PEER, Dr. Josef Ritter von Egerthal 1811–1879
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PEER, Dr. Josef Ritter von Egerthal 1811–1879
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Dr. Josef Peer Ritter von Egerthal 1811–1879, der Peer-Fonds und das Wappen der Peer von Egerthal
Bei der Beschäftigung mit Dr. Josef Peer Ritter von Egerthal stößt man auf eine interessante Verbindung von Tiroler Stadtgeschichte, Adelsmatrikel, Stiftungsgeschichte und Heraldik.
Dr. Josef Peer Ritter von Egerthal wurde am 11. September 1811 in Burghausen in Oberbayern geboren und starb am 18. Dezember 1879 in Innsbruck. Er war Gutsbesitzer und Rechtsanwalt, zog 1848 als Leutnant der Studentenkompanie an die italienische Grenze und war von 1864 bis 1867 Bürgermeister von Innsbruck. Während seiner Amtszeit wurden unter anderem der Bergisel-Tunnel erbaut, die städtische Sicherheitswache eingerichtet und das Gefällswesen reorganisiert. Besonders bemerkenswert ist sein Legat: Obwohl er nach einer Innsbrucker Quelle selbst nicht der Adelsmatrikel angehörte, vermachte er dem Adelsmatrikelfonds über 300.000 Gulden zur Unterstützung adeliger und bürgerlicher Fräulein.
Der heutige Bezug ist ebenfalls noch greifbar:
Die Tiroler Matrikelstiftung nennt als Zweck unter anderem die Wahrung der Interessen der in der Matrikel eingetragenen Familien, die Unterstützung bedürftiger Angehöriger dieser Familien, die Pflege der heimischen Geschichtsforschung – insbesondere Genealogie und Heraldik – sowie ausdrücklich die Verwaltung und Bewahrung des Dr. Josef Ritter von Peer’schen Fonds. Der Peerfonds erscheint beim Land Tirol heute auch als soziale Einrichtung zur finanziellen Unterstützung bedürftiger Tirolerinnen und Tiroler.
Wichtig ist die genealogisch-heraldische Unterscheidung:
Der Ritterstandserwerber von 1822 war nicht der 1811 geborene Stifter, sondern Josef Johann Peer Ritter von Egerthal, geboren am 4. Jänner 1754 in Monteplair im Bezirk Nauders, gestorben am 23. Oktober 1825 in Innsbruck. Er war Landrechts-Präsident in Innsbruck. Laut BLKÖ/Wurzbach wurde er 1798 in den Adelstand erhoben und am 30. März 1822 in den Ritterstand mit dem Prädikat „von Egerthal“ erhoben.
Interessant ist nun die Wappenfrage.
In der Fischnaler Wappenkartei findet sich eine Karte „Per“, die auf einen comitiv-palatinischen Wappenbrief vom 3. Juli 1595 des Johann Hildeprand Melckher von und zu Balgheim für Hans, Christian, Gall und Christian Pern verweist. Dieselbe Karte nennt sodann die Adelsverleihung Kaiser Franz’ I. vom 24. Jänner 1798 für Josef Johann Peer sowie den Ritterstand und das Prädikat „von Egerthal“ vom 30. März 1822 für denselben. Die Karte verbindet damit offenbar das ältere Pern/Per-Wappen mit der späteren Familie Peer beziehungsweise Peer von Egerthal.
Quelle Fischnaler Wappenkartei: wappen.tiroler-lande...&tr=1#prev
Daneben gibt es in der Fischnaler Wappenkartei eine weitere Karte „Peer von“ zum Adelswappen von 1798. Diese verweist auf die Sammlung Goldegg in der Tiroler Matrikel-Stiftung sowie auf die Adelswappensammlung Berchtold und nennt als Jahr ausdrücklich 1798. Die Karte zeigt im goldenen Schild einen aufgerichteten Bären auf grünem Boden beziehungsweise Hügel; als Helmzier erscheint wiederum der Bär. Die Karte vermerkt außerdem eine Variante der Helmdecken.
Entscheidend für die bisher offene Frage nach dem Ritterstandswappen von 1822 ist jedoch ein Befund im Biographischen Lexikon des Kaiserthums Oesterreich bei Wurzbach. Dort wird nicht nur das Adelsdiplom vom 24. Jänner 1798 und das Ritterstandsdiplom vom 30. März 1822 genannt, sondern auch ein Wappen beschrieben. Diese Blasonierung dürfte sehr wahrscheinlich das Ritterstandswappen beziehungsweise die ritterliche Ausgestaltung des Peer-Wappens wiedergeben:
Blasonierung nach BLKÖ/Wurzbach, sinngemäß:
In Gold steht auf grünem Dreihügel ein natürlicher, aufgerichteter, nach heraldisch rechts schreitender Bär mit offenem Rachen und roter Zunge. Auf dem Schild ruhen zwei einander zugewandte gekrönte Turnierhelme. Aus dem rechten Helm wachsen drei Straußenfedern, eine goldene zwischen zwei grünen; aus dem linken Helm wächst der im Schild erscheinende Bär. Die Helmdecken sind beiderseits grün-golden.
