Dorotheum 17.12.2024 Autographen, Handschriften, Urkunden
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Dorotheum 17.12.2024 Autographen, Handschriften, Urkunden
1 Woche 2 Tage her
Dorotheum 17.12.2024: Adelsdiplome, Wappenminiaturen und genealogische Quellen aus der Auktion „Autographen, Handschriften, Urkunden“
Liebe Mitforschende,
in der Dorotheum-Auktion „Autographen, Handschriften, Urkunden“ vom 17.12.2024 findet sich eine bemerkenswerte Gruppe von Handschriften, Adelsdiplomen und autographischen Stücken mit deutlichem Bezug zur österreichischen Adels-, Militär-, Amts- und Wappengeschichte.
Besonders interessant sind mehrere Diplome mit gemalten Wappen, dazu ein genealogisch sehr ergiebiges Familienbuch der Burglechner/Burgklehner sowie einzelne spätere Belege bis in die allerletzte Phase der Monarchie im Jahr 1918.
Hinweis zur Quellenlage: Die nachstehenden Angaben beruhen primär auf den Dorotheum-Katalogbeschreibungen. Wo externe Gegenprüfungen möglich waren, sind diese ausdrücklich genannt. Eine Autopsie der Originalstücke liegt mir nicht vor; Lesarten, Tinkturen und Wappenbeschreibungen sollten daher bei Bedarf anhand von Digitalisaten oder Archivoriginalen überprüft werden.
1. Burglechner / Burgklehner – Familienbuch von 1595
Quelle: Dorotheum, Lot Nr. 4: Burglechner (Burgklehner), Mathias v. d. Ä.
Das wohl genealogisch bedeutendste Stück dieser Gruppe ist ein Familienbuch des Mathias von Burglechner/Burgklehner d. Ä., Rat der tirolischen und vorderösterreichischen Kammer, datiert 1595. Laut Dorotheum handelt es sich um eine deutsche Handschrift auf Pergament mit späteren Ergänzungen bis etwa 1650.
Der Inhalt betrifft die Familie Burglechner aus dem Burglechnerhof in Zimmermoos bei Rattenberg sowie die mütterliche Familie Polleiner. Genannt werden unter anderem Geburten, familiäre Ereignisse, Verlobungen, Hochzeiten, Kinder, Hochzeitsgäste und spätere Ergänzungen durch verschiedene Hände. Besonders hervorzuheben ist der Wappenbezug: Dorotheum nennt fünf qualitätvolle Wappendarstellungen, darunter Burglechner, Polleiner, Kleinhans und Stamp, außerdem beigelegte Wappenzeichnungen des 17./18. Jahrhunderts zu Burglechner, Platz und Sprinzenstein.
Wichtig ist auch der Hinweis auf den Denkmalschutz: Laut Dorotheum dürfte das Stück nicht aus Österreich ausgeführt werden. Für die Forschung ist dieses Familienbuch ein ausgesprochen wertvoller Primärquellenkomplex, weil Genealogie, Amtsgeschichte, Familiengedächtnis und Heraldik unmittelbar zusammenfallen.
2. Jakob Lenk von Lenkenfels – Adelsdiplom 1837
Quelle: Dorotheum, Lot Nr. 8: Ferdinand I., Adelsdiplom für Jakob Lenk von Lenkenfels
Gegenprüfung: Österreichisches Staatsarchiv, AVA Adel HAA AR 519.4
Das Dorotheum beschreibt ein Adelsdiplom Kaiser Ferdinands I. für Jakob Lenk, Major im Ruhestand, mit dem Prädikat „von Lenkenfels“, ausgestellt in Wien am 12. April 1837. Genannt werden die kaiserliche Unterschrift sowie Gegenzeichnungen unter anderem durch Anton Friedrich Graf Mittrowsky, Karl Graf Inzaghi, Johann Limbeck von Lilienau und Franz von Nadherny.
Der Katalog nennt eine ausführliche militärische Laufbahn: Feldzüge und Gefechte von 1805 über 1809, 1813/14 und 1815 bis zur neapolitanischen Kampagne von 1821. Für die Heraldik wesentlich: Das Diplom enthält ein gemaltes Wappen. Das Österreichische Staatsarchiv führt den betreffenden Hofadelsakt unter „Lenk, Jakob, Major in Pension, Adelsstand, von Lenkenfels, 1836–1837“ und verweist ausdrücklich auf das im Dorotheum angebotene Adelsdiplom. Damit ist die Identifikation sehr gut abgesichert.
