Stephan Freiherr von Ljubičić (1855-1935)

Stephan Freiherr von Ljubičić (1855-1935)

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Stephan Freiherr von Ljubičić – Feldzeugmeister und Korpskommandant


Stephan Freiherr von Ljubičić gehörte zu jener Generation höherer Offiziere der österreichisch-ungarischen Armee, deren militärische Laufbahn noch vollständig in der Habsburgermonarchie verlief und im Ersten Weltkrieg ihren Höhepunkt erreichte. Der aus der kroatischen Militärgrenze stammende Artillerieoffizier stieg vom Sohn eines einfachen Berufsoffiziers bis zum Feldzeugmeister, Korpskommandanten und Wirklichen Geheimen Rat auf.

Besondere genealogische und heraldische Bedeutung besitzt seine Erhebung in den erblichen österreichischen Freiherrenstand im Jahr 1916.

Lebensdaten

Stephan – kroatisch auch Stjepan – Ljubičić wurde am 25. September 1855 in Vrginmost im damaligen Königreich Kroatien und Slawonien geboren. Der Ort gehörte zum Bereich der früheren kroatisch-slawonischen Militärgrenze und liegt heute in der Gespanschaft Sisak-Moslavina in Kroatien.

In einzelnen späteren Darstellungen wird als Geburtsjahr 1856 genannt. Das vom Österreichischen Staatsarchiv veröffentlichte Verzeichnis der k. k. beziehungsweise k. u. k. Generalität nennt jedoch ausdrücklich den 25. September 1855. Dieses Datum ist daher vorzuziehen.

Ljubičić starb am 16. August 1935 in Wien. Die Beisetzung erfolgte am 20. August 1935 nach katholischem Ritus auf dem Neustifter Friedhof beziehungsweise Friedhof Neustift am Walde in Wien.

Herkunft und Familie

Stephan Ljubičić entstammte keiner alten Adelsfamilie. Sein Vater wird in den biografischen Darstellungen als bürgerlicher k. k. Leutnant bezeichnet. Damit wuchs Ljubičić in einem militärisch geprägten Umfeld auf, ohne bereits durch Geburt dem Adel anzugehören.

Seine Herkunft aus Vrginmost verweist zugleich auf die besondere militärische Tradition der kroatischen Grenzgebiete. Die Militärgrenze hatte über Generationen hinweg zahlreiche Soldaten und Offiziere für die habsburgischen Streitkräfte hervorgebracht.

Zu Ehefrau, Kindern und weiteren Nachkommen sind in den allgemein zugänglichen biografischen Zusammenstellungen nur wenige gesicherte Angaben enthalten. Für eine vollständige Genealogie wären insbesondere die Wiener Trauungs- und Sterbematriken, Militärheiratsakten, Verlassenschaftsakten sowie das 1916 ausgestellte Freiherrendiplom heranzuziehen.

Militärische Ausbildung

Ljubičić durchlief zunächst mehrere militärische Erziehungsanstalten der Monarchie. Genannt werden:
  • das Militär-Untererziehungshaus in Banatisch Weißkirchen,
  • Militär-Obererziehungshäuser in Kamenitz und Güns,
  • die militärische technische Schule in Mährisch Weißkirchen,
  • die Technische Militärakademie,
  • der höhere Artilleriekurs,
  • die Artillerie-Schießschule.

Diese Ausbildung kennzeichnet ihn als fachlich besonders qualifizierten Artillerie- und Generalstabsoffizier. Die Technische Militärakademie bildete vor allem Offiziere für die technisch anspruchsvollen Waffengattungen Artillerie und Genie aus.

Beginn der Offizierslaufbahn

Am 1. September 1877 wurde Ljubičić als Leutnant zum Feldartillerieregiment Nr. 6 ausgemustert. In den folgenden Jahrzehnten wechselte er zwischen Truppenverwendungen, Generalstabsdiensten und Aufgaben in der militärischen Zentralverwaltung.

Ab 1883 wurde er mehrere Jahre im Generalstab verwendet. Seine Beförderung zum Hauptmann 1. Klasse erfolgte am 1. Mai 1888.

