Oberst Othmar Muhr (1860-1914)
- USchu
-
Autor
- Offline
- Beiträge: 662
Oberst Othmar Muhr (1860-1914)
1 Woche 6 Tage herOberst Othmar Muhr und die Familie Muhr de Limanowa
Am 11. Dezember 1914 fiel Oberst Othmar – ungarisch Ottmár beziehungsweise Othmár – Muhr an der Spitze des k.u.k. Husarenregiments „Graf Nádasdy“ Nr. 9 bei den Kämpfen um Limanowa in Westgalizien. Sein Tod und die nachfolgende Erhebung seiner Witwe und seiner Kinder in den ungarischen Adelsstand verbinden Militärgeschichte, Genealogie und Adelsgeschichte in bemerkenswerter Weise.
Die Schlacht bei Limanowa–Łapanów
Die Schlacht bei Limanowa–Łapanów dauerte vom 1. bis zum 14. Dezember 1914. Sie war Teil der schweren Kämpfe zwischen den Streitkräften Österreich-Ungarns und des Russischen Kaiserreiches in Galizien.
Der österreichisch-ungarische Gegenangriff sollte verhindern, dass russische Verbände über die Karpaten nach Nordungarn durchbrachen. Die Kämpfe wurden unter äußerst schwierigen Bedingungen geführt und endeten mit einem taktischen Erfolg Österreich-Ungarns. Die russischen Truppen mussten sich aus dem bedrohten Raum zurückziehen.
Eine besondere Bedeutung kam den Kämpfen am Jabłoniec-Höhenzug bei Limanowa zu. Dort verteidigten österreichisch-ungarische Verbände ihre Stellungen gegen starke russische Angriffe. Die dabei eingesetzten Kavalleristen kämpften vielfach nicht mehr als berittene Reiterei, sondern abgesessen und ähnlich der Infanterie.
Oberst Othmar Muhr
Othmar Franz Wendelin Muhr wurde am 5. Oktober 1860 in Kaschau, ungarisch Kassa und heute Košice, geboren. In ungarischen Quellen erscheint sein Vorname überwiegend als Ottmár oder Othmár.
Muhr stand seit Jahrzehnten im Militärdienst und war eng mit dem traditionsreichen Husarenregiment „Graf Nádasdy“ Nr. 9 verbunden. Nachdem der bisherige Regimentskommandant Oberstleutnant beziehungsweise Oberst Alexander Haas erkrankt war, wurde Muhr mit Wirkung vom 1. Dezember 1914 zum Kommandanten des Regiments bestimmt. Er traf nach ungarischen Darstellungen erst am 8. Dezember, somit wenige Tage vor seinem Tod, bei seinem Regiment an der Front ein.
Am frühen Morgen des 11. Dezember 1914 führte Muhr seine Husaren gegen russische Kräfte am Jabłoniec-Höhenzug. Die Auseinandersetzung entwickelte sich zu einem erbitterten Nahkampf. Muhr fiel während dieser Kämpfe an der Spitze seiner Soldaten.
Sein Tod wurde bereits zeitgenössisch als Beispiel außergewöhnlicher Tapferkeit und persönlicher Pflichterfüllung dargestellt. In der ungarischen Erinnerungskultur gilt er bis heute als einer der bekanntesten Helden der Schlacht von Limanowa. Auch in Polen und besonders in Sopron, einem früheren Garnisonsort des Regiments, wird seiner und der gefallenen Husaren gedacht.
Das k.u.k. Husarenregiment „Graf Nádasdy“ Nr. 9
Das Regiment gehörte zur Gemeinsamen Armee Österreich-Ungarns. Es handelte sich daher nicht um ein Regiment der königlich ungarischen Honvéd, sondern um einen k.u.k. Truppenkörper.
Der Traditionsname „Graf Nádasdy“ erinnerte an Feldmarschall Franz Leopold Graf Nádasdy. Im Jahr 1888 war bestimmt worden, dass das Regiment diesen Namen dauerhaft führen sollte.
Die Mannschaft des Regiments bestand überwiegend aus Ungarn; die Regimentssprache war Ungarisch. Die Bezeichnung „Nádasdy-Husaren“ blieb auch nach der 1915 angeordneten Abschaffung der Ehrennamen im allgemeinen Sprachgebrauch erhalten.
