Manfred Freiherr von Richthofen (1892–1918)

Manfred Freiherr von Richthofen (1892–1918)

1 Woche 4 Tage her - 1 Woche 4 Tage her
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„Der rote Kampfflieger“

 

Richthofen, Manfred, Freiherr v., Jagdflieger, „der rote Baron“, 1892–1918. Porträtpostkarte mit eigenhändiger Signatur (Tintenblei), wohl 1918.

Manfred Albrecht Freiherr von Richthofen (1892–1918), Rittmeister und Jagdflieger des Ersten Weltkrieges, mit 80 anerkannten Luftsiegen. Der Freiherrenstand ist genealogisch und in den einschlägigen Adelsmatrikeln bzw. genealogischen Handbüchern eindeutig belegt.

Lediglich die populäre Bezeichnung „Roter Baron“ ist historisch zu relativieren: Sie setzte sich erst nach seinem Tod durch; zeitnäher und von Richthofen selbst verwendet ist die Bezeichnung „der rote Kampfflieger“

Biographische Einordnung

Manfred Albrecht Freiherr von Richthofen wurde am 2. Mai 1892 in Breslau geboren und fiel am 21. April 1918 an der Somme. Ursprünglich Kavallerieoffizier, wechselte er 1915 zur Fliegertruppe und kam 1916 zur Jagdstaffel 2 unter Oswald Boelcke. Im Januar 1917 übernahm er die Jagdstaffel 11, im Juni desselben Jahres als erster Kommandeur das neugebildete Jagdgeschwader 1.

Mit 80 anerkannten Luftsiegen war der Rittmeister bei seinem Tod der erfolgreichste Jagdflieger des Ersten Weltkrieges. Bereits nach seinem 16. anerkannten Luftsieg war ihm am 12. Januar 1917 der Orden Pour le Mérite verliehen worden.

Eine kleine, aber interessante begriffsgeschichtliche Korrektur ist angebracht: Der heute geradezu sprichwörtliche Beiname „Roter Baron“ war zu Richthofens Lebzeiten nicht die übliche deutsche Bezeichnung. Das Bundesarchiv führt ihn auf die englischsprachige Nachkriegsliteratur zurück, in der „Freiherr“ mit „Baron“ wiedergegeben wurde. Richthofen selbst nannte seine 1917 erschienene Autobiographie Der rote Kampfflieger.

Adelsverleihungsprüfung

Die Bezeichnung „Freiherr von Richthofen“ ist für Manfred von Richthofen zweifelsfrei historisch korrekt.

Die Richthofen gehören nicht zum mittelalterlichen Uradel, sondern zum neuzeitlichen Briefadel. Ausgangspunkt war die Familie Praetorius, deren Name auf die Latinisierung von „Schultheiß“ zurückgeführt wird.
  • 1661: Johann Praetorius (1611–1664) wurde in den böhmischen Ritterstand aufgenommen. Mit der Wappenvermehrung war das Prädikat „von Richthofen“ verbunden.
  • Seine Söhne Samuel (1656–1721) und Johann (1661–1739) begründeten die beiden Hauptlinien.
  • 1735: Samuel von Richthofen (1713–1786) aus der ersten Hauptlinie wurde in den böhmischen Freiherrenstand erhoben.
  • 1741: Ein Samuel von Richthofen aus der zweiten Hauptlinie erhielt den preußischen Freiherrenstand.

Damit bestanden innerhalb der weitverzweigten Familie unterschiedliche freiherrliche Linien. Der Richthofen'sche Familienverband dokumentiert diese Standeserhebungen ebenso wie die ältere Familiengeschichte.

Für Manfred von Richthofen selbst ist die freiherrliche Zugehörigkeit zudem unmittelbar in den genealogischen Standardwerken nachgewiesen: Das Gothaische Genealogische Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, Teil B (Briefadel), Jahrgang 1941, führt ihn auf S. 382. Dieser Jahrgang bezeichnet sich zugleich ausdrücklich als Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Auch das Genealogische Handbuch der Freiherrlichen Häuser von 1954 verzeichnet ihn auf S. 330.

Genealogische Notizen

Manfred war das zweite von vier Kindern des Kavallerieoffiziers Albrecht Freiherr von Richthofen (1859–1920) und der Kunigunde von Schickfus und Neudorff (1868–1962).

Die Geschwister waren:
  • Elisabeth, genannt Ilse (1890–1963),
  • Lothar Freiherr von Richthofen (1894–1922), ebenfalls erfolgreicher Jagdflieger,
  • Bolko Freiherr von Richthofen (1903–1971).

Die unmittelbare Familie und Ahnenreihe wurden insbesondere von Friedrich Wilhelm Euler ausführlich genealogisch bearbeitet. Der Richthofen'sche Familienverband hebt auch Lothar als Jagdflieger hervor; er überlebte den Weltkrieg, kam jedoch 1922 bei einem Unfall als Verkehrspilot ums Leben.

Zur Porträtpostkarte und Signatur

Porträtpostkarten Manfred von Richthofens waren bereits während des Krieges verbreitet. Besonders bekannt sind die Karten des Berliner Verlages W. Sanke; zeitgenössische Aufnahmen aus dem Jahr 1917 sind auch im Bundesarchiv überliefert.

Genealogische und Matrikelquellen
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, Teil B (Briefadel), 1941, 91. Jg., Justus Perthes, Gotha 1940, Richthofen S. 373–387, Manfred v. Richthofen S. 382.
  • Hans Friedrich von Ehrenkrook/Friedrich Wilhelm Euler u.a.: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser B, Band I (= GHdA Bd. 7), Glücksburg 1954, S. 330.
  • Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser B, Band III (= GHdA Bd. 31), Limburg/Lahn 1963, S. 388 f.
  • Genealogisches Handbuch des Adels – Adelslexikon, Band XI (= Bd. 122 der Gesamtreihe), Limburg/Lahn 2000, S. 391: Richthofen.
  • Friedrich Wilhelm Euler: Manfred v. Richthofen und seine Geschwister. Ahnenreihe, in: Archiv für Sippenforschung, 45. Jg., Heft 73, Februar 1979, S. 1–33.
  • Emil Freiherr Praetorius von Richthofen: Geschichte der Familie Praetorius von Richthofen, Magdeburg 1884, mit Anlagen und Stammtafeln.

Die grundlegende Familiengeschichte von 1884 ist von der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf vollständig digitalisiert worden. Die Beilagen enthalten gesonderte Stammtafeln der verschiedenen Linien und Zweige, darunter auch den Gäbersdorfer Zweig.

ULB Düsseldorf – Geschichte der Familie Praetorius von Richthofen (1884)

Internetquellen

Bundesarchiv – Manfred von Richthofen: „Der rote Kampfflieger“

Deutsches Historisches Museum / LeMO – Manfred Freiherr von Richthofen

Richthofen'scher Familienverband – Böhmische und habsburgische Zeit

Richthofen'scher Familienverband – Die Familie in der Zeit der Weltkriege
 
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