Franz Freiherr von Wertheim (1814–1883)

Franz Freiherr von Wertheim (1814–1883)

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Franz Freiherr von Wertheim (1814–1883)

Industrieller, k. k. Hof-Werkzeugfabrikant und nobilitierter Unternehmer

Der hier gezeigte historische Ordens- und Standeseintrag führt **Franz Freiherrn von Wertheim** als k. k. Hof- und privilegierten Werkzeugfabrikanten, Fabriks- und Hammerwerksbesitzer, Chef der Firma „Franz Wertheim“ in Wien, kaiserlichen Rat sowie als Träger einer außergewöhnlich großen Zahl in- und ausländischer Auszeichnungen an.

Die Überprüfung anhand des Österreichischen Biographischen Lexikons, der Neuen Deutschen Biographie und – für die Adelserhebungen besonders wichtig – der Hofadelsakten des Österreichischen Staatsarchivs bestätigt den Kern dieser Angaben. Einzelne Datierungen älterer Darstellungen bedürfen allerdings einer Korrektur beziehungsweise können derzeit nicht zweifelsfrei miteinander in Einklang gebracht werden.

Herkunft und Familie

Franz Xaver Wertheim stammte aus Krems an der Donau. Das Österreichische Biographische Lexikon nennt den 12. April 1814 ausdrücklich als Taufdatum; in der Neuen Deutschen Biographie wird derselbe Tag als Geburtsdatum geführt. Sicher ist daher, dass er 1814 in Krems geboren beziehungsweise dort am 12. April getauft wurde. Er starb am 3. April 1883 in Wien.

Sein Vater hieß ebenfalls Franz Wertheim und lebte etwa von 1781/82 bis 1854. Die Neue Deutsche Biographie beschreibt ihn als ursprünglich jüdisch und später katholisch. Er war zunächst im Handel tätig und erscheint unter anderem als Tandler beziehungsweise Pfaidlermeister, später als Aufseher einer Tabak- und Stempelgefällsstelle in Krems. Dessen Vater Michael Wertheim war Eisenhändler. Die Mutter des späteren Industriellen war Barbara Reitmayer, geboren 1771, eine Tochter des Müllers Matthias Reitmayer aus Immenstadt im Allgäu. Franz Xaver Wertheim selbst wird von den biographischen Nachschlagewerken als katholisch geführt.

Um 1847 heiratete Wertheim eine Tochter des Papierfabrikanten Wilhelm Knepper; das Österreichische Biographische Lexikon nennt sie Wilhelmine. Die Ehe wurde später geschieden. Aus einer Beziehung mit Emilie Gunst stammte der 1865 in Pressburg geborene Franz Gunst der später Wertheims Erbe und Nachfolger wurde.

Vom Handwerker zum Werkzeugfabrikanten

Nach dem Schulbesuch absolvierte Wertheim eine kaufmännisch-gewerbliche Ausbildung in Wien und unternahm anschließend längere Reisen durch Deutschland, Frankreich und England. Diese Reisen dienten nach den biographischen Quellen vor allem der Erweiterung seiner technischen und kaufmännischen Kenntnisse.

1841 richtete er in Krems eine kleine Produktionsstätte ein. Bereits 1842 erwarb er eine Werkzeugschmiede in Wien sowie ein Hammerwerk im Raum Scheibbs-Neustift. Damit legte er die Grundlage einer zunehmend industriell organisierten Werkzeugerzeugung. 1845 trat er auf der Wiener Gewerbe- und Industrieausstellung mit einer umfangreichen Sammlung von etwa tausend Werkzeugen hervor. Eine solche Sammlung wurde von Kaiser Ferdinand I. für das Wiener Polytechnische Institut erworben; Wertheim erhielt zugleich den Titel eines k. k. Hof-Werkzeugfabrikanten.

In Furth bei Göttweig ließ Wertheim zudem hölzerne Modelle beziehungsweise Lehrmittel zu Werkzeugen herstellen, die der technischen Ausbildung dienen sollten. Damit verband sich die industrielle Produktion schon früh mit der systematischen Vermittlung handwerklich-technischer Kenntnisse. Dieser Vorgang ist auch im Österreichischen Biographischen Lexikon dokumentiert.

