Othmar Crusiz (1834-1924), FML

Othmar Crusiz (1834-1924), FML

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GENTRY

Othmar Crusiz (1834–1924) - Militärattaché in Paris, Kommandant der Theresianischen Militärakademie und Feldmarschallleutnant


Einleitung

Da ich die Ehre habe, den umfangreichen Nachlass des k. k. beziehungsweise später k. u. k. Feldmarschallleutnants Othmar Crusiz für seine Nachkommen zu verwalten, möchte ich hier einige besonders interessante Dokumente aus seinem militärischen und diplomatischen Werdegang vorstellen.

Der Nachlass enthält nicht nur Urkunden über Beförderungen und Auszeichnungen, sondern auch persönliche Dokumente aus seiner Verwendung als Militärattaché in Paris. Gerade solche Unterlagen lassen die Laufbahn eines Offiziers wesentlich anschaulicher hervortreten, als dies durch die bloße Aufzählung von Dienstgraden und Verwendungen möglich wäre.

Bei Othmar Crusiz handelte es sich zweifellos um einen bemerkenswerten Offizier der Regierungszeit Kaiser Franz Josephs I. Seine Verwendung im Generalstab, seine diplomatische Tätigkeit in Paris, das langjährige Kommando über die Theresianische Militärakademie und seine Beförderung bis zum Feldmarschallleutnant belegen eine bedeutende militärische Laufbahn.
 


1. Herkunft und Familie

Othmar Crusiz wurde am 11. März 1834 geboren und starb am 28. Juni 1924.

Nach den im Familiennachlass überlieferten Angaben war er ein Sohn des k. k. Oberfinanzrates
  • Anton Eduard Crusiz

und dessen Ehefrau
  • Maria Clara Kappus von Pichlstein.

Die genaue Schreibweise des mütterlichen Familiennamens und Prädikats – „Kappus von Pichlstein“, möglicherweise auch in einer abweichenden historischen Schreibweise – wäre noch anhand einer Taufmatrik, eines Traueintrags oder einer amtlichen Personalunterlage zu überprüfen.

Auch die vollständige genealogische Einordnung der Familie Crusiz sowie die Verbindung zu den später in Kärnten und der Steiermark nachweisbaren Trägern dieses Namens wäre ein lohnendes Forschungsthema.

2. Gesicherte Eckpunkte der militärischen Laufbahn

Aus den bislang herangezogenen amtlichen und zeitgenössischen Quellen lässt sich folgende vorläufige Chronologie erstellen:
  • 11. März 1834: Geburt Othmar Crusiz.
  • Spätestens 1877: Oberst des Generalstabskorps und Militärattaché bei der k. k. Botschaft in Paris. Diese Verwendung wird durch das nachstehend wiedergegebene Schreiben der Ordenskanzlei unmittelbar belegt.
  • 1879: Othmar Crusiz wird in einer Zusammenstellung der Regimentskommandanten als Oberst und Kommandant des Infanterieregiments Nr. 49 genannt. Dieser Punkt sollte noch anhand des amtlichen Militärschematismus des betreffenden Jahres überprüft werden.
  • 30. September 1880 bis 24. Juni 1887: Kommandant der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt.
  • 1. November 1882: Beförderung zum Generalmajor. In der Generalitätsliste des Österreichischen Staatsarchivs findet sich zusätzlich das Datum 6. November 1882, das vermutlich mit der Ausfertigung oder Veröffentlichung zusammenhängt.
  • 1. November 1887: Beförderung zum Feldmarschallleutnant. Als weiteres Datum ist in der Generalitätsliste der 28. Oktober 1887 vermerkt.
  • 1. September 1891: Versetzung in den Ruhestand.
  • 1893: Im Militärschematismus wird Feldmarschallleutnant Othmar Crusiz im Ruhestand mit Wohnsitz in Villach in Kärnten geführt.
  • 28. Juni 1924: Tod Othmar Crusiz.

Seine fast siebenjährige Tätigkeit als Kommandant der Theresianischen Militärakademie ist besonders hervorzuheben. Die Leitung dieser zentralen Ausbildungsstätte des Offiziersnachwuchses war eine verantwortungsvolle und prestigeträchtige Verwendung. Crusiz trat das Kommando noch als Oberst an und wurde während dieser Tätigkeit zum Generalmajor befördert.


