Zur Einordnung des niederen ungarischen Adels
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Zur Einordnung des niederen ungarischen Adels
3 Wochen 6 Tage her - 3 Wochen 6 Tage her
Ungarische Gentry, „dzsentri“ und „Bundschuh-Adel“ – Zur Einordnung des niederen ungarischen Adels
Liebe Mitforscher,
im Zusammenhang mit dem niederen ungarischen Adel begegnen immer wieder Begriffe, die auf den ersten Blick ähnlich wirken, tatsächlich aber unterschiedliche soziale Erscheinungen bezeichnen. Besonders erklärungsbedürftig sind die Ausdrücke Gentry bzw. ungarisch dzsentri und bocskoros nemesség, auf Deutsch meist sinngemäß als „Bundschuh-Adel“ wiedergegeben.
Die Frage lautet daher:
Wie sind „Gentry/dzsentri“ und „bocskoros nemesség“ im ungarischen Adel des 18. und 19. Jahrhunderts voneinander zu unterscheiden?
1. Der Begriff „bocskoros nemes“ – kein Familienname, sondern eine soziale Bezeichnung
Der Ausdruck bocskoros nemes bedeutet wörtlich ungefähr „bocskor-tragender Adeliger“. Der bocskor war ein einfacher, bäuerlicher Bundschuh bzw. Riemenschuh. Der Begriff verweist also nicht auf „Bösartigkeit“ und auch nicht auf eine Adelsfamilie namens „Bocskoros“, sondern auf Kleidung, Lebensweise und Armut.
Das Magyar Katolikus Lexikon definiert bocskoros nemes als volkssprachliche Bezeichnung für einen verarmten Adeligen, der in bäuerlichen Verhältnissen lebte. Die Erklärung lautet sinngemäß: Anstelle der standesanzeigenden Sporenstiefel trug er den einfachen bocskor, der als Kennzeichen bäuerlicher Armut galt.
Damit ist „Bundschuh-Adel“ als deutsche Umschreibung grundsätzlich verständlich, sollte aber nicht mit der deutschen Bundschuhbewegung oder den Bauernkriegen verwechselt werden. Es handelt sich im ungarischen Zusammenhang um eine soziale und wirtschaftliche Kategorie innerhalb des niederen Adels.
2. Wo steht der „bocskoros nemesség“ innerhalb des ungarischen Adels?
Innerhalb des ungarischen Adels gab es erhebliche Unterschiede. Grob lassen sich unterscheiden:
Das Magyar Katolikus Lexikon unterscheidet innerhalb des Kleinadels ausdrücklich zwischen land- und hauslosen bocskoros nemes und den sogenannten hétszilvafás nemes, also sinngemäß den „Sieben-Zwetschkenbaum-Adeligen“, die wenigstens Haus, Garten oder kleinsten Grundbesitz hatten.
Der Ausdruck bocskoros nemesség ist daher keine amtliche Adelskategorie im strengen Sinn, sondern eine spöttische bzw. volkssprachliche Bezeichnung für die ärmste Schicht des Adels.
3. Armalisten und Kleinadel
Besonders wichtig ist die Gruppe der armális nemes bzw. armalisták. Damit sind Adelige gemeint, die ihre Nobilitierung durch einen Adels- oder Wappenbrief erhielten, aber nicht notwendigerweise auch Grundbesitz. Gerade in der frühen Neuzeit, besonders im Zusammenhang mit den Türkenkriegen und dem Militärdienst an den Grenzfestungen, verbreiteten sich sogenannte "Massennobilitierungen".
Massennobilitierungen bezeichnet im ungarischen Kontext die vermehrte Verleihung von Adels- und Wappenbriefen im 16. und 17. Jahrhundert, durch die besonders der sogenannte Armalistenadel entstand: Adelige mit Wappenbrief und Standesrechten, jedoch häufig ohne größeren Grundbesitz.Der Begriff beschreibt damit die starke Ausweitung des niederen ungarischen Adels als Folge von Militärdienst, Grenzverteidigung gegen die Osmanen und herrschaftlicher Loyalitätspolitik der Habsburger.Diese armalistischen Familien konnten formal adelig sein, wirtschaftlich aber durchaus in sehr bescheidenen Verhältnissen leben. Viele Angehörige dieser Schicht fanden später ihren Lebensunterhalt als Beamte, Lehrer, Geistliche, Ärzte, Juristen, Gutsverwalter oder in militärischen Diensten.