Die Entwicklung der Wertheim-Kassen

Den eigentlichen internationalen Ruf des Unternehmens begründete Wertheim mit der Herstellung feuer- und einbruchssicherer Kassen und Tresore.

Seit den frühen 1850er Jahren beschäftigte er sich intensiv mit Sicherheitskonstruktionen. Auf der Londoner Weltausstellung von 1851 erwarb er Rechte beziehungsweise Kenntnisse für eine besondere Kassenkonstruktion. 1852 begann in Wien die organisierte Fabrikation feuer- und einbruchssicherer Kassen; dabei arbeitete Wertheim mit Wiese und weiteren technischen Partnern zusammen.

Ein wesentlicher Teil der Vermarktung waren öffentlich veranstaltete Feuerproben. Die Kassen wurden dabei hohen Temperaturen ausgesetzt, anschließend geöffnet und der Zustand ihres Inhalts demonstriert. Solche Versuche machten die Marke Wertheim weithin bekannt und verbanden technische Leistungsfähigkeit mit einer für die damalige Zeit ungewöhnlich öffentlichkeitswirksamen Produktpräsentation. Die Durchführung solcher Feuerproben ist seit 1853 dokumentiert.

Bis 1869 war die 20.000. Wertheim-Kasse hergestellt worden. Zu diesem Anlass komponierte Josef Strauss die Polka „Feuerfest!“, wodurch der industrielle Erfolg sogar seinen Niederschlag in der Wiener Musikgeschichte fand.

Die Neue Deutsche Biographie nennt für die folgenden Jahre weiter steigende Produktionszahlen: etwa 33.000 Kassen bis 1872 und rund 40.000 bis 1877. Seit 1876 wurde bei der Fertigung zunehmend Stahl anstelle von Eisen eingesetzt.

Internationale Ausstellungen

Wertheim erscheint als Juror oder Funktionär bei zahlreichen internationalen Industrie- und Weltausstellungen: London 1851 und 1862, München 1854, Paris 1855 und 1867 sowie Wien 1873.

Die zentrale Bedeutung Wertheims für das österreichische Ausstellungswesen wird von den modernen biographischen Quellen bestätigt. Er war nicht lediglich Aussteller seiner eigenen Produkte, sondern übernahm zunehmend organisatorische und repräsentative Aufgaben. Besonders bei der Wiener Weltausstellung von 1873 gehörte er zu den maßgeblich beteiligten österreichischen Wirtschaftspersönlichkeiten.

Das Österreichische Biographische Lexikon nennt außerdem spätere Funktionen bei den Ausstellungen in Paris 1878, Sydney 1879 und Kapstadt. Damit reichte Wertheims Tätigkeit deutlich über die im beigefügten Ausschnitt erfasste Zeit hinaus.

1869 gehörte Wertheim zu jener österreichischen Delegation, die Kaiser Franz Joseph I. anlässlich der Eröffnung des Suezkanals begleitete. Auch diese im älteren biographischen Schrifttum häufig erwähnte Reise wird von der modernen biographischen Forschung bestätigt.

Wirtschaftliche und politische Funktionen

Wertheim beschränkte sich nicht auf die Führung seines Unternehmens. Von 1854 bis 1881 gehörte er der Wiener Handels- und Gewerbekammer an; von 1858 bis 1867 war er deren Vizepräsident. Er war außerdem Präsident des Niederösterreichischen Gewerbevereins.

Von 1861 bis 1872 saß er im Wiener Gemeinderat. Seit 1869 gehörte er auch dem niederösterreichischen Landtag an beziehungsweise vertrat dort zeitweise die Wahlbezirke Krems und Scheibbs. Damit gehörte Wertheim zu jener Gruppe österreichischer Unternehmer des 19. Jahrhunderts, die neben ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit auch institutionelle Funktionen in Handelskammern, Gemeinde- und Landesvertretungen übernahmen.

