Hubert Freiherr Klein von Wisenberg (1848–1911)

Hubert Freiherr Klein von Wisenberg (1848–1911)

2 Wochen 2 Tage her
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Eine neu erworbene Originalaufnahme aus dem Atelier Carl Pietzner, Dependance Karlsbad, wirft eine interessante Identifizierungsfrage auf. Die Photographie trägt auf der Vorderseite den handschriftlichen Namenszug

„Hubert Klein“

sowie den Ateliervermerk Pietzner – K.u.K. Hof- u. Kammer-Photograph.

Nach Prüfung der genealogischen und biographischen Quellen spricht einiges dafür, dass es sich bei dem Dargestellten tatsächlich um

Dr. iur. Hubert Freiherr Klein von Wisenberg
* 24. Oktober 1848 Prag
† 6. Oktober 1911 Zöptau/Sobotín


handeln könnte.

 

Bild 1: Hubert Klein von Wisenberg

Zur Person

Hubert Klein von Wisenberg war ein Sohn des Großindustriellen und Eisenbahnbauunternehmers Albert Freiherrn Klein von Wisenberg (1807–1877) und dessen Gemahlin Amalie Langer.

Er studierte Rechtswissenschaften und erscheint in den Quellen als Jurist und Großgrundbesitzer. Ihm gehörten insbesondere die Güter
  • Kosteletz/Kostelec,
  • Ziadowitz/Žadovice und
  • Skalka.

Politisch gehörte er über Jahrzehnte zu den Vertretern des mährischen Großgrundbesitzes:
  • 1879–1911 Abgeordneter des Mährischen Landtages,
  • 1891–1907 Abgeordneter des österreichischen Reichsrates,
  • dort Vertreter der Großgrundbesitzerkurie und zunächst dem deutschliberalen bzw. verfassungstreuen Lager zuzurechnen.

Im Reichsratsverzeichnis wird er ausdrücklich als

„Baron Dr. Hubert Klein von Wisenberg, Gutsbesitzer, Wien“

geführt.

1883 heiratete er in Wien Julie Freiin von Pillerstorff (1859–1919). Aus der Ehe ging die Tochter

Marie Freiin Klein von Wisenberg (1884–1913)

hervor, die 1909 Rudolf Graf Wratislaw von Mitrowitz und Schönfeld heiratete.

 

Bild 2: Albert Klein von Wisenberg

Adelsverleihungsprüfung

Der Freiherrenstand Huberts ist genealogisch einwandfrei belegt.

Sein Vater Albert Klein erhielt zunächst am 24. August 1859 den österreichischen Adel mit dem Prädikat „von Wisenberg“; das entsprechende Diplom datiert vom 1. Dezember 1859.

Es folgten:
  • 1864 der österreichische Ritterstand,
  • 10. Juli 1872 die Erhebung in den österreichischen Freiherrenstand,
  • Diplom Wien, 12. April 1873.

Das Gothaische Genealogische Taschenbuch führt Hubert dementsprechend ausdrücklich als

Hubert Freiherr Klein von Wisenberg.

Das „Personenlexikon des Adels“ nennt ihn als Sohn Alberts und verweist für die Familie auf das Gothaische Genealogische Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser.

Albert Freiherr Klein von Wisenberg – Personenlexikon des Adels

Hubert Freiherr Klein von Wisenberg – Personenlexikon des Adels

Gothaisches Genealogisches Taschenbuch – Klein von Wisenberg, Digitalisat

Zur Identifizierung der Photographie

Hier kommt ein bemerkenswertes Detail hinzu:

Carl Pietzner (1853–1927) unterhielt um 1900 eines der bedeutendsten Atelierunternehmen der Monarchie und photographierte zahlreiche Angehörige des Adels, der Hofgesellschaft sowie Persönlichkeiten des gehobenen Bürgertums. Die gelegentlich anzutreffende Aussage, Pietzner habe „nur“ Adel und Großbürgertum photographiert, dürfte allerdings zu weit gehen.