Damit wird auch verständlich, warum der niedere ungarische Adel zahlenmäßig relativ groß war, ohne dass dies automatisch Wohlstand, politischen Einfluss oder gesellschaftliche Anerkennung bedeutete.
4. Die ungarische Gentry bzw. „dzsentri“
Der Begriff dzsentri ist vom englischen gentry abgeleitet, bezeichnet im ungarischen Zusammenhang aber nicht einfach den gesamten Kleinadel. Gemeint ist vor allem jene Schicht des mittleren und niederen Adels, die im 19. Jahrhundert, besonders nach 1848 und im Dualismus nach 1867, wirtschaftlich unter Druck geriet, aber weiterhin eine wichtige Rolle in Verwaltung, Komitatswesen, Politik, Offizierskorps und Bildungsbürgertum spielte.
Pál Koudela beschreibt in seiner Studie zur Gentry im Komitat Sáros, dass die Vorstellung der dzsentri stark von Literatur und Alltagsurteilen geprägt ist – etwa durch das Bild des verarmten, stolzen, manchmal weltfremden und amtsorientierten Landadeligen. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass nicht alle Angehörigen dieser Schicht in dieses negative Klischee passen. Manche Familien verbanden adelige Herkunft mit Bildung, bürgerlichen Berufswerten und kultureller Leistung.
Die dzsentri ist daher keine bloße Armutsbezeichnung, sondern ein sozialgeschichtliches Phänomen: Adel ohne ausreichenden Besitz, aber mit Bildungsanspruch, Amtskarrieren, politischem Selbstverständnis und oft starkem Standesbewusstsein.
5. Unterschied zwischen „dzsentri“ und „bocskoros nemesség“
Vereinfacht gesagt:
Man könnte daher sagen:
Nicht jeder armalistische Adeliger war ein „bocskoros nemes“, nicht jeder Kleinadelige wurde zur „dzsentri“, und nicht jede „dzsentri“-Familie war bloß verarmter Landadel.
Gerade diese Übergänge machen die ungarische Adelsgesellschaft so spannend.
6. Zur Frage nach angeblichen „entwertenden Massennobilitierungen“ durch das Haus Österreich
Die Frage, ob das Haus Österreich in Ungarn bewusst „entwertende Massennobilitierungen“ vorgenommen habe, sollte vorsichtig formuliert werden.
Mehrere Punkte sprechen gegen eine allzu einfache Deutung:
Daher wäre es wohl zutreffender, nicht von einer gezielten „Entwertung“ des Adels zu sprechen, sondern von einer langfristigen sozialen Ausdifferenzierung des ungarischen Adels. Diese führte dazu, dass der rechtliche Adelsstatus und die wirtschaftliche Lebenswirklichkeit immer weiter auseinanderfallen konnten.
7. Forschungsansätze und Quellen
Für eine genealogische oder sozialgeschichtliche Untersuchung wären besonders folgende Quellengruppen interessant:
Für die Forschung ist besonders wichtig, zwischen folgenden Fragen zu unterscheiden:
8. Literatur- und Quellenhinweise
9. Offene Fragen an das Forum
Mich würden besonders folgende Punkte interessieren:
Vorläufiges Fazit
Der „Bundschuh-Adel“ im ungarischen Sinn ist am besten als ärmste Schicht des niederen Adels zu verstehen: rechtlich adelig, wirtschaftlich aber häufig kaum von der bäuerlichen Bevölkerung unterschieden.
Die dzsentri dagegen bezeichnet stärker den verarmten oder teilverarmten Amts-, Bildungs- und Komitatsadel des 19. Jahrhunderts, also eine sozial und politisch andere Erscheinung.
Beide Begriffe berühren denselben großen Themenkreis: den Abstand zwischen rechtlichem Adel, Besitz, Lebensweise, politischer Stellung und gesellschaftlicher Anerkennung im Königreich Ungarn.
