Johann Peter Ritter von Flick (1737–1812) und seine Erben
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Johann Peter Ritter von Flick (1737–1812) und seine Erben
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Johann Peter Ritter von Flick (1737–1812) und seine Erben – vom Tafeldecker zum Großindustriellen und Grundherrn
Johann Peter Ritter von Flick gehört zu den bemerkenswertesten Unternehmerpersönlichkeiten des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts im südwestlichen Mähren. Sein Lebensweg führte ihn aus vergleichsweise bescheidenen Verhältnissen über den herrschaftlichen Dienst zum Gründer einer bedeutenden Baumwollmanufaktur, zum Besitzer der Herrschaft Alt-Hart und schließlich in den österreichischen Ritterstand.
Grundlage der folgenden Darstellung ist die umfangreiche, quellenreiche Untersuchung:
Rudolf Hruschka: „Johann Peter Ritter von Flick und seine Erben“, in: Zeitschrift des Deutschen Vereines für die Geschichte Mährens und Schlesiens, 37. Jahrgang, Brünn 1935, Hefte 1/2 und 3/4. Vollständiger Artikel als Link in den Quellen.
Herkunft und frühe Jahre
Nach Hruschka wurde Johann Peter Flick am 24. Februar 1737 als Sohn des Kaufmannes Jakob Flick in einem im Aufsatz als „Tellitz-Kem“ beziehungsweise auf dem Grabstein als „Tellitz-Kem in Ostpreußen“ bezeichneten Ort geboren. Die genaue heutige Zuordnung dieses Geburtsortes bleibt klärungsbedürftig; in späteren genealogischen Darstellungen begegnet auch die Schreibweise „Teilnitz“.
Flick war ursprünglich Protestant beziehungsweise nach einer anderen Stelle des Aufsatzes Calvinist. Wann und wo er zum katholischen Glauben übertrat, konnte bereits Hruschka nicht mehr feststellen. Der Glaubenswechsel muss jedoch vor 1771 erfolgt sein.
Am 18. Juni 1771 heiratete Flick in der Pfarre St. Nikolaus in Znaim Theresia Erber, geboren am 21. Juli 1750 in Znaim. Sie war eine Tochter des Kirchenmusikers und späteren Organisten Christian Erber und dessen Ehefrau Sophie.
Hruschka berichtigt ausdrücklich die in älteren Darstellungen, unter anderem bei Gregor Wolny, enthaltene Angabe, Flicks Ehefrau sei eine „von Erben“ gewesen. Nach den von ihm ausgewerteten Znaimer Kirchenmatriken hieß sie eindeutig Theresia Erber. Erst nach der Nobilitierung ihres Mannes führte sie den Namen Theresia von Flick.
Flick als Diener des Grafen von Deblin
1772 stand Flick im Dienst des Besitzers der Herrschaft Alt-Hart, Josef Franz Graf von Deblin. In der Altharter Taufmatrik wird er zunächst als „servus“, also als Diener, und später als „triclinarius“, das heißt als Tafeldecker, bezeichnet.
Die Familie wohnte zunächst im herrschaftlichen Kleinhaus Nr. 14, später im Kleinhaus Nr. 20.
Damit widerlegt Hruschka eine in Alt-Hart verbreitete Sage, nach der Flick Leibjäger oder Büchsenspanner des Grafen von Deblin gewesen sei. Die Kirchenbücher weisen ihn vielmehr als Tafeldecker aus.
Die Ermordung des Grafen Josef Franz von Deblin
Am 21. Juni 1784 wurde Graf Josef Franz von Deblin im Waldrevier Lusthof bei Alt-Hart von Johann Schwarzinger überfallen und tödlich verletzt. Schwarzinger war ein aus der Festung Graz entflohener Deserteur des Karl-Toskanischen Infanterieregiments.
