13. August 1704 | Die Schlacht bei Höchstädt (Blenheim)

13. August 1704 | Die Schlacht bei Höchstädt (Blenheim)

1 Woche 3 Tage her
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John Churchill, 1st Duke of Marlborough (1650–1722) and Prince Eugene of Savoy (1663–1736), on horseback at the Battle of Blenheim (Hochstedt)


Die Schlacht bei Höchstädt (Blenheim): Marlborough, Prinz Eugen und ein außergewöhnliches „Lehen“

Am 13. August 1704 kam es an der Donau zwischen Höchstädt und dem Dorf Blindheim zu einer der entscheidenden Schlachten des Spanischen Erbfolgekrieges. In der englischsprachigen Geschichtsschreibung wurde der Name des Dorfes zu „Blenheim“ – und schließlich zum Namen eines der berühmtesten Paläste Englands.

Eine kleine kalendarische Besonderheit: Nach dem gregorianischen Kalender fand die Schlacht am 13. August 1704 statt. In England, das damals noch den julianischen Kalender verwendete, lautete das Datum dagegen 2. August 1704.

Die Entscheidung an der Donau

1704 war die Lage für Kaiser Leopold I. gefährlich geworden. Französische und bayerische Truppen bedrohten über Süddeutschland die habsburgischen Erblande und damit letztlich Wien. Ein Ausscheiden des Kaisers aus dem Krieg hätte die gegen Ludwig XIV. gerichtete Große Allianz schwer treffen können.

John Churchill, 1. Duke of Marlborough, führte deshalb seine Truppen in einem bemerkenswerten Marsch von den Niederlanden an die Donau. Dort vereinigte er sich mit den kaiserlichen Kräften unter Prinz Eugen von Savoyen.

Am 13. August standen ihnen die französisch-bayerischen Truppen unter Marschall Camille de Tallard, Marschall Ferdinand de Marsin und dem bayerischen Kurfürsten Maximilian II. Emanuel gegenüber.

Der alliierte Sieg war vollständig. Tallard geriet in Gefangenschaft, große Teile seines Heeres wurden vernichtet oder gefangen genommen. Die unmittelbare Bedrohung Wiens war beseitigt und Bayern weitgehend militärisch ausgeschaltet.

Das Ende der französischen Vorherrschaft?

Mitunter wird Blenheim als das Ende einer ganzen Epoche französischer Vorherrschaft bezeichnet. Das ist zu weitgehend: Frankreich blieb unter Ludwig XIV. weiterhin eine europäische Großmacht und der Spanische Erbfolgekrieg dauerte noch bis 1713/14.

Treffender ist: Blenheim brach den Nimbus der französischen Unbesiegbarkeit und veränderte das strategische Kräfteverhältnis des Krieges grundlegend. Das National Army Museum bezeichnet die Schlacht entsprechend als entscheidende Niederlage der französisch-bayerischen Armee und als Zerstörung des Mythos französischer Unbesiegbarkeit.

Marlborough – Hosenbandritter und Reichsfürst

John Churchill war bereits nach der Thronbesteigung Königin Annes 1702 zum Knight of the Garter, Ritter des Hosenbandordens, ernannt worden. Im Dezember 1702 folgte seine Erhebung zum Duke of Marlborough. Diese Würden gingen somit der Schlacht von Blenheim voraus.

Nach dem Feldzug von 1704 kam eine für einen englischen Adeligen außerordentliche kontinentaleuropäische Würde hinzu.

Kaiser Leopold I. erhob Marlborough zum Fürsten des Heiligen Römischen Reiches. In einem Schreiben vom 28. August 1704 teilte der Kaiser Churchill die Erhebung mit und gewährte ihm den Rang einer „Hoheit“.

Dabei muss zwischen zwei Vorgängen unterschieden werden:
  • 1704: Erhebung John Churchills zum Fürsten des Heiligen Römischen Reiches durch Kaiser Leopold I.
  • 18. November 1705: Verleihung des Fürstentums Mindelheim durch Kaiser Joseph I.
  • 24. Mai 1706: förmliche Investitur mit Mindelheim.

Damit erhielt Marlborough nicht bloß einen Ehrenrang, sondern schließlich auch eine reichsunmittelbare territoriale Grundlage seiner Fürstenstellung. Mindelheim ging jedoch infolge der Friedensregelungen 1713/14 wieder an Bayern verloren.

Von Blindheim zu Blenheim Palace

Auch in England wurde der Sieger außergewöhnlich belohnt. 1705 ermöglichte ein Parlamentsgesetz Königin Anne, Marlborough das königliche Manor of Woodstock samt zugehörigen Besitzungen zu übertragen. Das Gesetz bezeichnete ausdrücklich Marlboroughs hervorragende Dienste für Königin und Öffentlichkeit als Grund der Schenkung.

Auf dem Gelände begann 1705 nach Plänen Sir John Vanbrughs der Bau von Blenheim Palace.

Die Finanzierung war allerdings komplizierter, als die gelegentliche Formulierung „Parliament paid for the palace“ vermuten lässt. Erhebliche öffentliche Mittel flossen in den Bau, doch das Projekt geriet bald in politische und finanzielle Schwierigkeiten. Die staatliche Finanzierung wurde schließlich eingestellt und der Palast teilweise aus Mitteln der Familie Marlborough vollendet.

Eine Fahne als jährlicher „Mietzins“

Besonders bemerkenswert ist die bis heute mit dem Besitz verbundene symbolische Verpflichtung.

Als sogenannte quit-rent wird dem britischen Monarchen jährlich am oder vor dem Jahrestag der Schlacht eine Nachbildung einer französischen königlichen Standarte überreicht. Sie zeigt auf weißem Grund drei goldene Lilien – die früheren königlichen Wappenzeichen Frankreichs.

Blenheim Palace selbst beschreibt die Bestimmung so, dass jährlich eine Replik der in der Schlacht erbeuteten französischen Standarte dem regierenden Monarchen in Windsor Castle zu überreichen sei. Die Royal Collection bewahrt solche Stücke ausdrücklich als „Blenheim Rent Banners“ beziehungsweise „quit-rent standards“ auf.

Damit verbindet sich die Schlacht von 1704 auf ungewöhnliche Weise mit europäischer Militär-, Adels- und Rechtsgeschichte:

Ein englischer Duke und Hosenbandritter wurde zum Reichsfürsten, erhielt ein schwäbisches Fürstentum – und seine Nachfolger erinnern den britischen Monarchen bis heute mit einer französischen Lilienstandarte an den Sieg von Blindheim.


Quellen und weiterführende Hinweise
  • Bayerische Schlösserverwaltung: Die Schlacht von Höchstädt – The Battle of Blenheim.
  • National Army Museum, London: Battle of Blenheim.
  • Royal Collection Trust: Blenheim Rent Banners.
  • Blenheim Palace: Five Secrets of Blenheim Palace Revealed.
  • Victoria County History / British History Online: Blenheim: Woodstock Manor.
  • Noel Cox: Property law and Imperial and British titles: the Dukes of Marlborough and the Principality of Mindelheim, The Legal History Review 77 (2009), S. 191–210.

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