Rudolf Stöger-Steiner Edler von Steinstätten (1861-1921)
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Rudolf Stöger-Steiner Edler von Steinstätten (1861-1921)
1 Woche 5 Tage her - 1 Woche 5 Tage herRudolf Stöger-Steiner Edler von Steinstätten bei Manövern der 4. Infanterietruppendivision in Brünn, um 1912/13
Die vorliegende historische Aufnahme zeigt vermutlich den späteren k. u. k. Generalobersten und letzten gemeinsamen Kriegsminister Österreich-Ungarns, Rudolf Stöger-Steiner von Steinstätten, im Kreise von Generalstabs- und Ordonnanzoffizieren während eines Manövers.
Nach der zeitlichen Einordnung dürfte das Bild um 1912 oder 1913 entstanden sein, als Stöger-Steiner Kommandant der in Brünn stationierten k. u. k. 4. Infanterietruppendivision war.
Rudolf Stöger-Steiner Edler von Steinstätten, vermutlich als Feldmarschalleutnant und Kommandant der 4. Infanterietruppendivision, umgeben von Generalstabs- und Adjutanturoffizieren bei einem Manöver, wahrscheinlich um 1912/13.
Zeitliche und titulaturgeschichtliche Einordnung
Für eine historisch genaue Bildbezeichnung ist zunächst festzuhalten, dass Rudolf Stöger-Steiner zur vermuteten Entstehungszeit der Aufnahme noch nicht den Freiherrentitel führte. Seine damalige vollständige Namensform lautete:
Rudolf Stöger-Steiner Edler von Steinstätten
Das Kommando über die 4. Infanterietruppendivision in Brünn wurde ihm am 22. Juli 1912 übertragen. Am 1. November 1912 erfolgte seine Beförderung zum Feldmarschalleutnant.
Sollten auf dem Originalfoto die Rangabzeichen eines Feldmarschalleutnants zweifelsfrei zu erkennen sein, wäre die Aufnahme daher frühestens auf die Zeit nach dem 1. November 1912 zu datieren. Eine Entstehung während der Manöversaison 1913 wäre in diesem Fall besonders plausibel.
Der Freiherrenstand wurde Stöger-Steiner hingegen erst am 28. April 1918 verliehen. Ebenfalls erst in den späteren Kriegsjahren wurde er zum Geheimen Rat und schließlich zum Generalobersten ernannt. Die Bezeichnungen „Freiherr“, „Geheimer Rat“ und „Generaloberst“ sind daher zwar für eine rückblickende biographische Würdigung richtig, dürfen aber nicht ohne entsprechenden Hinweis als zeitgenössische Titel einer Aufnahme von 1912/13 verwendet werden.
Herkunft, Adoption und Adelsübertragung
Rudolf Stöger wurde am 26. April 1861 in Pernegg an der Mur in der Steiermark geboren. Nach dem Tod seines Vaters wurde sein weiterer Lebensweg wesentlich von seinem Stiefvater, dem Berufsoffizier Josef Steiner, geprägt.
Josef Steiner war 1891 unter dem Prädikat „Edler von Steinstätten“ in den systemmäßigen österreichischen Adel erhoben worden. Rudolf Stöger wurde von ihm adoptiert und führte zunächst den vereinigten Namen Stöger-Steiner.
Am 25. Oktober 1892 wurde die Übertragung des Adels und des Prädikates auf Rudolf Stöger-Steiner bewilligt. Der entsprechende Hofadelsakt befindet sich heute im Österreichischen Staatsarchiv. Der Akt enthält nicht nur die Gesuche um Übertragung des Adels, sondern auch eine Darstellung des Familienwappens.
Diese Namens- und Adelsgeschichte ist für die Beschriftung historischer Fotografien besonders wichtig:
- bis 1891: Rudolf Stöger
- ab 1891: Rudolf Stöger-Steiner
- ab 1892: Rudolf Stöger-Steiner Edler von Steinstätten
- ab 1918: Rudolf Stöger-Steiner Freiherr von Steinstätten
Militärischer Werdegang bis 1912
Stöger-Steiner besuchte die Kadettenschule in Liebenau bei Graz und trat anschließend in das Feldjägerbataillon Nr. 9 ein. Nach dem Besuch der Kriegsschule in Wien wurde er dem Generalstab zugeteilt.
