1692 – Wappenbrief für den Brixner Glocken- und Häfengießer Georg Graßmayr
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1692 – Wappenbrief für den Brixner Glocken- und Häfengießer Georg Graßmayr
1 Tag 21 Stunden her - 1 Tag 21 Stunden her
Am 25. Oktober 1692 erhielt Georg Graßmayr (Grassmayr), Bürger sowie Glocken- und Häfengießer zu Brixen, für sich und seine Leibeserben einen Wappenbrief des Brixner Fürstbischofs Johann Franz Graf Khuen von Belasi.
Die Nachricht ist keineswegs nur eine spätere Familientradition. Sie wird durch die Fischnaler Wappenkartei des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum ausdrücklich bestätigt. Dort lautet der Eintrag:
Als zugrunde liegende archivalische Nachweise nennt Fischnaler die Lehenregistratur, F. 315, Stn L 1418 im Tiroler Landesarchiv Innsbruck sowie das Mandatenbuch Brixen, F. 333 im heutigen Diözesanarchiv Brixen.
Der Aussteller des Wappenbriefes
Der in der älteren Quelle verkürzt als „Bischof Johan Graf von Kuen“ bezeichnete Aussteller ist Johann Franz Graf Khuen von Belasi, geboren 1649 in Hall in Tirol und gestorben 1702 in Brixen. Er stand von 1687 bis 1702 als Fürstbischof an der Spitze des Hochstifts Brixen.
Georg Graßmayr und die Brixner Glockengießer
Die Brixner Glockengießerei war im 17. und 18. Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum des Tiroler Gussgewerbes. Für die Familie Grassmayr ist in Brixen unter anderem Georg Grassmayr (1661–1720) als Glockengießer nachgewiesen; nach ihm arbeitete dort sein Sohn Josef (1690–1765). Die Familie verbreitete ihr Gewerbe später nach Habichen und Wilten.
Eine interessante genealogische Verbindung führt zudem zur Tiroler Barockmalerei: Der bedeutende Maler Johann Georg Dominikus Grasmair (1691–1751) wurde in Brixen als Sohn des Glockengießers „Jörg Grasmair“ und der Anna Maria Maurer geboren. Er erlernte zunächst selbst das Gießerhandwerk und bezeichnete sich noch später als „fusor metallicus“, bevor er sich ganz der Malerei zuwandte.
Das Wappen
Die überlieferte Beschreibung lässt sich sinngemäß folgendermaßen wiedergeben:
Die farbige Darstellung in der Fischnaler-Karte bestätigt diese ungewöhnliche und ausgesprochen sprechende Kombination: Greif – Gras – Glocke. Der Greif hält den Blumen- bzw. Grasstrauß und die Glocke auch im Kleinod.
Auf der Fischnaler-Karte findet sich zum Pflanzenmotiv die handschriftliche Bemerkung:
Damit dürfte möglicherweise auf das volkstümlich als Jelängerjelieber bezeichnete Geißblatt angespielt worden sein. Eine eindeutige botanische Bestimmung sollte jedoch ohne Wortlaut des ursprünglichen Wappenbriefes nicht vorgenommen werden.
Ein bislang zu beachtendes Detail der Blasonierung
Die von Fischnaler wiedergegebene farbige Wappenzeichnung zeigt am Schildfuß unter dem Greifen zusätzlich einen grünen Rasen bzw. Boden. Dieser erscheint in der oben wiedergegebenen Blasonierung nicht.
Solange der vollständige Wortlaut des Wappenbriefes beziehungsweise der Eintrag im Mandatenbuch nicht eingesehen ist, bleibt daher offen, ob der grüne Boden tatsächlich Bestandteil der ursprünglichen Wappenverleihung war oder lediglich eine zeichnerische Ergänzung der späteren Wappenkartei darstellt.
Vom Familienwappen zum Gießerzeichen
Besonders bemerkenswert ist die Kontinuität dieses Wappenbildes. Die heutige Glockengießerei Grassmayr bezeichnet den Greifen ausdrücklich als ihr „Signum“ und führt seine Verleihung auf das Jahr 1692 und den Bischof von Brixen zurück. Der Greif erscheint bis heute als Kennzeichen auf Grassmayr-Glocken.
Zum beigefügten Bild
Die beigefügte Aufnahme zeigt eine beschädigte, offenbar gegossene beziehungsweise reliefierte Wiedergabe des Grassmayr-Wappens. Trotz der Bruchstellen sind die charakteristischen Bestandteile noch deutlich erkennbar: der Greif, das Pflanzenbüschel und die Glocke.
Besonders wichtig ist die Beschriftung im unteren Schriftband. Dort ist „Joh. Graßmayr“ zu lesen.