3. Verleihung des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse im Jahr 1877

Zu den bemerkenswertesten Stücken des Nachlasses gehört ein Schreiben der Kanzlei des österreichisch-kaiserlichen Ordens der Eisernen Krone vom 21. Jänner 1877.

Othmar Crusiz befand sich zu diesem Zeitpunkt als Oberst des Generalstabskorps und Militärattaché bei der österreichischen Botschaft in Paris.
 
– Schreiben der Ordenskanzlei vom 21. Jänner 1877 –

Transkription
Von der Kanzlei des k. k. österr. Ordens der Eisernen Krone:

An Seine, des Herrn k. k. Obersten des Generalstabskorps, Militärattaché bei der k. k. Botschaft in Paris etc. etc.

Othmar Crusiz

Hochwohlgeboren

Seine kais. und königl. apostolische Majestät haben zufolge Allerhöchsten Handschreibens vom 18. d. M. Euer Hochwohlgeboren in Anerkennung der in Ihrer Verwendung geleisteten sehr ersprießlichen Dienste den österr. kais. Orden der Eisernen Krone III. Kl. mit Nachsicht der Taxen allergnädigst zu verleihen geruht.

Ich gebe mir die Ehre, in der Anlage die entsprechende Ordensdekoration und ein Statutenbuch mit dem Ersuchen zu übersenden, den mitfolgenden Revers datiert und eigenhändig unterzeichnet an die Ordenskanzlei gefälligst gelangen lassen zu wollen.

Wien, am 21. Jänner 1877

Sr. kais. und königl. Apostolischen Majestät wirklicher Geheimer Rat, Kämmerer und Kanzler des Ordens der Eisernen Krone

C. Freiherr v. Mecsery
 

Bei dem Unterzeichner dürfte es sich um Karl Freiherr Mecséry de Tsóor handeln. Die genaue Lesung der Unterschrift und seine damalige Funktion innerhalb der Ordenskanzlei sollten jedoch noch anhand eines Hof- und Staatshandbuches von 1877 überprüft werden.

 

Dem Schreiben war ein weiterer Hinweis der Ordenskanzlei beigefügt:
Für den Fall, als Eure Hochwohlgeboren die Ausfertigung des von Seiner kaiserlichen und königlichen apostolischen Majestät allerhöchst eigenhändig unterzeichneten Pergament-Diploms als Ritter des österreichisch-kaiserlichen Ordens der Eisernen Krone III. Kl. wünschen sollten, belieben Sie die gefertigte Ordenskanzlei davon zu verständigen und die systemisierte Schreib- und Sigillierungs-Taxe von dreißig Gulden daselbst zu erlegen beziehungsweise einzusenden.

Von der Kanzlei des österr. kais. Ordens der Eisernen Krone

Wien, den 21. Jänner 1877

Der Ordensschatzmeister

v. Hofmann

k. k. Hofrat
 

Bei dem Ordensschatzmeister dürfte es sich um Karl Ritter Hofmann von Morathal handeln. Im Archivinformationssystem des Österreichischen Staatsarchivs ist ein Karl Hofmann nachweisbar, der 1871 als k. k. Kabinettssekretär und Regierungsrat nach Verleihung des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse mit dem Prädikat „von Morathal“ in den Ritterstand erhoben wurde.


4. Was erfahren wir aus dem Ordensschreiben?

Das Schreiben ist in mehrfacher Hinsicht aufschlussreich.

1. Anlass der Auszeichnung

Die Verleihung erfolgte laut Schreiben
„in Anerkennung der in Ihrer Verwendung geleisteten sehr ersprießlichen Dienste“.

Damit bezog sich die Auszeichnung offenbar auf die Tätigkeit von Crusiz als Militärattaché in Paris. Welche konkreten Leistungen damit gemeint waren, geht aus dem Schreiben selbst nicht hervor.

Denkbar wären militärdiplomatische Berichte, Beobachtungen über die französische Armee, Kontakte zu französischen Militärstellen oder besondere Aufgaben im Rahmen der österreichisch-französischen Beziehungen. Eine belastbare Aussage wäre jedoch erst nach Einsicht in seine Personal- und Dienstakten möglich.

2. Die Allerhöchste Entscheidung

Die Verleihung beruhte auf einem Allerhöchsten Handschreiben Kaiser Franz Josephs I. vom 18. Jänner 1877. Das Schreiben der Ordenskanzlei wurde bereits drei Tage später, am 21. Jänner 1877, ausgefertigt.