Es folgten Verwendungen bei verschiedenen Brigaden, Divisionen und Korpskommandos. Neben seiner Tätigkeit im Generalstabsdienst war er auch Lehrer für Taktik an der Kriegsschule. Damit gehörte Stöger-Steiner zu jener Gruppe wissenschaftlich ausgebildeter Generalstabsoffiziere, die nicht nur praktische Truppenführung, sondern auch militärische Ausbildung und taktische Theorie miteinander verbanden.
1907 übernahm er das Kommando über das Infanterieregiment Nr. 74. Zwei Jahre später wurde er Kommandant der 56. Infanteriebrigade in Görz und zum Generalmajor befördert.
1910 wurde ihm die Leitung der Armeeschießschule bei Bruck an der Leitha übertragen. Diese Verwendung entsprach seinen besonderen Kenntnissen in den Bereichen Taktik, Schießwesen und Verwendung moderner Infanteriewaffen.
Der entscheidende Karriereschritt vor dem Ersten Weltkrieg erfolgte 1912 mit der Übernahme der 4. Infanterietruppendivision in Brünn.
Die 4. Infanterietruppendivision in Brünn
Der Militärschematismus für das Jahr 1913 führt ausdrücklich:
4. Infanterietruppendivision, Brünn – Kommandant: Feldmarschalleutnant Rudolf Stöger-Steiner Edler von Steinstätten.
Die Division gehörte zum Bereich des II. Korps und bestand aus Truppenteilen, deren Friedensgarnisonen sich vor allem in Brünn, Znaim und weiteren Orten Mährens befanden.
Im Schematismus von 1913 werden im Zusammenhang mit der Division unter anderem genannt:
- die 7. Infanteriebrigade in Znaim,
- die 8. Infanteriebrigade in Brünn,
- Teile der Infanterieregimenter Nr. 8, 12, 49, 81 und 99,
- das Feldkanonenregiment Nr. 5,
- das Feldhaubitzregiment Nr. 2.
Die genaue Gliederung und die jeweiligen Kommandanten konnten sich allerdings durch Versetzungen und organisatorische Veränderungen kurzfristig ändern.
Für den Friedensstand unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird Major Ladislaus Rásky als Generalstabschef der 4. Infanterietruppendivision genannt. Er könnte daher zu den Offizieren gehört haben, die Stöger-Steiner bei Besichtigungen und Manövern begleiteten. Eine Identifizierung Ráskys oder anderer Offiziere allein aufgrund dieser Funktion wäre jedoch ohne einen gesicherten Bildvergleich nicht zulässig.
Möglicher Anlass der Aufnahme
Die Anwesenheit mehrerer Stabs- und Adjutanturoffiziere spricht für eine dienstliche Aufnahme im Rahmen eines größeren Manövers, einer Truppenbesichtigung oder einer Übung des Divisionsstabes.
Bei Manövern befand sich der Divisionskommandant regelmäßig in Begleitung von:
- dem Generalstabschef der Division,
- Generalstabsoffizieren für operative Planung und Nachrichtenwesen,
- Divisionsadjutanten,
- Ordonnanzoffizieren,
- Vertretern der unterstellten Brigaden,
- gegebenenfalls Verbindungsoffizieren übergeordneter Kommandos.
Von besonderem Interesse wären daher die Kragenspiegel, Rangsterne, Achselschnüre und sonstigen Uniformdetails der Begleitoffiziere. Sie könnten Hinweise darauf geben, ob tatsächlich der engere Divisionsstab oder möglicherweise die Kommandanten unterstellter Brigaden dargestellt sind.
Auch Landschaft, Gebäude, Wegverlauf und mögliche Beschriftungen im Hintergrund könnten zur Bestimmung des Manövergebietes beitragen. Eine Aufnahme während eines mährischen Manövers ist wegen Stöger-Steiners damaliger Kommandostellung naheliegend, aber ohne zusätzliche Angaben nicht bewiesen.
