Carl Vaugoin (1873–1949)
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Carl Vaugoin (1873–1949)
1 Woche 6 Tage her - 1 Woche 6 Tage herCarl Vaugoin (1873–1949) – vom Landsturmrittmeister zum Titular-General der Infanterie
Carl Vaugoin wurde am 8. Juli 1873 in Wien geboren und starb am 10. Juni 1949 in Krems an der Donau. Der niederösterreichische Landesbeamte und Politiker der Christlichsozialen Partei gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten der österreichischen Ersten Republik.
Er war langjähriger Heeresminister, Vizekanzler, kurzzeitig Bundeskanzler und von 1930 bis 1934 Obmann der Christlichsozialen Partei. Besonders bemerkenswert ist seine militärische Laufbahn: Der ehemalige Landsturmrittmeister erhielt 1933 den Titel eines Generals der Infanterie.
Herkunft und Familie
Vaugoin war Sohn des Juweliers und Wiener Stadtrates Karl Vaugoin und dessen Ehefrau Ida, geborene Litschke.
Am 19. Jänner 1895 heiratete er seine Cousine Eugenie Litschke. Aus der Ehe gingen die Kinder Eugenie und Karl hervor. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1928 Pauline Aloisia Loob, verwitwete Stölzle.
Militärische Laufbahn
Vaugoin trat 1892 als Einjährig-Freiwilliger beim Train-Regiment Nr. 2 ein. Nach bestandener Reserveoffiziersprüfung wurde er 1894 Leutnant der Reserve und 1895 in den Berufsstand übernommen.
Da er für den Truppendienst als untauglich beurteilt wurde, kam er 1898 in die Reserve und wurde 1899 außer Dienst gestellt. Seit 1898 war er im Rechnungsdienst der niederösterreichischen Landesregierung tätig.
Im Ersten Weltkrieg wurde Vaugoin erneut einberufen. Er leitete unter anderem die Einjährig-Freiwilligen-Schule des Train-Bataillons Nr. 2 sowie die Etappen-Train-Werkstätten Nr. 25 und Nr. 31. Zeitweise war er auch im Raum Lavarone eingesetzt.
Seine Rangentwicklung laut beigefügtem militärbiographischem Eintrag:
- 1915 Landsturmleutnant,
- 1917 Landsturmrittmeister mit Titel und Charakter,
- 1918 Landsturmrittmeister mit entsprechendem Rangdienstalter,
- 1918 Übernahme in das Verhältnis der Evidenz.
Nach der Demobilisierung wurde er am 9. November 1918 aus dem aktiven Dienst entlassen.
„General Scheibbs“
Politische Gegner bezeichneten Vaugoin spöttisch als „General Scheibbs“. Häufig wird dies mit seinen vorwiegend im Etappenbereich ausgeübten militärischen Funktionen erklärt.
Eine andere Darstellung bringt den Spottnamen mit dem Jahr 1921 in Verbindung: Während der Kämpfe um den Anschluss des Burgenlandes soll sich Vaugoin in Scheibbs auf Sommerfrische befunden haben. Die sozialdemokratische Presse habe ihn daraufhin als „General“ oder „Marschall Scheibbs“ verspottet.
[url=https://medienundzeit.at/wp-content/uploads/2015/03/1997-01_ocr-.pdf Medien & Zeit – Hinweise zum Spottnamen „General Scheibbs“[/url]
Politische Funktionen
- 1912–1920 Mitglied des Wiener Gemeinderates,
- 1918–1920 Wiener Stadtrat,
- 1920–1933 Abgeordneter zum Nationalrat,
- 1921 und 1922–1933 Bundesminister für Heereswesen beziehungsweise Landesverteidigung,
- 1929–1930 Vizekanzler,
- 30. September bis 4. Dezember 1930 Bundeskanzler,
- 1930–1934 Bundesparteiobmann der Christlichsozialen Partei.
Vaugoin gehörte während seiner langen Amtszeit als Heeresminister zahlreichen Bundesregierungen an. Er war wesentlich am Aufbau des österreichischen Bundesheeres nach dem Ersten Weltkrieg beteiligt.
Politisch bemühte er sich um eine Zurückdrängung des sozialdemokratischen Einflusses im Heer und eine stärkere Bindung des Offizierskorps an das christlichsoziale Regierungslager.
