Feldzeugmeister Siegmund Graf von Benigni in Müldenberg (1855–1922)

Feldzeugmeister Siegmund Graf von Benigni in Müldenberg (1855–1922)

1 Woche 6 Tage her - 1 Woche 6 Tage her
#
 

 
Feldzeugmeister Siegmund Graf von Benigni in Müldenberg (1855–1922)

Siegmund Josef Thomas Heinrich Ludwig von Benigni in Müldenberg gehörte zu den erfahrenen österreichisch-ungarischen Heerführern des Ersten Weltkrieges. Aus einer bereits dem Ritterstand angehörenden Familie stammend, wurde er 1917 gemeinsam mit seinen Brüdern in den österreichischen Grafenstand erhoben.

Seine Laufbahn ist nicht nur militärgeschichtlich bemerkenswert. Auch die ungewöhnliche Standeserhöhung vom Ritter- unmittelbar in den Grafenstand wirft interessante adelsrechtliche und gebührenrechtliche Fragen auf.

Lebensdaten

Siegmund von Benigni in Müldenberg wurde am 15. Jänner 1855 in Fiume, dem heutigen Rijeka in Kroatien, geboren.

Als Sterbeort ist Graz gesichert. Beim Sterbedatum besteht allerdings eine kleine Unstimmigkeit in den verfügbaren Quellen:
  • Das Österreichische Biographische Lexikon und mehrere neuere Darstellungen nennen den 13. Oktober 1922.
  • In der Generalsliste von Antonio Schmidt-Brentano wird dagegen der 23. Oktober 1922 angegeben.

Bis zur Klärung anhand einer Sterbematrik oder eines zeitgenössischen Parte- beziehungsweise Zeitungsfundes sollte daher vermerkt werden:

Geboren: 15. Jänner 1855 in Fiume
Gestorben: 13. oder 23. Oktober 1922 in Graz

Nach einer verbreiteten Angabe wurde er auf dem Grazer Stadtfriedhof St. Peter beigesetzt. Auch diese Information wäre durch das Friedhofsregister oder ein Grabfoto noch unmittelbar zu bestätigen.

Ausbildung und Beginn der militärischen Laufbahn

Benigni absolvierte die k. u. k. Technische Militärakademie. Im Jahr 1873 wurde er als Leutnant zum Genieregiment Nr. 1 nach Olmütz ausgemustert.

Nach Absolvierung des höheren Geniekurses wurde er 1880 als Oberleutnant dem Generalstab zugeteilt. Seine weitere Laufbahn war durch einen Wechsel zwischen Generalstabsverwendungen, Lehr- und Kommandofunktionen geprägt.

Zu den frühen Stationen gehörte der Stab der 32. Infanteriebrigade in Hermannstadt. Die schrittweise Beförderung verlief über folgende Rangstufen:
  • 1882 Hauptmann,
  • 1893 Major,
  • 1898 Oberstleutnant,
  • 1901 Oberst,
  • 1. November 1907 Generalmajor,
  • 1. November 1911 Feldmarschallleutnant,
  • 1915 Feldzeugmeister.

Bei der Beförderung zum Feldzeugmeister sind unterschiedliche Datumsangaben zu beachten. In der Generalsliste werden der 11. September 1915 für den Titularrang und der 1. November 1915 für den wirklichen Feldzeugmeister genannt, wobei das Ernennungs- beziehungsweise Rangdatum teilweise mit 7. Mai 1915 angegeben wird. Diese scheinbare Abweichung ist vermutlich durch die unterschiedliche Bedeutung von Ernennungs-, Rang- und Wirksamkeitsdatum zu erklären.

Kommandofunktionen vor dem Ersten Weltkrieg

Von 1898 bis 1902 leitete Benigni die Infanteriekadettenschule in Preßburg. Damit war er mehrere Jahre unmittelbar an der Ausbildung des militärischen Nachwuchses beteiligt.

Anschließend übernahm er verschiedene Truppenkommandos:
  • 1902 bis 1904 Kommandant des k. u. k. Infanterieregiments Nr. 19,
  • 1904 bis 1907 Kommandant des Bosnisch-Hercegovinischen Infanterieregiments Nr. 2,
  • ab April 1907 Kommandant der 19. Infanteriebrigade,
  • ab August 1907 Kommandant der 2. Gebirgsbrigade in Trebinje.

Mit dem Kommando einer Gebirgsbrigade in Bosnien und der Herzegowina sammelte Benigni Erfahrungen in einem militärisch und politisch besonders sensiblen Raum der Monarchie.

