BARTELS, Gustav Ritter von Bartenberg (1872-1953)

BARTELS, Gustav Ritter von Bartenberg (1872-1953)

4 Wochen 1 Tag her
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Bartels von Bartberg – zwei Träger des Namens Gustav, aber nur ein k. u. k. Generalmajor

Bei der Durchsicht der Genealogie der Familie Bartels von Bartberg ergibt sich eine bemerkenswerte, aber zugleich erklärungsbedürftige Rangangabe.

Im Wiener Genealogischen Taschenbuch des Jahres 1937 werden offenbar sowohl der Vater Gustav Ritter Bartels von Bartberg (1829–1905) als auch dessen gleichnamiger Sohn Gustav Ritter Bartels von Bartberg (1872–1953) als Generalmajore bezeichnet. Beim jüngeren Gustav findet sich nach der vorliegenden Abschrift auf Seite 24 sogar die Angabe:
„Gustav, * Karlsburg 12. Juli 1872, k. u. k. Generalmajor d. R.“
 

Diese Formulierung ist jedoch militärhistorisch nicht haltbar beziehungsweise zumindest irreführend. Die beiden gleichnamigen Offiziere müssen hinsichtlich ihrer Laufbahn und der staatlichen Zugehörigkeit ihres Generalsranges sorgfältig auseinandergehalten werden.



1. Der Vater: Gustav Ritter Bartels von Bartberg (1829–1905)

Der ältere Gustav wurde am 3. Juli 1829 in Fiume geboren und starb am 9. April 1905 in Graz.

Er war ein Offizier der österreichischen beziehungsweise österreichisch-ungarischen Armee und wurde laut der von Antonio Schmidt-Brentano bearbeiteten Generalsliste mit Wirkung vom 1. November 1883 unter Verleihung des Charakters eines Generalmajors ad honores pensioniert.

Damit ist für ihn die Zugehörigkeit zur k. k. beziehungsweise k. u. k. Generalität eindeutig belegt.

Seine Eltern werden in der genealogischen Zusammenstellung als Franz Bartels und Antonie von David genannt.

Er war zweimal verheiratet:
  • 1860 mit Malvine Edle von Fiedler,
  • 1870 mit Mathilde Oberkamp.

Aus der zweiten Ehe stammte der gleichnamige Sohn Gustav.

Quelle zur Generalslaufbahn:
Antonio Schmidt-Brentano: Die k. k. bzw. k. u. k. Generalität 1816–1918

Genealogische Zusammenstellung:
Stammreihen.de – Gustav Ritter Bartels von Bartberg, geboren 1829



2. Der Sohn: Gustav Ritter Bartels von Bartberg (1872–1953)

Der jüngere Gustav wurde am 12. Juli 1872 in Karlsburg, dem heutigen Alba Iulia in Siebenbürgen, geboren. Im Katalog des Österreichischen Staatsarchivs wird der Geburtsort als „Karlburg (Gyula Fehervar)“ bezeichnet.

Seine Eltern waren:
  • Gustav Ritter Bartels von Bartberg, k. u. k. Generalmajor,
  • Mathilde Oberkamp.

Der jüngere Gustav schlug ebenfalls die militärische Laufbahn ein. Der im Österreichischen Staatsarchiv verwahrte Nachlass ermöglicht folgende vorläufige Übersicht:
  • 1894: Ausmusterung aus der Theresianischen Militärakademie und Zuteilung zum Infanterieregiment Nr. 42.
  • 1899 bis 1901: Besuch der Kriegsschule.
  • 1902: als Oberleutnant dem Generalstab zugeteilt.
  • 1903 bis 1905: Generalstabsoffizier bei der 47. Infanteriebrigade.
  • Danach Verwendung beim Infanterieregiment Nr. 7.
  • Außerdem beschäftigte er sich mit der Geschichte dieses Regiments und verfasste eine entsprechende Regimentsgeschichte.

Im Militärschematismus für 1914 erscheint er noch als Hauptmann. Seine weitere Beförderung während des Ersten Weltkrieges führte ihn jedenfalls nicht in die Generalität der Monarchie.

Die Rangliste des Jahres 1918 nennt:
„Bartels v. Bartberg Gustav Ritt.“
 

unter den Oberstleutnants des Infanterieregiments Nr. 7 beziehungsweise als dem Generalstab zugeteilten Offizier.

Damit ist festzuhalten:

Gustav Ritter Bartels von Bartberg, geboren 1872, war beim Untergang der österreichisch-ungarischen Monarchie kein k. u. k. Generalmajor.