Nach den zeitgenössischen Nachrichten versetzte Schwarzinger dem Grafen mehrere Hiebe gegen den Kopf, schlug ihm die rechte Hand ab, verletzte die linke und raubte Geld, Uhr und Gewehr. Der schwer verwundete Graf wurde vom Revierjäger Philipp Poppauer gefunden und in die Jägerwohnung im Lusthof gebracht, wo er noch am selben Abend gegen 23.15 Uhr starb.
Schwarzinger wurde bereits am folgenden Tag im niederösterreichischen Grenzort Brunn aufgegriffen, dem Gericht in Iglau übergeben und zu lebenslanger Festungsstrafe auf dem Spielberg verurteilt. Er starb dort am 11. Oktober 1785 im Alter von 26 Jahren.
Die Sage vom verbrecherischen Diener Flick
Im örtlichen Sagengut wurde Flick später mit der Ermordung des Grafen in Verbindung gebracht. In unterschiedlichen Varianten soll er
Hruschka weist diese Erzählungen anhand der Matriken, Grundbücher, Landtafeln, Verlassenschaftsakten und zeitgenössischen Zeitungsmeldungen zurück.
Flick war zwar früher Diener des Grafen gewesen, hatte seine Stellung als Tafeldecker zur Zeit des Mordes aber bereits aufgegeben beziehungsweise befand sich schon im Übergang zum selbständigen Unternehmer. Vor allem gelangte er nicht durch ein Testament des ermordeten Grafen an die Herrschaft. Alt-Hart fiel aufgrund der bestehenden Fideikommissbestimmungen zunächst an den Staat und wurde Flick erst später ordnungsgemäß verpachtet und schließlich verkauft.
Die Verbindung Flicks mit dem Mordfall gehört daher in den Bereich der örtlichen Sagenbildung und ist historisch nicht haltbar.
Gründung der Baumwollmanufaktur
Am 8. Mai 1781 wird Flick erstmals als „Baumwollfaktor“ bezeichnet. Spätestens 1782 wohnte er in dem von ihm errichteten Fabriksgebäude Nr. 77 in Alt-Hart.
Die Fabrik dürfte nicht auf einmal, sondern durch schrittweise Erweiterungen entstanden sein. Der ursprünglich unregelmäßig viereckige Gebäudekomplex besaß im Erdgeschoß zwölf und im ersten Stock neun Räume. Auf dem Dach befand sich ein kleines Türmchen mit Viertel- und Stundenuhr.
Anfangs wurden vor allem Musselin, Pikee und Gradel erzeugt.
1787 erhielt Flick von Kaiser Joseph II. ein k. k. Fabriksprivileg. Als sichtbares Zeichen dieses Privilegs befanden sich auf den Torpfeilern der Fabrik zwei steinerne Putten. Eine hielt einen Schild mit den Initialen Flicks, die andere einen Schild mit dem kaiserlichen Adler.
Bereits um 1787 beschäftigte Flick
1791 richtete er eine Niederlage in Wien ein. 1797 waren bereits 90 Webstühle in Betrieb.
Die Fabrik erzeugte unter anderem Musselin, Musselinet, Frauenröcke, Kleiderstoffe, Tücher, Kammertücher, Kattun und Zitz. Ein erheblicher Teil der Produktion wurde nach Polen, Ungarn und Siebenbürgen verkauft.
1802 sollen etwa 400 Weber und 3.000 Spinner für das Unternehmen tätig gewesen sein. 1810 erreichte die Fabrik mit rund 25.000 Stück Baumwollzeug zu je 16 Wiener Ellen vermutlich ihren wirtschaftlichen Höhepunkt.
Damit zählte Alt-Hart neben Lettowitz und Pirnitz zu den bedeutenden Zentren der mährischen Baumwollindustrie.
Die Fabrik als Motor der Ortsentwicklung
Der wirtschaftliche Aufstieg der Fabrik veränderte Alt-Hart tiefgreifend. Facharbeiter, Weber, Drucker, Färber, Zeichner, Formstecher, Koloristen, Maschinenarbeiter, Buchhalter und Werkmeister zogen aus zahlreichen Regionen zu.
