Philipp Freiherr Haas v. Teichen (1859-1926)
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Philipp Freiherr Haas v. Teichen (1859-1926)
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Philipp Freiherr Haas von Teichen (1859–1926) – zwischen Teppichimperium, Waldherrschaft und Theaterbühne
Philipp Haas Freiherr von Teichen gehört zu jenen Persönlichkeiten der späten österreichisch-ungarischen Monarchie, bei denen wirtschaftlicher Erfolg, adelige Lebenswelt und ein ausgesprochen ungewöhnliches kulturelles Privatleben zusammentrafen.
Geboren wurde er am 18. November 1859 in Wien als Sohn des Großindustriellen Eduard Ritter von Haas (1827–1880). Sein Großvater Philipp Haas (1791–1870) hatte aus einer kleinen Wiener Weberei eines der bedeutendsten Textilunternehmen der Monarchie geschaffen. Seit 1851 firmierte das Unternehmen unter dem bekannten Namen „Philipp Haas & Söhne“.
Nach dem Tod seines Vaters 1880 trat der junge Philipp in dritter Generation an die Spitze des Familienunternehmens. Seine Ausbildung hatte ihn zuvor auch an die bedeutenden Textilzentren Lyon und Leeds geführt. Bereits 1883 wurde das Unternehmen unter Beteiligung der englischen Firma John Crossley in eine Aktiengesellschaft umgewandelt; Haas zog sich in weiterer Folge zunehmend aus der unmittelbaren Unternehmensführung zurück.
Das Haus Haas war damals längst weit mehr als eine gewöhnliche Teppichfabrik. Seine Möbelstoffe, Gobelins und Teppiche gehörten zu den international bekannten Erzeugnissen der österreichischen Kunstindustrie. Das monumentale Geschäftshaus der Firma gegenüber dem Stephansdom – der Vorgängerbau des heutigen Haas-Hauses – gehörte zu den auffälligsten Geschäftsbauten Wiens.
Der Freiherr „von Teichen“
Philipp Haas besaß in der Obersteiermark das Herrschaftsgut Teichen bei Kalwang und vergrößerte seinen Besitz um ausgedehnte Waldherrschaften. Nach diesem Besitz erhielt er 1898 bei seiner Erhebung in den Freiherrnstand das Prädikat „von Teichen“.
Die Verbindung zu Kalwang war keineswegs nur formaler Natur. Haas unterstützte die Gemeinde durch verschiedene Zuwendungen und wurde deshalb 1904 zum Ehrenbürger von Kalwang ernannt. Im selben Jahr veräußerte er das Herrschaftsgut Teichen an Rudolf Ritter von Gutmann.
Der Name lebt in der Landschaft bis heute fort: Teichen, Kurzteichen und Langteichen erinnern an jenes Gebiet, nach dem der Freiherr seinen Namenszusatz führte.
Auch mit dem mondänen österreichischen Seebad Abbazia, dem heutigen Opatija, war die Familie verbunden. Dort bestand eine Villa Haas-Teichen, die heute als Villa bzw. Hotel Ariston bekannt ist. In der architekturhistorischen Literatur wird sie genauer als Villa der Baronin Haas-Teichen bezeichnet; von einem persönlichen Alleineigentum Philipps sollte daher ohne weiteren Grundbuchnachweis besser nicht gesprochen werden.
Ein Großindustrieller auf der Theaterbühne
Eine besonders sympathische und heute fast vergessene Seite des Freiherrn zeigt sich in den beigefügten Abbildungen.
Bild 1: Philipp Freiherr Haas von Teichen als Grigorij Stepanowitsch Smirnow in Anton Tschechows 'Der Bär'.
Auf dem historischen Foto ist Haas ausdrücklich bezeichnet als:
„Philipp Freiherr Haas von Teichen als Grigorij Stepanowitsch Smirnow in A. Tschechows Groteske ‚Der Bär‘“.
Auch die beigefügte Zeichnung zeigt den bärtigen „Baron Haas“ in derselben auffälligen pelzverbrämten Erscheinung.
Damit war Haas jedoch keineswegs nur ein gelegentlicher Laiendarsteller. Bibliographische Quellen führen ihn ausdrücklich als Bühnenschriftsteller.
