30. Juli 1912 | Der Tod Kaiser Meijis und der Beginn der Taishō-Ära
- Carlo
-
Autor
- Offline
- Beiträge: 91
30. Juli 1912 | Der Tod Kaiser Meijis und der Beginn der Taishō-Ära
3 Wochen 4 Tage her - 3 Wochen 4 Tage herKaiser Taishō in militärischer Galauniform, um 1912. Er trägt die Kollane und das Großband des Höchsten Chrysanthemenordens. Der bisherige Kronprinz Yoshihito folgte seinem Vater, Kaiser Meiji, am 30. Juli 1912 auf den Thron. Mit seiner Thronbesteigung endete die Meiji-Ära und begann die Taishō-Ära.
Am 30. Juli 1912 starb Kaiser Meiji. Mit seinem Tod endete eine mehr als vier Jahrzehnte umfassende Regierungszeit, während der Japan einen tiefgreifenden politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und militärischen Wandel vollzogen hatte.
Noch am selben Tag folgte ihm Kronprinz Yoshihito auf dem japanischen Kaiserthron. Damit endete die Meiji-Ära und die neue Regierungsdevise Taishō – „Große Rechtschaffenheit“ oder „Große Gerechtigkeit“ – trat in Kraft. Die feierliche Inthronisation des neuen Kaisers wurde allerdings erst am 10. November 1915 im Kaiserpalast von Kyoto vollzogen.
Das Porträt Kaiser Taishōs
Das häufig auf das Jahr 1912 datierte offizielle Porträt zeigt Kaiser Taishō in militärischer Galauniform. Er trägt die Insignien des Höchsten Chrysanthemenordens, darunter die Kollane und das Großband.
Der Chrysanthemenorden bildete die Spitze des modernen japanischen Auszeichnungssystems. Sein Großkordon war Yoshihito bereits am 3. November 1889 verliehen worden; die Kollane erhielt er am 10. Mai 1900, noch während seiner Zeit als Kronprinz.
Kaiser Meiji und das moderne japanische Ordenswesen
Das moderne japanische Auszeichnungssystem entstand im Wesentlichen während der Regierungszeit Kaiser Meijis. Es war Teil des umfassenden institutionellen Umbaus Japans nach dem Ende des Tokugawa-Shogunats.
Japan orientierte sich dabei teilweise an europäischen Vorbildern. Orden und Ehrenzeichen dienten nicht nur der Würdigung persönlicher Verdienste, sondern auch der Repräsentation des neu geschaffenen Kaiserstaates, der Einbindung seiner militärischen und zivilen Eliten sowie dem diplomatischen Verkehr mit ausländischen Monarchien.
Der Orden der Aufgehenden Sonne
Im April 1875 wurde durch Regierungserlass das japanische staatliche Dekorationswesen begründet. Auf dieser Grundlage entstand der Orden der Aufgehenden Sonne, der als erster nationaler Verdienstorden des modernen Japan gilt.
Sein zentrales Motiv – die von der Sonne ausgehenden Strahlen – verband die neue staatliche Auszeichnungskultur mit der traditionellen Sonnensymbolik des japanischen Kaiserhauses.
Der Höchste Chrysanthemenorden
1876 folgte der Höchste Chrysanthemenorden. Zunächst bestand er aus dem Großkordon. Die noch ranghöhere Kollane wurde 1888 hinzugefügt.
Die sechzehnblättrige Chrysantheme war eng mit dem Kaiserhaus verbunden. Der Orden wurde daher zur höchsten Auszeichnung des japanischen Kaiserreiches und nahm im zeremoniellen Rang eine Stellung ein, die mit den höchsten Haus- und Staatsorden europäischer Monarchien vergleichbar war.
Der Orden des Heiligen Schatzes
Der Orden des Heiligen Schatzes wurde 1888 gestiftet. Seine Gestaltung nimmt Bezug auf die kaiserlichen Reichsinsignien beziehungsweise auf Gegenstände aus dem traditionellen japanischen Herrschaftszeremoniell.
