Franz Xaver Ritter von Schidlach (1816–1907)
- USchu
-
Autor
- Offline
- Beiträge: 906
Franz Xaver Ritter von Schidlach (1816–1907)
1 Woche 3 Tage herPostkarte im Archiv der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft ADLER zu Graz.
Franz Xaver Ritter von Schidlach
Der k. k. Offizier Franz Xaver Ritter von Schidlach, geboren am 30. November 1816 in Přelouč.
Schidlach absolvierte die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt und wurde 1836 dem Tiroler Kaiserjäger-Regiment zugeteilt. Er nahm an den Feldzügen von 1848 und 1849 sowie 1859 teil. Als Major und Kommandant des Feldjäger-Bataillons Nr. 9 zeichnete er sich im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 besonders aus.
Der genealogische Artikel im Brünner Taschenbuch nennt ausdrücklich seine Leistungen in den Gefechten bei Oberselk am 4. Februar und Oeversee am 6. Februar 1864, für die er das Ritterkreuz des österreichisch-kaiserlichen Leopold-Ordens mit Kriegsdekoration erhielt.
Noch im Sommer desselben Jahres war Schidlach an der Besetzung der nordfriesischen Inseln Sylt, Föhr und Römö beteiligt. Nach dieser Unternehmung wurde er außer der Rangstour zum Obersten befördert. 1866 führte er sein Bataillon bei Königgrätz und Blumenau.
1871 erfolgte seine Ernennung zum Generalmajor. Mit 1. August 1876 trat er unter Verleihung des Feldmarschallleutnants-Charakters ad honores in den Ruhestand. Er ließ sich in Wilten nieder und trat dort als großzügiger Wohltäter hervor. Das Innsbrucker Stadtarchiv hebt insbesondere seine Unterstützungen sozialer Einrichtungen hervor.
Am 4. Dezember 1903 erhielt die neu angelegte Schidlachstraße in Wilten seinen Namen.
Adelsrechtlich eindeutig: Ritter von Schidlach – nicht Freiherr
Hier ist eine kleine, aber wesentliche Korrektur angebracht.
Die historischen Innsbrucker Adressbücher bezeichnen den Namensgeber der Straße teilweise als „Freiherr von Schidlach“. Diese Angabe lässt sich mit den einschlägigen Adels- und Militärquellen jedoch nicht bestätigen.
Das Österreichische Staatsarchiv führt im Hofadelsarchiv:
852.31 Schidlach, Franz, Oberst, Leopold-Ordens-Ritter, Ritterstand (1866.08.16)
Damit ist die Standeserhebung zweifelsfrei dokumentiert.
Am 16. August 1866 erhob Kaiser Franz Joseph I. den Obersten Franz Schidlach als Ritter des Leopold-Ordens mit Kriegsdekoration in den österreichischen Ritterstand und verlieh ihm ein Wappen.
Auch die amtliche Generalitätsliste des Österreichischen Staatsarchivs führt ihn bis zu seinem Lebensende als
Franz Xaver Ritter von Schidlach.
Ein selbständiger Erwerb des Freiherrenstandes ist nach dem derzeitigen Quellenstand nicht feststellbar. Die Bezeichnung „Freiherr“ im Innsbrucker Adressbuch dürfte daher auf einer lokalen Titelverwechslung beruhen.
Das 1866 verliehene Wappen
Der beigefügte genealogisch-heraldische Auszug überliefert folgende Beschreibung:
Gespalten, vorne in Rot über silbernem Wellenfuße ein aufrechtes blankes Schwert mit goldenem Griffe, hinten in Blau auf silbernem Dreifelsen ein natürliches Edelweiß. Zwei gekrönte Turnierhelme: auf I mit rot-silbernen Decken ein wie die vordere Schildeshälfte bezeichneter Flügel, auf II mit blau-silbernen Decken ein wachsender doppelschwänziger silberner Löwe.
Heraldisch wichtig ist: Es handelt sich nicht um den Nachweis eines alten Schidlach'schen Stammwappens, sondern um das mit dem Ritterstand 1866 neu verliehene Wappen Franz Schidlachs.