Zu seinen nachweisbaren Arbeiten zählt beispielsweise:
Bei Abendsonne ergibt sich noch eine bemerkenswerte familiäre Verbindung: Die Musik schrieb seine Tochter Gisela („Gisa“) Haas von Teichen (1890–1945), später Gräfin Széchényi. Das Werk wurde am 6. April 1911 im Wiener Bürgertheater aufgeführt. Unter den Gästen befanden sich Mitglieder des Kaiserhauses und des Hochadels.
Der Teppichindustrielle war damit zugleich Autor, Schauspieler und Teil jener privaten und halböffentlichen Theaterkultur, die im gesellschaftlichen Leben der Wiener Oberschicht um 1900 eine nicht unbedeutende Rolle spielte.
Bild 2: Zeitgenössische Zeichnung „Baron Haas“ in entsprechender Theaterrolle.
Krankheit und Tod
Das Ende seines Lebens ist ungewöhnlich gut dokumentiert.
Haas litt bereits seit Jahren an schweren gesundheitlichen Problemen. Schon 1912 war ein Nierenleiden lebensbedrohlich geworden. Ende 1925 verschlechterte sich sein Zustand dramatisch; zeitgenössische Berichte sprechen von einer Vereiterung der Niere, heftigen Schmerzen und zeitweiligen Gedächtnisstörungen.
Am Morgen des 26. Februar 1926 erschoss sich Philipp Freiherr Haas von Teichen in seinem Wiener Palais in der Waaggasse 6.
Die Neue Freie Presse berichtete darüber bereits am folgenden Tag unter der Überschrift:
„Selbstmord Philipp Haas-Teichens. Infolge eines quälenden Nervenleidens.“
Besonders ungewöhnlich war, dass Haas offenbar schon längere Zeit zuvor einen Brief für den Fall seines Todes vorbereitet und an die Redaktion der Neuen Freien Presse gerichtet hatte.
Darin standen auch die makaber-humoristischen Verse:
Der Ton entspricht durchaus jener eigenwilligen Mischung aus schwarzem Humor, Selbstinszenierung und Theaterhaftigkeit, die auch andere Zeugnisse über Haas erkennen lassen. Über seine inneren Motive sollte man dennoch nicht weiter spekulieren: Sicher belegt ist vor allem das schwere und langwierige körperliche Leiden.
Die Familiengruft am Wiener Zentralfriedhof
Philipp Haas von Teichen wurde in der monumentalen Familiengruft Haas auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.
Die Grabstätte befindet sich in den Alten Arkaden rechts, Gruft Nr. 18 und gehört zu den architektonisch aufwendigsten Grabanlagen dieses Bereichs.
Das beigefügte Foto zeigt den Mittelteil der Anlage. Über der Inschrift für Philipp Freiherr Haas-Teichen befindet sich die Büste seines Vaters Eduard Ritter von Haas, der 1880 in Nizza verstorben war. Seitlich befinden sich weitere Tafeln für Angehörige der Familie.
Als Gestalter des Grabdenkmals werden der Architekt Gustav Gugitz und der Bildhauer Johann Müller genannt.
Die Gruft ist damit nicht nur Begräbnisstätte einer Wiener Industriellenfamilie, sondern zugleich ein bemerkenswertes Denkmal jener gesellschaftlichen Stellung, welche die Familie Haas im Wien des 19. Jahrhunderts erreicht hatte.
Bild 3: Familiengruft Haas, Wiener Zentralfriedhof, Alte Arkaden.
Quellen und weiterführende Hinweise
Hinweis zur Quellenkritik: Auf der Internetseite des Universalmuseums Joanneum findet sich beim Tod von Philipp Haas von Teichen die Jahreszahl 1925. Dies dürfte ein redaktioneller Irrtum sein. Der zeitgenössische Bericht der Neuen Freien Presse sowie die bibliographischen Quellen belegen eindeutig den 26. Februar 1926.
Philipp Haas Freiherr von Teichen gehört zu jenen Persönlichkeiten der späten österreichisch-ungarischen Monarchie, bei denen wirtschaftlicher Erfolg, adelige Lebenswelt und ein ausgesprochen ungewöhnliches kulturelles Privatleben zusammentrafen.
Geboren wurde er am 18. November 1859 in Wien als Sohn des Großindustriellen Eduard Ritter von Haas (1827–1880). Sein Großvater Philipp Haas (1791–1870) hatte aus einer kleinen Wiener Weberei eines der bedeutendsten Textilunternehmen der Monarchie geschaffen. Seit 1851 firmierte das Unternehmen unter dem bekannten Namen „Philipp Haas & Söhne“.