3. Übersendung der Ordensdekoration

Mit dem Schreiben wurden nicht nur die Nachricht über die Verleihung, sondern auch
  • die Ordensdekoration,
  • ein Statutenbuch und
  • ein zu unterzeichnender Revers

übersandt.

Der Revers war von Crusiz zu datieren, eigenhändig zu unterzeichnen und an die Ordenskanzlei zurückzusenden. Solche Reverse dokumentierten die ordnungsgemäße Übernahme der Dekoration und die Anerkennung der Ordensstatuten.

4. „Mit Nachsicht der Taxen“

Bemerkenswert ist die ausdrückliche Verleihung „mit Nachsicht der Taxen“. Othmar Crusiz musste somit die gewöhnlich mit der Ordensverleihung verbundenen Verleihungstaxen nicht entrichten.

Davon zu unterscheiden war jedoch die Herstellung eines repräsentativen, vom Kaiser eigenhändig unterzeichneten Pergamentdiploms. Wünschte der Ausgezeichnete ein solches Diplom, waren dafür 30 Gulden Schreib- und Sigillierungstaxe zu bezahlen.

Es liegt daher kein Widerspruch vor: Die Verleihung und Übersendung der Dekoration erfolgten taxfrei; die aufwendige Herstellung eines zusätzlichen Pergamentdiploms war hingegen kostenpflichtig.

5. Ordensdiplom oder Adelsdiplom?

Die Formulierung des Schreibens bezieht sich ausdrücklich auf ein Pergamentdiplom als Ritter des Ordens der Eisernen Krone. Ein solches Ordensdiplom ist nicht ohne Weiteres mit einem gesonderten Ritterstands- oder Adelsdiplom gleichzusetzen.

Die Verleihung erfolgte allerdings 1877 und damit noch vor der Änderung der Ordensstatuten im Jahr 1884. Vor dieser Änderung konnte die III. Klasse des Ordens für einen österreichischen Untertanen mit der Erhebung in den erblichen Ritterstand verbunden sein.

Daraus ergibt sich eine besonders interessante adelsrechtliche Frage:
Wurde Othmar Crusiz tatsächlich in den erblichen österreichischen Ritterstand erhoben, und wurde hierüber ein gesondertes Adels- und Wappendiplom ausgefertigt?
 

Die gelegentlich vorkommende Bezeichnung „Othmar Ritter von Crusiz“ deutet darauf hin, ist für sich allein jedoch noch kein ausreichender Nachweis. Entscheidend wäre ein entsprechender Adelsakt im Allgemeinen Verwaltungsarchiv beziehungsweise ein im Familiennachlass erhaltenes Diplom.


5. Auszeichnungen von Othmar Crusiz

Der Militärschematismus für 1893 führt bei Othmar Crusiz folgende abgekürzte Auszeichnungen an:
  • LO-C – Kommandeur des österreichisch-kaiserlichen Leopold-Ordens,
  • EKO-R. 3. – Ritter des österreichisch-kaiserlichen Ordens der Eisernen Krone III. Klasse,
  • MVK (KD) – Militärverdienstkreuz mit Kriegsdekoration.

Der Österreichisch-kaiserliche Hofkalender für 1918 nennt ihn unter den Kommandeuren des Leopold-Ordens und weist als Verleihungsjahr 1891 aus.

Die Verleihung des Leopold-Ordens dürfte somit in einem Zusammenhang mit dem Abschluss seiner aktiven Laufbahn oder seiner Versetzung in den Ruhestand gestanden haben. Zur genauen Klärung wäre die betreffende Ordensakte heranzuziehen.


6. Der Reisepass für die Verwendung in Paris

Ein weiteres erhaltenes Dokument ist der Reisepass von Othmar Crusiz für seine Tätigkeit als Militärattaché in Paris.
 
– Reisepass Othmar Crusiz –

Verglichen mit heutigen Reisepässen erscheint dieses Dokument zweifellos ungewöhnlich und in mancher Hinsicht beinahe „schmunzelnswert“. Es sollte jedoch nicht übersehen werden, dass ein Reisepass des 19. Jahrhunderts eine andere Funktion und äußere Gestaltung besaß als ein moderner, maschinenlesbarer Pass.

Für eine nähere Auswertung wären insbesondere folgende Eintragungen von Interesse:
  • Ausstellungsdatum und ausstellende Behörde,
  • genaue Amts- oder Dienstbezeichnung,
  • angegebener Reisezweck,
  • Gültigkeitsdauer,
  • Reiseroute,
  • Visa und Grenzvermerke,
  • Signalement beziehungsweise Personenbeschreibung,
  • Unterschriften und Siegel,
  • allfällige Verlängerungs- oder Erneuerungsvermerke.