Genealogische Notizen – eine Spur nach Untersteiermark
Der genealogische Artikel im Brünner Taschenbuch nennt als Eltern:
Josef Schidlach, geboren am 12. Februar 1766 in Windisch-Feistritz, gestorben am 25. Oktober 1820 in Wien, k. k. Rittmeister im Kürassier-Regiment Hannibal Marquis Sommariva Nr. 5,
und
Rosalie geb. Bernardis, geboren am 3. April 1780 in Temesvár, gestorben am 13. März 1847 in Preßburg/Pozsony.
Damit erhält die gelegentlich vermutete Verbindung der Familie Schidlach zur Untersteiermark einen konkreten genealogischen Anhaltspunkt: Windisch-Feistritz ist das heutige Slovenska Bistrica in Slowenien.
Dies belegt zumindest die Geburt des Vaters in der Untersteiermark. Für die Behauptung, die Familie Schidlach sei dort bereits seit mehreren Generationen ansässig gewesen oder habe dort ihren eigentlichen Stammursprung gehabt, wären jedoch noch ältere Kirchenbuch- und Militärquellen erforderlich. Die Namensform allein genügt dafür nicht.
Franz Xaver Schidlach heiratete laut dem genealogischen Auszug am 6. Februar 1844 in Feldkirch
Josefine Leiß von Laimburg,
geboren München 30. August 1811,
gestorben Innsbruck 13. Februar 1870.
Aus der Ehe ist in der vorliegenden Genealogie eine Tochter verzeichnet:
Rosa Magdalena Aloisia von Schidlach,
geboren Bregenz 16. Dezember 1844,
gestorben Innsbruck 15. Jänner 1898.
Sie heiratete am 7. Februar 1874 in Kaschau/Kassa den aus Bozen stammenden Ingenieur Josef Riehl (* 31. August 1842).
Damit führt eine weitere interessante Verbindung in die Tiroler Geschichte: Josef Riehl wurde später einer der bedeutenden Ingenieure und Bahnbauer Tirols.
Der genealogische Auszug überschreibt die Familie ausdrücklich mit
„von Schidlach. (Im eigenen Stamme erloschen.)“
Da Franz Xaver lediglich mit dieser Tochter fortgeführt wird, ist damit das Erlöschen des namensführenden Mannesstammes gemeint; genealogisch lebte seine Deszendenz über die Familie Riehl weiter.
War Rosalie Bernardis mit Robert Bernardis verwandt?
Besonderes Interesse weckt der Mädchenname der Mutter: Bernardis.
Eine Verbindung zum späteren österreichischen Widerstandskämpfer Robert Bernardis (1908–1944) wäre zweifellos reizvoll, ist gegenwärtig aber nicht belegt.
Die bekannte väterliche Linie Robert Bernardis' führt über seinen Vater Nikolaus Bernardis (*1862) und seinen Großvater Pietro Bernardis (1833–1878) nach Rovigno, dem heutigen Rovinj in Istrien.
Eine genealogische Brücke von dieser istrischen Familie zu der 1780 in Temesvár geborenen Rosalie Bernardis konnte bislang nicht nachgewiesen werden.
Für die Familienforschung gilt daher auch hier:
Namensgleichheit ist ein wertvoller Suchhinweis – aber noch kein Verwandtschaftsbeweis.
Matrikelansätze
Für zwei Angaben des genealogischen Auszuges stehen inzwischen passende Matrikelbestände bei Matricula Online fest.
Die Ehe Franz Xaver Schidlach – Josefine Leiß von Laimburg, Feldkirch, 6. Februar 1844 fällt in:
Matricula Online, Feldkirch,
Trauungsbuch 375/4, 1784–1897,
sowie in das mit Index versehene
Trauungsbuch 132/3, 1800–1924.
Matricula Online – Feldkirch
Für die am 16. Dezember 1844 in Bregenz geborene Rosa Magdalena Aloisia kommen in St. Gallus insbesondere in Betracht:
Taufbuch 12 (367/2), 1833–1848,
und
Taufbuch 12/2 (371/1), 1840–1848.
Matricula Online – Bregenz-St. Gallus
Die Bestände decken die betreffenden Daten ab; die konkreten Bildseiten der Einträge wären für einen vollständigen genealogischen Nachweis noch festzustellen.
