Generaloberst Josef Freiherr Roth von Limanowa–Łapanów (1859–1927)

Generaloberst Josef Freiherr Roth von Limanowa–Łapanów (1859–1927)

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Generaloberst Josef Freiherr Roth von Limanowa–Łapanów (1859–1927)

Der „Sieger von Limanowa“ – Offizier, Heerführer und Begründer einer freiherrlichen Familie

Josef Roth, seit 1916 Ritter von Roth und schließlich Freiherr Roth von Limanowa–Łapanów, gehörte zu den bekanntesten österreichisch-ungarischen Heerführern des Ersten Weltkrieges. Sein Name ist bis heute besonders mit der Schlacht von Limanowa–Łapanów im Dezember 1914 verbunden. Der dort errungene Abwehrerfolg verhinderte einen weiteren russischen Vorstoß in Richtung Krakau und in die westlichen Gebiete der Habsburgermonarchie.

Roth war k. u. k. Generaloberst, Wirklicher Geheimer Rat, Ritter des Militär-Maria-Theresien-Ordens und zeitweise Kommandant der Theresianischen Militärakademie. Neben seiner militärgeschichtlichen Bedeutung ist auch seine Familiengeschichte von genealogischem und adelsgeschichtlichem Interesse.

Herkunft und Geburtsdatum

Josef Roth wurde 1859 in Triest geboren, wo sein Vater als Offizier in Garnison stand. Er war ein Sohn des k. k. Oberstleutnants Josef beziehungsweise Joseph Roth und dessen Ehefrau Henriette.

Zum genauen Geburtsdatum finden sich in den Quellen unterschiedliche Angaben:
  • Das Österreichische Staatsarchiv, das Österreichische Biographische Lexikon und weitere biografische Verzeichnisse nennen den 21. Oktober 1859.
  • Die Theresianische Militärakademie und einige darauf beruhende Darstellungen nennen dagegen den 12. Oktober 1859.

Da der im Österreichischen Staatsarchiv verwahrte Nachlass mit dem Zeitraum „21.10.1859–09.04.1927“ verzeichnet ist, erscheint der 21. Oktober als das derzeit besser archivisch belegte Datum. Eine endgültige Klärung wäre durch den entsprechenden Geburts- beziehungsweise Taufmatrikel-Eintrag in Triest möglich.

Josefs Bruder August Roth schlug ebenfalls eine militärische Laufbahn ein und wurde Marineoffizier.

Ausbildung und Beginn der militärischen Laufbahn

Nach dem Besuch der Unterstufe eines Gymnasiums in Marburg an der Drau und des Militärkollegiums in St. Pölten trat Josef Roth 1876 in die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt ein.

Am 4. April 1879 wurde er als Leutnant zum Feldjägerbataillon Nr. 21 ausgemustert. Es folgten:
  • 1. Mai 1884: Beförderung zum Oberleutnant,
  • Absolvierung der Kriegsschule in Wien,
  • Generalstabsverwendungen bei der 71. Infanteriebrigade in Fiume,
  • Verwendung bei der 13. Infanteriebrigade und beim XII. Korps in Esseg,
  • 1. November 1889: Beförderung zum Hauptmann im Generalstab.

Roth galt früh als besonders geeigneter Generalstabsoffizier und militärischer Lehrer. Seine Laufbahn war daher nicht nur von Truppenkommandos, sondern auch von organisatorischen und ausbildungsbezogenen Aufgaben geprägt.

Aufstieg im Generalstab

1895 wurde Roth Major und dem Stab der 12. Infanterie-Truppendivision in Krakau zugeteilt. Später folgte eine Verwendung beim V. Korps in Pressburg.

Seine weiteren Beförderungen und Funktionen waren:
  • 1. Mai 1898: Oberstleutnant,
  • 1900: Truppenverwendung beim Infanterieregiment Nr. 76 in Graz,
  • 1. November 1901: Oberst,
  • 1901: Chef des neu eingerichteten Generalstabsbüros für instruktive Arbeiten und Übungen,
  • 1. Mai 1908: Generalmajor,
  • 1908: Kommandant der 94. Infanteriebrigade in Tolmein,
  • 1. April 1910: Kommandant der Theresianischen Militärakademie,
  • 1. Mai 1912: Feldmarschallleutnant.