Bundeskanzler und Parteiobmann
Am 10. Mai 1930 wurde Vaugoin zum Obmann der Christlichsozialen Partei gewählt. Nach dem Rücktritt Johannes Schobers bildete er am 30. September 1930 eine Minderheitsregierung.
Nach der Nationalratswahl vom November 1930, bei der die Christlichsozialen Mandate verloren, endete seine Kanzlerschaft bereits am 4. Dezember 1930. Anschließend übernahm er erneut das Heeresministerium.
1933 geriet Vaugoin zunehmend in Gegensatz zu Bundeskanzler Engelbert Dollfuß und den Heimwehrkreisen. Im September 1933 schied er aus der Regierung aus.
Verleihung des Generaltitels
Der beigefügte militärbiographische Eintrag nennt:
27.04.1933 General der Infanterie (Titel)
Die Quellenanmerkung verweist auf das Verordnungsblatt Nr. 6/1933 und eine Entschließung des Bundespräsidenten vom 27. April 1933.
Vaugoin wurde somit nicht regulär vom Landsturmrittmeister zum aktiven General befördert. Vielmehr wurde ihm als langjährigem Leiter des Heeresressorts der Titel eines Generals der Infanterie verliehen.
Der Abstand zwischen seinem letzten regulären militärischen Rang und dem verliehenen Generaltitel bleibt dennoch außergewöhnlich.
Weitere Funktionen
Nach seinem Ausscheiden aus der Bundesregierung übernahm Vaugoin mehrere wirtschaftliche und staatliche Funktionen:
- Präsident der Verwaltungskommission der Österreichischen Bundesbahnen,
- Funktion in der Lebensversicherungsgesellschaft „Phönix“,
- Präsident der Hirtenberger Patronenfabrik,
- Vorstandsmitglied der Sprengstofffabrik Blumau,
- Mitglied des Staatsrates und des Bundestages.
Bei seiner Funktion in der „Phönix“ besteht eine Quellenabweichung: Der beigefügte Eintrag nennt ihn als Präsidenten des Verwaltungsrates, andere biographische Quellen als Vizepräsidenten.
Nach dem Zusammenbruch der Gesellschaft im Jahr 1936 legte Vaugoin seine politischen und wirtschaftlichen Funktionen zurück.
Verfolgung und Tod
Nach dem „Anschluss“ Österreichs wurde Vaugoin 1938 verhaftet. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes kam er 1939 wieder frei, durfte jedoch zunächst nicht nach Wien zurückkehren.
Er starb am 10. Juni 1949 in Krems an der Donau und wurde auf dem Hietzinger Friedhof in Wien beigesetzt.
Auszeichnungen laut beigefügtem Eintrag
Zu seinen österreichischen Auszeichnungen gehörten unter anderem:
- Jubiläumserinnerungsmedaille für die bewaffnete Macht,
- Bronzene Militärverdienstmedaille mit Schwertern,
- Goldenes Verdienstkreuz mit der Krone,
- Großes Ehrenzeichen am Bande der Republik Österreich,
- Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande,
- Ehrenzeichen I. Klasse des Roten Kreuzes,
- Österreichische Kriegserinnerungsmedaille.
Als ausländische Auszeichnungen werden der Malteser-Ritterorden sowie Großkreuze des italienischen Kronenordens, des päpstlichen Gregoriusordens und des ungarischen Verdienstordens genannt.
Quellen
- [url=[ www.parlament.gv.at/person/1344 ]Österreichisches]( www.parlament.gv.at/...eichisches ) Parlament: Carl Vaugoin[/url]
- [url=[ www.biographien.ac.a...3_1949.xml ]Österreichisches]( www.biographien.ac.a...eichisches ) Biographisches Lexikon[/url]
- [url=[ oecv.at/biolex/Detail/13200514 ]ÖCV-Biolex]( oecv.at/biolex/Detai...ÖCV-Biolex ): Carl Vaugoin[/url]
- [url=[ www.vogelsanginstitu...ge_id=3945 ]Karl-von-Vogelsang-Institut[/url]( www.vogelsanginstitu...g-Institut [/url)]
- Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv: Hauptgrundbuchblatt und Landsturm-Evidenzblatt.
