Wernher von Braun (1912–1977) – Raketenpionier

Wernher von Braun (1912–1977) – Raketenpionier

1 Woche 4 Tage her
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Wernher von Braun (1912–1977) – Raketenpionier aus ostpreußischem Freiherrengeschlecht

Wernher Magnus Maximilian Freiherr von Braun, geboren am 23. März 1912 in Wirsitz in der Provinz Posen (heute Wyrzysk, Polen), gestorben am 16. Juni 1977 in Alexandria, Virginia, gehört zu den bedeutendsten, zugleich aber auch historisch ambivalentesten Raketentechnikern des 20. Jahrhunderts.

 

Zum Porträt

Der vorliegende Schwarzweißabzug, laut Objektbeschreibung 20,5 × 26 cm, zeigt von Braun im dunklen Anzug neben einer umfangreichen Reihe von Raketenmodellen. Auf mehreren Modellen sind die Beschriftungen „U.S. ARMY“ bzw. „UNITED STATES“ erkennbar. Über den Modellen befindet sich deutlich die Signatur „Wernher von Braun“.

Das Motiv lässt sich genauer bestimmen: Ein anderer Abzug derselben Aufnahme wurde 2024 bei Sotheby’s als „Wernher von Braun in His Office at NASA's Marshall Space Flight Center, ca. 1962“ katalogisiert. Die bisherige Bezeichnung „Huntsville, Alabama, um 1960“ kann daher sinnvoll zu „Huntsville, Alabama, Marshall Space Flight Center, ca. 1962“ präzisiert werden.

Eine Echtheitsbestimmung der eigenhändigen Signatur ist allein anhand des vorliegenden Scans naturgemäß nicht möglich.

Biographischer Abriss

Von Braun studierte Maschinenbau und Physik und wurde 1934 in Berlin promoviert. Seit 1937 war er Technischer Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde und spielte eine führende Rolle bei der Entwicklung des Aggregats 4, der später sogenannten V2.

Nach Kriegsende gelangte er mit einem Teil seines Teams in die Vereinigten Staaten. Von 1950 bis 1960 arbeitete er in Huntsville für die U.S. Army; 1955 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Von 1960 bis 1970 war er erster Direktor des neu gegründeten Marshall Space Flight Center der NASA und gehörte zu den maßgeblichen technischen Köpfen hinter der Saturn-Raketenfamilie und insbesondere der Saturn V des Apollo-Mondprogramms.

Eine heutige Würdigung muss zugleich seine Verstrickung in die nationalsozialistische Rüstung berücksichtigen. Von Braun war seit 1937 Mitglied der NSDAP und seit 1940 SS-Offizier, zuletzt SS-Sturmbannführer. Die neuere Forschung sowie die NASA dokumentieren, dass ihm der Einsatz von KZ-Häftlingen und die katastrophalen Bedingungen bei der unterirdischen V2-Produktion im Mittelwerk bei Nordhausen bekannt waren. Seine Rolle und Verantwortung hierbei bilden einen wesentlichen Bestandteil der heutigen historischen Bewertung seiner Person.

Adelsverleihung

Ergebnis: Die Adelsangabe ist genealogisch und adelsgeschichtlich bestätigt; eine persönliche Nobilitierung Wernher von Brauns fand jedoch nicht statt.

Die Familie von Braun gehört nach den genealogischen Standardwerken zum schlesischen Uradel. Das Gothaische Genealogische Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser führt die hier maßgebliche Linie unter „Braun (in Ostpreußen)“ und nennt einen böhmischen Freiherrenstand mit Wappenmehrung vom 31. Dezember 1699 sowie eine preußische Anerkennung des Freiherrenstandes vom 17. Dezember 1860.

Für Wernher von Brauns unmittelbare Linie ist besonders letztere Anerkennung entscheidend. Sein väterlicher Großvater

Maximilian Freiherr von Braun

* 20. März 1833
† 11. März 1918,

Gutsherr auf Neucken und königlich-preußischer Oberstleutnant a. D., gehörte zu den von der preußischen Anerkennung vom 17. Dezember 1860 erfassten Familienmitgliedern.

Wernher von Braun, 1912 geboren, führte den Freiherrenstand somit aufgrund seiner Abstammung und nicht aufgrund einer eigenen Standeserhebung. Mit der Weimarer Reichsverfassung von 1919 verloren Adelsbezeichnungen ihre öffentlich-rechtliche Standesqualität und wurden Bestandteil des Familiennamens.

Genealogische Notizen

Wernher von Brauns Vater war Magnus Alexander Maximilian Freiherr von Braun (1878–1972), Gutsherr auf Neucken, Beamter und später Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft. Seine Mutter war Emmy von Quistorp (1886–1959), Tochter des Gutsbesitzers und preußischen Herrenhausmitglieds Wernher Freiherrn von Quistorp (1856–1908) und der Marie von Below (1861–1903).

Väterlicherseits führt die unmittelbare Stammfolge damit:

Maximilian Freiherr von Braun (1833–1918)
oo 1864 Eleonore von Gostkowski (1842–1928)
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Magnus Freiherr von Braun (1878–1972)
oo 1910 Emmy von Quistorp (1886–1959)
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Wernher Freiherr von Braun (1912–1977)

Seine Brüder waren der spätere Diplomat Sigismund Freiherr von Braun (1911–1998) und der Ingenieur Magnus von Braun (1919–2003).

Am 1. März 1947 heiratete Wernher von Braun in Landshut Maria Luise von Quistorp (1928–2025), eine Cousine mütterlicherseits. Aus der Ehe gingen zwei Töchter und ein Sohn hervor.

Matrikel- und Quellenhinweise
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, 60. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1910, S. 83–84: „Braun (in Ostpreußen)“. Dort Nachweis des schlesischen Uradels, des böhmischen Freiherrenstandes von 1699 und der preußischen Anerkennung von 1860 sowie Maximilian von Braun und dessen Sohn Magnus.
  • Hans Friedrich von Ehrenkrook/Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser, A (Uradel), Bd. III = GHdA Bd. 21, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1959, S. 65–67.
  • Eduard Grigoleit: „Die Ahnen des Weltraum- und Raketenforschers Wernher Freiherr von Braun“, in: Familie und Volk 10 (1961), S. 261–267.
  • Michael J. Neufeld: „Braun, Wernher von“, NDB-online / Deutsche Biographie, 2023.
  • NASA: Wernher von Braun – Former Marshall Space Flight Center Director.
  • Sotheby’s, Space Exploration, 2024, Lot 2: signierte Fotografie desselben Motivs, datiert ca. 1962.
  • Weimarer Reichsverfassung 1919, Art. 109 Abs. 3 – Rechtsstellung der ehemaligen Adelsbezeichnungen.

Die Bezeichnung „Wernher von Braun“ verbindet eine ungewöhnlich gut dokumentierte ostpreußisch-preußische Adelsgenealogie mit einer der widersprüchlichsten Technikerbiographien des 20. Jahrhunderts. Das vorliegende signierte Porträt dürfte nicht lediglich allgemein „um 1960“, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit um 1962 in seinem Büro am Marshall Space Flight Center in Huntsville entstanden sein.
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