[Buchtipp] Österreichs Generäle 1919–1955

[Buchtipp] Österreichs Generäle 1919–1955

3 Wochen 5 Tage her - 3 Wochen 5 Tage her
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Österreichs Generäle 1919–1955

Mit dem vierbändigen Werk Österreichs Generäle 1919–1955. Die Generäle der 1. Republik und des Bundesstaates bis zur 2. Republik 1955 liegt ein umfangreiches biografisches Nachschlagewerk zur österreichischen Militärgeschichte der Zwischenkriegszeit, des Bundesstaates, der NS-Zeit und der frühen Zweiten Republik vor.

Das Werk erschien im Verlag Militaria und war laut damaliger Ankündigung ab 14. Oktober 2021 lieferbar. Für militärhistorisch Interessierte ist es zweifellos ein gewichtiger Buchtipp – nicht zuletzt deshalb, weil hier ein bislang nur schwer überschaubarer Personenkreis systematisch erschlossen wird.

Bibliografische Angaben
  • Titel: Österreichs Generäle 1919–1955
  • Untertitel: Die Generäle der 1. Republik und des Bundesstaates bis zur 2. Republik 1955
  • Autoren: Christian Frech, Iakovos Vlachos, Markus Pichler, Peter Steiner
  • Verlag: Verlag Militaria, Wien
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • Umfang: 4 Bände, insgesamt rund 2.500 Seiten
  • Ausstattung: Hardcover mit Schutzumschlag, Fadenheftung
  • Bildmaterial: Band 1 mit Bildteil, rund 300 Porträtfotos
  • Format: 26,5 × 18,5 cm
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3-903341-19-7
  • Preis laut Verlagseintrag: € 159,00

Worum geht es?

Das Werk behandelt die Biografien von 1.172 österreichischen Generälen aus der Zeit zwischen der Gründung der Ersten Republik und dem Staatsvertrag 1955. Erfasst werden nicht nur klassische Truppen- und Generalstabsoffiziere, sondern auch Militärärzte, Intendanten, Ingenieuroffiziere, Offiziere anderer Sonderdienste sowie Generäle von Polizei und Gendarmerie.

Besonders interessant ist der breite biografische Ansatz. Die Bände gehen nicht nur auf Dienstlaufbahnen und militärische Verwendungen ein, sondern auch auf familiäre Verhältnisse, Ausbildungsgänge und Auszeichnungen. Damit ist das Werk nicht nur für Militärhistoriker, sondern auch für Genealogen, Ordenskundler und Forscher zur österreichischen Verwaltungselite von Bedeutung.

Warum ist das Werk wichtig?

Der Zeitraum 1919 bis 1955 umfasst mehrere politische und militärische Brüche: das Ende der Habsburgermonarchie, die Erste Republik, den autoritären Bundesstaat, den „Anschluss“ 1938, die NS-Zeit, den Zweiten Weltkrieg und schließlich den Neubeginn der Zweiten Republik bis zum Staatsvertrag 1955.

Gerade für diesen Zeitraum sind militärische Karrieren oft schwer einzuordnen, weil viele Lebensläufe durch Systemwechsel, politische Belastungen, Entlassungen, Wiedereinstellungen, Verfolgung oder Rehabilitierungen geprägt waren. Laut Verlag widmet sich der Begleit- und Kommentarband daher auch dem historischen Kontext der Generalsernennungen, statistischen Auswertungen zu Religionsbekenntnis, Abstammung, sozialer Herkunft und Aufstiegschancen sowie den Schicksalen politisch oder rassisch verfolgter Generäle zwischen 1938 und 1945.

Von besonderem Quellenwert dürfte auch der Dokumententeil sein. Genannt werden unter anderem Aktenmaterial zur Mitgliederliste des „Nationalsozialistischen Soldatenringes“ (NSR), Protokolle der sogenannten Muff-Kommission sowie Aufzeichnungen des Oberleutnants Dr. Josef Eckinger mit politisch belastendem Material über Offiziere des Bundesheeres.

Einordnung für genealogisch und heraldisch Interessierte

Auch wenn es sich in erster Linie um ein militärhistorisches Nachschlagewerk handelt, kann es für genealogische Forschungen sehr wertvoll sein. Viele Offiziersbiografien berühren Familiengeschichte, soziale Herkunft, Bildungswege, Auszeichnungen, Netzwerke und politische Brüche. Gerade bei Familien, deren Angehörige im k.u.k. Offizierskorps, im Bundesheer der Ersten Republik, in Polizei oder Gendarmerie oder später im militärischen Umfeld der Zweiten Republik tätig waren, kann dieses Werk wichtige Hinweise liefern.

Für die Adels- und Standesgeschichte ist außerdem interessant, wie ehemalige k.u.k. Offiziere, Angehörige adeliger Familien und militärische Funktionseliten nach 1918 in der Republik, im Bundesstaat und später unter völlig veränderten politischen Rahmenbedingungen weiterwirkten.

Fachliche Rezeption

Eine Rezension des Werkes erschien 2023 in der Militärgeschichtlichen Zeitschrift. Rezensent war Günther Kronenbitter. Schon dies zeigt, dass das Werk nicht nur als Sammler- oder Liebhaberpublikation, sondern auch im wissenschaftlichen militärhistorischen Umfeld wahrgenommen wurde.

Fazit

Für militärhistorisch Interessierte ist Österreichs Generäle 1919–1955 ein ausgesprochen umfangreiches und wichtiges Nachschlagewerk. Es schließt eine spürbare Lücke zwischen k.u.k. Militärgeschichte, Erster Republik, Bundesstaat, NS-Zeit und Neubeginn nach 1945.

Wer zu österreichischen Offizieren, Generalen, militärischen Karrieren, Auszeichnungen, politischer Belastung, Verfolgung oder Rehabilitierung forscht, wird an diesem Werk kaum vorbeikommen.

Fragen an die Runde
  • Wer besitzt das Werk bereits und kann etwas zur Benutzbarkeit der Register und Biografien sagen?
  • Sind darin auch Generäle enthalten, die nach 1918 aus dem ehemaligen k.u.k. Offizierskorps in andere Dienste oder Verwaltungsbereiche wechselten?
  • Wie ausführlich werden adelige Herkunft, Familienverhältnisse und frühere k.u.k. Laufbahnen behandelt?
  • Gibt es im Werk Hinweise auf Wappen, Adelsprädikate oder genealogisch relevante Familienverbindungen?
  • Hat jemand das Werk bereits für konkrete Familienforschung oder Ordenskunde verwendet?
  • Wie wird mit politisch belasteten, verfolgten oder später rehabilitierten Offizieren umgegangen?

Quellen und weiterführende Hinweise
  • Verlag Militaria: Österreichs Generäle 1919–1955
  • Ursprünglich angegebener Link: www.militaria.at/Boo...anguage=de
  • Günther Kronenbitter: Rezension zu Christian Frech, Markus Pichler, Peter Steiner und Iakovos Vlachos, Österreichs Generäle 1919–1955, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift, 82/1, 2023, S. 143–145. DOI: 10.1515/mgzs-2023-0013
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