In den Jahren 1893 und 1894 war er als Stabschef beim Festungskommando Krakau tätig. Am 1. Mai 1894 wurde er zum Major befördert.

Von 1894 bis 1898 versah er Dienst in der 6. Abteilung des Reichskriegsministeriums beziehungsweise k. u. k. Kriegsministeriums. Am 1. November 1896 rückte er zum Oberstleutnant vor.

Aufstieg in die Generalität

Am 1. Mai 1900 wurde Ljubičić zum Oberst befördert. In dieser Rangstufe war er unter anderem als Stabschef des zuständigen Korps- beziehungsweise Artilleriekommandos tätig.

Mit 1. Mai 1906, unter Zuerkennung des Ranges vom 8. Mai 1906, erfolgte seine Ernennung zum Generalmajor. In dieser Zeit übernahm er ein Brigadekommando. In den vorliegenden Darstellungen wird er als Kommandant der 18. Infanteriebrigade genannt.

Von 1909 bis 1910 führte er die 13. Landwehr-Infanterietruppendivision. Am 1. Mai 1910, mit Rang vom 17. Mai 1910, wurde er zum Feldmarschallleutnant befördert.

Anschließend war er als Sektionschef im k. k. Ministerium für Landesverteidigung tätig. Damit gehörte er bereits vor dem Ersten Weltkrieg zur höchsten militärischen Führungsschicht der österreichischen Reichshälfte.

Erster Weltkrieg

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs übernahm Ljubičić ein aktives Frontkommando. Er führte zunächst die 45. Landwehr-Infanterietruppendivision auf dem östlichen Kriegsschauplatz.

Im September 1914 wurde er zum Kommandierenden General des XI. Korps bestellt. Dieses Korps war an den schweren Kämpfen in Galizien und den Karpaten beteiligt.

Am 7. Oktober 1914 wurde Ljubičić mit Rang vom 1. November 1914 zum Feldzeugmeister ernannt. Dieser Rang entsprach innerhalb der k. u. k. Armee einer der höchsten Generalsstufen und stand auf einer Ebene mit dem General der Infanterie beziehungsweise dem General der Kavallerie.

Unter seinem Kommando nahm das XI. Korps im Dezember 1914 an den Operationen im Zusammenhang mit der Schlacht bei Limanowa–Łapanów teil. Die Kämpfe sollten den russischen Vormarsch in Richtung Krakau und in das westliche Ungarn abwehren.

Im März 1915 übergab Ljubičić das XI. Korps an Feldmarschallleutnant Ignaz Edler von Korda. Anschließend führte er zeitweilig eine nach ihm bezeichnete „Gruppe Ljubičić“.

Die Angaben über seine späteren Frontverwendungen sind weniger einheitlich. Im August 1916 wurde er jedenfalls als Feldzeugmeister „beurlaubt mit Wartegebühr“ geführt. Dies bedeutete, dass er nicht mehr mit einem regulären aktiven Kommando betraut war, ohne bereits vollständig aus dem militärischen Dienst ausgeschieden zu sein.

Beförderungen in der Generalität

Das amtliche Verzeichnis der k. k. beziehungsweise k. u. k. Generalität nennt folgende Daten:
  • Generalmajor: 1. Mai 1906, Rang vom 8. Mai 1906
  • Feldmarschallleutnant: 1. Mai 1910, Rang vom 17. Mai 1910
  • Feldzeugmeister: 7. Oktober 1914, Rang vom 1. November 1914

Diese Rangdaten können aufgrund der Veröffentlichung des Österreichischen Staatsarchivs als gesichert gelten.

Erhebung in den Freiherrenstand

Am 8. August 1916 erhob Kaiser Franz Joseph I. Stephan Ljubičić durch Allerhöchstes Handschreiben in den erblichen österreichischen Freiherrenstand.

Das zugehörige Freiherrendiplom wurde am 24. August 1916 in Wien ausgefertigt. Mit der Standeserhebung war die Verleihung eines erblichen Wappens verbunden.