Der weitere Weg im Ersten Weltkrieg
Bei Beginn des Ersten Weltkrieges rückte Stöger-Steiner weiterhin als Kommandant der 4. Infanterietruppendivision ins Feld. Die Division wurde im Rahmen der k. u. k. 4. Armee auf dem galizischen Kriegsschauplatz eingesetzt und nahm unter anderem an den Kämpfen bei Kraśnik und Komarów teil.
1915 übernahm Stöger-Steiner das Kommando über das XV. Korps an der Isonzofront. Im November desselben Jahres wurde er zum General der Infanterie befördert.
Im April 1917 ernannte ihn Kaiser Karl I. zum gemeinsamen Kriegsminister Österreich-Ungarns. Er war damit für die Verwaltung und Organisation der bewaffneten Macht in einer Phase verantwortlich, die bereits von schweren Versorgungsproblemen, politischen Konflikten, Streiks, Kriegsmüdigkeit und zunehmenden nationalen Spannungen geprägt war.
1918 wurde Stöger-Steiner in den Freiherrenstand erhoben und zum Generalobersten befördert. Er blieb bis zum Zusammenbruch der Monarchie im Amt und gilt als letzter gemeinsamer Kriegsminister Österreich-Ungarns.
Nach Kriegsende zog er sich, bereits schwer erkrankt, nach Graz zurück. Dort verstarb er am 12. Mai 1921.
Genealogische und heraldische Bedeutung
Für genealogisch und heraldisch Interessierte ist Stöger-Steiners Biographie besonders bemerkenswert, weil sich in ihr mehrere typische Erscheinungen des spätösterreichischen Adelswesens verbinden:
- die Erhebung eines Berufsoffiziers in den systemmäßigen Adel,
- die Adoption von Stiefsöhnen,
- die behördlich bewilligte Übertragung von Adel, Prädikat und Wappen,
- die Vereinigung zweier Familiennamen,
- der spätere Aufstieg vom einfachen Adelsstand in den Freiherrenstand.
Der im Österreichischen Staatsarchiv erhaltene Hofadelsakt zu Josef Steiner und seinen Adoptivsöhnen dürfte daher nicht nur genealogische Schriftstücke, sondern auch für die Wappenforschung wichtiges Material enthalten. Laut Archivbeschreibung befindet sich die Wappendarstellung auf Folio 75; eine digitale Aufnahme des Wappens ist vorhanden.
Offene Fragen zur Aufnahme
- Lässt sich anhand der Landschaft oder vorhandener Gebäude feststellen, ob das Foto tatsächlich im Raum Brünn beziehungsweise während eines Manövers in Mähren entstanden ist?
- Gehört die Aufnahme zu einer Serie, in der weitere Bilder desselben Manövers, der beteiligten Truppen oder des Divisionsstabes enthalten sind?
- Existieren im Kriegsarchiv, in regionalen Archiven in Brünn oder in zeitgenössischen illustrierten Zeitungen vergleichbare Aufnahmen dieses Manövers?
Quellen und weiterführende Hinweise
Österreichisches Biographisches Lexikon: Stöger-Steiner von Steinstätten, Rudolf Freiherr
Schematismus für das k. u. k. Heer und für die k. u. k. Kriegsmarine 1913 – 4. Infanterietruppendivision in Brünn
Österreichisches Staatsarchiv: Hofadelsakt Josef Steiner, „Edler von Steinstätten“, mit Adelsübertragung auf Rudolf Stöger-Steiner
Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv: Aktenbestand der 4. Infanteriedivision und Übersicht der Kommandoverhältnisse
Biographische Übersicht: Colonel General Rudolf Baron Stöger-Steiner von Steinstätten
Die Identifizierung der dargestellten Person als Rudolf Stöger-Steiner sowie die Datierung auf etwa 1912/13 erscheinen nach seinem militärischen Werdegang plausibel. Eine abschließende Bestätigung des Aufnahmeortes, des genauen Datums und der Begleitpersonen ist jedoch erst nach Auswertung des Originalfotos, seiner Rückseite und geeigneter Vergleichsaufnahmen möglich.
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