3. Johann Baptist Ludwig von Bassand – Freiherrendiplom 1792
Quelle: Dorotheum, Lot Nr. 10: Franz II./I., Freiherrendiplom für Johann Baptist Ludwig von Bassand
Bildspur: Wappen Johann Baptist Ludwig von Bassand, Wikimedia Commons
Das Dorotheum beschreibt ein Freiherrendiplom Kaiser Franz’ II. für Johann Baptist Ludwig von Bassand, ausgestellt in Wien am 18. September 1792. Erwähnt werden ein Pergamentlibell mit gemaltem Wappen, jedoch fehlender Einband und fehlendes Siegel.
Interessant ist die Begründung der Standeserhebung: Bassand war bereits 1782 von Joseph II. in den Reichsritterstand erhoben worden, hatte eine Gräfin Trauttmansdorff geheiratet und wird in der Katalogbeschreibung als gesellschaftlich und wirtschaftlich entsprechend positioniert dargestellt. Die auf Wikimedia Commons überlieferte Wappenabbildung verweist ebenfalls auf das Dorotheum-Stück und nennt Bassand als aus der Franche-Comté stammend sowie als fürstlich passauischen Hofkammerrat. Diese Ergänzung sollte noch gegen Primärquellen geprüft werden.
4. Franz Obich von Turnstein – Adelsdiplom 1818
Quelle: Dorotheum, Lot Nr. 11: Franz I./II., Adelsdiplom für Franz Obich von Turnstein
Gegenprüfung: Encyklopedie Plzeň, Franz Obich von Turnstein
Das Dorotheum beschreibt ein Adelsdiplom Kaiser Franz’ I. für Franz Obich, Direktor des Karlstädter Garnisons-Artilleriedistrikts, mit dem Prädikat „von Turnstein“, ausgestellt in Wien am 3. Dezember 1818. Das Diplom enthält ein qualitätvoll ausgeführtes Wappen.
Die militärische Begründung ist ausführlich: Genannt werden unter anderem Belgrad 1789, Transportleistungen im Winter 1790, die Triangulierung Westgaliziens, der Einsatz bei Kehl 1797 sowie die militärische Tätigkeit in den Befreiungskriegen und die Organisation des Karlstädter Artilleriedistrikts. Die Encyklopedie Plzeň bestätigt Franz Obich von Turnstein als habsburgischen Offizier und Artilleristen, geboren 1757 in München und gestorben 1825. Damit sind Person und Grundkontext gut plausibilisiert.
5. Wilhelm Teuzettel von Wiesenfeld – Adelsdiplom 1819
Quelle: Dorotheum, Lot Nr. 12: Franz I./II., Adelsdiplom für Wilhelm Teuzettel von Wiesenfeld
Bildspur: Wappen Wilhelm Truzettel/Teuzettel von Wiesenfeld, Wikimedia Commons
Das Dorotheum nennt ein Adelsdiplom für Wilhelm Teuzettel, Rittermeister der Arcièren-Leibgarde, mit dem Prädikat „von Wiesenfeld“, ausgestellt am 26. November 1819 in Wien. Das Stück enthält ein gemaltes Wappen und wird im Katalog als nicht bei Frank-Döfering nachgewiesen bezeichnet.
Als militärische Verdienste werden eine rund dreißigjährige Dienstzeit sowie die Teilnahme an Austerlitz, Aspern und Wagram genannt. Besonders bemerkenswert ist die im Katalog hervorgehobene Episode, dass Teuzettel trotz Krankheit und Erlaubnis zur Pflege während der zweitägigen Schlacht von Wagram im Dienst blieb.
Auffällig ist die Namensfrage: Dorotheum liest „Teuzettel“, die auf Commons greifbare Wappenabbildung erscheint unter „Truzettel“. Diese Lesart sollte unbedingt am Originaldiplom, in Militärschematismen und gegebenenfalls in Hofadelsakten überprüft werden.