Als Herkunftsgebiete nennt Hruschka unter anderem:
Viele der aus den deutschen Ländern kommenden Arbeiter waren Protestanten. Einige traten in Alt-Hart zum katholischen Glauben über, andere blieben protestantisch, ließen ihre Kinder jedoch katholisch taufen.
Das Schloss von Alt-Hart wurde ab 1786 teilweise in den Fabriksbetrieb einbezogen. Es diente als Wohnung der Familie Flick, als Unterkunft für Angestellte sowie als Kanzlei, Warenlager, Gespunstmagazin, Farbküche, Laboratorium und Produktionsstätte.
Zwischen 1790 und 1808 wuchs Alt-Hart um 33 Häuser. Flick ließ selbst Wohn- und Fabriksgebäude errichten oder gestattete seinen Angestellten und Untertanen, auf herrschaftlichem Grund Häuser zu bauen.
Erbpacht der Herrschaft Alt-Hart
Am 27. Juni 1789 übernahm Johann Peter Flick die Herrschaft Alt-Hart, Neu-Hart und Mutten samt Qualkowitz in Erbpacht. Der jährliche Pachtzins betrug nach Hruschka 5.732 Gulden 20¼ Kreuzer.
Damit war Flick noch nicht Eigentümer der Herrschaft, sondern Erbpächter des staatlich verwalteten ehemaligen Deblin’schen Besitzes.
Seine Amtsführung als Grundherr beziehungsweise Erbpächter erscheint bei Hruschka zwiespältig. Einerseits trug Flick wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung, zum Bevölkerungswachstum und zum Wiederaufbau des 1790 abgebrannten Kirchturms bei. Andererseits schildert Hruschka mehrere Auseinandersetzungen mit den Bauern.
Nach einem Brand von 1790 verweigerte Flick geschädigten Untertanen sowohl eine vorübergehende Befreiung von der Robot als auch die kostenlose Bereitstellung von Bauholz. In einem weiteren Streit hielt er trotz gegenteiliger kreisamtlicher Entscheidungen Eichenstämme zurück, welche die Gemeinde Alt-Hart-Untergut auf ihrem Grund gefällt hatte.
Auch die von den Bauern 1803 gewünschte Ablösung der Naturalrobot durch Geldzahlungen kam unter Flick nicht zustande. Hruschka urteilt daher deutlich kritisch über dessen Verhältnis zu den Untertanen.
Diese Abschnitte sind allerdings auch als zeitgebundene Wertung des Autors zu lesen. Die überlieferten Akten zeigen jedenfalls einen wirtschaftlich streng rechnenden und seine vertraglichen Rechte konsequent verteidigenden Grundherrn.
Kauf der Herrschaft
Mit Hofdekret vom 30. August 1805 genehmigte Kaiser Franz II. den Verkauf der Herrschaft.
Der Kaufvertrag wurde am 1. August 1806 mit Johann Peter Flick, seiner Ehefrau Theresia und ihren Nachkommen abgeschlossen und am 26. September 1806 vom Kaiser bestätigt.
Zum Besitz gehörten Alt-Hart und Neu-Hart samt Qualkowitz sowie die zugehörigen Dörfer und Besitzungen, darunter Frauendorf, Margarethen, Mudlau, Mutten, Wenzelsdorf und Wispitz.
Der Kaufpreis betrug 114.646 Gulden 45 Kreuzer. Die Hälfte wurde sofort bezahlt, für die zweite Hälfte wurden fünfjährige Zahlungsfristen bei einer Verzinsung von fünf Prozent eingeräumt.
1807 verkaufte Flick zahlreiche bis dahin obrigkeitliche Bauernwirtschaften an die jeweiligen Inhaber. Damit wurden die Bauern Eigentümer ihrer Häuser und Grundstücke. Hruschka weist jedoch darauf hin, dass Flick dadurch zugleich erhebliche Geldmittel zur Bezahlung des Herrschaftskaufs gewann.