Liebe Mitforscher,
im Zusammenhang mit dem niederen ungarischen Adel begegnen immer wieder Begriffe, die auf den ersten Blick ähnlich wirken, tatsächlich aber unterschiedliche soziale Erscheinungen bezeichnen. Besonders erklärungsbedürftig sind die Ausdrücke Gentry bzw. ungarisch dzsentri und bocskoros nemesség, auf Deutsch meist sinngemäß als „Bundschuh-Adel“ wiedergegeben.
Die Frage lautet daher:
Wie sind „Gentry/dzsentri“ und „bocskoros nemesség“ im ungarischen Adel des 18. und 19. Jahrhunderts voneinander zu unterscheiden?
1. Der Begriff „bocskoros nemes“ – kein Familienname, sondern eine soziale Bezeichnung
Der Ausdruck bocskoros nemes bedeutet wörtlich ungefähr „bocskor-tragender Adeliger“. Der bocskor war ein einfacher, bäuerlicher Bundschuh bzw. Riemenschuh. Der Begriff verweist also nicht auf „Bösartigkeit“ und auch nicht auf eine Adelsfamilie namens „Bocskoros“, sondern auf Kleidung, Lebensweise und Armut.
Das Magyar Katolikus Lexikon definiert bocskoros nemes als volkssprachliche Bezeichnung für einen verarmten Adeligen, der in bäuerlichen Verhältnissen lebte. Die Erklärung lautet sinngemäß: Anstelle der standesanzeigenden Sporenstiefel trug er den einfachen bocskor, der als Kennzeichen bäuerlicher Armut galt.
Damit ist „Bundschuh-Adel“ als deutsche Umschreibung grundsätzlich verständlich, sollte aber nicht mit der deutschen Bundschuhbewegung oder den Bauernkriegen verwechselt werden. Es handelt sich im ungarischen Zusammenhang um eine soziale und wirtschaftliche Kategorie innerhalb des niederen Adels.
2. Wo steht der „bocskoros nemesség“ innerhalb des ungarischen Adels?
Innerhalb des ungarischen Adels gab es erhebliche Unterschiede. Grob lassen sich unterscheiden:
- Főnemesség – Hochadel, Magnaten, Grafen, Barone, große Grundherren.
- Köznemesség – gemeiner Adel bzw. Landadel.
- Kisnemesség – Kleinadel, vielfach mit geringem Besitz.
- Armális nemes / armalista – Adeliger mit Wappenbrief bzw. Adelsbrief, aber häufig ohne nennenswerten Grundbesitz.
- Bocskoros nemes – verarmter, oft landloser oder nahezu landloser Kleinadeliger, dessen Lebensweise sich kaum noch von jener der Bauern unterschied.
Das Magyar Katolikus Lexikon unterscheidet innerhalb des Kleinadels ausdrücklich zwischen land- und hauslosen bocskoros nemes und den sogenannten hétszilvafás nemes, also sinngemäß den „Sieben-Zwetschkenbaum-Adeligen“, die wenigstens Haus, Garten oder kleinsten Grundbesitz hatten.
Der Ausdruck bocskoros nemesség ist daher keine amtliche Adelskategorie im strengen Sinn, sondern eine spöttische bzw. volkssprachliche Bezeichnung für die ärmste Schicht des Adels.
3. Armalisten und Kleinadel
Besonders wichtig ist die Gruppe der armális nemes bzw. armalisták. Damit sind Adelige gemeint, die ihre Nobilitierung durch einen Adels- oder Wappenbrief erhielten, aber nicht notwendigerweise auch Grundbesitz. Gerade in der frühen Neuzeit, besonders im Zusammenhang mit den Türkenkriegen und dem Militärdienst an den Grenzfestungen, verbreiteten sich sogenannte "Massennobilitierungen".
Massennobilitierungen bezeichnet im ungarischen Kontext die vermehrte Verleihung von Adels- und Wappenbriefen im 16. und 17. Jahrhundert, durch die besonders der sogenannte Armalistenadel entstand: Adelige mit Wappenbrief und Standesrechten, jedoch häufig ohne größeren Grundbesitz.Der Begriff beschreibt damit die starke Ausweitung des niederen ungarischen Adels als Folge von Militärdienst, Grenzverteidigung gegen die Osmanen und herrschaftlicher Loyalitätspolitik der Habsburger.Diese armalistischen Familien konnten formal adelig sein, wirtschaftlich aber durchaus in sehr bescheidenen Verhältnissen leben. Viele Angehörige dieser Schicht fanden später ihren Lebensunterhalt als Beamte, Lehrer, Geistliche, Ärzte, Juristen, Gutsverwalter oder in militärischen Diensten.
