12. August 2026 | Der Orden vom Weißen Adler

12. August 2026 | Der Orden vom Weißen Adler

1 Woche 4 Tage her - 1 Woche 4 Tage her
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Bild: Stanisław II. August Poniatowski in Krönungsornat, Marcello Bacciarelli, 18. Jahrhundert; deutlich sichtbar das blaue Band des Ordens vom Weißen Adler.

Das Ordensband, das „andersherum“ läuft – der Orden vom Weißen Adler

Stanisław II. August Poniatowski (1732–1798), letzter König von Polen und Großfürst von Litauen, erscheint auf den bekannten Staatsporträts Marcello Bacciarellis mit einem auffälligen hellblauen Ordensband. Es gehört zum Orden vom Weißen Adler (Order Orła Białego), dem höchsten polnischen Orden. Bacciarellis Königsporträts zeigen dabei nicht bloß dekoratives Beiwerk: Ordensband, Bruststern und Ordenszeichen waren wesentliche Bestandteile der herrscherlichen Repräsentation.

Bemerkenswert ist die Tragerichtung.

Das blaue Band des Ordens vom Weißen Adler wird – aus Sicht des Trägers – von der linken Schulter zur rechten Hüfte geführt. Diese heute noch geltende Trageweise ist ausdrücklich in den polnischen Vorschriften festgelegt und entspricht bereits der historischen Ordenspraxis des 18. Jahrhunderts. Das Museum von Wilanów bestätigt dieselbe Tragerichtung auch für die Zeit der sächsisch-polnischen Könige.

Das ist keineswegs selbstverständlich. Viele europäische Großkreuzbänder verlaufen nämlich in der Gegenrichtung, also von der rechten Schulter zur linken Hüfte.

Ein schönes polnisches Vergleichsbeispiel ist der Orden Polonia Restituta: Sein Großkreuz wird an einem roten, weiß geränderten Band von der rechten Schulter zur linken Seite getragen.

Zu den bekannteren Orden mit der ungewöhnlicheren Richtung links oben → rechts unten gehören dagegen:
  • der polnische Orden vom Weißen Adler – blau,
  • der britische Hosenbandorden (Order of the Garter) – blau,
  • der schottische Distelorden (Order of the Thistle) – dunkelgrün,
  • der dänische Elefantenorden – hellblau.

Für den Elefantenorden beschreibt das dänische Königshaus ausdrücklich ein hellblaues Band „von der linken Schulter zur rechten Hüfte“. Beim Distelorden wird das dunkelgrüne Band ebenfalls links-rechts getragen.

Interessant ist der direkte skandinavische Gegenvergleich: Der schwedische Seraphinenorden besitzt ebenfalls ein hellblaues Ordensband, dieses läuft jedoch von der rechten Schulter zur linken Hüfte. Die schwedischen Ordenssammlungen beschreiben ausdrücklich das hellblaue Schulterband mit dem Ordenszeichen an der linken Hüfte.

Damit kann die Richtung eines Ordensbandes bei der Identifizierung eines Porträts tatsächlich ein wertvoller erster Hinweis sein.

Ein hellblaues Band von links nach rechts lässt beispielsweise eher an den Weißen Adler oder den Elefantenorden denken als an den ebenfalls hellblauen Seraphinenorden.

Allerdings sollte man sich niemals allein auf Farbe und Richtung verlassen. Lichtalterung, Restaurierungen, unterschiedliche Farbwiedergabe bei Fotografien und nicht zuletzt die gleichzeitige Existenz zahlreicher blauer Ordensbänder können leicht täuschen.

Entscheidend sind daher möglichst mehrere Merkmale:
  • Tragerichtung des Bandes,
  • Farbe und Randstreifen,
  • Gestalt des Ordenszeichens an der Hüfte,
  • Form und Lage des Bruststerns,
  • gegebenenfalls weitere gleichzeitig getragene Orden.

Beim Porträt Stanisławs II. August ist die Kombination besonders charakteristisch: blaues Band von der linken Schulter zur rechten Hüfte und der Stern des Ordens vom Weißen Adler.

So wird aus einem scheinbar kleinen Detail der höfischen Kleidung ein durchaus brauchbares Werkzeug der historischen Porträt- und Ordenskunde.

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