6. Heinrich Ritter Giesl von Gieslingen – Freiherrendiplom 1883
Quelle: Dorotheum, Lot zu Heinrich Ritter Giesl von Gieslingen
Das Dorotheum beschreibt ein Freiherrendiplom Kaiser Franz Josephs I. für Heinrich Ritter Giesl von Gieslingen, Feldmarschallleutnant und Gendarmerieinspektor, ausgestellt in Wien am 21. Juni 1883. Das Diplom enthält ein von Carl Boess signiertes Wappen.
Heinrich Freiherr Giesl von Gieslingen war eine bedeutende militärische und sicherheitsorganisatorische Persönlichkeit der Monarchie. Nach Dorotheum war er unter anderem ab 1865 Kommandant der Wiener Militärpolizeiwache und ab 1871 als Gendarmerieinspektor für die Reorganisation der österreichischen Gendarmerie maßgeblich. Für die Forschung wäre hier besonders interessant, ob das im Diplom gemalte Wappen mit späteren gedruckten Darstellungen der Familie Giesl von Gieslingen übereinstimmt.
7. Edmund Hoffmeister Edler von Hoffenegg – Adelsdiplom 1892 und Ernennungsurkunden
Quelle: Dorotheum, Lot zu Edmund Hoffmeister Edler von Hoffenegg
Bildspur: Wappen Edmund Gustav Hoffmeister von Hoffenegg, Wikimedia Commons
Angeboten wurde laut Dorotheum ein Konvolut aus einem Adelsdiplom und drei militärischen Ernennungsurkunden für Feldmarschallleutnant Edmund Hoffmeister Edler von Hoffenegg, zuletzt Kommandant der 18. Infanterie-Truppendivision. Das Adelsdiplom datiert nach der Commons-Wappenabbildung vom 3. August 1892; das gemalte Wappen ist ebenfalls mit Carl Boess verbunden.
Das Stück ist für die Verbindung von Militärkarriere, Nobilitierung und Wappengestaltung im späten 19. Jahrhundert interessant. Gerade bei Hoffmeister wäre zu prüfen, ob es Nachkommen, weitere Linien oder gedruckte Wappennachweise gibt.
8. Johann Edler von Fechtner – Adelsdiplom 1781
Quelle: Dorotheum, Lot zu Johann Edler von Fechtner
Das Dorotheum beschreibt ein Adelsdiplom Kaiser Josephs II. für Johann Fechtner, Konzipist des innerösterreichischen Generalmilitärkommandos, ausgestellt in Wien am 10. März 1781. Das Diplom ist als Pergamentlibell mit gemaltem Wappen beschrieben; Einband und Siegel fehlen.
Die Amtsbezeichnung ist bemerkenswert, da sie auf eine Nobilitierung aus dem militäradministrativen Bereich verweist, nicht aus dem Feld- oder Truppendienst. Für eine genauere Einordnung wären Hofadelsakt, Dienstlaufbahn und gegebenenfalls Grazer bzw. innerösterreichische Verwaltungsakten heranzuziehen.
9. Anton Leonard Verbeek du Chateau – Adelsdiplomfragment 1782
Quelle: Dorotheum, Lot zu Anton Leonard von Verbeek du Chateau
Bildspur: Wappen Anton Leonard von Verbeek, Wikimedia Commons
Das Dorotheum beschreibt ein fragmentarisch erhaltenes Adelsdiplom Kaiser Josephs II. für Anton Leonard Verbeek du Chateau, früherer Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Prag, ausgestellt in Wien am 30. April 1782. Erhalten sind laut Katalog acht Seiten und ein qualitätvoll ausgeführtes Wappen; Einband und Siegel fehlen.
Der akademische Hintergrund macht dieses Stück besonders reizvoll: Hier handelt es sich offenbar nicht um eine militärische, sondern um eine gelehrte bzw. medizinisch-universitäre Karriere. Zu prüfen wäre, ob Verbeek in Prager Universitätsmatrikeln, Fakultätsakten oder medizinischen Personalverzeichnissen nachweisbar ist. Als spätere Namensspur ist außerdem eine Akte im Österreichischen Staatsarchiv zur Namensführung „Ritter Verbeek et du Chateau“ zu beachten; ob diese Linie direkt anschließt, wäre gesondert zu klären.