Erhebung der Familie in den ungarischen Adelsstand
Oberst Muhr selbst erlebte eine Nobilitierung nicht mehr. Kaiser Franz Joseph I. erhob mit Allerhöchster Entschließung vom 9. März 1915 seine Witwe und seine ehelichen Nachkommen in den ungarischen Adelsstand.
Die Verleihung erfolgte taxfrei und war mit dem auf den Ort des militärischen Einsatzes bezogenen Prädikat
„limanowai“ beziehungsweise „de Limanowa“
verbunden.
Damit wurde die Erinnerung an den Tod des Obersten unmittelbar in den Namen seiner Familie aufgenommen. In deutschsprachigen Darstellungen findet sich auch die Form „von Limanowa“. Im ungarischen Adelsrecht und in den einschlägigen Akten erscheinen jedoch vor allem die Formen „limanowai“ und „de Limanowa“.
Von der Standeserhebung waren nach den vorliegenden Angaben umfasst:
- Olga Muhr, geborene von Simon, Witwe des Obersten,
- Olga Muhr,
- Ernst beziehungsweise Ernő Muhr,
- Albert beziehungsweise Béla Muhr,
- Viktor beziehungsweise Győző Muhr,
- Othmar beziehungsweise Othmár Muhr.
Die unterschiedlichen Vornamensformen erklären sich aus dem deutschen und ungarischen Sprachgebrauch. So entsprechen einander unter anderem:
- Ernst – Ernő,
- Albert – Béla,
- Viktor – Győző,
- Othmar – Othmár beziehungsweise Ottmár.
Das nicht ausgefertigte Adelsdiplom
Eine Besonderheit des Falles liegt darin, dass die Allerhöchste Entschließung zwar erging, das dazugehörige Adelsdiplom jedoch offenbar nicht mehr ausgefertigt wurde.
Olga Muhr, geborene von Simon, beantragte bereits wenige Tage nach der Standeserhebung die Ausstellung des Diploms. Nach der einschlägigen Forschung urgierte sie die Angelegenheit noch am 1. Mai 1918. Dennoch scheint es bis zum Ende der Monarchie zu keiner abschließenden Ausfertigung und Übergabe gekommen zu sein.
Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass die Adelsverleihung unwirksam gewesen wäre. Die eigentliche Verleihung beruhte auf der Allerhöchsten Entschließung des Monarchen. Das Diplom bildete die feierliche urkundliche Ausfertigung, die in diesem Fall anscheinend unterblieb.
Der Vorgang soll unter anderem in folgenden Archivbeständen dokumentiert sein:
- Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Kabinettskanzlei, Zahl 247/1915,
- Magyar Nemzeti Levéltár, Bestand K 20, Akten betreffend „Muhr de Limanowa“.
Genealogische Bedeutung
Der Fall Muhr de Limanowa ist für die genealogische Forschung aus mehreren Gründen interessant:
- Die Adelserhebung galt nicht dem bereits gefallenen Offizier selbst, sondern seiner Witwe und seinen ehelichen Nachkommen.
- Das Prädikat erinnerte unmittelbar an den Ort, an dem der Familienvater gefallen war.
- Die Namen der Familienmitglieder erscheinen je nach Quelle in deutscher, ungarischer oder lateinisch-französischer Form.
- Die Standeserhebung wurde bewilligt, obwohl das förmliche Adelsdiplom offenbar nicht mehr ausgefertigt wurde.
- Die einschlägigen Akten dürften heute auf österreichische und ungarische Archive verteilt sein.
Für die Erstellung einer gesicherten Stammtafel wären daher neben dem Nobilitierungsakt insbesondere Militärmatriken, Garnisonskirchenbücher, ungarische Personenstandsunterlagen und die späteren Lebensdaten der Kinder auszuwerten.
Heraldik und Wappenfrage
Da das Adelsdiplom offenbar nicht ausgefertigt wurde, stellt sich auch die Frage, ob für die Familie überhaupt ein endgültig genehmigtes und rechtswirksam dokumentiertes Wappen vorlag.