Er war ferner Kurator des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, des heutigen Museums für angewandte Kunst. Der beigefügte Eintrag nennt außerdem seine Tätigkeit als Beisitzer des k. k. Handelsgerichtes in Wien. Die hohe Zahl solcher Funktionen erklärt, weshalb zeitgenössische Ordens- und Staatshandbücher Wertheim nicht nur als Fabrikanten, sondern als öffentliche Persönlichkeit des österreichischen Wirtschaftslebens verzeichneten.

Vom Bürger zum Ritter und Freiherrn

Für Genealogen und Heraldiker sind die im Österreichischen Staatsarchiv erhaltenen Hofadelsakten von besonderer Bedeutung, weil sie die Adelserhebungen eindeutig dokumentieren.

Am 21. März 1863 wurde Franz Wertheim als Vizepräsident der Handels- und Gewerbekammer und Träger des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse in den österreichischen Ritterstand erhoben. Der betreffende Hofadelsakt wird unter der Signatur AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 1073.14 verwahrt. Der Archivdatensatz weist ausdrücklich auch Wappendarstellungen im Akt aus. Damit durfte er fortan den Namen Franz Ritter von Wertheim führen.

Eine zweite Standeserhöhung erfolgte am 5. August 1871. Franz Ritter von Wertheim, nunmehr Besitzer des Ordens der Eisernen Krone II. Klasse, wurde in den österreichischen Freiherrenstand erhoben. Der entsprechende Akt trägt die Signatur AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 1073.15.

Damit ist die korrekte nobilitierungsrechtliche Abfolge eindeutig: 1863 Ritter von Wertheim – 1871 Freiherr von Wertheim.

Diese archivalischen Daten sind gegenüber abweichenden Angaben späterer biographischer Werke vorzuziehen.

 

Orden und Auszeichnungen

Der vorliegende historische Eintrag ist besonders umfangreich, weil er neben den österreichischen Auszeichnungen eine große Zahl ausländischer Orden und Medaillen aufführt.

Genannt werden unter anderem der Franz-Joseph-Orden, der hannoversche Guelphen-Orden, der osmanische Mecidiye-Orden, der päpstliche Gregoriusorden, der bayerische Verdienstorden vom Heiligen Michael, der persische Sonnen- und Löwenorden, der niederländische Löwenorden, der badische Orden vom Zähringer Löwen, die französische Ehrenlegion, der norwegische St.-Olavs-Orden, der portugiesische Christusorden, der brasilianische Rosenorden, der belgische Leopoldsorden sowie der russische St.-Annen-Orden.

Dass Wertheim tatsächlich mit zahlreichen ausländischen Orden ausgezeichnet war, bestätigen sowohl das Österreichische Biographische Lexikon als auch die Neue Deutsche Biographie. Für einzelne Auszeichnungen – etwa die französische Ehrenlegion und den osmanischen Mecidiye-Orden – besteht eine unabhängige biographische Bestätigung.

Bei den genauen Verleihungsdaten und Klassen sämtlicher im alten Ordenseintrag genannten ausländischen Dekorationen ist jedoch Vorsicht angebracht. Sie wurden für diesen Beitrag nicht für jeden einzelnen Orden anhand der jeweiligen nationalen Ordensarchive überprüft. Die Aufzählung des historischen Verzeichnisses sollte daher als zeitgenössische beziehungsweise zeitnahe Quellenangabe verstanden und nicht ohne weitere Prüfung als vollständiges modernes Ordensverzeichnis übernommen werden.

Das Palais Wertheim ( Wertheimpalais – Wien Geschichte Wiki )

Der wirtschaftliche und gesellschaftliche Aufstieg fand auch architektonisch seinen Ausdruck. Wertheim ließ sich am heutigen Schwarzenbergplatz in Wien ein repräsentatives Palais errichten. Als Architekt wirkte Heinrich von Ferstel, einer der bedeutendsten Wiener Architekten der Ringstraßenzeit. Das Gebäude wurde in den 1860er Jahren für Wertheim errichtet.