- Verordnungsblatt Nr. 6/1933 vom 28. April 1933.
Fragen an das Forum
- Sind vergleichbare Fälle bekannt, in denen einem früheren Subalternoffizier unmittelbar ein hoher Generaltitel verliehen wurde?
- Welche rechtliche oder protokollarische Bedeutung hatte 1933 der bloße Titel „General der Infanterie“?
- Kann jemand den vollständigen Wortlaut der Entschließung vom 27. April 1933 beibringen?
- War Vaugoin bei der „Phönix“ Präsident oder Vizepräsident des Verwaltungsrates?
- Lassen sich die Einsatzorte der Etappen-Train-Werkstätten Nr. 25 und Nr. 31 genauer feststellen?
- Können die auf dem erwähnten Foto sichtbaren italienischen Offiziere identifiziert und Aufnahmeort sowie Anlass bestimmt werden?
Zusammenfassung
Carl Vaugoin verband die Laufbahnen eines Landesbeamten, Landsturmoffiziers, langjährigen Heeresministers, Parteiobmannes und Bundeskanzlers. Militärhistorisch besonders interessant ist die 1933 erfolgte Verleihung des Titels eines Generals der Infanterie an den ehemaligen Landsturmrittmeister. Eine reguläre Beförderung zum aktiven General lag dabei nach der Quellenlage nicht vor.
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Re: Carl Vaugoin (1873–1949)
1 Woche 6 Tage her
LUDWIG
Carl Vaugoin und Ludwig Ritter von Eimannsberger – Bildserie im Umfeld des Bundesheer-Manövers von Scheibbs 1928
Die drei historischen Fotografien zeigen Carl Vaugoin als Bundesminister für Heereswesen bei einer militärischen Besichtigung beziehungsweise einem Manöver des österreichischen Bundesheeres der Ersten Republik. Nach der überlieferten Zuordnung ist auf zumindest einem Teil der Aufnahmen auch General Ludwig Ritter von Eimannsberger zu sehen.
Für die erste Fotografie lassen sich Ort, Datum und Anlass belegen. Bei den beiden weiteren Bildern fehlen hingegen Beschriftungen und eingebettete Metadaten. Ihre Zuordnung zur selben Veranstaltung sowie die Identifizierung Eimannsbergers müssen daher vorerst als plausible, aber noch nicht vollständig gesicherte Arbeitshypothese gelten.
Die erste Fotografie: Manöver in Scheibbs am 29. August 1928
Die Aufnahme zeigt den in Zivilkleidung und hohen Stiefeln auftretenden Heeresminister Carl Vaugoin, begleitet von mehreren Offizieren, auf einem Übungsgelände. Im Hintergrund sind zahlreiche Soldaten sowie einige Pferde zu erkennen. Rechts im Vordergrund steht ein Kameramann beziehungsweise eine Filmkamera auf einem Stativ.
Die veröffentlichte Bildbeschreibung lautet sinngemäß:
Manöver des österreichischen Bundesheeres in Scheibbs; Heeresminister Carl Vaugoin defiliert vor einem Kamerateam, 29. August 1928.
Auch in den eingebetteten Metadaten der vorliegenden Bilddatei findet sich die Beschreibung „Verteidigungsminister Karl Vaugoin defiliert für ein Kamerateam“. Als Urheber beziehungsweise Herkunft ist dort die „Parlamentsdirektion“ eingetragen.
Damit sind für dieses Foto gesichert:
Die sichtbare Kamera ist ein bemerkenswertes Detail. Das Manöver wurde offenbar nicht nur militärisch durchgeführt, sondern zugleich gezielt fotografisch oder filmisch dokumentiert. Ob sich das dazugehörige Filmmaterial in einem österreichischen Film- oder Nachrichtenarchiv erhalten hat, wäre noch zu untersuchen.
Bildunterschrift: Carl Vaugoin mit Offizieren bei einem Manöver des österreichischen Bundesheeres in Scheibbs, 29. August 1928. Rechts im Vordergrund ist eine Filmkamera zu erkennen.
Die zweite Fotografie: Begegnung mit einem Ludwig Ritter von Eimannsberger
Die zweite Aufnahme zeigt Carl Vaugoin in Begleitung eines Offiziers und eines weiteren Zivilisten auf einem landwirtschaftlich genutzten Gelände. Vaugoin geht auf einen berittenen höheren Offizier zu. Im Hintergrund befinden sich Felder, Gebäude und eine bewaldete beziehungsweise bergige Landschaft.