In vergleichbaren Nobilitierungsverfahren wurde das Wappen gewöhnlich im Diplom beschrieben und bildlich dargestellt. Ohne ausgefertigtes Diplom müsste geprüft werden, ob sich im Nobilitierungsakt dennoch ein Wappenentwurf, eine Blasonierung oder eine behördlich genehmigte Wappenskizze erhalten hat.
Abbildungen eines angeblichen Wappens „Muhr de Limanowa“ sollten daher erst dann als authentisch bezeichnet werden, wenn sie auf einen archivalischen Entwurf oder eine andere verlässliche zeitgenössische Quelle zurückgeführt werden können.
Erinnerung an Oberst Muhr
Oberst Muhr wurde im Bereich des heutigen österreichisch-ungarischen Soldatenfriedhofes Nr. 368 auf dem Jabłoniec-Hügel bei Limanowa beigesetzt. Der Friedhof und die dortige Kapelle wurden zu einem zentralen Erinnerungsort an die Schlacht.
Auch in Sopron wird das Andenken an Muhr und das 9. Nádasdy-Husarenregiment gepflegt. Ein Denkmal beziehungsweise eine Büste erinnert dort an den gefallenen Regimentskommandanten. Das Nádasdy-Ferenc-Museum in Sárvár beschäftigt sich ebenfalls mit der Geschichte des Regiments und seines Kommandanten.
Zusammenfassung
Oberst Othmar Muhr fiel am 11. Dezember 1914 als Kommandant des k.u.k. Husarenregiments „Graf Nádasdy“ Nr. 9 bei den Kämpfen am Jabłoniec-Höhenzug nahe Limanowa.
In Anerkennung seiner langjährigen Dienstzeit, seiner außergewöhnlichen Tapferkeit und seiner Führungsleistung erhob Kaiser Franz Joseph I. mit Allerhöchster Entschließung vom 9. März 1915 Muhrs Witwe Olga, geborene von Simon, und die ehelichen Nachkommen in den ungarischen Adelsstand. Sie erhielten das Prädikat „limanowai“ beziehungsweise „de Limanowa“.
Das Adelsdiplom wurde offenbar trotz wiederholter Bemühungen der Witwe nicht mehr ausgefertigt. Gerade dieser Umstand macht den Fall sowohl adelsrechtlich als auch heraldisch besonders untersuchenswert.
Fragen zur weiteren Forschung und Diskussion
- Besitzt jemand eine vollständige Abschrift der Allerhöchsten Entschließung vom 9. März 1915 oder des zugrunde liegenden ungarischen Nobilitierungsantrages?
- Sind die Lebensdaten, Ehepartner und Nachkommen der fünf genannten Kinder Olga, Ernst, Albert, Viktor und Othmar bekannt?
- Hat sich im Österreichischen Staatsarchiv oder im Ungarischen Nationalarchiv ein Wappenentwurf beziehungsweise eine Blasonierung für die Familie Muhr de Limanowa erhalten?
- Führten die Nachkommen nach 1915 überwiegend die Form „Muhr de Limanowa“, „Muhr von Limanowa“ oder die ungarische Namensform „Limanowai Muhr“?
- Gibt es Familienanzeigen, Offiziersschematismen, Grabinschriften oder Personenstandsurkunden, welche die einzelnen Familienmitglieder eindeutig miteinander verbinden?
- Ist bekannt, weshalb das von der Witwe wiederholt beantragte Adelsdiplom bis zum Ende der Monarchie nicht ausgefertigt wurde?
Quellen und weiterführende Hinweise
- Nádasdy Ferenc Museum: Colonel Ottmár Muhr, the hero of Limanowa
- Huszármúzeum: Muhr Ottmár ezredes, a limanovai hős
- Honvédelem.hu: Muhr Othmár ezredes, a limanovai győző
- Sopron anno: Muhr Ottmár – biografische Darstellung
- Nobilitas.eu: Muhr de Limanowa – Angaben zur Nobilitierung der Familie
- K.u.k. Husarenregiment „Graf Nádasdy“ Nr. 9
- Schlacht bei Limanowa–Łapanów
- Jan Županič: „Militäradel der Österreichisch-Ungarischen Monarchie während des Ersten Weltkrieges“, mit Hinweisen auf die Nobilitierung Muhr de Limanowa und die zugehörigen Archivakten.
"IN OMNIBUS ORDO"
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