Gerade die Visa und Durchreisevermerke könnten Hinweise darauf geben, wann Crusiz nach Paris reiste, welche Route er nahm und wie lange seine diplomatische Verwendung tatsächlich dauerte.


7. Die Beförderungsurkunde zum Generalmajor von 1882

Ein besonders eindrucksvolles Stück des Nachlasses ist die großformatige Beförderungsurkunde für Oberst Othmar Crusiz zum Generalmajor aus dem Jahr 1882.
 
– Beförderungsurkunde zum Generalmajor, 1882 –

Die Urkunde trägt nach dem erhaltenen Original die Unterschriften
  • Kaiser Franz Josephs I. und
  • des Reichskriegsministers Artur Maximilian Graf Bylandt-Rheidt.
 
– Beförderungsurkunde zum Generalmajor, 1882 –
Bylandt-Rheidt war von 1876 bis 1888 Reichskriegsminister und gehörte damit zu den prägenden Persönlichkeiten der militärischen Verwaltung dieser Zeit.

Die amtliche Generalitätsliste nennt als Wirksamkeitsdatum der Beförderung den 1. November 1882 und zusätzlich den 6. November 1882. Es wäre daher interessant, das genaue Ausfertigungsdatum der Urkunde mit beiden Angaben zu vergleichen.

Zum Zeitpunkt seiner Beförderung war Crusiz bereits Kommandant der Theresianischen Militärakademie. Er hatte dieses Amt seit dem 30. September 1880 inne und führte es auch als Generalmajor bis zum 24. Juni 1887 weiter.

Damit dokumentiert die Urkunde nicht nur den persönlichen Aufstieg von Crusiz, sondern zugleich eine entscheidende Phase seiner Tätigkeit in der Ausbildung des österreichisch-ungarischen Offiziersnachwuchses.


8. Crusiz als Kommandant der Theresianischen Militärakademie

Die offizielle Kommandantenliste der Theresianischen Militärakademie nennt:
30. September 1880 bis 24. Juni 1887:
Oberst Othmar Crusiz, ab 1. November 1882 Generalmajor.
 

Crusiz stand somit beinahe sieben Jahre an der Spitze der Akademie. In diese Zeit fielen nicht nur organisatorische und militärpädagogische Aufgaben, sondern auch die Verantwortung für Ausbildung, Disziplin und geistige Prägung der angehenden Berufsoffiziere.

Für eine weiterführende Untersuchung wären insbesondere folgende Unterlagen interessant:
  • Akademie-Kommandobefehle aus seiner Amtszeit,
  • Jahresberichte der Militärakademie,
  • Lehrpläne und organisatorische Reformen,
  • Korrespondenzen mit dem Reichskriegsministerium,
  • Beurteilungen der Lehrkräfte und Zöglinge,
  • Ansprachen und Tagesbefehle,
  • zeitgenössische Erinnerungen ehemaliger Zöglinge.

Erst anhand solcher Unterlagen ließe sich genauer beurteilen, welche persönlichen und fachlichen Akzente Crusiz während seines Kommandos setzte.


9. Ruhestand, Villach und spätere Jahre

Othmar Crusiz wurde mit 1. September 1891 pensioniert. Der Militärschematismus von 1893 nennt als Wohnort Villach.

Seine Verbindung zu Villach dürfte über den bloßen Alterswohnsitz hinausgegangen sein. Darauf weist bereits der Titel einer 2020 erschienenen biographischen Untersuchung hin:
„Othmar Crusiz (1834–1924), k. u. k. Feldmarschallleutnant, Diplomat und Wohltäter“
 

Der Beitrag von Arno Kerschbaumer erschien im 57. Jahrbuch „Neues aus Alt-Villach“ des Stadtmuseums Villach.

Darüber hinaus ist im Haus-, Hof- und Staatsarchiv ein Briefwechsel von Othmar Crusiz mit Christine Rieger aus den Jahren 1909 bis 1910 nachgewiesen. Auch dieser Bestand könnte weitere Einblicke in seine persönlichen Beziehungen und seine Lebensumstände im Ruhestand bieten.


