Generalmajor Karl Freiherr von dem Bussche-Ippenburg (1872–1944)
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Generalmajor Karl Freiherr von dem Bussche-Ippenburg (1872–1944)
1 Woche 6 Tage her - 1 Woche 6 Tage herGeneralmajor Karl Freiherr von dem Bussche-Ippenburg (1872–1944) – ein westfälischer Uradeliger in österreichischen Diensten
Karl Freiherr von dem Bussche-Ippenburg entstammte einem alten, weit verzweigten westfälisch-niedersächsischen Adelsgeschlecht, entschied sich jedoch für eine militärische Laufbahn in der österreichisch-ungarischen Armee. Im Ersten Weltkrieg führte er unter anderem das traditionsreiche k. u. k. Feldjägerbataillon Nr. 10, die sogenannten „Kopaljäger“.
Seine Biografie steht damit exemplarisch für jene adeligen Familien, deren Angehörige infolge von Staatsdienst, Heirat und beruflicher Mobilität über die Grenzen der deutschen Einzelstaaten und der Habsburgermonarchie hinweg in unterschiedlichen Armeen und Staaten dienten.
Lebensdaten
Karl Freiherr von dem Bussche-Ippenburg wurde am 1. Dezember 1872 in Orsova im damaligen Königreich Ungarn geboren. Orsova – heute Orșova in Rumänien – lag im südöstlichen Grenzraum der Habsburgermonarchie.
Seine Eltern waren Alfons Clamor Freiherr von dem Bussche-Ippenburg, Post- und Telegrapheninspektor in Fiume, und Juliane, geborene von Hundt.
Karl Freiherr von dem Bussche-Ippenburg starb am 13. Januar 1944 in Wien.
Herkunft und Adel
Die Familie von dem Bussche gehört zum alten ostwestfälischen beziehungsweise niedersächsisch-westfälischen Adel. Ihre Angehörigen sind bereits im Mittelalter urkundlich nachweisbar. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden mehrere Linien, darunter:
- von dem Bussche-Ippenburg,
- von dem Bussche-Ippenburg genannt von Kessel,
- von dem Bussche-Haddenhausen,
- von dem Bussche-Hünnefeld,
- von dem Bussche-Lohe,
- von dem Bussche-Streithorst.
Der Linienname „Ippenburg“ bezieht sich auf Schloss Ippenburg bei Bad Essen im heutigen Niedersachsen. Teile des Familienbesitzes lagen beziehungsweise liegen im heutigen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.
Das Stammwappen der Familie zeigt in Silber drei rote Pflugscharen, gewöhnlich in der Stellung 2:1. Das älteste bekannte Siegel mit diesem Wappen wird auf das Jahr 1341 datiert.
Die Bezeichnung als „Uradelsfamilie des heutigen Nordrhein-Westfalens“ trifft den historischen Hintergrund grundsätzlich, sollte aber etwas weiter gefasst werden: Die Familie gehört zum ostwestfälisch-osnabrückischen Adel und war sowohl im heutigen Nordrhein-Westfalen als auch im heutigen Niedersachsen begütert und tätig.
Militärische Ausbildung
Karl von dem Bussche-Ippenburg erhielt seine militärische Ausbildung zunächst an den Militärunterrealschulen beziehungsweise militärischen Vorbereitungsschulen in Eisenstadt und Mährisch Weißkirchen.
Anschließend besuchte er die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt, eine der bedeutendsten Offiziersbildungsstätten der Habsburgermonarchie.
Am 18. August 1893 wurde er als Leutnant zum Feldjägerbataillon Nr. 11 ausgemustert.
Frühe militärische Laufbahn
Beim Feldjägerbataillon Nr. 11 versah Bussche-Ippenburg mit einer kurzen Unterbrechung bis 1905 Dienst. Zeitweise war er als Lehrer an der Infanteriekadettenschule in Lobzów bei Krakau eingesetzt.
Am 1. November 1897 wurde er zum Oberleutnant befördert.
Im Jahr 1905 erfolgte seine Versetzung zum Feldjägerbataillon Nr. 24. Ab dem 1. September 1907 wirkte er an der Infanteriekadettenschule in Budapest als Lehrer und Kompaniekommandant.
Am 1. Mai 1908 wurde er Hauptmann.
Für seine Leistungen in der Friedenszeit erhielt er unter anderem die Bronzene Militärverdienstmedaille.