Damit scheint sich die Frage, ob der Ritterstandserwerber 1822 einfach das ältere Stamm- beziehungsweise Adelswappen weiterführte, zumindest teilweise beantworten zu lassen: Der Schildinhalt blieb offenbar im Wesentlichen beim Bärenmotiv in Gold, wurde aber im Ritterstand durch eine aufwendigere Helmkomposition mit zwei gekrönten Turnierhelmen erweitert. Besonders bemerkenswert ist, dass die in Siebmacher beziehungsweise beim bayerischen Adel genannten grün-goldenen Helmdecken genau mit der Wurzbach-Blasonierung übereinstimmen.
Die in Frage stehenden Siebmacher-Stellen sind: Nach derzeitigem Stand ergibt sich daher folgende Arbeitshypothese:
Bei der Beschäftigung mit Dr. Josef Peer Ritter von Egerthal stößt man auf eine interessante Verbindung von Tiroler Stadtgeschichte, Adelsmatrikel, Stiftungsgeschichte und Heraldik.
Dr. Josef Peer Ritter von Egerthal wurde am 11. September 1811 in Burghausen in Oberbayern geboren und starb am 18. Dezember 1879 in Innsbruck. Er war Gutsbesitzer und Rechtsanwalt, zog 1848 als Leutnant der Studentenkompanie an die italienische Grenze und war von 1864 bis 1867 Bürgermeister von Innsbruck. Während seiner Amtszeit wurden unter anderem der Bergisel-Tunnel erbaut, die städtische Sicherheitswache eingerichtet und das Gefällswesen reorganisiert. Besonders bemerkenswert ist sein Legat: Obwohl er nach einer Innsbrucker Quelle selbst nicht der Adelsmatrikel angehörte, vermachte er dem Adelsmatrikelfonds über 300.000 Gulden zur Unterstützung adeliger und bürgerlicher Fräulein.
Der heutige Bezug ist ebenfalls noch greifbar:
Die Tiroler Matrikelstiftung nennt als Zweck unter anderem die Wahrung der Interessen der in der Matrikel eingetragenen Familien, die Unterstützung bedürftiger Angehöriger dieser Familien, die Pflege der heimischen Geschichtsforschung – insbesondere Genealogie und Heraldik – sowie ausdrücklich die Verwaltung und Bewahrung des Dr. Josef Ritter von Peer’schen Fonds. Der Peerfonds erscheint beim Land Tirol heute auch als soziale Einrichtung zur finanziellen Unterstützung bedürftiger Tirolerinnen und Tiroler.
Wichtig ist die genealogisch-heraldische Unterscheidung:
Der Ritterstandserwerber von 1822 war nicht der 1811 geborene Stifter, sondern Josef Johann Peer Ritter von Egerthal, geboren am 4. Jänner 1754 in Monteplair im Bezirk Nauders, gestorben am 23. Oktober 1825 in Innsbruck. Er war Landrechts-Präsident in Innsbruck. Laut BLKÖ/Wurzbach wurde er 1798 in den Adelstand erhoben und am 30. März 1822 in den Ritterstand mit dem Prädikat „von Egerthal“ erhoben.
Interessant ist nun die Wappenfrage.
In der Fischnaler Wappenkartei findet sich eine Karte „Per“, die auf einen comitiv-palatinischen Wappenbrief vom 3. Juli 1595 des Johann Hildeprand Melckher von und zu Balgheim für Hans, Christian, Gall und Christian Pern verweist. Dieselbe Karte nennt sodann die Adelsverleihung Kaiser Franz’ I. vom 24. Jänner 1798 für Josef Johann Peer sowie den Ritterstand und das Prädikat „von Egerthal“ vom 30. März 1822 für denselben. Die Karte verbindet damit offenbar das ältere Pern/Per-Wappen mit der späteren Familie Peer beziehungsweise Peer von Egerthal.
Quelle Fischnaler Wappenkartei: wappen.tiroler-lande...&tr=1#prev
Daneben gibt es in der Fischnaler Wappenkartei eine weitere Karte „Peer von“ zum Adelswappen von 1798. Diese verweist auf die Sammlung Goldegg in der Tiroler Matrikel-Stiftung sowie auf die Adelswappensammlung Berchtold und nennt als Jahr ausdrücklich 1798. Die Karte zeigt im goldenen Schild einen aufgerichteten Bären auf grünem Boden beziehungsweise Hügel; als Helmzier erscheint wiederum der Bär. Die Karte vermerkt außerdem eine Variante der Helmdecken.