Nach seiner Beförderung zum Feldmarschallleutnant endete seine aktive Friedensverwendung vorläufig. Er wurde auf Wartegebühr gestellt, stand dem Heer jedoch weiterhin zur Verfügung.

Einsatz im Ersten Weltkrieg

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Benigni wieder zum aktiven Dienst herangezogen.

Bereits während der Kämpfe des Jahres 1914 trat er nach der Darstellung des Österreichischen Biographischen Lexikons bei der Verteidigung des Brückenkopfes von Jaroslau hervor. Die Behauptung, dadurch sei der Rückzug größerer österreichisch-ungarischer Verbände ermöglicht worden, wird in der biographischen Literatur ausdrücklich hervorgehoben.

Für das Jahr 1915 werden unterschiedliche Divisionsbezeichnungen genannt. Nach einer verbreiteten Darstellung führte Benigni zunächst die 45. und anschließend die 15. Infanterietruppendivision. Das Österreichische Biographische Lexikon nennt hingegen die 54. Infanteriedivision und hebt ihren Durchbruch bei Dukla hervor.

Diese Differenz sollte anhand der zeitgenössischen Schematismen, der Kriegsgliederungen und der Generalstabswerke näher untersucht werden. Möglicherweise beziehen sich die Angaben auf unterschiedliche Phasen beziehungsweise Umgliederungen der von Benigni geführten Verbände.

Seine Truppen standen im Bereich der Armeegruppe beziehungsweise Armee Pflanzer-Baltin und waren an den schweren Kämpfen in den Karpaten, in Ostgalizien und in der Bukowina beteiligt.

Im Sommer 1915 wurde ein nach ihm benannter Großverband, das sogenannte Korps Benigni, gebildet. Er führte dieses Korps während der Kämpfe gegen Russland. Im Juli 1916 wurde der Verband in das VIII. Korps umbenannt.

Benigni blieb bis März 1918 dessen Kommandant. Danach wurde er durch General der Infanterie Emmerich Hadfy abgelöst.

Von März beziehungsweise Frühjahr 1918 bis Oktober 1918 fungierte er als Militärkommandant von Krakau. Damit hatte er in der letzten Kriegsphase eine wichtige territoriale Kommandostelle inne.

Mit 1. Jänner 1919 wurde er pensioniert.

Historische Bedeutung

Die militärgeschichtliche Bedeutung Benignis liegt vor allem in seiner Tätigkeit als Divisions- und Korpskommandant an der Ostfront.

Seine Verbände waren in einem Operationsraum eingesetzt, der durch extreme klimatische Bedingungen, unzureichende Verkehrswege, hohe Verluste und mehrfach wechselnde Frontverläufe geprägt war. Besonders die Karpatenschlachten des Winters und Frühjahrs 1915 gehörten zu den verlustreichsten Operationen der österreichisch-ungarischen Armee.

Benigni galt offenbar als erfahrener, verlässlicher und organisatorisch geeigneter Truppenführer. Die Benennung eines Korps nach seinem Kommandanten war zwar keine formale dauerhafte Verbandsbezeichnung, zeigt aber seine persönliche Stellung innerhalb der damaligen Kommandostruktur.

Seine Karriere steht zugleich beispielhaft für jene älteren k. u. k. Generale, die bereits vor dem Krieg aus dem aktiven Dienst ausgeschieden oder auf Wartegebühr gestellt worden waren und 1914 wegen des großen Bedarfs an erfahrenen Heerführern reaktiviert wurden.

Orden und Auszeichnungen

In den veröffentlichten Zusammenstellungen werden unter anderem folgende österreichisch-ungarische Auszeichnungen genannt:
  • Militärverdienstkreuz III. Klasse,
  • Ritterkreuz des Leopold-Ordens mit Kriegsdekoration und Schwertern,
  • Orden der Eisernen Krone II. Klasse mit Kriegsdekoration und Schwertern,
  • Militärverdienstkreuz II. Klasse mit Kriegsdekoration und Schwertern,
  • Orden der Eisernen Krone I. Klasse mit Kriegsdekoration und Schwertern,
  • Leopold-Orden I. Klasse mit Kriegsdekoration und Schwertern,
  • Ehrenzeichen I. Klasse vom Roten Kreuz mit Kriegsdekoration,
  • Militär-Jubiläumsmedaille 1898,
  • Militär-Jubiläumskreuz 1908,
  • Mobilisierungskreuz 1912/13,
  • Bosnisch-Hercegovinische Erinnerungsmedaille,
  • Dienstzeichen für Offiziere II. Klasse.