Familie
Am 16. Juni 1898 heiratete Karl Freiherr von dem Bussche-Ippenburg in Ödenburg, dem heutigen Sopron, Carolina Wrchovszky de Wrchovina.
Über mögliche Kinder und Nachkommen enthalten die bislang herangezogenen frei zugänglichen Quellen keine ausreichend gesicherten Angaben. Hier wäre insbesondere das „Genealogische Handbuch des Adels“, Freiherrliche Häuser A, Band VII, heranzuziehen.
Bei den Tiroler Kaiserjägern
Im Jahr 1912 wurde Bussche-Ippenburg als Kompaniekommandant zum Tiroler Kaiserjägerregiment Nr. 3 versetzt, dessen Friedensstandort Rovereto war.
Bei der Mobilisierung im August 1914 führte er die 5. Kompanie dieses Regiments. Das Tiroler Kaiserjägerregiment Nr. 3 wurde zunächst nicht an der italienischen Grenze, sondern an der galizisch-russischen Front eingesetzt.
Es gehörte zur 96. Infanteriebrigade der 8. Infanterietruppendivision im XIV. Armeekorps.
Erster Weltkrieg – Galizien 1914
Am 28. August 1914 erhielt die 5. Kompanie des Tiroler Kaiserjägerregiments Nr. 3 bei Korczmin ihre Feuertaufe.
Nachdem der Bataillonskommandant Major Franz Bauer gefallen war, übernahm Hauptmann Bussche-Ippenburg noch am selben Tag die Führung des II. Bataillons des Tiroler Kaiserjägerregiments Nr. 3.
Er führte das Bataillon in den schweren Kämpfen bei Korczmin und Telatyn. Am 7. September 1914 wurde er verwundet und vorübergehend durch Hauptmann Josef Kschwend ersetzt.
Die Verluste des Regiments waren erheblich. Nach der herangezogenen Regimentsgeschichte wurden im Zusammenhang mit den Kämpfen bei Telatyn rund 50 Gefallene, 200 Verwundete und 300 Vermisste verzeichnet.
Für sein Verhalten in diesen Gefechten erhielt Bussche-Ippenburg das Militärverdienstkreuz III. Klasse mit Kriegsdekoration.
Bereits nach wenigen Tagen kehrte er zu seinem Bataillon zurück. Er führte es während des Winters 1914/15 und im folgenden Frühjahr weiter.
Für seine Leistungen wurde ihm der Orden der Eisernen Krone III. Klasse mit Kriegsdekoration verliehen. Außerdem wurde seine beschleunigte Beförderung zum Major beantragt.
Kommandant der „Kopaljäger“
Am 11. Juni 1915 wurde Hauptmann Karl Freiherr von dem Bussche-Ippenburg zum Kommandanten des Feldjägerbataillons Nr. 10 ernannt.
Er folgte Oberst Oswald Eccher ab Echo, Edler von Marienberg, der das Kommando über das Infanterieregiment Freiherr von Bolfras Nr. 84 übernahm.
Das Feldjägerbataillon Nr. 10 führte den Traditionsnamen „Kopal“. Namensgeber war Karl von Kopal, ein hochdekorierter österreichischer Offizier, der 1848 nach seiner schweren Verwundung bei Vicenza gestorben war.
Die Angehörigen des Bataillons wurden daher allgemein als „Kopaljäger“ bezeichnet.
Bussche-Ippenburg wurde am 1. Juli 1915 zum Major befördert und übernahm das Bataillon tatsächlich am 28. Juli 1915. Es befand sich damals in Verteidigungsstellungen beim Brückenkopf von Sokal am Bug.
Bereits am 15. August 1915 wurde Bussche-Ippenburg schwer verwundet. Trotz seiner Verwundung blieb er zunächst bei seiner Truppe und wurde erst in den frühen Morgenstunden des 17. August abtransportiert.
Nach seiner Genesung kehrte er am 30. November 1915 zum Bataillon zurück. Dieses befand sich damals bei Dubno am Fluss Ikwa.
Von diesem Zeitpunkt an blieb er – abgesehen von vorübergehenden Unterbrechungen – bis zum Ende des Krieges mit den Kopaljägern verbunden.