Das Palais ist damit zugleich ein materielles Zeugnis des Aufstiegs einer erfolgreichen Unternehmerpersönlichkeit der österreichischen Industrialisierung in die gesellschaftliche Elite der Monarchie.

Franz Gunst und die Nachfolge

Genealogisch besonders interessant ist die Nachfolgefrage.

Franz Wertheims 1865 geborener Sohn Franz Gunst wurde sein Erbe und trat später auch in die Unternehmensführung ein. Die moderne biographische Literatur bezeichnet ihn als illegitimen beziehungsweise später angenommenen Sohn Wertheims. Er starb 1925.

Von besonderer Bedeutung ist, dass dessen Adelstitel nicht einfach aus dem Freiherrenstand des Vaters abgeleitet werden darf.

Das Österreichische Staatsarchiv besitzt für ihn eigene Adelsakten. Danach wurde

Franz Gunst beziehungsweise Franz Wertheim am 13. November 1886 in den österreichischen Adelsstand mit dem Prädikat „Edler von“ erhoben.

Der Akt trägt die Signatur AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 1073.16.

Erst am 12. Juni 1913 wurde Franz Edler von Wertheim seinerseits in den Freiherrenstand erhoben; dieser Vorgang ist unter AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 1073.17 dokumentiert.

Für genealogische Darstellungen der Familie ist diese Trennung der beiden Nobilitierungen wesentlich. Franz Xaver Wertheim erhielt 1863 den Ritter- und 1871 den Freiherrenstand; der 1865 geborene Franz wurde dagegen durch eigene Rechtsakte 1886 geadelt und 1913 zum Freiherrn erhoben.

Tod

Franz Freiherr von Wertheim starb am 3. April 1883 in Wien. Er wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof in einer Arkadengruft beigesetzt. Sein Unternehmen bestand über seinen Tod hinaus fort und wurde von seinem Sohn beziehungsweise Nachfolger weitergeführt.

Quellenkritische Anmerkungen zum beigefügten Eintrag

Constantin von Wurzbachs Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich nennt für Wertheim ein Geburtsjahr beziehungsweise Geburtsdatum von 1818. Diese Angabe steht sowohl zum Österreichischen Biographischen Lexikon als auch zur Neuen Deutschen Biographie in Widerspruch und ist nach heutigem Forschungsstand nicht zu übernehmen.

Auch bei der Produktion der 20.000. Wertheim-Kasse enthält Wurzbach innerhalb seines eigenen Artikels widersprüchliche chronologische Angaben. Die modernen biographischen Nachschlagewerke setzen das Ereignis dagegen übereinstimmend in das Jahr 1869; dieses Datum ist daher vorzuziehen.

Bei der Nobilitierung wiederum besteht kein Anlass, sich auf sekundäre Datierungen zu verlassen: Die Hofadelsakten des Österreichischen Staatsarchivs dokumentieren eindeutig den Ritterstand von 1863 und den Freiherrenstand von 1871.

Quellen und weiterführende Literatur
  • Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Artikel „Wertheim, Franz (Xaver) Freiherr von“ – ausführliche biographische Darstellung zu Familie, Unternehmen, politischen Funktionen und Auszeichnungen.
  • Neue Deutsche Biographie / Deutsche Biographie, Artikel „Wertheim, Franz von“ – besonders ergiebig für Herkunft, Familie, Unternehmensentwicklung und Produktionsgeschichte.
  • Österreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungsarchiv, Hofadelsakten, AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 1073.14: Franz Wertheim, Ritterstand, 21. März 1863.
  • Österreichisches Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 1073.15–1073.17: Freiherrenstand Franz Ritter von Wertheim 1871 sowie die späteren Adelserhebungen Franz Wertheims 1886 und 1913.
  • Constantin von Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Bd. 55, Wien 1887, Artikel „Wertheim, Franz Freiherr von“ – umfangreiche zeitnahe Darstellung, jedoch mit einzelnen nachweisbaren chronologischen Fehlern und daher nur unter Gegenprüfung zu verwenden.
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