Nach der mit den Fotografien überlieferten Zuordnung könnte es sich bei dem Reiter um Ludwig Ritter von Eimannsberger handeln. Eine unabhängige Bestätigung allein anhand des Bildes ist jedoch nicht möglich. In der Bilddatei sind weder eine zeitgenössische Beschriftung noch Angaben zu Ort, Datum oder Personen enthalten.
Die Szene dürfte eine Meldung, Begrüßung oder Besichtigung während einer militärischen Übung zeigen. Die landschaftliche Umgebung wäre grundsätzlich mit dem Raum Scheibbs beziehungsweise dem niederösterreichischen Alpenvorland vereinbar; dies ist jedoch noch kein Beweis für eine Aufnahme am 29. August 1928.
Bildunterschrift: Heeresminister Carl Vaugoin bei der Begegnung mit einem berittenen höheren Offizier, möglicherweise Ludwig Ritter von Eimannsberger. Ort und Datum noch nicht abschließend gesichert.
Die dritte Fotografie: Gespräch vor einem Gebäude
Auf der dritten Aufnahme steht Carl Vaugoin in einem dunklen Mantel vor einem Gebäude und spricht mit einem hochdekorierten General. Rechts davon grüßt ein weiterer Offizier militärisch. Die Offiziere tragen Säbel und teilweise zahlreiche Auszeichnungen.
Auch hier wird der mittlere, mit Vaugoin sprechende General als Ludwig Ritter von Eimannsberger bezeichnet. Da die Bilddatei keine Beschriftung oder Metadaten enthält und keine zeitgenössische Bildlegende vorliegt, kann diese Zuordnung derzeit nicht unabhängig bestätigt werden.
Die Aufnahme könnte vor oder nach der eigentlichen Übung entstanden sein, etwa bei einer Meldung, einem Empfang, einer Lagebesprechung oder dem Besuch einer militärischen Unterkunft. Eine Identifizierung des Gebäudes könnte zugleich zur Klärung von Ort und Anlass beitragen.
Bildunterschrift: Carl Vaugoin im Gespräch mit einem höheren General, nach bisheriger Zuordnung Ludwig Ritter von Eimannsberger. Rechts ein salutierender Offizier. Ort und Datum noch ungeklärt.
Carl Vaugoin als Bundesminister für Heereswesen
Carl Vaugoin wurde am 8. Juli 1873 in Wien geboren und starb am 10. Juni 1949 in Krems an der Donau. Er war Beamter und führender Politiker der Christlichsozialen Partei.
Für die zeitliche Einordnung der Bilder ist besonders wichtig, dass Vaugoin vom 31. Mai 1922 bis zum 26. September 1929 Bundesminister für Heereswesen war. Am 29. August 1928 nahm er somit in seiner amtlichen Funktion als politischer Leiter des österreichischen Bundesheeres an dem Manöver teil.
Später bekleidete er weitere hohe Ämter:
In den zeitgenössischen Bildbeschreibungen erscheint sein Vorname gelegentlich als „Karl“, während die offizielle Biografie des österreichischen Parlaments die Schreibweise „Carl Vaugoin“ verwendet.
Ludwig Ritter von Eimannsberger im Jahr 1928
Ludwig Ritter von Eimannsberger wurde am 19. November 1878 in Wien geboren und starb am 31. Juli 1945 in Innsbruck. Er absolvierte die Technische Militärakademie und begann 1899 als Leutnant beim Divisions-Artillerieregiment Nr. 11.
Nach Verwendungen im Generalstabs- und Artilleriedienst sowie als Lehrer an der Technischen Militärakademie wurde er:
Für die Datierung der Fotografien ist daher eine wichtige Korrektur festzuhalten:
Im August 1928 war Eimannsberger noch nicht Heeresinspektor, sondern Leiter der Sektion II im Bundesministerium für Heerwesen. Das Amt des Heeresinspektors übernahm er erst am 1. Jänner 1929.
Sollten die beiden unbeschrifteten Fotografien tatsächlich während des Manövers von Scheibbs im August 1928 entstanden sein, wäre Eimannsberger somit in seiner damaligen Funktion als Leiter der Sektion II beziehungsweise als hoher General des Bundesheeres anwesend gewesen.