10. Franz Dietrich von Motzel – Ritterstand und Wappenbesserung 1731
Quelle: Dorotheum, Lot zu Franz Dietrich von Motzel
Das Dorotheum nennt ein Ritterstandsdiplom mit Wappenbesserung für Franz Dietrich von Motzel, fürstlich salzburgischer Hofrat und Pfleger von Werfen, ausgestellt durch Kaiser Karl VI. in Wien am 2. April 1731.
Dieses Stück gehört zeitlich zu den älteren Diplomen der Gruppe und ist durch den salzburgischen Amtsbezug besonders interessant. Der Hinweis auf eine Wappenbesserung legt nahe, dass bereits ein älteres Wappen oder eine frühere bürgerliche bzw. adelige Wappenführung bestanden haben könnte. Für die weitere Forschung wären salzburgische Hofrats- und Pflegamtsakten, die Werfener Amtsüberlieferung sowie der Hofadelsakt heranzuziehen.
11. Sultan Mehmed V. / Konstantinopel – Gästebuch der österreichisch-ungarischen Botschaft, Mai 1918
Quelle: Dorotheum, Lot Nr. 39: Karl I., Besuch bei Sultan Mehmed V., Konstantinopel, Mai 1918
Dieses Stück ist kein Adelsdiplom, aber diplomatie- und provenienzgeschichtlich hoch interessant. Dorotheum beschreibt ein Gästebuch der österreichisch-ungarischen Botschaft in Konstantinopel anlässlich des Besuchs Kaiser Karls I. bei Sultan Mehmed V. im Mai 1918.
Genannt werden zahlreiche Unterschriften aus dem diplomatischen und militärischen Umfeld, darunter Johann Markgraf Pallavicini, Julius Josef von Szilessy, Julius Freiherr von Maltzahn, Karl Graf Almeida, Graf Ödön Széchenyi, Graf Bernsdorff, Graf Heinrich Waldburg zu Wolfegg, Admiral Guido von Usedom und weitere. Der Einband wird als prachtvoll beschrieben und trägt ein österreichisch-ungarisches Wappen. Das Stück stammt laut Dorotheum aus Provenienz Haus Habsburg.
Für Heraldiker ist hier weniger die individuelle Wappenfrage als vielmehr die repräsentative Gestaltung des Einbands und die diplomatische Ranggesellschaft von Interesse.
12. Heinrich Kurer Edler von Perlowce – Adelsdiplom 1918
Quelle: Dorotheum, Lot zu Heinrich Kurer Edler von Perlowce
Bildspur: Porträt Heinrich Kurer Edler von Perlowce, Wikimedia Commons
Bildspur: Wappen Heinrich Kurer Edler von Perlowce, Wikimedia Commons
Das Dorotheum beschreibt ein Adelsdiplom Kaiser Karls I. für Heinrich Kurer, Oberstleutnant des Infanterieregiments Nr. 35, Ritter des Leopoldordens mit Kriegsdekoration und Schwertern, mit dem Prädikat „Edler von Perlowce“. Ausgestellt wurde das Diplom in Wien am 22. September 1918.
Dieses Datum macht das Stück besonders bemerkenswert: Es gehört in die letzten Wochen der österreichisch-ungarischen Monarchie. Das Diplom enthält ein gemaltes Wappen, laut Dorotheum signiert von F. Junginger. Für die militärische Forschung wäre die genaue Herleitung des Prädikats „Perlowce“ zu klären, ebenso die Verbindung zum Infanterieregiment Nr. 35 und die konkrete Verleihungsbegründung im Zusammenhang mit dem Leopoldorden.
Quellenübersicht
Liebe Mitforschende,
in der Dorotheum-Auktion „Autographen, Handschriften, Urkunden“ vom 17.12.2024 findet sich eine bemerkenswerte Gruppe von Handschriften, Adelsdiplomen und autographischen Stücken mit deutlichem Bezug zur österreichischen Adels-, Militär-, Amts- und Wappengeschichte.
Besonders interessant sind mehrere Diplome mit gemalten Wappen, dazu ein genealogisch sehr ergiebiges Familienbuch der Burglechner/Burgklehner sowie einzelne spätere Belege bis in die allerletzte Phase der Monarchie im Jahr 1918.
Hinweis zur Quellenlage: Die nachstehenden Angaben beruhen primär auf den Dorotheum-Katalogbeschreibungen. Wo externe Gegenprüfungen möglich waren, sind diese ausdrücklich genannt. Eine Autopsie der Originalstücke liegt mir nicht vor; Lesarten, Tinkturen und Wappenbeschreibungen sollten daher bei Bedarf anhand von Digitalisaten oder Archivoriginalen überprüft werden.