Damit gehörte Ljubičić zu den letzten unter Kaiser Franz Joseph I. in den österreichischen Freiherrenstand erhobenen Offizieren. Der Kaiser starb nur wenige Monate später, am 21. November 1916.

Die Erhebung ist bei Arno Kerschbaumer ausführlich behandelt:

Arno Kerschbaumer, Nobilitierungen unter der Regentschaft Kaiser Franz Joseph I. / I. Ferenc József király (1914–1916), Graz 2017, insbesondere S. 64 und 267–269.

Anmerkung zur Art des Adels

In einer Internetdarstellung wird Ljubičić teilweise ungenau mit einem „ungarischen Adelsprädikat“ in Verbindung gebracht. Nach den von Kerschbaumer wiedergegebenen Daten handelte es sich jedoch um eine österreichische Erhebung in den erblichen Freiherrenstand.

Ein besonderes territoriales Prädikat ist in den überprüften Kurzquellen nicht erkennbar. Die korrekte Namensform lautete daher grundsätzlich:

Stephan Freiherr von Ljubičić

Für die genaue diplommäßige Schreibweise des Namens, die Ausdehnung der Standeserhebung auf Familienangehörige und die vollständige Wappenbeschreibung bleibt das Originaldiplom beziehungsweise Kerschbaumers Wiedergabe maßgeblich.

Wappen

Mit der Freiherrenstandserhebung von 1916 wurde Ljubičić ein Wappen verliehen. Eine vollständige und quellengetreue Blasonierung sollte ausschließlich anhand des Adelsdiploms oder einer zuverlässigen Wiedergabe bei Kerschbaumer vorgenommen werden.

Eine bloße Rekonstruktion aus im Internet kursierenden Wappenabbildungen wäre nicht ausreichend, da dabei Farben, Figurenstellung, Helmzieren oder Rangzeichen leicht verfälscht werden können.

Für die weitere Forschung wären daher besonders interessant:
  • das Konzept oder eine Ausfertigung des Freiherrendiploms im Österreichischen Staatsarchiv,
  • die vollständige Wappenbeschreibung,
  • eine farbige Darstellung des verliehenen Wappens,
  • die Frage, ob persönliche militärische Verdienste oder Hinweise auf seine kroatische Herkunft in die Wappensymbolik aufgenommen wurden.

Auszeichnungen

Ljubičić erhielt im Verlauf seiner langen Laufbahn zahlreiche österreichisch-ungarische Orden und Ehrenzeichen. In den biografischen Zusammenstellungen werden unter anderem genannt:
  • Orden der Eisernen Krone III. Klasse,
  • später höhere Klassen des Ordens der Eisernen Krone, teilweise mit Kriegsdekoration,
  • Militärverdienstkreuz,
  • Militär-Jubiläumskreuz,
  • Jubiläumserinnerungsmedaille für die bewaffnete Macht,
  • weitere Dienst- und Kriegsauszeichnungen.

Eine ungarische Zusammenstellung nennt darüber hinaus unter anderem höhere Klassen des Ordens der Eisernen Krone, das Militärverdienstkreuz, das Militär-Jubiläumskreuz und ausländische Orden. Die genaue zeitliche Zuordnung sollte jedoch anhand der Militärschematismen und Personalakten überprüft werden.

Wirklicher Geheimer Rat

Ljubičić wird nach dem Ende der Monarchie auch als ehemaliger k. u. k. Wirklicher Geheimer Rat bezeichnet.

Die Ernennung soll am 11. Januar 1918 erfolgt sein. Der Titel eines Wirklichen Geheimen Rates gehörte zu den höchsten persönlichen Würden der Monarchie und war mit der Anrede „Exzellenz“ verbunden.

Da die Verleihung bereits unter Kaiser Karl I. erfolgt wäre, sollte sie nicht mit der Freiherrenstandserhebung von 1916 unter Kaiser Franz Joseph I. vermengt werden.

Österreichischer Jugendreichsbund

Für die Zeit nach beziehungsweise gegen Ende seiner aktiven militärischen Laufbahn wird Ljubičić als Bundespräsident des k. k. Österreichischen Jugendreichsbundes bezeichnet.