Eimannsberger als Militärtheoretiker
Ludwig Ritter von Eimannsberger beschäftigte sich intensiv mit Artillerie, Motorisierung und dem Einsatz von Kampfwagen. Nach seinem Übertritt in den Ruhestand am 28. Februar 1930 arbeitete er an seinem bekanntesten Werk:
Der Kampfwagenkrieg, München 1934.
Das Buch wurde international beachtet und unter anderem ins Französische, Polnische und Russische übersetzt. Eimannsberger zählt damit zu den bedeutenden österreichischen Theoretikern des Einsatzes gepanzerter Großverbände und des Zusammenwirkens verschiedener Waffengattungen.
Aus den vorliegenden Fotografien lässt sich allerdings nicht ableiten, ob das Manöver von Scheibbs bereits unmittelbar mit seinen später veröffentlichten Vorstellungen über den Kampfwagenkrieg verbunden war. Auf den Bildern sind keine Panzer oder eindeutig identifizierbaren motorisierten Kampfverbände erkennbar.
Quellenkritische Zusammenfassung
Gesichert ist:
Plausibel, aber noch nicht gesichert ist:
Eine bloße Ähnlichkeit der Personen genügt für eine zweifelsfreie Identifizierung nicht. Benötigt würden zeitgenössische Bildlegenden, Rückseitenbeschriftungen, Archivsignaturen oder Vergleichsaufnahmen aus derselben fotografischen Serie.
Quellen und weiterführende Verweise
Carl Vaugoin und Ludwig Ritter von Eimannsberger – Bildserie im Umfeld des Bundesheer-Manövers von Scheibbs 1928
Die drei historischen Fotografien zeigen Carl Vaugoin als Bundesminister für Heereswesen bei einer militärischen Besichtigung beziehungsweise einem Manöver des österreichischen Bundesheeres der Ersten Republik. Nach der überlieferten Zuordnung ist auf zumindest einem Teil der Aufnahmen auch General Ludwig Ritter von Eimannsberger zu sehen.
Für die erste Fotografie lassen sich Ort, Datum und Anlass belegen. Bei den beiden weiteren Bildern fehlen hingegen Beschriftungen und eingebettete Metadaten. Ihre Zuordnung zur selben Veranstaltung sowie die Identifizierung Eimannsbergers müssen daher vorerst als plausible, aber noch nicht vollständig gesicherte Arbeitshypothese gelten.
Die erste Fotografie: Manöver in Scheibbs am 29. August 1928
Die Aufnahme zeigt den in Zivilkleidung und hohen Stiefeln auftretenden Heeresminister Carl Vaugoin, begleitet von mehreren Offizieren, auf einem Übungsgelände. Im Hintergrund sind zahlreiche Soldaten sowie einige Pferde zu erkennen. Rechts im Vordergrund steht ein Kameramann beziehungsweise eine Filmkamera auf einem Stativ.
Die veröffentlichte Bildbeschreibung lautet sinngemäß:
Manöver des österreichischen Bundesheeres in Scheibbs; Heeresminister Carl Vaugoin defiliert vor einem Kamerateam, 29. August 1928.
Auch in den eingebetteten Metadaten der vorliegenden Bilddatei findet sich die Beschreibung „Verteidigungsminister Karl Vaugoin defiliert für ein Kamerateam“. Als Urheber beziehungsweise Herkunft ist dort die „Parlamentsdirektion“ eingetragen.
Damit sind für dieses Foto gesichert:
- Ort: Scheibbs in Niederösterreich
- Datum: 29. August 1928
- Anlass: Manöver des österreichischen Bundesheeres
- dargestellte Hauptperson laut Bildbeschreibung: Heeresminister Carl Vaugoin
- Bildberichterstattung durch ein anwesendes Kamerateam
Die sichtbare Kamera ist ein bemerkenswertes Detail. Das Manöver wurde offenbar nicht nur militärisch durchgeführt, sondern zugleich gezielt fotografisch oder filmisch dokumentiert. Ob sich das dazugehörige Filmmaterial in einem österreichischen Film- oder Nachrichtenarchiv erhalten hat, wäre noch zu untersuchen.