Entscheidend für die bisher offene Frage nach dem Ritterstandswappen von 1822 ist jedoch ein Befund im Biographischen Lexikon des Kaiserthums Oesterreich bei Wurzbach. Dort wird nicht nur das Adelsdiplom vom 24. Jänner 1798 und das Ritterstandsdiplom vom 30. März 1822 genannt, sondern auch ein Wappen beschrieben. Diese Blasonierung dürfte sehr wahrscheinlich das Ritterstandswappen beziehungsweise die ritterliche Ausgestaltung des Peer-Wappens wiedergeben:
Blasonierung nach BLKÖ/Wurzbach, sinngemäß:
In Gold steht auf grünem Dreihügel ein natürlicher, aufgerichteter, nach heraldisch rechts schreitender Bär mit offenem Rachen und roter Zunge. Auf dem Schild ruhen zwei einander zugewandte gekrönte Turnierhelme. Aus dem rechten Helm wachsen drei Straußenfedern, eine goldene zwischen zwei grünen; aus dem linken Helm wächst der im Schild erscheinende Bär. Die Helmdecken sind beiderseits grün-golden.
Damit scheint sich die Frage, ob der Ritterstandserwerber 1822 einfach das ältere Stamm- beziehungsweise Adelswappen weiterführte, zumindest teilweise beantworten zu lassen: Der Schildinhalt blieb offenbar im Wesentlichen beim Bärenmotiv in Gold, wurde aber im Ritterstand durch eine aufwendigere Helmkomposition mit zwei gekrönten Turnierhelmen erweitert. Besonders bemerkenswert ist, dass die in Siebmacher beziehungsweise beim bayerischen Adel genannten grün-goldenen Helmdecken genau mit der Wurzbach-Blasonierung übereinstimmen.
Die in Frage stehenden Siebmacher-Stellen sind: Nach derzeitigem Stand ergibt sich daher folgende Arbeitshypothese:
- 1595: Wappenbrief für Pern/Per durch einen Hofpfalzgrafen; Fischnaler nennt hier nicht 1598, sondern 3. Juli 1595.
- 1798: Erbländisch-österreichischer Adelstand für Josef Johann Peer, Dr. jur.; offenbar Übernahme beziehungsweise Fortführung des Bärenwappens.
- 1822: Ritterstand mit Prädikat „von Egerthal“ für denselben Josef Johann Peer; wahrscheinlich heraldische Aufwertung durch zwei gekrönte Helme, rechts mit Straußenfedern, links mit wachsendem Bären.
- 1879: Dr. Josef Peer Ritter von Egerthal, der spätere Innsbrucker Bürgermeister und Stifter des Peer-Fonds, stirbt in Innsbruck und hinterlässt der Tiroler Adelsmatrikel ein bedeutendes Legat für wohltätige Zwecke.
- Hat jemand Zugang zum Original des Ritterstandsdiploms vom 30. März 1822 im Österreichischen Staatsarchiv beziehungsweise im Adelsarchiv und kann die dortige Blasonierung mit der bei Wurzbach überlieferten Fassung vergleichen?
- Gibt es in der Tiroler Matrikel-Stiftung / Peerstiftung noch Unterlagen zum Dr. Josef Ritter von Peer’schen Fonds, die auch genealogische oder heraldische Beilagen der Familie Peer von Egerthal enthalten?
- Ist die Gleichsetzung beziehungsweise genealogische Herleitung Pern / Per / Peer in den Unterlagen Goldeggs oder in der Tiroler Matrikel-Stiftung näher belegt, oder handelt es sich vor allem um eine heraldisch-traditionelle Zuordnung aufgrund des Wappenmotivs?
- Kennt jemand eine farbige Darstellung des Ritterstandswappens von 1822 mit den zwei Helmen, idealerweise aus dem Diplom selbst oder aus einer zeitnahen Abschrift?
- Wie erklärt sich die unterschiedliche Angabe der Helmdecken bei einzelnen Darstellungen: ältere Karte beziehungsweise Varianten in Fischnaler, Siebmacher mit grün-golden, und die Wurzbach-Blasonierung ebenfalls grün-golden?
- Fischnaler Wappenkartei, Karte „Per“, mit Wappenbrief 1595, Adelsstand 1798 und Ritterstand 1822: wappen.tiroler-lande...&tr=1#prev
- Fischnaler Wappenkartei, Karte „Peer von“, Adelswappen 1798: wappen.tiroler-lande...en_id=2634
- Siebmacher / Bayerischer Adel, MDZ, Text- bzw. Tafelseiten:
- www.digitale-sammlun...5?page=134
- www.digitale-sammlun...5?page=415
- BLKÖ/Wurzbach, „Peer Ritter von Egerthal, Joseph Johann“, mit Lebensdaten, Diplomdaten und Wappenbeschreibung:
- BLKÖ:Peer Ritter von Egerthal, Joseph Johann – Wikisource ,
- Tiroler Matrikelstiftung: www.tirol.gv.at/gese...lstiftung/
- Land Tirol, Matrikelstiftung Peerfonds: www.tirol.gv.at/land...peerfonds/
- Historische Adressbücher Innsbruck, Bürgermeister Josef Peer Ritter von Egerthal: www.innsbruckerinnen...3&seite=17
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