Eine biografische Zusammenstellung nennt für den 19. November 1917 seine Bestellung zum Bundespräsidenten des „k. k. österreichischen Jugend-Reichsbundes“. Die genaue amtliche Schreibweise des Vereinsnamens ist in den zugänglichen Quellen nicht einheitlich.

Dieser Bund dürfte im Umfeld monarchisch-patriotischer Jugendorganisationen während des Ersten Weltkriegs gestanden haben. Welche konkreten Aufgaben Ljubičić als Bundespräsident ausübte und wie lange er dieses Amt innehatte, bedarf noch einer Untersuchung anhand zeitgenössischer Zeitungen, Vereinsstatuten und Tätigkeitsberichte.

Historische Bedeutung

Stephan Freiherr von Ljubičić ist aus mehreren Gründen von historischem Interesse:
  • Er verkörpert den sozialen Aufstieg eines Offiziers aus bürgerlicher Familie in die höchste Generalität und schließlich in den erblichen Freiherrenstand.
  • Seine Herkunft aus dem kroatischen Raum verdeutlicht den multinationalen Charakter des Offizierskorps der Habsburgermonarchie.
  • Als Kommandant einer Landwehrdivision und des XI. Korps gehörte er während der ersten Kriegsjahre zu den höheren Frontbefehlshabern Österreich-Ungarns.
  • Seine Teilnahme an den Operationen um Limanowa–Łapanów verbindet seine Biografie mit einer der militärisch und erinnerungsgeschichtlich bedeutendsten Schlachten des Jahres 1914.
  • Seine Nobilitierung im August 1916 zählt zu den letzten Freiherrenstandserhebungen Kaiser Franz Josephs I.
  • Seine spätere Tätigkeit in einer monarchisch-patriotischen Jugendorganisation zeigt den Übergang vom militärischen Kommando zu gesellschaftlicher Repräsentation.

Ljubičić war zwar kein Heerführer von der Bekanntheit eines Conrad von Hötzendorf, Svetozar Boroević von Bojna oder Hermann Kövess von Kövessháza. Seine Laufbahn ist jedoch beispielhaft für jene hochqualifizierten Generalstabs- und Artillerieoffiziere, auf denen die militärische Verwaltung und operative Führung der Doppelmonarchie wesentlich beruhten.

Tod und Erinnerung

Stephan Freiherr von Ljubičić starb am 16. August 1935 in Wien im Alter von 79 Jahren. Seine Lebensspanne reichte damit von der Zeit der Militärgrenze und des Neoabsolutismus über den österreichisch-ungarischen Ausgleich, den Ersten Weltkrieg und den Untergang der Monarchie bis in die Zeit des österreichischen Ständestaates.

Sein Grab auf dem Friedhof Neustift am Walde stellt eine wichtige genealogische und erinnerungsgeschichtliche Quelle dar. Grabinschriften können Hinweise auf Familienangehörige, Titel, Auszeichnungen und die von der Familie verwendete Namensform enthalten.

Offene Forschungsfragen
  • Wer waren die Eltern Stephan Ljubičićs, und woher stammten sie?
  • Wie lauteten Name und Herkunft seiner Ehefrau?
  • Hatte das Ehepaar Kinder, und bestehen Nachkommen der freiherrlichen Familie?
  • Welche konkrete Rolle spielte Ljubičić während der Schlacht bei Limanowa–Łapanów?
  • Warum wurde er im März 1915 vom Kommando des XI. Korps abgelöst?
  • Welche Truppenteile gehörten zur „Gruppe Ljubičić“, und bei welchen Operationen wurde sie eingesetzt?
  • Wann wurde er zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt, und ist das Datum 11. Januar 1918 archivalisch nachweisbar?
  • Welche Aufgaben verfolgte der k. k. Österreichische Jugend-Reichsbund?
  • Sind Vereinsstatuten, Mitgliederverzeichnisse oder Fotografien aus seiner Amtszeit als Bundespräsident erhalten?

Quellen und weiterführende Literatur
"IN OMNIBUS ORDO"

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