Bildunterschrift: Carl Vaugoin mit Offizieren bei einem Manöver des österreichischen Bundesheeres in Scheibbs, 29. August 1928. Rechts im Vordergrund ist eine Filmkamera zu erkennen.
Die zweite Fotografie: Begegnung mit einem Ludwig Ritter von Eimannsberger
Die zweite Aufnahme zeigt Carl Vaugoin in Begleitung eines Offiziers und eines weiteren Zivilisten auf einem landwirtschaftlich genutzten Gelände. Vaugoin geht auf einen berittenen höheren Offizier zu. Im Hintergrund befinden sich Felder, Gebäude und eine bewaldete beziehungsweise bergige Landschaft.
Nach der mit den Fotografien überlieferten Zuordnung könnte es sich bei dem Reiter um Ludwig Ritter von Eimannsberger handeln. Eine unabhängige Bestätigung allein anhand des Bildes ist jedoch nicht möglich. In der Bilddatei sind weder eine zeitgenössische Beschriftung noch Angaben zu Ort, Datum oder Personen enthalten.
Die Szene dürfte eine Meldung, Begrüßung oder Besichtigung während einer militärischen Übung zeigen. Die landschaftliche Umgebung wäre grundsätzlich mit dem Raum Scheibbs beziehungsweise dem niederösterreichischen Alpenvorland vereinbar; dies ist jedoch noch kein Beweis für eine Aufnahme am 29. August 1928.
Bildunterschrift: Heeresminister Carl Vaugoin bei der Begegnung mit einem berittenen höheren Offizier, möglicherweise Ludwig Ritter von Eimannsberger. Ort und Datum noch nicht abschließend gesichert.
Die dritte Fotografie: Gespräch vor einem Gebäude
Auf der dritten Aufnahme steht Carl Vaugoin in einem dunklen Mantel vor einem Gebäude und spricht mit einem hochdekorierten General. Rechts davon grüßt ein weiterer Offizier militärisch. Die Offiziere tragen Säbel und teilweise zahlreiche Auszeichnungen.
Auch hier wird der mittlere, mit Vaugoin sprechende General als Ludwig Ritter von Eimannsberger bezeichnet. Da die Bilddatei keine Beschriftung oder Metadaten enthält und keine zeitgenössische Bildlegende vorliegt, kann diese Zuordnung derzeit nicht unabhängig bestätigt werden.
Die Aufnahme könnte vor oder nach der eigentlichen Übung entstanden sein, etwa bei einer Meldung, einem Empfang, einer Lagebesprechung oder dem Besuch einer militärischen Unterkunft. Eine Identifizierung des Gebäudes könnte zugleich zur Klärung von Ort und Anlass beitragen.
Bildunterschrift: Carl Vaugoin im Gespräch mit einem höheren General, nach bisheriger Zuordnung Ludwig Ritter von Eimannsberger. Rechts ein salutierender Offizier. Ort und Datum noch ungeklärt.
Carl Vaugoin als Bundesminister für Heereswesen
Carl Vaugoin wurde am 8. Juli 1873 in Wien geboren und starb am 10. Juni 1949 in Krems an der Donau. Er war Beamter und führender Politiker der Christlichsozialen Partei.
Für die zeitliche Einordnung der Bilder ist besonders wichtig, dass Vaugoin vom 31. Mai 1922 bis zum 26. September 1929 Bundesminister für Heereswesen war. Am 29. August 1928 nahm er somit in seiner amtlichen Funktion als politischer Leiter des österreichischen Bundesheeres an dem Manöver teil.
Später bekleidete er weitere hohe Ämter:
- Vizekanzler vom 26. September 1929 bis 30. September 1930
- Bundeskanzler vom 30. September bis 4. Dezember 1930
- erneut Bundesminister für Heereswesen vom 4. Dezember 1930 bis 21. September 1933
- Bundesparteiobmann der Christlichsozialen Partei von 1930 bis 1933
In den zeitgenössischen Bildbeschreibungen erscheint sein Vorname gelegentlich als „Karl“, während die offizielle Biografie des österreichischen Parlaments die Schreibweise „Carl Vaugoin“ verwendet.