1. Burglechner / Burgklehner – Familienbuch von 1595
Quelle: Dorotheum, Lot Nr. 4: Burglechner (Burgklehner), Mathias v. d. Ä.
Das wohl genealogisch bedeutendste Stück dieser Gruppe ist ein Familienbuch des Mathias von Burglechner/Burgklehner d. Ä., Rat der tirolischen und vorderösterreichischen Kammer, datiert 1595. Laut Dorotheum handelt es sich um eine deutsche Handschrift auf Pergament mit späteren Ergänzungen bis etwa 1650.
Der Inhalt betrifft die Familie Burglechner aus dem Burglechnerhof in Zimmermoos bei Rattenberg sowie die mütterliche Familie Polleiner. Genannt werden unter anderem Geburten, familiäre Ereignisse, Verlobungen, Hochzeiten, Kinder, Hochzeitsgäste und spätere Ergänzungen durch verschiedene Hände. Besonders hervorzuheben ist der Wappenbezug: Dorotheum nennt fünf qualitätvolle Wappendarstellungen, darunter Burglechner, Polleiner, Kleinhans und Stamp, außerdem beigelegte Wappenzeichnungen des 17./18. Jahrhunderts zu Burglechner, Platz und Sprinzenstein.
Wichtig ist auch der Hinweis auf den Denkmalschutz: Laut Dorotheum dürfte das Stück nicht aus Österreich ausgeführt werden. Für die Forschung ist dieses Familienbuch ein ausgesprochen wertvoller Primärquellenkomplex, weil Genealogie, Amtsgeschichte, Familiengedächtnis und Heraldik unmittelbar zusammenfallen.
2. Jakob Lenk von Lenkenfels – Adelsdiplom 1837
Quelle: Dorotheum, Lot Nr. 8: Ferdinand I., Adelsdiplom für Jakob Lenk von Lenkenfels
Gegenprüfung: Österreichisches Staatsarchiv, AVA Adel HAA AR 519.4
Das Dorotheum beschreibt ein Adelsdiplom Kaiser Ferdinands I. für Jakob Lenk, Major im Ruhestand, mit dem Prädikat „von Lenkenfels“, ausgestellt in Wien am 12. April 1837. Genannt werden die kaiserliche Unterschrift sowie Gegenzeichnungen unter anderem durch Anton Friedrich Graf Mittrowsky, Karl Graf Inzaghi, Johann Limbeck von Lilienau und Franz von Nadherny.
Der Katalog nennt eine ausführliche militärische Laufbahn: Feldzüge und Gefechte von 1805 über 1809, 1813/14 und 1815 bis zur neapolitanischen Kampagne von 1821. Für die Heraldik wesentlich: Das Diplom enthält ein gemaltes Wappen. Das Österreichische Staatsarchiv führt den betreffenden Hofadelsakt unter „Lenk, Jakob, Major in Pension, Adelsstand, von Lenkenfels, 1836–1837“ und verweist ausdrücklich auf das im Dorotheum angebotene Adelsdiplom. Damit ist die Identifikation sehr gut abgesichert.
3. Johann Baptist Ludwig von Bassand – Freiherrendiplom 1792
Quelle: Dorotheum, Lot Nr. 10: Franz II./I., Freiherrendiplom für Johann Baptist Ludwig von Bassand
Bildspur: Wappen Johann Baptist Ludwig von Bassand, Wikimedia Commons
Das Dorotheum beschreibt ein Freiherrendiplom Kaiser Franz’ II. für Johann Baptist Ludwig von Bassand, ausgestellt in Wien am 18. September 1792. Erwähnt werden ein Pergamentlibell mit gemaltem Wappen, jedoch fehlender Einband und fehlendes Siegel.
Interessant ist die Begründung der Standeserhebung: Bassand war bereits 1782 von Joseph II. in den Reichsritterstand erhoben worden, hatte eine Gräfin Trauttmansdorff geheiratet und wird in der Katalogbeschreibung als gesellschaftlich und wirtschaftlich entsprechend positioniert dargestellt. Die auf Wikimedia Commons überlieferte Wappenabbildung verweist ebenfalls auf das Dorotheum-Stück und nennt Bassand als aus der Franche-Comté stammend sowie als fürstlich passauischen Hofkammerrat. Diese Ergänzung sollte noch gegen Primärquellen geprüft werden.