Auszeichnungen und Beförderung
Für seine Führung während der Kämpfe des Sommers 1916 wurde Bussche-Ippenburg mit dem Ritterkreuz des Leopold-Ordens ausgezeichnet.
Am 30. Juni 1917 erfolgte wegen seiner hervorragenden Dienstleistungen und seines tapferen Verhaltens vor dem Feind seine beschleunigte Beförderung zum Oberstleutnant.
Am 25. April 1918 erhielt er außerdem die Bronzene Militärverdienstmedaille am Bande des Militärverdienstkreuzes.
Die Jägergruppe Bussche an der Piave
Im Jahr 1918 übernahm Oberstleutnant Bussche-Ippenburg neben seinem eigenen Bataillon die Führung einer nach ihm benannten Jägergruppe.
Diese „Jägergruppe Bussche“ bestand im Wesentlichen aus:
- dem Feldjägerbataillon Nr. 5,
- dem Feldjägerbataillon Nr. 6,
- dem Feldjägerbataillon Nr. 10 „Kopal“.
Die Gruppe war der 25. Infanteriedivision zugeordnet und wurde im Herbst 1918 an der Piavefront eingesetzt.
Ende Oktober und Anfang November 1918 führte Bussche-Ippenburg seine Jägergruppe in den Rückzugsgefechten. Sie hatte die Aufgabe, den Rückzug des II. Armeekorps aus dem Piaveabschnitt zu decken.
Gerade in der Auflösung der österreichisch-ungarischen Armee zeigte sich offenbar seine Führungsfähigkeit. Während große Teile der Armeeverbände auseinanderfielen, gelang es ihm, die Kopaljäger als geschlossene und disziplinierte Einheit nach Österreich zurückzuführen.
Über Innichen und weitere Stationen erreichte das Bataillon schließlich St. Pölten. Dort übernahm Bussche-Ippenburg vorübergehend das militärische Kommando und leitete die Demobilisierung seines Bataillons.
Nach dem Zusammenbruch der Monarchie
Im Frühjahr 1919 wurde Bussche-Ippenburg nach Bregenz entsandt. Dort hatte er die Auflösung des Tiroler Kaiserjägerregiments Nr. 3 zu organisieren – jenes Regiments, mit dem er 1914 in den Krieg gezogen war.
Im Dezember 1919 erhielt er für seine Leistungen bei den Rückzugsgefechten an der Piave den Orden der Eisernen Krone III. Klasse mit Kriegsdekoration und Schwertern.
Im Jahr 1920 wurde er zum Oberst befördert.
Vom 26. Juli 1920 bis zum 31. Oktober 1922 war er Kommandant des Selbständigen Alpenjägerbataillons Vorarlberg Nr. 4 des österreichischen Bundesheeres.
Dieses Bataillon war auch an den militärischen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Eingliederung des Burgenlandes in die Republik Österreich beteiligt.
Mit 1. November 1922 trat Bussche-Ippenburg in den Ruhestand.
Am 30. April 1925 erhielt er den Titel beziehungsweise Charakter eines Generalmajors.
Historische Bedeutung
Karl Freiherr von dem Bussche-Ippenburg ist aus mehreren Gründen bemerkenswert:
- Er entstammte einem alten westfälischen Adelsgeschlecht, dessen Hauptlinien vor allem mit Hannover, Preußen und dem Deutschen Reich verbunden waren.
- Sein eigener Familienzweig stand dagegen im Dienst der Habsburgermonarchie.
- Er führte mit den Kopaljägern eine der traditionsreichsten und kampferprobtesten Jägereinheiten der k. u. k. Armee.
- Er bewährte sich nicht nur im Angriff und in der Verteidigung, sondern besonders während des schwierigen Rückzuges und der Auflösung der österreichisch-ungarischen Armee im November 1918.
- Nach 1918 wirkte er am Aufbau beziehungsweise an der Konsolidierung des österreichischen Bundesheeres mit.
Seine Lebensgeschichte veranschaulicht außerdem, dass Adelsfamilien nicht eindeutig einem modernen Nationalstaat zugeordnet werden können. Familienbindungen, Besitzverhältnisse und Dienstlaufbahnen reichten häufig über jene Grenzen hinweg, die im 19. und 20. Jahrhundert zunehmend als nationale Trennlinien verstanden wurden.
Verwandte auf der „anderen Seite“?