Als Chef des Generalstabsbüros war Roth wesentlich mit dem Vorschriftenwesen, militärischen Übungen und Fragen der Offiziersausbildung befasst. Seine spätere Tätigkeit als Kommandant der Theresianischen Militärakademie entsprach damit seiner besonderen Begabung für Ausbildung, Organisation und Menschenführung.

Der Erste Weltkrieg

Bei Kriegsausbruch erhielt Roth am 5. August 1914 das Kommando über die 3. Infanterie-Truppendivision des XIV. Korps.

Bereits am 1. Oktober 1914 übernahm er das Kommando über das XIV. Korps. Im Herbst 1914 verschärfte sich die militärische Lage in Galizien erheblich. Russische Armeen waren weit nach Westen vorgedrungen und bedrohten unter anderem Krakau sowie die Zugänge nach Schlesien und Ungarn.

Aus unterschiedlichen österreichisch-ungarischen, deutschen und polnischen Verbänden wurde ein größerer, nach seinem Befehlshaber als „Armeegruppe Roth“ bezeichneter Verband gebildet.

Die Schlacht bei Limanowa–Łapanów

Die Schlacht von Limanowa–Łapanów fand im Dezember 1914 südöstlich von Krakau statt. Ihr Ziel war es, den russischen Vormarsch aufzuhalten, die Verbindung zwischen der österreichisch-ungarischen 3. und 4. Armee zu sichern und die drohende Umfassung Krakaus zu verhindern.

Die Kämpfe wurden unter schwierigen Bedingungen geführt. Winterliche Witterung, unübersichtliches Gelände, erschöpfte Truppen und teilweise erhebliche Verluste erschwerten die Operationen.

Roths Armeegruppe gelang es, den russischen Durchbruch zwischen der 3. und 4. Armee zu verhindern. Gleichzeitig griff die österreichisch-ungarische 4. Armee unter Erzherzog Joseph Ferdinand die russischen Kräfte an. Besonders erbittert waren die Kämpfe um den Jabłoniec-Höhenzug bei Limanowa.

Am 11. Dezember 1914 fiel dort Oberst Othmar Muhr, Kommandant des Husarenregiments „Graf Nádasdy“ Nr. 9, an der Spitze seiner Soldaten.

Der schließlich erreichte Rückzug der russischen Verbände beseitigte die unmittelbare Gefahr für Krakau. Die Schlacht war allerdings kein Erfolg eines einzelnen Befehlshabers oder Verbandes, sondern das Ergebnis des Zusammenwirkens mehrerer Armeen, Korps und Truppenteile.

Josef Roth wurde in der zeitgenössischen Erinnerung dennoch zum „Sieger von Limanowa“ beziehungsweise zum „Löwen von Limanowa“. Sein späteres Adelsprädikat erinnerte dauerhaft an diese militärische Leistung.

Weitere Kriegseinsätze

Nach Limanowa nahm die Armeegruppe Roth an weiteren Operationen auf dem russischen Kriegsschauplatz teil. Dazu gehörten Einsätze im Zusammenhang mit:
  • der Offensive von Gorlice–Tarnów,
  • den Kämpfen um Lublin,
  • dem weiteren Zurückdrängen der russischen Armeen im Jahre 1915.

Am 1. September 1915 wurde Roth zum General der Infanterie befördert.

Anschließend erfolgte seine Versetzung auf den italienischen Kriegsschauplatz. Dort wurde er dem Landesverteidigungskommando Tirol zugewiesen und übernahm Verteidigungsabschnitte an der Ost- und Dolomitenfront.

Im März 1916 wurde er Landesverteidigungskommandant von Tirol. Später übernahm er als Kommandierender General das XX. Korps.

Seine Vorgesetzten beschrieben Roth als tapferen, pflichtbewussten und ritterlichen Offizier. Gleichzeitig galt er manchen Beurteilern als zu rücksichtsvoll und zurückhaltend für den Oberbefehl über eine ganze Armee. Gerade diese menschliche und ausgleichende Haltung machte ihn jedoch für Aufgaben in der militärischen Ausbildung besonders geeignet.

Wirklicher Geheimer Rat und Generaloberst

Am 19. Mai 1916 wurde Josef Roth zum Geheimen Rat ernannt. Damit gehörte er zu jenem kleinen Kreis hoher militärischer und staatlicher Würdenträger, die zur Führung des Prädikats „Exzellenz“ berechtigt waren.