4. Franz Obich von Turnstein – Adelsdiplom 1818
Quelle: Dorotheum, Lot Nr. 11: Franz I./II., Adelsdiplom für Franz Obich von Turnstein
Gegenprüfung: Encyklopedie Plzeň, Franz Obich von Turnstein
Das Dorotheum beschreibt ein Adelsdiplom Kaiser Franz’ I. für Franz Obich, Direktor des Karlstädter Garnisons-Artilleriedistrikts, mit dem Prädikat „von Turnstein“, ausgestellt in Wien am 3. Dezember 1818. Das Diplom enthält ein qualitätvoll ausgeführtes Wappen.
Die militärische Begründung ist ausführlich: Genannt werden unter anderem Belgrad 1789, Transportleistungen im Winter 1790, die Triangulierung Westgaliziens, der Einsatz bei Kehl 1797 sowie die militärische Tätigkeit in den Befreiungskriegen und die Organisation des Karlstädter Artilleriedistrikts. Die Encyklopedie Plzeň bestätigt Franz Obich von Turnstein als habsburgischen Offizier und Artilleristen, geboren 1757 in München und gestorben 1825. Damit sind Person und Grundkontext gut plausibilisiert.
5. Wilhelm Teuzettel von Wiesenfeld – Adelsdiplom 1819
Quelle: Dorotheum, Lot Nr. 12: Franz I./II., Adelsdiplom für Wilhelm Teuzettel von Wiesenfeld
Bildspur: Wappen Wilhelm Truzettel/Teuzettel von Wiesenfeld, Wikimedia Commons
Das Dorotheum nennt ein Adelsdiplom für Wilhelm Teuzettel, Rittermeister der Arcièren-Leibgarde, mit dem Prädikat „von Wiesenfeld“, ausgestellt am 26. November 1819 in Wien. Das Stück enthält ein gemaltes Wappen und wird im Katalog als nicht bei Frank-Döfering nachgewiesen bezeichnet.
Als militärische Verdienste werden eine rund dreißigjährige Dienstzeit sowie die Teilnahme an Austerlitz, Aspern und Wagram genannt. Besonders bemerkenswert ist die im Katalog hervorgehobene Episode, dass Teuzettel trotz Krankheit und Erlaubnis zur Pflege während der zweitägigen Schlacht von Wagram im Dienst blieb.
Auffällig ist die Namensfrage: Dorotheum liest „Teuzettel“, die auf Commons greifbare Wappenabbildung erscheint unter „Truzettel“. Diese Lesart sollte unbedingt am Originaldiplom, in Militärschematismen und gegebenenfalls in Hofadelsakten überprüft werden.
6. Heinrich Ritter Giesl von Gieslingen – Freiherrendiplom 1883
Quelle: Dorotheum, Lot zu Heinrich Ritter Giesl von Gieslingen
Das Dorotheum beschreibt ein Freiherrendiplom Kaiser Franz Josephs I. für Heinrich Ritter Giesl von Gieslingen, Feldmarschallleutnant und Gendarmerieinspektor, ausgestellt in Wien am 21. Juni 1883. Das Diplom enthält ein von Carl Boess signiertes Wappen.
Heinrich Freiherr Giesl von Gieslingen war eine bedeutende militärische und sicherheitsorganisatorische Persönlichkeit der Monarchie. Nach Dorotheum war er unter anderem ab 1865 Kommandant der Wiener Militärpolizeiwache und ab 1871 als Gendarmerieinspektor für die Reorganisation der österreichischen Gendarmerie maßgeblich. Für die Forschung wäre hier besonders interessant, ob das im Diplom gemalte Wappen mit späteren gedruckten Darstellungen der Familie Giesl von Gieslingen übereinstimmt.