Damit wird auch verständlich, warum der niedere ungarische Adel zahlenmäßig relativ groß war, ohne dass dies automatisch Wohlstand, politischen Einfluss oder gesellschaftliche Anerkennung bedeutete.
4. Die ungarische Gentry bzw. „dzsentri“
Der Begriff dzsentri ist vom englischen gentry abgeleitet, bezeichnet im ungarischen Zusammenhang aber nicht einfach den gesamten Kleinadel. Gemeint ist vor allem jene Schicht des mittleren und niederen Adels, die im 19. Jahrhundert, besonders nach 1848 und im Dualismus nach 1867, wirtschaftlich unter Druck geriet, aber weiterhin eine wichtige Rolle in Verwaltung, Komitatswesen, Politik, Offizierskorps und Bildungsbürgertum spielte.
Pál Koudela beschreibt in seiner Studie zur Gentry im Komitat Sáros, dass die Vorstellung der dzsentri stark von Literatur und Alltagsurteilen geprägt ist – etwa durch das Bild des verarmten, stolzen, manchmal weltfremden und amtsorientierten Landadeligen. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass nicht alle Angehörigen dieser Schicht in dieses negative Klischee passen. Manche Familien verbanden adelige Herkunft mit Bildung, bürgerlichen Berufswerten und kultureller Leistung.
Die dzsentri ist daher keine bloße Armutsbezeichnung, sondern ein sozialgeschichtliches Phänomen: Adel ohne ausreichenden Besitz, aber mit Bildungsanspruch, Amtskarrieren, politischem Selbstverständnis und oft starkem Standesbewusstsein.
5. Unterschied zwischen „dzsentri“ und „bocskoros nemesség“
Vereinfacht gesagt:
- Die dzsentri steht eher für den verarmten oder teilverarmten Amts-, Bildungs- und Komitatsadel des 19. Jahrhunderts.
- Der bocskoros nemes steht für die unterste, oft bäuerlich lebende Schicht des Kleinadels.
- Der armalista ist rechtlich ein Adeliger mit Adels- bzw. Wappenbrief, häufig ohne Grundbesitz; aus dieser Gruppe konnten sowohl bäuerlich lebende Kleinadelige als auch spätere Beamten- oder Bildungsfamilien hervorgehen.
Man könnte daher sagen:
Nicht jeder armalistische Adeliger war ein „bocskoros nemes“, nicht jeder Kleinadelige wurde zur „dzsentri“, und nicht jede „dzsentri“-Familie war bloß verarmter Landadel.
Gerade diese Übergänge machen die ungarische Adelsgesellschaft so spannend.
6. Zur Frage nach angeblichen „entwertenden Massennobilitierungen“ durch das Haus Österreich
Die Frage, ob das Haus Österreich in Ungarn bewusst „entwertende Massennobilitierungen“ vorgenommen habe, sollte vorsichtig formuliert werden.
Mehrere Punkte sprechen gegen eine allzu einfache Deutung:
- Der zahlenmäßig starke niedere Adel Ungarns ist nicht erst ein Produkt der Habsburgerzeit.
- Bereits die mittelalterliche und frühneuzeitliche ungarische Verfassungs- und Ständestruktur begünstigte einen breiten Adel.
- Nobilitierungen ohne bedeutenden Grundbesitz nahmen zu, als königliche Schenkungsgüter knapper wurden.
- Militärische Dienste, Grenzverteidigung, Verwaltung und Patronage spielten bei Nobilitierungen eine erhebliche Rolle.
- Auch nicht-habsburgische Herrscher bzw. Fürsten konnten größere Gruppen privilegieren; als bekanntes Beispiel gilt die kollektive Privilegierung der Hajduken durch Stephan Bocskai im Jahr 1605.
Daher wäre es wohl zutreffender, nicht von einer gezielten „Entwertung“ des Adels zu sprechen, sondern von einer langfristigen sozialen Ausdifferenzierung des ungarischen Adels. Diese führte dazu, dass der rechtliche Adelsstatus und die wirtschaftliche Lebenswirklichkeit immer weiter auseinanderfallen konnten.