Erhebung in den Ritterstand
Aufgrund seiner „patriotischen Gesinnung“ und seiner Verdienste um Industrie und Landwirtschaft wurde Flick von der Regierung für eine Adelserhebung vorgeschlagen.
Am 23. März 1810 erfolgte seine Erhebung in den österreichischen Ritterstand. Seither führte er den Namen:
Johann Peter Ritter von Flick
Das Wappen
Nach Kadich und Blažek führte die Familie von Flick folgendes Wappen:
Halbgeteilt und gespalten:
Zwei gekrönte Helme:
Der Bienenkorb lässt sich als Sinnbild von Fleiß, Ordnung und gewerblicher Tätigkeit verstehen. Das Schiff könnte auf Handel und Absatz der Erzeugnisse verweisen, während der Turm möglicherweise Herrschaftsbesitz, Festigkeit oder Schutz symbolisiert.
Tod und Grabdenkmal
Johann Peter Ritter von Flick starb am 18. Mai 1812 in Alt-Hart im Alter von 75 Jahren, zwei Monaten und 23 Tagen.
Sein Grab befand sich auf dem alten Friedhof bei der Kirche von Alt-Hart. Das Grabmal zeigte eine geflügelte, in ein Tuch gehüllte männliche Gestalt als Personifikation des Todes. Die Figur hielt eine Steinplatte mit dem Familienwappen und der Inschrift:
„Johann Peter Ritter von Flick, geboren 24. Feber 1737 zu Tellitz-Kem in Ostpreußen; gestorben 18. Mai 1812. Ruhe seiner Asche, Freude seiner Seele.“
1912 ließ Dechant Anton Bärtek das Grabdenkmal gemeinsam mit dem Grabstein von Flicks Sohn Philipp zum Schutz vor Witterungseinflüssen in die Kirche übertragen.
Vermögen und Verlassenschaft
Die am 4. August 1812 vorgenommene Schätzung des Nachlasses ergab nach Hruschka folgende wesentliche Vermögenswerte:
Der Gesamtwert wurde mit 829.527 Gulden 48 Kreuzern berechnet. Nach Abzug der gemeinschaftlichen Schulden verblieb ein Reinvermögen von rund 802.775 Gulden.
Damit gehörte Flick bei seinem Tod zweifellos zu den vermögenden Unternehmern und Grundbesitzern der Monarchie.
Testament und Erben
In seinem Testament vom 12. Mai 1812 setzte Flick seine Ehefrau Theresia zur Universalerbin des nach Abzug der Pflichtteile, Legate und sonstigen Verbindlichkeiten verbleibenden Vermögens ein.
Das ererbte Vermögen durfte sie jedoch nur zugunsten ihrer gemeinsamen Kinder verwenden beziehungsweise testamentarisch weitergeben.
Als Erben beziehungsweise Repräsentanten der bereits verstorbenen Kinder werden in der Erbteilung genannt:
Daneben verfügte Flick mehrere Legate und eine Armenstiftung. Aus einem Stiftungskapital sollten regelmäßig zwei der ältesten und ärmsten Untertanen der Herrschaft unterstützt werden.
Die Kinder Johann Peter Flicks
Aus der Ehe mit Theresia Erber gingen nach Hruschka insgesamt 16 Kinder hervor, von denen mehrere jung starben:
Daneben hatte Flick einen um 1764 im Deutschen Reich geborenen außerehelichen Sohn Christophor. Dieser trat am 2. April 1782 in Alt-Hart vom Calvinismus zum katholischen Glauben über und wurde später Kontrollor in der väterlichen Fabrik.
Hruschka vermutet, dass Flick in seinem Testament von einer angeblichen ersten und zweiten Ehe sprach, um die außereheliche Geburt Christophors zu verschleiern. Einen Nachweis für eine tatsächlich vor 1771 geschlossene erste Ehe konnte er nicht finden.
Ausgewählte Nachkommen und Schwiegerkinder
Katharina Theresia von Flick
Katharina heiratete 1789 Anton Spina, Konzipist bei der mährisch-schlesischen Staatsgüter-Oberdirektion in Brünn. Nach dessen Tod heiratete sie 1807 den Sekretariatsadjunkten Johann Nepomuk Kurz.