1918 wurde Roth Generalinspektor der militärischen Erziehungs- und Bildungsanstalten. Daneben war er mit dem sogenannten Heimkehrerwesen befasst, also mit der Erfassung und Wiedereingliederung der aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrenden Soldaten.

Im Februar 1918 erhielt er den Rang beziehungsweise Charakter eines Generalobersten. Er gehörte damit zur höchsten Ranggruppe der österreichisch-ungarischen Generalität.

Nobilitierung und Namensführung

Die Entwicklung seines Adelstitels erfolgte in mehreren Schritten:
  • Am 11. Juni 1916 wurde Josef Roth in den österreichischen Ritterstand erhoben.
  • Am 4. September 1916 erhielt er auf eigenes Ansuchen das Prädikat „von Limanowa–Łapanów“.
  • Am 2. Oktober 1918 wurde ihm durch Kaiser Karl I. das Ritterkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens verliehen.
  • Aufgrund der Ordensstatuten wurde er anschließend in den Freiherrenstand erhoben.

Seine vollständige historische Namens- und Titelform lautete damit:

Josef Freiherr Roth von Limanowa–Łapanów

Die Freiherrenstandserhebung stand im unmittelbaren Zusammenhang mit der Verleihung des Militär-Maria-Theresien-Ordens. Nach den Ordensstatuten konnte ein Ritter des Ordens die Erhebung in den Freiherrenstand beanspruchen.

Das Prädikat „Limanowa–Łapanów“ war dagegen bereits 1916 verliehen worden und erinnerte an den Kriegserfolg des Jahres 1914.

Ehe und Familie

Josef Roth heiratete 1891 Malwine beziehungsweise Melanie Gräfin Lažanský von Bukowa. In deutschsprachigen militärhistorischen Darstellungen erscheint ihr Vorname häufig als „Melanie Lasansky“. Die Deutsche Biographie nennt ihre ausführlichere Namensform als:

Malwine Josefa Antonie Hedwig Maria, geborene Gräfin von Lažansky-Bukowé

Sie wurde 1873 geboren und starb vermutlich um 1947 in Wien.

Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor:
  • Melanie Roth von Limanowa–Łapanów,
  • Marga Roth von Limanowa–Łapanów,
  • Josef Roth von Limanowa–Łapanów,
  • Alfred Roth von Limanowa–Łapanów.

Der Sohn Josef schlug ebenfalls die Offizierslaufbahn ein. Er wurde an der Theresianischen Militärakademie ausgebildet und am 15. Oktober 1914 zum Infanterieregiment „Hoch- und Deutschmeister“ beziehungsweise nach einer anderen Darstellung zum oberösterreichischen Infanterieregiment Nr. 14 ausgemustert. Dieser Punkt sollte anhand der militärischen Grundbuchblätter oder der Ausmusterungslisten noch genauer überprüft werden.

Als Tochter dieses Josef wird in einer Darstellung Erika Roth von Limanowa–Łapanów genannt. Damit ist zumindest eine Enkelin des Generalobersten namentlich bekannt.

Eine familiäre Verbindung bestand außerdem zur Offiziersfamilie Lahousen von Vivremont. Der spätere Generalmajor und Widerstandskämpfer Erwin Lahousen war mit einer Tochter aus der Familie Roth von Limanowa–Łapanów verheiratet. Die Deutsche Biographie führt Josef Roth ausdrücklich als seinen Schwiegervater an.

Eine vollständige und urkundlich abgesicherte Nachfahrentafel konnte aus den frei zugänglichen Quellen bislang jedoch nicht erstellt werden. Dafür wären insbesondere die Wiener Trauungs- und Sterbematriken, militärische Personalakten sowie der im Kriegsarchiv verwahrte Familiennachlass auszuwerten.

Orden und Auszeichnungen

Josef Roth erhielt im Laufe seiner Karriere zahlreiche in- und ausländische Auszeichnungen. Zu den wichtigsten gehörten:
  • Militär-Maria-Theresien-Orden, Ritterkreuz,
  • Großkreuz des Österreichisch-kaiserlichen Leopold-Ordens mit Kriegsdekoration und Schwertern,
  • Großkreuz des Ordens der Eisernen Krone mit Kriegsdekoration,
  • Militärverdienstmedaille mit Kriegsdekoration und Schwertern,
  • Signum Laudis,
  • preußisches Eisernes Kreuz I. und II. Klasse,
  • preußischer Roter Adlerorden,
  • schwedischer Schwertorden,
  • Orden des Sterns von Rumänien.