7. Edmund Hoffmeister Edler von Hoffenegg – Adelsdiplom 1892 und Ernennungsurkunden
Quelle: Dorotheum, Lot zu Edmund Hoffmeister Edler von Hoffenegg
Bildspur: Wappen Edmund Gustav Hoffmeister von Hoffenegg, Wikimedia Commons
Angeboten wurde laut Dorotheum ein Konvolut aus einem Adelsdiplom und drei militärischen Ernennungsurkunden für Feldmarschallleutnant Edmund Hoffmeister Edler von Hoffenegg, zuletzt Kommandant der 18. Infanterie-Truppendivision. Das Adelsdiplom datiert nach der Commons-Wappenabbildung vom 3. August 1892; das gemalte Wappen ist ebenfalls mit Carl Boess verbunden.
Das Stück ist für die Verbindung von Militärkarriere, Nobilitierung und Wappengestaltung im späten 19. Jahrhundert interessant. Gerade bei Hoffmeister wäre zu prüfen, ob es Nachkommen, weitere Linien oder gedruckte Wappennachweise gibt.
8. Johann Edler von Fechtner – Adelsdiplom 1781
Quelle: Dorotheum, Lot zu Johann Edler von Fechtner
Das Dorotheum beschreibt ein Adelsdiplom Kaiser Josephs II. für Johann Fechtner, Konzipist des innerösterreichischen Generalmilitärkommandos, ausgestellt in Wien am 10. März 1781. Das Diplom ist als Pergamentlibell mit gemaltem Wappen beschrieben; Einband und Siegel fehlen.
Die Amtsbezeichnung ist bemerkenswert, da sie auf eine Nobilitierung aus dem militäradministrativen Bereich verweist, nicht aus dem Feld- oder Truppendienst. Für eine genauere Einordnung wären Hofadelsakt, Dienstlaufbahn und gegebenenfalls Grazer bzw. innerösterreichische Verwaltungsakten heranzuziehen.
9. Anton Leonard Verbeek du Chateau – Adelsdiplomfragment 1782
Quelle: Dorotheum, Lot zu Anton Leonard von Verbeek du Chateau
Bildspur: Wappen Anton Leonard von Verbeek, Wikimedia Commons
Das Dorotheum beschreibt ein fragmentarisch erhaltenes Adelsdiplom Kaiser Josephs II. für Anton Leonard Verbeek du Chateau, früherer Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Prag, ausgestellt in Wien am 30. April 1782. Erhalten sind laut Katalog acht Seiten und ein qualitätvoll ausgeführtes Wappen; Einband und Siegel fehlen.
Der akademische Hintergrund macht dieses Stück besonders reizvoll: Hier handelt es sich offenbar nicht um eine militärische, sondern um eine gelehrte bzw. medizinisch-universitäre Karriere. Zu prüfen wäre, ob Verbeek in Prager Universitätsmatrikeln, Fakultätsakten oder medizinischen Personalverzeichnissen nachweisbar ist. Als spätere Namensspur ist außerdem eine Akte im Österreichischen Staatsarchiv zur Namensführung „Ritter Verbeek et du Chateau“ zu beachten; ob diese Linie direkt anschließt, wäre gesondert zu klären.
10. Franz Dietrich von Motzel – Ritterstand und Wappenbesserung 1731
Quelle: Dorotheum, Lot zu Franz Dietrich von Motzel
Das Dorotheum nennt ein Ritterstandsdiplom mit Wappenbesserung für Franz Dietrich von Motzel, fürstlich salzburgischer Hofrat und Pfleger von Werfen, ausgestellt durch Kaiser Karl VI. in Wien am 2. April 1731.
Dieses Stück gehört zeitlich zu den älteren Diplomen der Gruppe und ist durch den salzburgischen Amtsbezug besonders interessant. Der Hinweis auf eine Wappenbesserung legt nahe, dass bereits ein älteres Wappen oder eine frühere bürgerliche bzw. adelige Wappenführung bestanden haben könnte. Für die weitere Forschung wären salzburgische Hofrats- und Pflegamtsakten, die Werfener Amtsüberlieferung sowie der Hofadelsakt heranzuziehen.
11. Sultan Mehmed V. / Konstantinopel – Gästebuch der österreichisch-ungarischen Botschaft, Mai 1918
Quelle: Dorotheum, Lot Nr. 39: Karl I., Besuch bei Sultan Mehmed V., Konstantinopel, Mai 1918
Dieses Stück ist kein Adelsdiplom, aber diplomatie- und provenienzgeschichtlich hoch interessant. Dorotheum beschreibt ein Gästebuch der österreichisch-ungarischen Botschaft in Konstantinopel anlässlich des Besuchs Kaiser Karls I. bei Sultan Mehmed V. im Mai 1918.