Die genaue zeitliche Abfolge der Verleihungen wäre anhand der Militärschematismen und der Verordnungsblätter zu ergänzen.

Familie

Die Familie Benigni in Müldenberg gehörte bereits vor 1917 dem österreichischen Ritterstand an.

Gemeinsam mit Siegmund wurden nach dem veröffentlichten Verzeichnis des Adelsaktes auch seine Brüder
  • Heinrich,
  • Theodor und
  • Rudolf

in die Grafenstandserhebung einbezogen.

 
Feldzeugmeister Siegmund Benigni mit seinem Sohn vor dem Quartier in Perehinsko (Russland, Februar 1916).

Rudolf Karl Josef Thomas von Benigni in Müldenberg, geboren am 20. März 1862 und gestorben am 5. Februar 1937, gehörte ebenfalls der k. u. k. Generalität an. Er erreichte den Rang eines Titulargeneralmajors beziehungsweise später eines Titular-Vizeadmirals.

Zu Siegmunds Ehefrau, möglichen Kindern und weiteren Nachkommen konnten in den frei zugänglichen verlässlichen Quellen bislang keine ausreichend gesicherten Angaben festgestellt werden. Hier wären insbesondere die Gothaischen Genealogischen Taschenbücher der Gräflichen Häuser, Militärmatriken, kirchliche Trauungs- und Taufbücher sowie der eigentliche Adelsakt heranzuziehen.

 

Die Erhebung in den Grafenstand

Siegmund Ritter von Benigni in Müldenberg wurde aufgrund seiner militärischen Verdienste am 16. August 1917 durch Kaiser Karl I. in den österreichischen Grafenstand erhoben.

Die Erhebung erstreckte sich nach den bisher ermittelten Angaben auch auf seine Brüder Heinrich, Theodor und Rudolf.

Der einschlägige Adelsakt wird in einer wissenschaftlichen Zusammenstellung unter folgender Signatur angeführt:

Österreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungsarchiv, Adelsarchiv, B 58c/1917: Benigni in Müldenberg – Grafenstand für Siegmund Ritter von Benigni und seine Brüder Heinrich, Theodor und Rudolf.

Bemerkenswert ist, dass damit offenbar der Freiherrenstand übersprungen wurde. Die Familie gelangte unmittelbar vom Ritter- in den Grafenstand.

Eine solche Überspringung einer oder mehrerer Rangstufen wurde in der älteren adelsrechtlichen und fiskalischen Terminologie als Saltus bezeichnet. Mitunter findet sich dafür die Bezeichnung Saltustaxe oder Saltungstaxe. Grundsätzlich konnte bei einer Standeserhöhung die Taxe auch nach den übersprungenen Adelsstufen bemessen werden.

Im konkreten Fall Benigni hätte dies theoretisch bedeuten können, dass neben der Grafenstandstaxe auch die für den übersprungenen Freiherrenstand vorgesehene Taxe berücksichtigt wurde.

Allerdings war die tatsächliche Gebührenpraxis im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert kompliziert. Zahlreiche Nobilitierungen und Standeserhöhungen wurden aufgrund besonderer Verdienste ausdrücklich taxfrei bewilligt. Ob und in welchem Umfang dies bei Benigni geschah, kann erst durch Einsicht in das kaiserliche Handschreiben, den Vortrag und die Gebührenvermerke des Adelsaktes zweifelsfrei beantwortet werden.

Die Aussage, die Grafenstandserhebung sei vollständig „taxfrei“ erfolgt, sollte daher vorläufig nur unter Hinweis auf den noch zu prüfenden Adelsakt wiedergegeben werden.

Ebenso ist zwischen verschiedenen Kostenarten zu unterscheiden:
  • der eigentlichen Adels- beziehungsweise Standeserhöhungstaxe,
  • einer allfälligen Saltustaxe für übersprungene Rangstufen,
  • Stempelgebühren,
  • Ausfertigungs- und Kanzleigebühren,
  • Kosten für die Herstellung des Adelsdiploms einschließlich Wappenmalerei, Kapsel und Siegel.

Eine Befreiung von der Standestaxe bedeutete nicht zwangsläufig, dass überhaupt keine Kosten anfielen. Ob einzelne Ausfertigungs- und Stempelgebühren zwingend zu entrichten waren oder ebenfalls ganz beziehungsweise teilweise nachgesehen werden konnten, muss anhand der damals geltenden Taxvorschriften und des konkreten Aktenvermerks beurteilt werden.