Ludwig Ritter von Eimannsberger im Jahr 1928
Ludwig Ritter von Eimannsberger wurde am 19. November 1878 in Wien geboren und starb am 31. Juli 1945 in Innsbruck. Er absolvierte die Technische Militärakademie und begann 1899 als Leutnant beim Divisions-Artillerieregiment Nr. 11.
Nach Verwendungen im Generalstabs- und Artilleriedienst sowie als Lehrer an der Technischen Militärakademie wurde er:
- am 1. Jänner 1921 Oberst,
- am 1. November 1921 mit der Leitung des waffentechnischen Amtes im Bundesministerium für Heerwesen betraut,
- am 1. Mai 1925 Generalmajor,
- am 1. September 1927 Leiter der Sektion II,
- am 24. Oktober 1927 zum „General“ ernannt,
- am 1. Jänner 1929 Heeresinspektor.
Für die Datierung der Fotografien ist daher eine wichtige Korrektur festzuhalten:
Im August 1928 war Eimannsberger noch nicht Heeresinspektor, sondern Leiter der Sektion II im Bundesministerium für Heerwesen. Das Amt des Heeresinspektors übernahm er erst am 1. Jänner 1929.
Sollten die beiden unbeschrifteten Fotografien tatsächlich während des Manövers von Scheibbs im August 1928 entstanden sein, wäre Eimannsberger somit in seiner damaligen Funktion als Leiter der Sektion II beziehungsweise als hoher General des Bundesheeres anwesend gewesen.
Eimannsberger als Militärtheoretiker
Ludwig Ritter von Eimannsberger beschäftigte sich intensiv mit Artillerie, Motorisierung und dem Einsatz von Kampfwagen. Nach seinem Übertritt in den Ruhestand am 28. Februar 1930 arbeitete er an seinem bekanntesten Werk:
Der Kampfwagenkrieg, München 1934.
Das Buch wurde international beachtet und unter anderem ins Französische, Polnische und Russische übersetzt. Eimannsberger zählt damit zu den bedeutenden österreichischen Theoretikern des Einsatzes gepanzerter Großverbände und des Zusammenwirkens verschiedener Waffengattungen.
Aus den vorliegenden Fotografien lässt sich allerdings nicht ableiten, ob das Manöver von Scheibbs bereits unmittelbar mit seinen später veröffentlichten Vorstellungen über den Kampfwagenkrieg verbunden war. Auf den Bildern sind keine Panzer oder eindeutig identifizierbaren motorisierten Kampfverbände erkennbar.
Quellenkritische Zusammenfassung
Gesichert ist:
- Die erste Aufnahme entstand laut veröffentlichter Bildbeschreibung am 29. August 1928 bei einem Bundesheer-Manöver in Scheibbs.
- Die Bildbeschreibung bezeichnet Carl beziehungsweise Karl Vaugoin als dargestellten Heeresminister.
- Vaugoin war zu diesem Zeitpunkt Bundesminister für Heereswesen.
- Ludwig Ritter von Eimannsberger war 1928 Leiter der Sektion II und seit Oktober 1927 „General“.
- Eimannsberger wurde erst am 1. Jänner 1929 Heeresinspektor.
Plausibel, aber noch nicht gesichert ist:
- dass alle drei Fotografien bei demselben Manöver in Scheibbs entstanden,
- dass alle Bilder am 29. August 1928 aufgenommen wurden.
Eine bloße Ähnlichkeit der Personen genügt für eine zweifelsfreie Identifizierung nicht. Benötigt würden zeitgenössische Bildlegenden, Rückseitenbeschriftungen, Archivsignaturen oder Vergleichsaufnahmen aus derselben fotografischen Serie.
Quellen und weiterführende Verweise
-
Österreichisches Parlament: Carl Vaugoin – Biografie, Mandate und Regierungsfunktionen
-
Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv: Nachlass Ludwig Ritter von Eimannsberger, AT-OeStA/KA NL 841 (
-
Bildbeschreibung: Manöver des österreichischen Bundesheeres in Scheibbs mit Carl Vaugoin, 29. August 1928, Bildkennung 2X1ANMP
-
TopFoto/APA-Bildarchiv: Aufnahme des Manövers in Scheibbs, Bildkennung APA1433490
- Truppendienst: Vom Daimler bis zum „Leopard“ – Die Panzerwaffe in Österreich, Anfänge und Erste Republik
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