Entscheidend ist vielmehr die Datierung der Karlsbader Filiale:

Nach der zeitgenössischen Photographischen Chronik wurde Pietzners Dependance in Karlsbad 1911 gegründet.

Carl Pietzner – biographische Angaben und Nachweis der Karlsbader Filiale

Hubert Freiherr Klein von Wisenberg starb bereits am 6. Oktober 1911.

Sofern der Karlsbader Ateliervermerk auf der vorliegenden Originalaufnahme zur 1911 eröffneten Filiale gehört, ergibt sich daher ein außerordentlich enges mögliches Entstehungsfenster:

1911 – spätestens 6. Oktober 1911.

Zusammen mit dem handschriftlichen Namenszug „Hubert Klein“ auf der Aufnahme ist dies meines Erachtens das stärkste Indiz für die Zuschreibung.

Eine Identifizierung allein anhand einer physiognomischen Ähnlichkeit mit Familienangehörigen wäre selbstverständlich nicht beweiskräftig. Der Vergleich mit dem überlieferten Bildnis seines Vaters Albert Freiherrn Klein von Wisenberg kann daher nur ergänzend herangezogen werden.

Bildnis Albert Freiherr Klein von Wisenberg – Bildarchiv Austria/Wikimedia Commons

 

Bild 3: Franz Klein von Wisenberg (1851-1930)

Franz Freiherr Klein von Wisenberg

Das ebenfalls zum Vergleich herangezogene Bild zeigt Franz III. Freiherrn Klein von Wisenberg (1851–1930), Unternehmer und später ebenfalls Abgeordneter des Mährischen Landtages.

Genealogisch gehörte Franz III. zur Linie von Alberts älterem Bruder Franz. Die Verwandtschaft mit Hubert wird in den biographischen Quellen häufig einfach als „Vetter/Cousin“ bezeichnet; streng genealogisch war Franz III. gegenüber Hubert um eine Generation versetzt.

Eine bemerkenswerte Verbindung besteht auch politisch: Nach Huberts Tod 1911 wurde Franz III. bei einer Nachwahl an dessen Stelle in den Mährischen Landtag gewählt.

Matrikel- und biographische Nachweise

Der Sterbe- und Begräbniseintrag Huberts ist in der Matrikel der Pfarre Sobotín (Zöptau) überliefert. Der Digitalisatnachweis des Zemský archiv v Opavě wird auch in der biographischen Dokumentation ausdrücklich als Matrikelquelle angeführt.

Hubert Klein von Wisenberg – Biographie mit Verweis auf den Sterbe- und Begräbniseintrag der Pfarre Sobotín

Weitere biographische Daten:

Enzyklopädie der Geschichte der Stadt Brünn – JUDr. Hubert II. Klein

Reichsrats-Handbuch / ALEX – Hubert Klein von Wisenberg

Eine endgültige Identifizierung allein über das Porträt wäre nicht möglich. Die Provenienz der Aufnahme liefert jedoch eine bemerkenswert geschlossene Indizienkette:
  • handschriftlich „Hubert Klein“,
  • Atelier Carl Pietzner,
  • Dependance Karlsbad,
  • Gründung dieser Filiale 1911,
  • Tod Hubert Freiherrn Klein von Wisenberg am 6. Oktober 1911,
  • gesellschaftliche Stellung des Dargestellten passend zur typischen Pietzner-Kundschaft.

Damit erscheint die Zuschreibung der Aufnahme an Dr. iur. Hubert Freiherrn Klein von Wisenberg (1848–1911) sehr plausibel.

Für eine endgültige archivalische Absicherung wäre nun vor allem ein zweites, eindeutig beschriftetes Porträt Huberts oder ein Vergleich seiner eigenhändigen Unterschrift mit dem Namenszug auf der Photographie von Interesse.

Vielleicht findet sich in einem Familienarchiv, einem Nachlass der Familie Klein von Wisenberg oder in den Beständen von Zöptau/Wiesenberg noch entsprechendes Vergleichsmaterial.
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