Genannt werden zahlreiche Unterschriften aus dem diplomatischen und militärischen Umfeld, darunter Johann Markgraf Pallavicini, Julius Josef von Szilessy, Julius Freiherr von Maltzahn, Karl Graf Almeida, Graf Ödön Széchenyi, Graf Bernsdorff, Graf Heinrich Waldburg zu Wolfegg, Admiral Guido von Usedom und weitere. Der Einband wird als prachtvoll beschrieben und trägt ein österreichisch-ungarisches Wappen. Das Stück stammt laut Dorotheum aus Provenienz Haus Habsburg.
Für Heraldiker ist hier weniger die individuelle Wappenfrage als vielmehr die repräsentative Gestaltung des Einbands und die diplomatische Ranggesellschaft von Interesse.
12. Heinrich Kurer Edler von Perlowce – Adelsdiplom 1918
Quelle: Dorotheum, Lot zu Heinrich Kurer Edler von Perlowce
Bildspur: Porträt Heinrich Kurer Edler von Perlowce, Wikimedia Commons
Bildspur: Wappen Heinrich Kurer Edler von Perlowce, Wikimedia Commons
Das Dorotheum beschreibt ein Adelsdiplom Kaiser Karls I. für Heinrich Kurer, Oberstleutnant des Infanterieregiments Nr. 35, Ritter des Leopoldordens mit Kriegsdekoration und Schwertern, mit dem Prädikat „Edler von Perlowce“. Ausgestellt wurde das Diplom in Wien am 22. September 1918.
Dieses Datum macht das Stück besonders bemerkenswert: Es gehört in die letzten Wochen der österreichisch-ungarischen Monarchie. Das Diplom enthält ein gemaltes Wappen, laut Dorotheum signiert von F. Junginger. Für die militärische Forschung wäre die genaue Herleitung des Prädikats „Perlowce“ zu klären, ebenso die Verbindung zum Infanterieregiment Nr. 35 und die konkrete Verleihungsbegründung im Zusammenhang mit dem Leopoldorden.
Quellenübersicht
- Dorotheum: Auktion „Autographen, Handschriften, Urkunden“, 17.12.2024
- Dorotheum: Burglechner/Burgklehner, Familienbuch 1595
- Dorotheum: Jakob Lenk von Lenkenfels, Adelsdiplom 1837
- Österreichisches Staatsarchiv: Lenk, Jakob, Adelsstand „von Lenkenfels“, 1836–1837
- Dorotheum: Johann Baptist Ludwig von Bassand, Freiherrendiplom 1792
- Wikimedia Commons: Wappen Johann Baptist Ludwig von Bassand
- Dorotheum: Franz Obich von Turnstein, Adelsdiplom 1818
- Encyklopedie Plzeň: Franz Obich von Turnstein
- Dorotheum: Wilhelm Teuzettel von Wiesenfeld, Adelsdiplom 1819
- Wikimedia Commons: Wappen Wilhelm Truzettel/Teuzettel von Wiesenfeld
- Dorotheum: Heinrich Ritter Giesl von Gieslingen, Freiherrendiplom 1883
- Dorotheum: Edmund Hoffmeister Edler von Hoffenegg, Adelsdiplom und Ernennungsurkunden
- Wikimedia Commons: Wappen Edmund Gustav Hoffmeister von Hoffenegg
- Dorotheum: Johann Edler von Fechtner, Adelsdiplom 1781
- Dorotheum: Anton Leonard von Verbeek du Chateau, Adelsdiplomfragment 1782
- Wikimedia Commons: Wappen Anton Leonard von Verbeek
- Dorotheum: Franz Dietrich von Motzel, Ritterstandsdiplom mit Wappenbesserung 1731
- Dorotheum: Karl I., Besuch bei Sultan Mehmed V., Konstantinopel, Mai 1918
- Dorotheum: Heinrich Kurer Edler von Perlowce, Adelsdiplom 1918
- Wikimedia Commons: Heinrich Kurer Edler von Perlowce, Porträt
- Wikimedia Commons: Wappen Heinrich Kurer Edler von Perlowce
- Dorotheum: Oberösterreich, Engl von und zu Wagrain, genealogisch-heraldisches Splitterarchiv
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