Besonders interessant ist die Frage, ob Karl Freiherr von dem Bussche-Ippenburg im Ersten Weltkrieg tatsächlich einem nahen Verwandten in der deutschen beziehungsweise preußischen Armee gegenüberstand.
Als möglicher Kandidat kommt Erich Freiherr von dem Bussche-Ippenburg, geboren am 12. März 1878 in Naumburg an der Saale und gestorben am 1. Oktober 1957 in Lehnerz, in Betracht.
Erich von dem Bussche-Ippenburg war Offizier der preußischen Armee und diente während des Ersten Weltkrieges überwiegend in Generalstabsverwendungen. Er wurde später General der Artillerie.
Die Formulierung, Karl könne „im Kampf öfters auf einen Verwandten von der anderen Seite gestoßen sein“, ist jedoch nur eingeschränkt zutreffend:
Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich waren im Ersten Weltkrieg Verbündete und standen daher nicht auf gegnerischen Seiten. Angehörige derselben Familie konnten allerdings in unterschiedlichen Kontingenten, Armeen und Befehlsstrukturen dienen.
Sollte mit der „anderen Seite“ nicht das Deutsche Reich, sondern ein Familienangehöriger in der russischen, italienischen oder einer anderen gegnerischen Armee gemeint sein, müsste dieser zunächst genealogisch identifiziert werden.
Eine direkte nahe Verwandtschaft zwischen Karl und Erich von dem Bussche-Ippenburg konnte anhand der bislang frei zugänglichen Quellen nicht zweifelsfrei rekonstruiert werden. Beide gehörten jedenfalls derselben weitverzweigten Adelsfamilie beziehungsweise dem Namenszweig Bussche-Ippenburg an.
Offene Fragen für die weitere Forschung
- Welcher genaue genealogische Zusammenhang bestand zwischen Karl und Erich Freiherrn von dem Bussche-Ippenburg?
- Wer waren die Eltern und Großeltern von Karls Vater Alfons Clamor Freiherr von dem Bussche-Ippenburg?
- Seit wann war dieser Familienzweig dauerhaft in der Habsburgermonarchie ansässig?
- Stand bereits Karls Vater im österreichischen Staatsdienst, oder war er ursprünglich aus einem deutschen Staatsgebiet zugewandert?
- Hatten Karl und Carolina von dem Bussche-Ippenburg Kinder, und existieren Nachkommen?
- Sind Personalakten Karls im Österreichischen Staatsarchiv beziehungsweise Kriegsarchiv erhalten?
- Existieren Fotografien, Tagebücher oder Feldpostbriefe aus seiner Zeit bei den Tiroler Kaiserjägern und den Kopaljägern?
- Welche konkreten Gefechte führte die Jägergruppe Bussche während des Rückzuges von der Piave?
- Auf welchen Angehörigen der Familie bezieht sich die Vermutung eines Verwandten auf der „anderen Seite“?
- Lässt sich die Familienverbindung durch das Genealogische Handbuch des Adels oder ältere Gothaische Taschenbücher eindeutig belegen?
Quellen und weiterführende Literatur
Generalmajor Karl Freiherr von dem Bussche-Ippenburg – Austro-Hungarian Army
Kopaljäger – Geschichte und Traditionspflege des Feldjägerbataillons Nr. 10
KOPAL seit 1813 – Traditionsdarstellung zum Feldjägerbataillon Nr. 10
Von dem Bussche – Adelsgeschlecht und Familienzweige
Erich Freiherr von dem Bussche-Ippenburg
Als Literatur werden in der ausführlichen englischsprachigen Biografie unter anderem genannt:
- Johann Svoboda: „Die Theresianische Militär-Akademie zu Wiener-Neustadt und ihre Zöglinge von der Gründung der Anstalt bis auf unsere Tage“, Band 3, Wien 1897.
- Alfred Rost: „Geschichte des k. u. k. Feldjägerbataillons Kopal Nr. 10 1914–1918“, Wien 1938.
- Viktor Schemfil: „Das k. u. k. 3. Regiment der Tiroler Kaiserjäger im Weltkrieg 1914–1918“, Bregenz 1926.
- Johannes Rüling: „Stellenbesetzung des Österreichischen Bundesheeres“, in: Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums, Band 4, Wien 1969.
- Genealogisches Handbuch des Adels, Freiherrliche Häuser A, Band VII, Limburg an der Lahn 1969.
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