10. Offene Forschungsfragen an die Foristen

Vielleicht können Mitglieder des Forums bei der Klärung folgender Punkte helfen:

Zur Familie und Herkunft
  1. In welcher Pfarre wurde Othmar Crusiz am beziehungsweise nach dem 11. März 1834 getauft?
  2. Lässt sich die Elternschaft des k. k. Oberfinanzrates Anton Eduard Crusiz und der Maria Clara Kappus von Pichlstein durch eine Tauf- oder Heiratsmatrik bestätigen?
  3. Welche historisch richtige Schreibweise führte die Familie Kappus: „von Pichlstein“, „von Pichelstein“ oder eine andere Form?
  4. Wer waren die Geschwister Othmar Crusiz’ und wie setzt sich die Familie in den späteren Generationen fort?

Zur Ordensverleihung von 1877
  1. Ist der in dem Schreiben erwähnte, von Othmar Crusiz unterzeichnete Revers in einer Ordensakte erhalten?
  2. Existiert das übersandte Statutenbuch noch im Familiennachlass?
  3. Ist die damals übersandte Originaldekoration des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse erhalten und lässt sie sich anhand von Herstellerpunzen zeitlich zuordnen?
  4. Beantragte Crusiz das angebotene Pergamentdiplom und entrichtete er die hierfür verlangten 30 Gulden?
  5. Ist im Österreichischen Staatsarchiv ein gesonderter Adelsakt beziehungsweise ein Ritterstands- und Wappendiplom für Othmar Crusiz nachweisbar?
  6. Welches Prädikat und welches Wappen wären gegebenenfalls verliehen worden?
  7. Ist die Identifizierung der Unterzeichner als Karl Freiherr Mecséry de Tsóor und Karl Ritter Hofmann von Morathal durch den Hof- und Staatsschematismus von 1877 zu bestätigen?

Zur Tätigkeit in Paris
  1. Von wann bis wann war Crusiz offiziell Militärattaché bei der österreichischen Botschaft in Paris?
  2. Wer war sein unmittelbarer Vorgänger beziehungsweise Nachfolger?
  3. Sind seine militärdiplomatischen Berichte im Kriegsarchiv oder im Haus-, Hof- und Staatsarchiv erhalten?
  4. Welche konkreten Leistungen führten 1877 zur Auszeichnung mit dem Orden der Eisernen Krone?
  5. Enthält der Reisepass Visa, Grenzstempel oder Verlängerungsvermerke, aus denen sich seine Reisebewegungen rekonstruieren lassen?

Zur militärischen Laufbahn
  1. Lässt sich seine Verwendung als Kommandant des Infanterieregiments Nr. 49 durch den Militärschematismus von 1879 bestätigen?
  2. Welche Truppen- oder Kommandofunktion übernahm Crusiz nach dem Ende seines Akademiekommandos im Juni 1887?
  3. Sind seine Qualifikationslisten, Conduitelisten oder sonstigen Personalakten im Wiener Kriegsarchiv erhalten?
  4. Welche Gründe lagen seiner Pensionierung mit 1. September 1891 zugrunde?
  5. In welchem Zusammenhang wurde ihm 1891 das Kommandeurkreuz des Leopold-Ordens verliehen?

Zur Beförderungsurkunde von 1882
  1. Welches genaue Datum trägt die Urkunde: 1. oder 6. November 1882?
  2. Ist die Unterschrift Kaiser Franz Josephs eigenhändig oder handelt es sich um eine Gegenzeichnung beziehungsweise Kanzleiausfertigung?
  3. Welche Maße, welches Material und welches Siegel besitzt die Urkunde?
  4. Ist eine Geschäftszahl, Registraturnummer oder ein Ausfertigungsvermerk vorhanden, über den sich der zugehörige Ministerialakt auffinden lässt?

Zu den späteren Jahren
  1. Welche wohltätigen oder öffentlichen Tätigkeiten entfaltete Crusiz in Villach?
  2. Wo befand sich sein genauer Wohnsitz?
  3. Ist sein Grabmal erhalten, und enthält es ein Wappen oder die Bezeichnung „Ritter von Crusiz“?
  4. Gibt es in Villacher Archiven, Zeitungen oder Vereinsbeständen weitere Hinweise auf ihn?
  5. Welche Inhalte besitzt der im Haus-, Hof- und Staatsarchiv nachgewiesene Briefwechsel von 1909 bis 1910?


