Link enthält als Suchbegriff „Kampf bei Vinica“. Hat jemand eine konkrete Stelle oder einen Zusammenhang im Buch gefunden, der diesen Suchbegriff erklärt?
Quellen und Links
- Google Books: Der Hochadel Kroatien-Slawoniens – Vorschau / Buchseite
- De Gruyter / Brill: Verlagsseite zum Band
- DOI: doi.org/10.1515/9783110521238
- Buchhandelsangaben: Dussmann / Kulturkaufhaus
"IN OMNIBUS ORDO"
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