Zum Sterbedatum
Auch hier lohnt sich Quellenkritik. Der beigefügte genealogische Auszug nennt 30. Mai 1907, die historischen Innsbrucker Adressbücher dagegen den 29. Mai 1907.
Die amtliche Generalitätsliste des Österreichischen Staatsarchivs trägt dieser Unsicherheit Rechnung und verzeichnet:
29./30.5.1907
Für eine streng genealogische Darstellung erscheint daher bis zur Einsicht in die Sterbematrikel die Angabe 29./30. Mai 1907 in Innsbruck am saubersten.
Die Fotografie von 1866
Die beigefügte Originalfotografie zeigt Franz Xaver Schidlach als Obersten. Eine Datierung auf 1866 ist mit seiner nach den Unternehmungen von 1864 erfolgten Beförderung zum Obersten vollkommen vereinbar.
Die angegebene Provenienz aus dem Bildnachlass des Generals Joseph Freiherr Schneider von Manns-Au ist grundsätzlich plausibel. Ein archivalischer Nachlass Schneider von Manns-Au ist im Österreichischen Staatsarchiv/Kriegsarchiv tatsächlich als AT-OeStA/KA NL 59 (
Quellen und Literatur
Österreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungsarchiv, Adelsarchiv, Hofadelsakten, Allgemeine Reihe, 852.31 Schidlach, Franz – Ritterstand, 16. August 1866:
Österreichisches Staatsarchiv – Hofadelsakten
Österreichisches Staatsarchiv, Die k. k. bzw. k. u. k. Generalität 1816–1918, Eintrag Franz Xaver Ritter von Schidlach:
Österreichisches Staatsarchiv – Generalität 1816–1918
Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Die Straßen von Innsbruck – die Schidlachstraße:
Innsbruck erinnert sich – Schidlachstraße
Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ausgezeichnete Köpfe – Teil 8: Heinrich von Schullern:
Innsbruck erinnert sich – Heinrich von Schullern
Historische Adressbücher der Stadt Innsbruck, Schidlachstraße und Schullernstraße:
Innsbrucker*innen – Historische Adressbücher
Deutsche Biographie, Robert Johann Bernardis:
Deutsche Biographie – Robert Bernardis
Universität Graz, GAMS – Windisch-Feistritz / Slovenska Bistrica:
Postcarding Lower Styria – Windisch-Feistritz
Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv, AT-OeStA/KA NL 59 (
Nachlass Schneider von Manns-Au
Literaturangaben des beigefügten genealogischen Auszuges:
Brünner Adel. Taschenbuch, I (1870), III (1878), VIII (1883), XIII (1888) und XVII (1892).
J. Svoboda, Die Theresianische Militär-Akademie zu Wiener-Neustadt und ihre Zöglinge, I. Bd., 1894, im beigefügten Auszug S. 595. Das digital erschlossene Namensregister der ULB Tirol verweist Schidlach allerdings auf Bd. I, S. 596; die Seitenangabe sollte daher bei einer wissenschaftlichen Druckfassung nochmals am Original kontrolliert werden.
Rückblick
Die Schidlachstraße verbindet in bemerkenswerter Weise zwei Tiroler Biographien: jene des Schriftstellers Heinrich Ritter von Schullern und jene des vielfach ausgezeichneten Offiziers Franz Xaver Ritter von Schidlach.
Bei Schidlach lässt sich der Adel ungewöhnlich klar fassen: Ritterstandserwerb am 16. August 1866 als Ritter des Leopold-Ordens mit Kriegsdekoration, verbunden mit einer eigenen Wappenverleihung.
Die Spur seines Vaters nach Windisch-Feistritz macht eine Verbindung der Familie zur Untersteiermark durchaus plausibel. Die vermutete Verwandtschaft seiner Mutter Rosalie Bernardis mit der Familie des späteren Robert Bernardis bleibt dagegen eine reizvolle, aber bislang unbelegte Forschungsfrage.
Gerade dieses Beispiel zeigt, wie viel sich aus einer scheinbar beiläufigen Innsbrucker Adresse entwickeln kann: eine Linde, zwei Rittergeschlechter, ein 1866 verliehenes Wappen, eine Spur nach Untersteiermark – und mehrere offene genealogische Fragen.
"IN OMNIBUS ORDO"
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