Sein Fehlen in der Generalsliste von Schmidt-Brentano stellt daher keine erkennbare Lücke dar, sondern entspricht seinem bis 1918 erreichten militärischen Rang.

Militärschematismus 1914:
Schematismus für das k. u. k. Heer und die k. u. k. Kriegsmarine 1914

Rangliste 1918 – Generalstab:
Ranglisten des kaiserlichen und königlichen Heeres 1918, Seite 90

Rangliste 1918 – Infanterieregiment Nr. 7:
Ranglisten des kaiserlichen und königlichen Heeres 1918, Seite 468



3. Die Laufbahn in der Republik Österreich

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurde Gustav Bartels von Bartberg in das österreichische Bundesheer übernommen.

Nach den bisher vorliegenden Angaben wurde er 1921 zum Oberst ernannt. Zuletzt leitete er die Heeresverwaltungsstelle in Graz.

Im Jahr 1924 trat er in den Ruhestand. Dabei wurde ihm der Titel eines Generalmajors verliehen.

Sein Generalsrang beziehungsweise Generalstitel gehört somit nicht mehr der k. u. k. Armee an, sondern dem österreichischen Bundesheer der Ersten Republik.

Eine militärisch und staatsrechtlich präzisere Bezeichnung wäre daher etwa:
Gustav Ritter Bartels von Bartberg, ehemals k. u. k. Oberstleutnant, später Oberst des österreichischen Bundesheeres und seit 1924 titulärer Generalmajor im Ruhestand.
 

Oder in einer kürzeren genealogischen Darstellung:
k. u. k. Oberstleutnant, österreichischer Oberst und titulärer Generalmajor i. R.
 

Die im Wiener Genealogischen Taschenbuch überlieferte Bezeichnung „k. u. k. Generalmajor d. R.“ vermischt demgegenüber offenbar seine Dienststellung in der ehemaligen k. u. k. Armee mit dem erst in der Republik verliehenen Generalmajorstitel.

Gustav Ritter Bartels von Bartberg starb am 18. Oktober 1953 in Graz.

Nachlass und biographische Angaben im Österreichischen Staatsarchiv:
Österreichisches Staatsarchiv – Nachlass Bartels von Bartberg, Gustav

Genealogische Übersicht:
Stammreihen.de – Gustav Ritter Bartels von Bartberg, geboren 1872



4. Ein noch ungeklärter Widerspruch in den Quellen

Der Onlinekatalog des Österreichischen Staatsarchivs enthält in seiner Kurzbiographie die Angabe, Gustav Bartels von Bartberg sei bereits 1916 Oberst und Kanzleidirektor beim 11. Armeekommando gewesen.

Diese Angabe steht jedoch im Widerspruch zur amtlichen Rangliste von 1918, in der er noch als Oberstleutnant erscheint.

Auch die im Forum genannte Beförderungsfolge
  • 1915 Major,
  • 1916 Oberstleutnant

passt wesentlich besser zur Rangliste von 1918 als die Katalogangabe „1916 Oberst“.

Es ist daher möglich, dass in der Kurzbeschreibung des Nachlasses ein redaktioneller Fehler, eine Jahresverwechslung oder eine ungenaue Zusammenfassung vorliegt. Eine endgültige Klärung müsste anhand der im Nachlass vorhandenen:
  • Personalverordnungsblätter,
  • Ranglisten,
  • Ernennungsdekrete,
  • Personalunterlagen

erfolgen.

Bis dahin sollte die Angabe „1916 Oberst“ nicht ungeprüft übernommen werden.



5. Die beiden Ehen des jüngeren Gustav

Gustav Ritter Bartels von Bartberg war nach den bisher zugänglichen genealogischen Angaben zweimal verheiratet.

Erste Ehe

Am 17. September 1910 in Graz heiratete er:

Ella Fürich von Fürichshain,

geboren am 31. März 1881 in Pressburg, gestorben am 30. September 1933 in Graz.

Sie war eine Tochter des Josef Fürich von Fürichshain und der Louisa Holmes.

Die Familie Fürich von Fürichshain scheint, soweit bisher bekannt, in keinem der verbreiteten genealogischen Adelshandbücher mit einer ausführlichen Stammreihe auf.

Zweite Ehe

Am 4. Oktober 1934 in Graz heiratete Gustav in zweiter Ehe:

Wilhelmine Billig,

geboren am 21. Juni 1907 in Baden bei Wien.