Damit dürfte das abgebildete Stück nicht unmittelbar das Siegel Georg Graßmayrs aus dem Jahre 1692 darstellen. Vielmehr spricht die Namensangabe „Joh. Graßmayr“ für eine spätere Verwendung des bereits erblich geführten Wappen- beziehungsweise Gießerzeichens durch einen Johann Graßmayr. Eine genauere Datierung oder Zuordnung zu einem bestimmten Träger wäre erst aufgrund von Provenienz, Fundort, Maßen und gegebenenfalls Vergleichsstücken möglich.
Heraldik und Standesfrage
Eine kleine, aber wichtige Unterscheidung: Die Quelle von 1692 spricht ausdrücklich von einem Wappenbrief für „Georg Grassmayr, Bürger“ und dessen Leibeserben. Daraus ist zunächst die erbliche Berechtigung zur Führung dieses Wappens belegt.
Eine Erhebung Georg Graßmayrs in den Adel ergibt sich aus diesem Eintrag dagegen nicht. Der Wappenbrief sollte daher nicht ohne eine zusätzliche Adelsstandsurkunde als Adelserhebung bezeichnet werden. Gerade die ausdrückliche Standesbezeichnung „Bürger“ ist hierbei zu beachten.
Quellen
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Bibliothek: Konrad Fischnaler, Wappenkartei, Eintrag „Grassmayr Georg“; archivalische Verweise: Tiroler Landesarchiv, Lehenregistratur F. 315, Stn L 1418; Mandatenbuch Brixen, F. 333.
Musikland Tirol, Musikgeschichte(n): „Glockenguss“, Übersicht der Brixner Glockengießer und der Familie Grassmayr.
Neue Deutsche Biographie: „Grasmair (Graßmayr), Johann Georg Dominikus“, mit genealogischen Angaben zur Brixner Glockengießerfamilie.
Glockengießerei Grassmayr, Innsbruck: „Greif Signum“, zur Weiterverwendung des 1692 verliehenen Wappenmotivs.
Schlussbemerkung
Der Wappenbrief vom 25. Oktober 1692 ist archivalisch nachvollziehbar und bildet einen bemerkenswerten Schnittpunkt von Brixner Stadtgeschichte, Tiroler Glockenguss und Heraldik. Besonders reizvoll ist dabei, dass das damals verliehene Bildzeichen nicht nur genealogisch weitergegeben wurde: Der Greif mit Grasstrauß und Glocke hat sich über mehr als drei Jahrhunderte hinweg zu einem bis heute verwendeten Erkennungszeichen der Glockengießerfamilie Grassmayr entwickelt.
Die Nachricht ist keineswegs nur eine spätere Familientradition. Sie wird durch die Fischnaler Wappenkartei des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum ausdrücklich bestätigt. Dort lautet der Eintrag:
Grassmayr Georg, Bürger, Glockner u. Häfengieser zu Brixen u. dessen Leibeserben – Wappenbrief v. Bischof Johan Grf. v. Kuen d. d. Brixen 1692, Oktober 25.
Als zugrunde liegende archivalische Nachweise nennt Fischnaler die Lehenregistratur, F. 315, Stn L 1418 im Tiroler Landesarchiv Innsbruck sowie das Mandatenbuch Brixen, F. 333 im heutigen Diözesanarchiv Brixen.
Der Aussteller des Wappenbriefes
Der in der älteren Quelle verkürzt als „Bischof Johan Graf von Kuen“ bezeichnete Aussteller ist Johann Franz Graf Khuen von Belasi, geboren 1649 in Hall in Tirol und gestorben 1702 in Brixen. Er stand von 1687 bis 1702 als Fürstbischof an der Spitze des Hochstifts Brixen.
Georg Graßmayr und die Brixner Glockengießer
Die Brixner Glockengießerei war im 17. und 18. Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum des Tiroler Gussgewerbes. Für die Familie Grassmayr ist in Brixen unter anderem Georg Grassmayr (1661–1720) als Glockengießer nachgewiesen; nach ihm arbeitete dort sein Sohn Josef (1690–1765). Die Familie verbreitete ihr Gewerbe später nach Habichen und Wilten.
Eine interessante genealogische Verbindung führt zudem zur Tiroler Barockmalerei: Der bedeutende Maler Johann Georg Dominikus Grasmair (1691–1751) wurde in Brixen als Sohn des Glockengießers „Jörg Grasmair“ und der Anna Maria Maurer geboren. Er erlernte zunächst selbst das Gießerhandwerk und bezeichnete sich noch später als „fusor metallicus“, bevor er sich ganz der Malerei zuwandte.
Das Wappen
Die überlieferte Beschreibung lässt sich sinngemäß folgendermaßen wiedergeben:
In Silber ein goldener Greif, in der erhobenen rechten Pranke ein grünes Grasbüschel mit roten Blümlein, in der abwärts gehaltenen linken eine bronzefarbene Glocke haltend. Auf dem rot-silbern bewulsteten Stechhelm mit ebensolchen Decken die Schildfigur wachsend.
