14. August 1385 | Aljubarrota: Der Sieg, der die Dynastie Avis sicherte
- Carlo
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14. August 1385 | Aljubarrota: Der Sieg, der die Dynastie Avis sicherte
1 Woche 1 Tag herAm 14. August 1385 wurde auf dem Campo de São Jorge bei Aljubarrota eine der folgenreichsten Schlachten der portugiesischen Geschichte geschlagen. König João I. von Portugal und sein Konnetabel Nuno Álvares Pereira standen dem Heer König Juan I. von Kastilien gegenüber.
Der häufig anzutreffende Titel eines „Triumphs des Avis-Ordens“ bedarf allerdings einer Präzisierung: Nicht der Orden von Avis als solcher errang hier den Sieg. Vielmehr siegte das Heer des portugiesischen Königs und der Partei, die João – den früheren Meister von Avis – während der dynastischen Krise von 1383 bis 1385 unterstützt hatte.
Vom Meister von Avis zum König
João war ein illegitimer Sohn König Pedros I. von Portugal und bereits lange vor der Thronkrise Meister des militärisch-religiösen Ordens von Avis. Nach dem Tod König Fernandos I. im Jahre 1383 entbrannte die Auseinandersetzung um die portugiesische Thronfolge.
João wurde schließlich am 6. April 1385 von den Cortes in Coimbra zum König von Portugal erhoben. Als das kastilische Heer wenige Monate später erneut in Portugal einfiel, war Aljubarrota daher keine Schlacht, durch die João erst König wurde. Sie war vielmehr die militärische Bewährungsprobe seiner bereits erfolgten Königswahl.
Nuno Álvares Pereira wählte eine günstige Verteidigungsstellung. Am Abend des 14. August griffen die zahlenmäßig weit überlegenen kastilischen und mit ihnen verbündeten Truppen die portugiesischen Stellungen an. Geländewahl, Feldbefestigungen und die Kampfordnung der Portugiesen machten ihre zahlenmäßige Unterlegenheit wett. Das kastilische Heer erlitt eine vernichtende Niederlage.
Mit Aljubarrota war der Konflikt zwar diplomatisch noch nicht endgültig beendet, doch die Herrschaft Joãos I. und damit die Dynastie Avis waren entscheidend gesichert.
Das Gelübde des Königs – Santa Maria da Vitória
Der Sieg wurde von João I. auch religiös gedeutet.
Am Tag vor der Schlacht hatte er der Jungfrau Maria für den Fall des Sieges ein Gelübde abgelegt. Als monumentale Erfüllung dieses Versprechens entstand ab den späten 1380er Jahren das Dominikanerkloster Santa Maria da Vitória – das heutige Mosteiro da Batalha.
Sein Name, „Heilige Maria vom Siege“, bringt diese Vorstellung unmittelbar zum Ausdruck.
Das Kloster erhielt bald eine zweite Bedeutung: Es wurde zum dynastischen Erinnerungsort und Pantheon des Hauses Avis. João I. und seine Gemahlin Philippa of Lancaster fanden dort ebenso ihre Grablege wie mehrere ihrer Kinder.
Avis und die portugiesische Krone
Gerade hier liegt der tatsächliche Zusammenhang zwischen Aljubarrota und dem Avis-Orden.
Joãos Aufstieg vom Mestre de Avis zum König führte dazu, dass der Orden nun in besonders enge Beziehung zur Krone trat. Nach 1385 wurden seine Meister bevorzugt aus der königlichen Familie oder aus dem engsten Vertrauenskreis des Monarchen genommen. Gleichzeitig verstärkte sich seine Eigenständigkeit gegenüber dem kastilischen Calatrava-Orden.
Der Name „Avis“ bezeichnete damit bald mehr als eine militärische Ordensgemeinschaft: Er wurde zum Namen der zweiten portugiesischen Königsdynastie.
Eine heraldische Revolution?
Besonders interessant ist die heraldische Seite.
Noch als Meister von Avis führte João die portugiesischen Quinas zusammen mit der grünen, lilienendigenden Kreuzform des Avis-Ordens.
Nach seiner Erhebung zum König nahm er die vollen portugiesischen Königswaffen an. Das Avis-Kreuz verschwand jedoch nicht. João behielt es als zusätzliches dynastisches Zeichen bei.
Die zunächst hinter dem Schild erscheinenden Kreuzarme wurden im frühen 15. Jahrhundert teilweise in die Bordüre der königlichen Waffen einbezogen. Diese charakteristische Form wird in der heraldischen Forschung als
„Portugal-Avis“
bezeichnet.
Damit wurde die Erinnerung an die Herkunft des neuen Königs aus dem Avis-Orden tatsächlich Bestandteil der königlichen Repräsentation. Das Zeichen erinnerte zugleich an jene politische Gemeinschaft, die João während der Krise von 1383–1385 getragen hatte.
Erst unter João II. wurde die Avis-Kreuzform wieder aus den eigentlichen königlichen Waffen entfernt.
Aljubarrota und die ritterliche Kultur des 15. Jahrhunderts
Etwas vorsichtiger sollte man daher auch mit der Formulierung umgehen, Aljubarrota habe unmittelbar ein portugiesisches „goldenes Zeitalter des Rittertums“ geschaffen.
Richtig ist jedoch, dass sich unter der Dynastie Avis eine ausgesprochen ausgeprägte ritterlich-dynastische Hofkultur entwickelte. Kreuzzugsideen, militärische Orden, persönliche Devisen, Heraldik und Vorstellungen vom christlichen Ritterkönigtum gewannen erheblich an Bedeutung.
Diese Entwicklung führte schließlich auch über Aljubarrota hinaus: 1415 nahm João I. gemeinsam mit seinen Söhnen Ceuta ein. Der König konnte nun nicht mehr nur als Retter und Verteidiger Portugals, sondern auch als christlicher Kreuzfahrer dargestellt werden.
Aljubarrota steht somit am Beginn einer Epoche, in der militärischer Erfolg, dynastische Legitimation, religiöse Deutung und Heraldik ungewöhnlich eng miteinander verbunden wurden.
Heraldik als Erinnerungspolitik
Gerade aus heraldischer Sicht ist der 14. August 1385 deshalb bemerkenswert.
Das grüne Kreuz von Avis wurde nicht einfach zum Zeichen eines siegreichen Ritterordens. Es wurde zum dynastischen Erinnerungszeichen einer neuen Königsherrschaft.
Aus dem Emblem des Ordensmeisters wurde ein Bestandteil der Bildsprache des Königs – und aus dem Meister von Avis wurde der Begründer einer Dynastie, die Portugal durch einen entscheidenden Abschnitt des 15. Jahrhunderts führen sollte.
Quellen und weiterführende Literatur:
• Página Oficial das Ordens Honoríficas Portuguesas: História da Ordem Militar de Avis.
• Arquivo Histórico da Presidência da República: Ordem Militar de Avis.
• Fundação Batalha de Aljubarrota / Centro de Interpretação da Batalha de Aljubarrota: 1385 – Batalha de Aljubarrota.
• Direção-Geral do Património Cultural: Mosteiro de Santa Maria da Vitória – Batalha.
• Miguel Metelo de Seixas: Motivos jacobeus na emblemática quatrocentista da Casa de Avis, Ad Limina, Bd. 11, 2020.
• Miguel Metelo de Seixas: Quinas e castelos. Sinais de Portugal, Lisboa 2019.
• João Gouveia Monteiro: Aljubarrota 1385. A batalha real.
• Fernão Lopes: Crónica de D. João I.
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