Im ursprünglichen Forumsbeitrag wird sie als Tochter eines Generalmajors Billig bezeichnet. Die genaue Identität dieses Generals und die Abstammung Wilhelmines wären jedoch noch durch eine standesamtliche oder kirchliche Heiratsurkunde beziehungsweise durch ihre Geburtsmatrik zu belegen.

Die Eheverbindungen sind in folgender Stammreihe erfasst:

Stammreihe Bartels von Bartberg



6. Ergebnis der Überprüfung

Nach dem derzeitigen Quellenstand ergibt sich folgende klare Unterscheidung:
  • Gustav Ritter Bartels von Bartberg (1829–1905) war Generalmajor der österreichisch-ungarischen Armee beziehungsweise erhielt 1883 den Charakter eines Generalmajors ad honores.
  • Gustav Ritter Bartels von Bartberg (1872–1953) war 1918 noch k. u. k. Oberstleutnant.
  • Der jüngere Gustav gehörte deshalb nicht zur k. u. k. Generalität und wird von Schmidt-Brentano zu Recht nicht als General der Monarchie geführt.
  • Er wurde nach 1918 in das österreichische Bundesheer übernommen, dort Oberst und erhielt bei seiner Versetzung in den Ruhestand im Jahre 1924 den Titel eines Generalmajors.
  • Die Bezeichnung „k. u. k. Generalmajor d. R.“ im Wiener Genealogischen Taschenbuch von 1937 ist daher sachlich ungenau und sollte nicht ohne erläuternden Zusatz übernommen werden.

Eine bewusste „Übertreibung“ der Familie lässt sich daraus noch nicht ableiten. Wahrscheinlicher erscheint eine redaktionelle Vermengung seiner früheren Zugehörigkeit zur k. u. k. Armee mit dem später in der Republik verliehenen Generalmajorstitel.



7. Exkurs: General Johann Josef Pókay

Im Verlauf der Diskussion wurde außerdem auf den aus Pápa stammenden Mexiko-Veteranen Johann Josef Pókay, ursprünglich Polak beziehungsweise Pólak, hingewiesen.

Dieser Fall gehört genealogisch insbesondere wegen seiner Ehe mit Anna Gyertyanffy de Bobda, geborene Pollet Edle von Polltheim, in den weiteren Zusammenhang der Familie Pollet von Polltheim.

Die entsprechende Stammreihe findet sich hier:

Stammreihen.de – Johann Josef Pókay und die Familie Pollet von Polltheim

Pókay ist in der Generalsliste Schmidt-Brentanos tatsächlich enthalten. Dort werden für ihn unter anderem folgende Rangdaten genannt:
  • 1887 Generalmajor,
  • 1891 Feldmarschallleutnant,
  • 1896 Charakter eines Feldzeugmeisters ad honores,
  • 1908 Titel eines Generals der Infanterie.

Allerdings besteht auch hier eine noch zu klärende Abweichung: Schmidt-Brentano nennt als Geburtsdatum den 13. März 1829, während im Forumsbeitrag der 24. März 1829 angegeben wurde. Zur Klärung wäre der originale Taufeintrag aus Pápa heranzuziehen.

Da die Familie Pókay beziehungsweise Pollet von Polltheim einen eigenen umfangreichen Fragenkomplex bildet, wäre dafür ein gesondertes Thema zweckmäßig.



8. Offene Fragen an das Forum
  1. Lässt sich anhand der Personalverordnungsblätter oder Ernennungsdekrete das genaue Datum der Beförderungen des jüngeren Gustav zum Major, Oberstleutnant und später zum Oberst feststellen?
  2. Wie erklärt sich die Angabe „1916 Oberst“ in der Kurzbeschreibung des Österreichischen Staatsarchivs, obwohl die Rangliste von 1918 ihn noch als Oberstleutnant führt?
  3. Existiert ein österreichisches Personalverordnungsblatt oder ein Ernennungsdekret aus dem Jahr 1924, das die Verleihung des Titels eines Generalmajors im genauen Wortlaut dokumentiert?
  4. Wer war der Vater der zweiten Ehefrau Wilhelmine Billig? Handelte es sich tatsächlich um einen Generalmajor, und wenn ja, um welchen Offizier?
  5. Sind die Grazer Heiratseinträge von 1910 und 1934 oder weitere Familienanzeigen erhalten, aus denen Eltern, Trauzeugen und nähere Familienbeziehungen hervorgehen?
  6. Kann jemand den Taufeintrag Johann Josef Pókays in Pápa beibringen und damit die Abweichung zwischen dem 13. und dem 24. März 1829 auflösen?



9. Verwendete Quellen und weiterführende Hinweise
"IN OMNIBUS ORDO"

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