Nach dem Tod seines Vaters 1880 trat der junge Philipp in dritter Generation an die Spitze des Familienunternehmens. Seine Ausbildung hatte ihn zuvor auch an die bedeutenden Textilzentren Lyon und Leeds geführt. Bereits 1883 wurde das Unternehmen unter Beteiligung der englischen Firma John Crossley in eine Aktiengesellschaft umgewandelt; Haas zog sich in weiterer Folge zunehmend aus der unmittelbaren Unternehmensführung zurück.
Das Haus Haas war damals längst weit mehr als eine gewöhnliche Teppichfabrik. Seine Möbelstoffe, Gobelins und Teppiche gehörten zu den international bekannten Erzeugnissen der österreichischen Kunstindustrie. Das monumentale Geschäftshaus der Firma gegenüber dem Stephansdom – der Vorgängerbau des heutigen Haas-Hauses – gehörte zu den auffälligsten Geschäftsbauten Wiens.
Der Freiherr „von Teichen“
Philipp Haas besaß in der Obersteiermark das Herrschaftsgut Teichen bei Kalwang und vergrößerte seinen Besitz um ausgedehnte Waldherrschaften. Nach diesem Besitz erhielt er 1898 bei seiner Erhebung in den Freiherrnstand das Prädikat „von Teichen“.
Die Verbindung zu Kalwang war keineswegs nur formaler Natur. Haas unterstützte die Gemeinde durch verschiedene Zuwendungen und wurde deshalb 1904 zum Ehrenbürger von Kalwang ernannt. Im selben Jahr veräußerte er das Herrschaftsgut Teichen an Rudolf Ritter von Gutmann.
Der Name lebt in der Landschaft bis heute fort: Teichen, Kurzteichen und Langteichen erinnern an jenes Gebiet, nach dem der Freiherr seinen Namenszusatz führte.
Auch mit dem mondänen österreichischen Seebad Abbazia, dem heutigen Opatija, war die Familie verbunden. Dort bestand eine Villa Haas-Teichen, die heute als Villa bzw. Hotel Ariston bekannt ist. In der architekturhistorischen Literatur wird sie genauer als Villa der Baronin Haas-Teichen bezeichnet; von einem persönlichen Alleineigentum Philipps sollte daher ohne weiteren Grundbuchnachweis besser nicht gesprochen werden.
Ein Großindustrieller auf der Theaterbühne
Eine besonders sympathische und heute fast vergessene Seite des Freiherrn zeigt sich in den beigefügten Abbildungen.
Bild 1: Philipp Freiherr Haas von Teichen als Grigorij Stepanowitsch Smirnow in Anton Tschechows 'Der Bär'.
Auf dem historischen Foto ist Haas ausdrücklich bezeichnet als:
„Philipp Freiherr Haas von Teichen als Grigorij Stepanowitsch Smirnow in A. Tschechows Groteske ‚Der Bär‘“.
Auch die beigefügte Zeichnung zeigt den bärtigen „Baron Haas“ in derselben auffälligen pelzverbrämten Erscheinung.
Damit war Haas jedoch keineswegs nur ein gelegentlicher Laiendarsteller. Bibliographische Quellen führen ihn ausdrücklich als Bühnenschriftsteller.
Zu seinen nachweisbaren Arbeiten zählt beispielsweise:
- Jagag'müath. Charakterskizze aus den Bergen in vier Aufzügen, Wien 1899,
- Ein Ehrenmann. Schwankendes Drama oder dramatischer Schwank in einem Aufzuge,
- Die Nihilistin. Dramatische Szene,
- sowie das Melodram Abendsonne.
Bei Abendsonne ergibt sich noch eine bemerkenswerte familiäre Verbindung: Die Musik schrieb seine Tochter Gisela („Gisa“) Haas von Teichen (1890–1945), später Gräfin Széchényi. Das Werk wurde am 6. April 1911 im Wiener Bürgertheater aufgeführt. Unter den Gästen befanden sich Mitglieder des Kaiserhauses und des Hochadels.
Der Teppichindustrielle war damit zugleich Autor, Schauspieler und Teil jener privaten und halböffentlichen Theaterkultur, die im gesellschaftlichen Leben der Wiener Oberschicht um 1900 eine nicht unbedeutende Rolle spielte.
Bild 2: Zeitgenössische Zeichnung „Baron Haas“ in entsprechender Theaterrolle.