Er wurde insbesondere für langjährige oder hervorragende Verdienste im zivilen und militärischen Staatsdienst verliehen.
Der Orden der Edlen Krone
Ebenfalls 1888 entstand der Orden der Edlen Krone. Er war ursprünglich vor allem für Frauen vorgesehen und wurde sowohl an Japanerinnen als auch an weibliche Angehörige ausländischer Herrscherhäuser verliehen.
Seine Stiftung ergänzte das bis dahin überwiegend männlich und militärisch geprägte Auszeichnungssystem um einen eigenen Damenorden.
Die Paulownienblüten
Im Jahr 1888 wurde außerdem der Großkordon mit Paulownienblüten als höchste Stufe des Ordens der Aufgehenden Sonne geschaffen. Das Paulownienmotiv – das sogenannte kiri-mon – gehörte seit Jahrhunderten zu den bedeutenden japanischen Herrschafts- und Regierungssymbolen.
Heute wird der Großkordon des Ordens der Paulownienblüten als eigenständige Auszeichnung geführt und steht im Rang unmittelbar unter dem Chrysanthemenorden. Die Bezeichnung als bereits 1888 vollständig selbstständiger „Orden der Paulownienblüten“ wäre jedoch anachronistisch: Ursprünglich handelte es sich um die höchste Klasse des Ordens der Aufgehenden Sonne.
Orden als Ausdruck eines neuen Staates
Die unter Kaiser Meiji geschaffenen Orden waren mehr als bloße Schmuckstücke. Sie verkörperten den Anspruch des neuen japanischen Staates, sich als zentralisierte, international anerkannte und zeremoniell gleichrangige Macht zu präsentieren.
Mit ihnen entstand eine staatliche Rang- und Anerkennungskultur, die sich zwar an westlichen Ordenssystemen orientierte, zugleich aber bewusst japanische Symbole verwendete: die aufgehende Sonne, die Chrysantheme, die Paulownie und die mit dem Kaiserhaus verbundenen Reichsinsignien.
In diesem Sinn gehören die Meiji-Orden zu den sichtbarsten zeremoniellen Hinterlassenschaften jener Epoche. Sie dokumentieren den Übergang vom dezentralen Herrschaftssystem der Tokugawa-Zeit zu einem modernen, zentralisierten Kaiser- und Verfassungsstaat.
Vom Meiji- zum Taishō-Zeitalter
Mit Kaiser Meijis Tod am 30. Juli 1912 endete nicht nur eine persönliche Regierungszeit, sondern eine ganze politische Epoche. Sein Sohn Yoshihito übernahm den Thron als 123. Kaiser nach der traditionellen japanischen Zählung.
Die nach ihm benannte Taishō-Ära dauerte bis zu seinem Tod am 25. Dezember 1926. Sie war geprägt von einer stärkeren Rolle des Parlaments und der politischen Parteien, gesellschaftlichen Veränderungen und einer vorsichtigen Liberalisierung, zugleich aber auch von innenpolitischen Krisen, imperialer Expansion und den Folgen des Ersten Weltkriegs.
Das 1912 entstandene beziehungsweise auf dieses Jahr datierte Kaiserporträt steht daher an einer historischen Schwelle: Der neue Monarch trägt die höchsten Insignien eines Auszeichnungssystems, das unter seinem Vater geschaffen worden war – und übernimmt zugleich einen Staat, dessen Institutionen, Zeremoniell und internationale Stellung wesentlich durch die Meiji-Zeit geprägt worden waren.
Quellen und weiterführende Hinweise
- Cabinet Office, Government of Japan: Types of Decorations and Medals in Japan.
- Cabinet Office, Government of Japan: Grand Cordon of the Order of the Paulownia Flowers.
- Imperial Household Agency: Angaben zur Inthronisation Kaiser Taishōs am 10. November 1915.
- National Diet Library: Chronological Table – Modern Japan in Archives.
- Adrian C. Mayer: Recent Succession Ceremonies of the Emperor of Japan.
Folgende Benutzer bedankten sich: USchu, Giraldus
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