Die farbige Darstellung in der Fischnaler-Karte bestätigt diese ungewöhnliche und ausgesprochen sprechende Kombination: Greif – Gras – Glocke. Der Greif hält den Blumen- bzw. Grasstrauß und die Glocke auch im Kleinod.
Auf der Fischnaler-Karte findet sich zum Pflanzenmotiv die handschriftliche Bemerkung:
„Je länger je lieber Blümchen! vermengtes Grasbüschel“
Damit dürfte möglicherweise auf das volkstümlich als Jelängerjelieber bezeichnete Geißblatt angespielt worden sein. Eine eindeutige botanische Bestimmung sollte jedoch ohne Wortlaut des ursprünglichen Wappenbriefes nicht vorgenommen werden.
Ein bislang zu beachtendes Detail der Blasonierung
Die von Fischnaler wiedergegebene farbige Wappenzeichnung zeigt am Schildfuß unter dem Greifen zusätzlich einen grünen Rasen bzw. Boden. Dieser erscheint in der oben wiedergegebenen Blasonierung nicht.
Solange der vollständige Wortlaut des Wappenbriefes beziehungsweise der Eintrag im Mandatenbuch nicht eingesehen ist, bleibt daher offen, ob der grüne Boden tatsächlich Bestandteil der ursprünglichen Wappenverleihung war oder lediglich eine zeichnerische Ergänzung der späteren Wappenkartei darstellt.
Vom Familienwappen zum Gießerzeichen
Besonders bemerkenswert ist die Kontinuität dieses Wappenbildes. Die heutige Glockengießerei Grassmayr bezeichnet den Greifen ausdrücklich als ihr „Signum“ und führt seine Verleihung auf das Jahr 1692 und den Bischof von Brixen zurück. Der Greif erscheint bis heute als Kennzeichen auf Grassmayr-Glocken.
Zum beigefügten Bild
Die beigefügte Aufnahme zeigt eine beschädigte, offenbar gegossene beziehungsweise reliefierte Wiedergabe des Grassmayr-Wappens. Trotz der Bruchstellen sind die charakteristischen Bestandteile noch deutlich erkennbar: der Greif, das Pflanzenbüschel und die Glocke.
Besonders wichtig ist die Beschriftung im unteren Schriftband. Dort ist „Joh. Graßmayr“ zu lesen.
Damit dürfte das abgebildete Stück nicht unmittelbar das Siegel Georg Graßmayrs aus dem Jahre 1692 darstellen. Vielmehr spricht die Namensangabe „Joh. Graßmayr“ für eine spätere Verwendung des bereits erblich geführten Wappen- beziehungsweise Gießerzeichens durch einen Johann Graßmayr. Eine genauere Datierung oder Zuordnung zu einem bestimmten Träger wäre erst aufgrund von Provenienz, Fundort, Maßen und gegebenenfalls Vergleichsstücken möglich.
Heraldik und Standesfrage
Eine kleine, aber wichtige Unterscheidung: Die Quelle von 1692 spricht ausdrücklich von einem Wappenbrief für „Georg Grassmayr, Bürger“ und dessen Leibeserben. Daraus ist zunächst die erbliche Berechtigung zur Führung dieses Wappens belegt.
Eine Erhebung Georg Graßmayrs in den Adel ergibt sich aus diesem Eintrag dagegen nicht. Der Wappenbrief sollte daher nicht ohne eine zusätzliche Adelsstandsurkunde als Adelserhebung bezeichnet werden. Gerade die ausdrückliche Standesbezeichnung „Bürger“ ist hierbei zu beachten.
Quellen
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Bibliothek: Konrad Fischnaler, Wappenkartei, Eintrag „Grassmayr Georg“; archivalische Verweise: Tiroler Landesarchiv, Lehenregistratur F. 315, Stn L 1418; Mandatenbuch Brixen, F. 333.
Musikland Tirol, Musikgeschichte(n): „Glockenguss“, Übersicht der Brixner Glockengießer und der Familie Grassmayr.
Neue Deutsche Biographie: „Grasmair (Graßmayr), Johann Georg Dominikus“, mit genealogischen Angaben zur Brixner Glockengießerfamilie.
Glockengießerei Grassmayr, Innsbruck: „Greif Signum“, zur Weiterverwendung des 1692 verliehenen Wappenmotivs.
Schlussbemerkung
Der Wappenbrief vom 25. Oktober 1692 ist archivalisch nachvollziehbar und bildet einen bemerkenswerten Schnittpunkt von Brixner Stadtgeschichte, Tiroler Glockenguss und Heraldik. Besonders reizvoll ist dabei, dass das damals verliehene Bildzeichen nicht nur genealogisch weitergegeben wurde: Der Greif mit Grasstrauß und Glocke hat sich über mehr als drei Jahrhunderte hinweg zu einem bis heute verwendeten Erkennungszeichen der Glockengießerfamilie Grassmayr entwickelt.
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