Krankheit und Tod
Das Ende seines Lebens ist ungewöhnlich gut dokumentiert.
Haas litt bereits seit Jahren an schweren gesundheitlichen Problemen. Schon 1912 war ein Nierenleiden lebensbedrohlich geworden. Ende 1925 verschlechterte sich sein Zustand dramatisch; zeitgenössische Berichte sprechen von einer Vereiterung der Niere, heftigen Schmerzen und zeitweiligen Gedächtnisstörungen.
Am Morgen des 26. Februar 1926 erschoss sich Philipp Freiherr Haas von Teichen in seinem Wiener Palais in der Waaggasse 6.
Die Neue Freie Presse berichtete darüber bereits am folgenden Tag unter der Überschrift:
„Selbstmord Philipp Haas-Teichens. Infolge eines quälenden Nervenleidens.“
Besonders ungewöhnlich war, dass Haas offenbar schon längere Zeit zuvor einen Brief für den Fall seines Todes vorbereitet und an die Redaktion der Neuen Freien Presse gerichtet hatte.
Darin standen auch die makaber-humoristischen Verse:
Jetzt bin ich mausetot – juchhu!
Nirgends drückt mich mehr der Schuh!
Schönres kann es nich mehr geben.
Ich hab Ruh, der Tod soll leben!!!
Der Ton entspricht durchaus jener eigenwilligen Mischung aus schwarzem Humor, Selbstinszenierung und Theaterhaftigkeit, die auch andere Zeugnisse über Haas erkennen lassen. Über seine inneren Motive sollte man dennoch nicht weiter spekulieren: Sicher belegt ist vor allem das schwere und langwierige körperliche Leiden.
Die Familiengruft am Wiener Zentralfriedhof
Philipp Haas von Teichen wurde in der monumentalen Familiengruft Haas auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.
Die Grabstätte befindet sich in den Alten Arkaden rechts, Gruft Nr. 18 und gehört zu den architektonisch aufwendigsten Grabanlagen dieses Bereichs.
Das beigefügte Foto zeigt den Mittelteil der Anlage. Über der Inschrift für Philipp Freiherr Haas-Teichen befindet sich die Büste seines Vaters Eduard Ritter von Haas, der 1880 in Nizza verstorben war. Seitlich befinden sich weitere Tafeln für Angehörige der Familie.
Als Gestalter des Grabdenkmals werden der Architekt Gustav Gugitz und der Bildhauer Johann Müller genannt.
Die Gruft ist damit nicht nur Begräbnisstätte einer Wiener Industriellenfamilie, sondern zugleich ein bemerkenswertes Denkmal jener gesellschaftlichen Stellung, welche die Familie Haas im Wien des 19. Jahrhunderts erreicht hatte.
Bild 3: Familiengruft Haas, Wiener Zentralfriedhof, Alte Arkaden.
Quellen und weiterführende Hinweise
- Neue Freie Presse, Morgenblatt, 27. Februar 1926, S. 8: „Selbstmord Philipp Haas-Teichens. Infolge eines quälenden Nervenleidens“ – digital bei ANNO, Österreichische Nationalbibliothek.
- Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv Austria: Katalogzettel Philipp Haas von Teichen.
- Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950: Artikel zu Eduard Haas von Teppichen (Teichen).
- Neue Deutsche Biographie, Bd. 7: Artikel „Haas, Philipp“ mit genealogischen Angaben zu Philipp Freiherr von Teichen.
- Universalmuseum Joanneum, Museum für Geschichte: „Sommerfrische“ – Abschnitt zu Philipp Haas und Teichen bei Kalwang.
- WorldCat: Philipp Haas von Teichen, Jagag'müath. Charakterskizze aus den Bergen in vier Aufzügen, Wien 1899.
- Grand Piano / Naxos: Biographie Gisa Széchényi und Angaben zum Melodram Abendsonne.
- Wiener Zentralfriedhof, Alte Arkaden rechts, Gruft Nr. 18 – Familiengrab Haas.
Hinweis zur Quellenkritik: Auf der Internetseite des Universalmuseums Joanneum findet sich beim Tod von Philipp Haas von Teichen die Jahreszahl 1925. Dies dürfte ein redaktioneller Irrtum sein. Der zeitgenössische Bericht der Neuen Freien Presse sowie die bibliographischen Quellen belegen eindeutig den 26. Februar 1926.
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