11. Quellen und weiterführende Literatur

Primärquellen aus dem Familiennachlass
  • Schreiben der Kanzlei des österreichisch-kaiserlichen Ordens der Eisernen Krone an Oberst Othmar Crusiz, Wien, 21. Jänner 1877.
  • Mitteilung über die mögliche Ausfertigung eines kaiserlich unterzeichneten Pergamentdiploms gegen Entrichtung von 30 Gulden Schreib- und Sigillierungstaxe, Wien, 21. Jänner 1877.
  • Reisepass Othmar Crusiz für seine Verwendung als Militärattaché in Paris.
  • Beförderungsurkunde für Othmar Crusiz zum Generalmajor, 1882, mit den Unterschriften Kaiser Franz Josephs I. und Artur Maximilian Graf Bylandt-Rheidts.
  • Weitere Dokumente, Fotografien und persönliche Unterlagen im von den Nachkommen überlieferten Nachlass Othmar Crusiz.

Amtliche und zeitgenössische Nachweise
Weiterführende Literatur
  • Arno Kerschbaumer: „Othmar Crusiz (1834–1924), k. u. k. Feldmarschallleutnant, Diplomat und Wohltäter“, in: Neues aus Alt-Villach, 57. Jahrbuch des Stadtmuseums Villach, 2020, ab Seite 149.
  • Publikationsverzeichnis von Arno Kerschbaumer .
  • Stadtmuseum Villach: Verzeichnis der Jahrbuchbeiträge .
  • Johann Stolzer und Christian Steeb (Hrsg.): Österreichs Orden vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Graz 1996.
  • Christian Ortner und Georg Ludwigstorff: Österreichs Orden und Ehrenzeichen. Die kaiserlich-königlichen Orden bis 1918, Wien 2017.


Schlussbemerkung

Die hier vorgestellten Dokumente vermitteln einen unmittelbaren Eindruck von der militärischen und diplomatischen Laufbahn Othmar Crusiz’. Besonders das Ordensschreiben von 1877 zeigt, wie eng persönliche Auszeichnung, höfische Verwaltung, diplomatischer Dienst und – möglicherweise – eine adelsrechtliche Standeserhöhung miteinander verbunden waren.

Der Reisepass und die große Beförderungsurkunde von 1882 ergänzen dieses Bild um zwei sehr unterschiedliche Zeugnisse: einerseits ein praktisches Reisedokument aus seiner Pariser Verwendung, andererseits eine repräsentative Urkunde über seinen Aufstieg in den Generalsrang.

Über Hinweise, Ergänzungen und insbesondere über archivalische Nachweise zu seiner Pariser Tätigkeit, zu einem möglichen Ritterstands- oder Adelsdiplom sowie zu seinen späteren Jahren in Villach würde ich mich sehr freuen.

Seine kais. und königl. apostolische Majestät haben zu Folge Allerhöchsten Handschreibens vom 18. d. M. Euer Hochwohlgeboren in Anerkennung der in Ihrer Verwendung geleisteten sehr ersprießlichen Dienste den österr. kais. Orden der eisernen Krone III. Kl. mit Nachsicht der Taxen allergnädigst zu verleihen geruht.
Ich gebe mir die Ehre in der Anlage die entsprechende Ordensdekoration und ein Statutenbuch mit dem Ersuchen zu übersenden, den mitfolgenden Revers datiert und und eigenhändig unterzeichnet an die Ordenskanzlei gefälligst gelangen lassen zu wollen.
Wien am 21. Jänner 1877 

Sr. k. u. k. Apostolischen Majestät wirklicher Geheimer Rat, Kämmerer und Kanzler des Ordens der eisernen Krone 
C. Freiherr v. Mecsery
(d. i. Carl Freiherr Mecséry de Tsóor)

Für den Fall, als Eure Hochwohlgeboren die Ausfertigung des von Seiner kaiserlichen und königlichen apostolischen Majestät allerhöchst eigenhändig unterzeichneten Pergament-Diploms als Ritter des österreichisch kaiserlichen Ordens der eisernen Krone III. Kl. wünschen sollten, belieben Sie die gefertigte Ordenskanzlei davon zu verständigen und die sistemisierte Schreib- und Sigilirungs-Taxe von dreißig Gulden daselbst zu erlegen beziehungsweise einzusenden.
Von der Kanzlei des des oest. kais. Ordens der eisernen Krone 
Wien den 21. Jänner 1877 
der Ordensschatzmeister
v. Hofmann (d. i. Carl Ritter Hofmann v. Morathal)
k. k. Hofrat
"IN OMNIBUS ORDO"

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