7. Forschungsansätze und Quellen
Für eine genealogische oder sozialgeschichtliche Untersuchung wären besonders folgende Quellengruppen interessant:
- Adelsbriefe und Wappenbriefe – insbesondere bei armalistischen Familien.
- Komitatsprotokolle – für Adelsanerkennungen, Adelsbestätigungen und lokale Statusfragen.
- Nemesi összeírások – Adelsverzeichnisse und Adelszählungen, insbesondere 18. und 19. Jahrhundert.
- Acta nobilium – Akten zu Adelsangelegenheiten.
- Departamentum nobilitare – Unterlagen zu strittigen Adelsnachweisen.
- Familienarchive und genealogische Sammlungen im Ungarischen Nationalarchiv.
Für die Forschung ist besonders wichtig, zwischen folgenden Fragen zu unterscheiden:
- Liegt ein tatsächlicher Adelsbrief vor?
- War die Familie grundbesitzend oder nur armalistisch?
- In welchem Komitat wurde der Adel anerkannt?
- Wurde die Familie in Adelsverzeichnissen geführt?
- Welche wirtschaftliche Stellung hatte die Familie im 18. oder 19. Jahrhundert?
- Gibt es Hinweise auf Amtskarrieren, Militärdienst, geistliche Laufbahn, Lehrer-, Arzt- oder Juristenberufe?
8. Literatur- und Quellenhinweise
- Magyar Katolikus Lexikon, Stichwort: bocskoros nemes.
lexikon.katolikus.hu...nemes.html
- Magyar Katolikus Lexikon, Stichwort: kisnemesség.
lexikon.katolikus.hu...3%A9g.html
- Magyar Katolikus Lexikon, Stichwort: armális nemes.
lexikon.katolikus.hu...nemes.html
- Új magyar etimológiai szótár, Stichwort: bocskor.
uesz.nytud.hu/index....tr=bocskor
- Pál Koudela: Civic Gentry in Sáros County in the 19th Century. The History of Hazslinszky Family, Part I, wbhr 01/2015.
dspace.zcu.cz/bitstr...8/download
- István M. Szijártó: County and Gentry in 18th-century Hungary, Historický časopis 71/5, 2023.
www.historickycasopi...ungary.pdf
- Magyar Nemzeti Levéltár: Noble families – Suggested sources for nobility researches.
mnl.gov.hu/angol/mnl...e_families
9. Offene Fragen an das Forum
Mich würden besonders folgende Punkte interessieren:
- Gibt es deutschsprachige Standardliteratur zum ungarischen Kleinadel und zur bocskoros nemesség?
- Wurde der Ausdruck bocskoros nemes auch in amtlichen Komitatsakten verwendet, oder blieb er überwiegend volkssprachlich bzw. spöttisch?
- Gibt es regionale Unterschiede, etwa zwischen Oberungarn/Felvidék, Transsilvanien, Westungarn, Komitaten an der Militärgrenze oder der Tiefebene?
- Welche Familien lassen sich exemplarisch als armalistische, später bäuerlich lebende Kleinadelsfamilien nachweisen?
- Wie oft lässt sich ein Übergang vom armalista zur späteren dzsentri beobachten, etwa über Lehrer-, Pfarrer-, Juristen-, Ärzte- oder Beamtenlaufbahnen?
- Welche Rolle spielten die Adelszählungen bzw. Adelsverifikationen des 18. und 19. Jahrhunderts für solche Familien?
Vorläufiges Fazit
Der „Bundschuh-Adel“ im ungarischen Sinn ist am besten als ärmste Schicht des niederen Adels zu verstehen: rechtlich adelig, wirtschaftlich aber häufig kaum von der bäuerlichen Bevölkerung unterschieden.
Die dzsentri dagegen bezeichnet stärker den verarmten oder teilverarmten Amts-, Bildungs- und Komitatsadel des 19. Jahrhunderts, also eine sozial und politisch andere Erscheinung.
Beide Begriffe berühren denselben großen Themenkreis: den Abstand zwischen rechtlichem Adel, Besitz, Lebensweise, politischer Stellung und gesellschaftlicher Anerkennung im Königreich Ungarn.
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