Die im ursprünglichen Posting vertretene Kernaussage – eine taxfreie Standeserhöhung habe Benigni erhebliche Kosten erspart – ist grundsätzlich plausibel. Die weitergehende Behauptung, bestimmte Gebühren hätten selbst vom Kaiser keinesfalls erlassen werden können, ist ohne Vorlage der maßgebenden Vorschriften jedoch noch nicht hinreichend belegt.

Namensform und Schreibweise

Die korrekte Namensform lautet:

Siegmund Graf von Benigni in Müldenberg

Vor der Grafenstandserhebung:

Siegmund Ritter von Benigni in Müldenberg


Nach dem österreichischen Adelsaufhebungsgesetz von 1919 durften österreichische Staatsbürger Adelsbezeichnungen und das Prädikat „von“ im amtlichen Namen nicht mehr führen. Für historische Darstellungen bis 1918 ist die damalige vollständige Namens- und Titelform jedoch sachgerecht.

Offene Forschungsfragen
  1. Welches Sterbedatum ist durch die Grazer Sterbematrik belegt: der 13. oder der 23. Oktober 1922?
  2. Existiert auf dem Stadtfriedhof Graz-St. Peter noch ein Grabmal der Familie Benigni in Müldenberg?
  3. Welche Divisionen führte Benigni im Frühjahr 1915 tatsächlich und in welcher zeitlichen Reihenfolge?
  4. Wie lautete der genaue kaiserliche Vortrag zur Grafenstandserhebung vom 16. August 1917?
  5. Enthält der Adelsakt ausdrücklich den Vermerk „taxfrei“?
  6. Wurden neben der eigentlichen Standestaxe auch Stempel-, Ausfertigungs- oder Diplomskosten erlassen?
  7. Wurde im Akt eine Saltus- beziehungsweise Freiherrenstandstaxe angesprochen oder bereits nicht mehr verrechnet?
  8. Welche militärischen Verdienste wurden in der Begründung der Grafenstandserhebung ausdrücklich genannt?
  9. Wie sah das 1917 verliehene beziehungsweise bestätigte gräfliche Wappen aus?
  10. War Siegmund Graf Benigni verheiratet, und hinterließ er eigene Nachkommen?
  11. Welche genealogischen Angaben enthalten die Gothaischen Taschenbücher und die Grazer beziehungsweise Fiumaner Matriken über seine Eltern und Geschwister?

Quellen und weiterführende Literatur

Siegmund von Benigni in Müldenberg – Wikipedia

Österreichisches Biographisches Lexikon: Benigni, Siegmund Graf

Antonio Schmidt-Brentano: Die k. k. beziehungsweise k. u. k. Generalität 1816–1918, Österreichisches Staatsarchiv, Wien 2007

Jan Županič: Karlovská šlechta. Rakouské a uherské nobilitace ve světle materiálů kabinetní kanceláře Karla I./IV., mit Verweis auf den Adelsakt B 58c/1917.

Österreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungsarchiv, Adelsarchiv: Benigni in Müldenberg, Grafenstand 1917, mutmaßliche Signatur B 58c/1917.

Als ergänzende Quellen kommen die k. u. k. Militärschematismen, die amtlichen Verordnungsblätter, zeitgenössische Ranglisten, die Generalstabswerke zum Ersten Weltkrieg, die Grazer Sterbematriken sowie die Gothaischen Genealogischen Taschenbücher in Betracht.

Vorläufiges Ergebnis der Überprüfung

Die wesentlichen Lebens- und Laufbahndaten Siegmund von Benignis sowie seine Erhebung in den Grafenstand im Jahr 1917 sind durch mehrere voneinander unabhängige Quellen bestätigt.

Noch nicht abschließend geklärt sind das genaue Sterbedatum, einzelne Divisionskommandos des Jahres 1915, die familiären Verhältnisse und vor allem die konkrete taxrechtliche Behandlung der Grafenstandserhebung.

Die überlieferten Verweise wurden beibehalten. Nicht eindeutig nachweisbare Angaben wurden nicht als gesicherte Tatsachen dargestellt, sondern ausdrücklich als offene Forschungsfragen beziehungsweise plausible, noch aktenmäßig zu prüfende Aussagen gekennzeichnet.
"IN OMNIBUS ORDO"

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Login Form