Die Verleihung des Militär-Maria-Theresien-Ordens am 2. Oktober 1918 stellte den Höhepunkt seiner militärischen Auszeichnungen dar.

Ruhestand und Wirken nach 1918

Mit 31. Dezember 1918 trat Roth in den Ruhestand. Er lebte anschließend in Wien, blieb jedoch in zahlreichen militärischen Traditions- und Veteranenorganisationen tätig.

Unter anderem war er:
  • Präsident des Vereins „Alt-Neustadt“,
  • Präsident einer Offiziersgesellschaft,
  • führend im Reichskameradschafts- und Kriegerbund tätig,
  • Vorsitzender des Obersten Offiziersehrenrates,
  • ab 1925 Präsident des Kapitels des Militär-Maria-Theresien-Ordens.

Damit blieb Roth auch nach dem Zusammenbruch der Monarchie eine wichtige Integrationsfigur für ehemalige Offiziere der k. u. k. Armee.

Tod und Grabstätte

Josef Freiherr Roth von Limanowa–Łapanów starb am 9. April 1927 in Wien.

Er wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Seine Grabstätte befindet sich in:

Gruppe 81B, Grab Nr. 54

Das Grab ist auf Friedhofsdauer gewidmet. Noch heute finden dort militärische Gedenkveranstaltungen statt. Im Dezember 2024 wurde anlässlich des 110. Jahrestages der Schlacht von Limanowa–Łapanów am Grabmal ein Kranz niedergelegt.

Historische Einordnung

Josef Roth war weder ein politisch besonders hervortretender Feldherr noch ein Vertreter einer offensiven militärischen Schule. Seine Stärke lag vielmehr in der sorgfältigen Vorbereitung, der defensiven Standfestigkeit, der Organisation und der verantwortungsvollen Führung seiner Soldaten.

Die Bezeichnung „Sieger von Limanowa“ ist als zeitgenössische und erinnerungsgeschichtliche Würdigung zu verstehen. Der Erfolg von Limanowa–Łapanów beruhte auf dem Zusammenwirken zahlreicher österreichisch-ungarischer und deutscher Verbände. Roths Anteil bestand vor allem darin, mit seiner Armeegruppe einen entscheidenden Frontabschnitt zu halten und den russischen Durchbruch zu verhindern.

Sein Lebensweg verbindet mehrere für genealogische und militärhistorische Forschungen interessante Themen:
  • den sozialen Aufstieg einer bürgerlichen Offiziersfamilie,
  • die Bedeutung der Theresianischen Militärakademie,
  • den Erwerb des Adels durch militärische Verdienste,
  • die Erinnerung an Schlachten in Adelsprädikaten,
  • die familiäre Vernetzung österreichischer Offiziersgeschlechter,
  • den Übergang von der k. u. k. Armee in die Traditionsverbände der Ersten Republik.

Offene Fragen für die weitere Forschung
  1. Welches Geburtsdatum bestätigt der originale Taufmatrikel von Triest: der 12. oder der 21. Oktober 1859?
  2. Wie lautet der vollständige Trauungseintrag von Josef Roth und Malwine beziehungsweise Melanie Gräfin Lažanský von Bukowa aus dem Jahr 1891?
  3. Wann und wo wurden die vier Kinder Melanie, Marga, Josef und Alfred geboren, getraut und bestattet?
  4. Welche Tochter heiratete Erwin Lahousen Edlen von Vivremont?
  5. Gibt es im Nachlass Roth im Österreichischen Staatsarchiv eine vollständige Stammtafel oder Familienkorrespondenz?
  6. Sind weitere Nachkommen der Söhne Josef und Alfred nachweisbar?
  7. Existieren Familienfotos, Parte, Hochzeitsanzeigen oder Nachrufe, durch die sich die Nachfahrentafel ergänzen lässt?
  8. Kann jemand die militärische Einteilung des Sohnes Josef bei seiner Ausmusterung im Oktober 1914 anhand einer Rangliste oder eines Grundbuchblattes bestätigen?

Quellen und weiterführende Hinweise
"IN OMNIBUS ORDO"

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