Wiesflecker Peter - Das k. k. adelige Damenstift in Graz

Wiesflecker Peter - Das k. k. adelige Damenstift in Graz

2 Wochen 5 Tage her
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Das k. k. adelige Damenstift in Graz – ein wertvoller Beitrag zur Adels-, Frauen- und Familiengeschichte

Peter Wiesflecker behandelt im Beitrag „Das k. k. adelige Damenstift in Graz“ die Geschichte einer heute wenig bekannten, für die Adels- und Familienforschung aber äußerst aufschlussreichen Institution: des k. k. adeligen Damenstifts in Graz.

Quelle:
Historische Landeskommission für Steiermark: Peter Wiesflecker, Das k. k. adelige Damenstift in Graz

Worum geht es?

Damenstifte waren Einrichtungen zwischen Kloster und Welt. Sie dienten nicht primär einem streng klösterlichen Leben, sondern vor allem der standesgemäßen Versorgung unverheirateter oder wirtschaftlich ungesicherter adeliger Frauen. Damit beleuchtet der Beitrag einen Bereich der Adelsgeschichte, der in der Forschung oft im Schatten von Besitz-, Militär-, Hof- und Ämtergeschichte steht: die soziale und ökonomische Wirklichkeit adeliger Frauen.

Das Grazer Damenstift wurde 1785 unter Joseph II. aus dem Vermögen des aufgehobenen Grazer Dominikanerinnenklosters am heutigen Tummelplatz gegründet. Es gehörte zu den sogenannten internen Damenstiften: Die Stiftsdamen erhielten nicht nur eine jährliche Präbende, sondern auch Wohnung im Stift selbst.

Warum ist dieser Beitrag für Genealogen interessant?

Der Beitrag ist genealogisch besonders wertvoll, weil er zeigt, welche Voraussetzungen Frauen aus adeligen Familien erfüllen mussten, um aufgenommen zu werden. Die Satzungen von 1785 sahen 18 Präbenden vor. Aufgenommen werden sollten Töchter aus Familien des erbländischen Adels, im Verhältnis zwischen Herren- und Ritterstand. Eine Landstandschaft der Familie war nicht zwingend erforderlich.

Besonders wichtig ist der Hinweis auf die geforderte Ahnenprobe: Die Kandidatin hatte nachzuweisen, dass ihre Großeltern von adeligen Vätern abstammten; praktisch bedeutete dies den Nachweis von vier adeligen Urgroßvätern. Für die Familienforschung können solche Aufnahmeakten daher äußerst wertvolle Hinweise auf Abstammung, Verwandtschaftsnetzwerke und soziale Stellung enthalten.

Warum ist der Beitrag für die Adelsforschung nützlich?

Der Beitrag macht deutlich, dass Adel nicht automatisch wirtschaftliche Sicherheit bedeutete. Gerade altadelige Familien konnten im 19. und frühen 20. Jahrhundert in eine prekäre Lage geraten. Das Damenstift war daher nicht bloß eine ehrwürdige Institution, sondern auch ein soziales Sicherungssystem innerhalb der adeligen Welt.

Interessant ist dabei der Gegensatz zwischen äußerem Standesanspruch und tatsächlicher finanzieller Lage. Am Beispiel der Schwestern Elsa und Nina Auersperg wird sichtbar, dass selbst Angehörige hochrangiger Namen auf eine Präbende angewiesen sein konnten, um standesgemäß versorgt zu sein.

Vorteile des Beitrags für die praktische Forschung
  • Institutionengeschichte: Der Beitrag erklärt die Entstehung, Funktion und Entwicklung des Grazer Damenstifts von der josephinischen Gründung bis in das 20. Jahrhundert.
  • Genealogische Relevanz: Aufnahmebedingungen, Ahnenproben und Präbenden können Hinweise auf Familienzusammenhänge und adelige Abstammungsnachweise liefern.
  • Sozialgeschichte des Adels: Der Beitrag zeigt, dass adelige Lebenswelten sehr unterschiedlich waren und dass Armut bzw. wirtschaftliche Unsicherheit auch in alten adeligen Familien vorkam.
  • Frauen- und Familiengeschichte: Im Mittelpunkt stehen Lebenswege adeliger Frauen außerhalb von Ehe, Kloster und Hofdienst.
  • Vergleich mit anderen Damenstiften: Neben Graz werden auch Damenstifte bzw. Fräuleinstiftungen in Brünn, Prag, Innsbruck, Wien, Görz, Kärnten und Krain erwähnt.
  • Quellenhinweise: Der Beitrag verweist auf Bestände des Steiermärkischen Landesarchivs, darunter den Sonderbestand „Adeliges Damenstift“ sowie Akten der k. k. Statthalterei und der Steiermärkischen Landesregierung.
  • Konkrete Namen und Beispiele: Genannt werden u. a. Gisela Freiin von Lazarini, Gabriele Thusnelda Garzarolli von Thurnlack, Johanna Gräfin von Attems, Anna Gräfin Galler sowie Elsa und Nina Gräfin Auersperg.

Auch für Heraldiker von Interesse

Für die Heraldik ist der Beitrag nicht wegen Wappenabbildungen im engeren Sinn wichtig, sondern wegen der Frage adeliger Legitimation. Wo Ahnenproben verlangt wurden, entstanden Nachweise, die für Wappenführung, Standesqualität, Familienzuordnung und die Überprüfung genealogischer Angaben von Bedeutung sein können.

Gerade bei adeligen Damenstiften lohnt sich daher die Frage: Welche Familien mussten ihre Abstammung nachweisen? Welche Linien wurden anerkannt? Welche Nachweise wurden akzeptiert? Und welche Stiftsakten enthalten vielleicht bis heute genealogisch oder heraldisch relevante Belege?

Fazit

Der Beitrag von Peter Wiesflecker ist eine sehr empfehlenswerte Einführung in ein Spezialthema der österreichischen Adelsgeschichte. Er zeigt, dass Damenstifte nicht nur fromme oder repräsentative Einrichtungen waren, sondern wichtige Versorgungsinstitutionen für adelige Frauen. Für Genealogen, Heraldiker und Adelsforscher bietet der Text zahlreiche Anknüpfungspunkte: Ahnenproben, Präbenden, Aufnahmebedingungen, Familiennetzwerke, soziale Stellung und konkrete Einzelschicksale.

Diskussionsfragen an das Forum
  • Hat jemand bereits mit Akten des Grazer Damenstifts im Steiermärkischen Landesarchiv gearbeitet?
  • Sind Aufnahmegesuche, Ahnenproben oder Präbendenlisten einzelner Stiftsdamen bekannt oder publiziert?
  • Gibt es vergleichbare Forschungen zu den Damenstiften in Kärnten, Krain, Görz, Innsbruck oder Wien?
  • Welche genealogischen Nachweise finden sich in solchen Stiftsakten typischerweise?
  • Sind Mitglieder bestimmter steirischer Adelsfamilien im Grazer Damenstift besonders häufig vertreten?

Quelle:
Peter Wiesflecker: Das k. k. adelige Damenstift in Graz, Historische Landeskommission für Steiermark, HLK-Blog 21/2021, 29.12.2021.
www.hlk.steiermark.a...153524465/
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