Philipp Ritter von Flick
Philipp war Direktor der väterlichen Fabrik und heiratete 1804 Theresia Friedl, Tochter des Oberamtmannes von Bruck. Er starb bereits am 23. Mai 1806 an einem Blutsturz.
Seine Tochter Philippine von Flick erhielt aus dem Nachlass ihres Großvaters mehr als 20.000 Gulden. Sie starb 1827 ledig und hinterließ eine außereheliche Tochter namens Maria Aloisia.
Marie von Flick, verehelichte Vacano
Marie heiratete 1798 den Fabriksbuchhalter Anton Vacano. Dieser diente während der Kriege gegen Napoleon als Offizier und Hauptmann der mährischen Landwehr. Außerdem veröffentlichte er 1810 im „Hesperus“ eine Übersicht der österreichischen und mährischen Baumwollfabriken.
Das Ehepaar hatte neun in Alt-Hart geborene Kinder.
Thekla von Flick, verehelichte von Welzenstein
Thekla heiratete 1804 den k. k. Kreisamtssekretär Johann Ritter von Welzenstein. Das Ehepaar lebte später in Trumau in Niederösterreich.
Josef von Flick
Josef schlug zunächst die militärische Laufbahn ein, war 1808 Leutnant und 1810 Oberleutnant. Später wurde er Mitbesitzer von Fabrik und Herrschaft.
1820 verzichtete er zugunsten seines Bruders Johann Max auf seinen Anteil und trat wieder in den Staats- beziehungsweise Militärdienst. 1831 war er Katastralschätzungskommissär in Wels und 1839 Gubernial-Wappenarchivar in Triest.
Vinzenz von Flick
Vinzenz leitete die Altharter Wollspinnmaschinenanlage. 1818 heiratete er heimlich Katharina Flick, eine Tochter seines Halbbruders Christophor und damit seine Nichte.
Später war er Gastwirt in Wienerbruck. Er starb um 1831 völlig verschuldet. Seine Witwe Katharina lebte in Alt-Hart in großer Armut und starb dort 1839.
Alois von Flick
Alois, der Zwillingsbruder des Vinzenz, war k. k. Katastralschätzungsinspektor.
Helene von Flick, verehelichte Rißler
Helene heiratete 1806 den Kaufmann Jeremias Rißler aus Mühlhausen.
Dominik von Flick
Dominik studierte Rechtswissenschaften und nahm als Offizier an den Feldzügen von 1813 und 1815 teil. Später war er Verwalter der Herrschaften Alt-Hart und Jamnitz.
Er heiratete zunächst Theresia Friedländer, eine zum katholischen Glauben konvertierte Jüdin und Witwe des Altharter Wundarztes Johann Kiridus. Nach ihrem Tod heiratete er Aloisia Trampusch.
Dominik bezeichnete sich 1843 als „Oberdirigent und Mitglied mehrerer gelehrter Gesellschaften“. Später war er Gutsdirektor im Dienste des Grafen Moritz Sándor, gerichtlicher Schätzmann und Mitglied mehrerer Katastralschätzungskommissionen. Außerdem veröffentlichte er landwirtschaftliche Schriften. Er starb 1856.
Wilhelm von Flick
Wilhelm war 1812 Kadett in einem Banater Grenzregiment und 1819 Leutnant im Infanterieregiment Kutschera Nr. 28. Er starb vermutlich 1825 in Kirchberg am Walde.
Johann Max von Flick und das Ende des Familienbesitzes
Nach dem Tod des Vaters wurde Johann Max von Flick zur zentralen Persönlichkeit der Familie.
Die Fabrik übernahm er bereits am 24. August 1812. Zunächst führte er sie gemeinsam mit seinem Bruder Josef und seiner Schwester Marie Vacano, später allein.
1815 kaufte er von seiner Mutter das Gut Qualkowitz um 40.000 Gulden.
Mit Vertrag vom 24. August 1818 übertrug Theresia von Flick die Herrschaft Alt-Hart, Neu-Hart und Mutten an die Kinder Johann Max, Josef und Marie Vacano. Marie schied 1819 aus der Eigentümergemeinschaft aus. Josef verzichtete 1820 zugunsten Johann Max’ auf seinen Anteil.
Johann Max war damit alleiniger Eigentümer von
Der Besitz war jedoch stark verschuldet. Johann Max verkaufte daher die gesamte Herrschaft samt den Fabriken mit Vertrag vom 27. Dezember 1823 um 270.785 Gulden Konventionsmünze an Gräfin Therese von Trauttmansdorff, geborene Gräfin Nádasdy.
Damit endete bereits rund elf Jahre nach dem Tod des Familiengründers die Herrschaft der Familie von Flick über Alt-Hart.
Johann Max übersiedelte später nach Sitzgras. Dort betrieb seine Familie eine Fabrik für chemische Produkte, unter anderem Grünspan, Berlinerblau, Holzsäure und Bleizuckerersatz. Das Unternehmen geriet jedoch ebenfalls in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde schließlich aufgegeben.
Historische Bedeutung
Johann Peter Ritter von Flick verkörpert den sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg des frühindustriellen Unternehmertums in der Habsburgermonarchie.
Innerhalb von rund vier Jahrzehnten entwickelte er sich
Seine Fabrik brachte Kapital, Facharbeiter und neue Produktionsmethoden in eine zuvor überwiegend landwirtschaftlich geprägte Region. Alt-Hart wurde zeitweilig zu einem bedeutenden Industrieort mit weitreichenden Handelsbeziehungen.
Sein Bild bleibt dennoch widersprüchlich. Hruschka würdigt Flicks Fleiß, Arbeitskraft und unternehmerische Leistung, schildert ihn gegenüber seinen bäuerlichen Untertanen aber auch als hart, eigennützig und wenig kompromissbereit.
Gerade diese Gegensätze machen seine Biografie interessant: Flick war kein sagenhafter Verbrecher, der durch Mord und Testamentsfälschung zu Reichtum gelangte, sondern ein außergewöhnlich erfolgreicher Unternehmer – allerdings auch ein Grundherr, der die sozialen Vorstellungen und wirtschaftlichen Interessen seiner Zeit konsequent vertrat.
Bewertung der örtlichen Überlieferung
Der besondere Wert von Hruschkas Untersuchung liegt im Vergleich von Sage und archivalisch belegbarer Geschichte.
Als gesichert gelten können:
Nicht belegt und nach dem Aktenbefund historisch unhaltbar sind dagegen:
Offene Forschungsfragen
Quellen und Literatur
Rudolf Hruschka: Johann Peter Ritter von Flick und seine Erben, in: Zeitschrift des Deutschen Vereines für die Geschichte Mährens und Schlesiens, 37. Jahrgang, Brünn 1935, Hefte 1/2 und 3/4, S. 11–23 und 49–75.
Adalbert Král von Dobrá Voda: Der Adel von Böhmen, Mähren und Schlesien, Prag 1904, S. 59.
Heinrich Kadich von Pferd und Konrad Blažek: Der mährische Adel, Nürnberg 1899, S. 31 und Tafel 22.
Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren topographisch, statistisch und historisch geschildert, Band III: Znaimer Kreis, Brünn 1837.
Johann Slokar: Geschichte der österreichischen Industrie und ihrer Förderung unter Kaiser Franz I., Wien 1914.
Balthasar Strach: Der Hauptmann Vacano in Mähren, in: Hesperus, 1811, S. 101–106.
Anton Vacano: Übersicht der österreichischen und mährischen Cottonfabriken, in: Hesperus, 1810, S. 192–202.
Brünner Zeitung, Jahrgang 1784, insbesondere Nr. 51 und Nr. 53; Jahrgang 1785, Nr. 84.
Mährische Landtafel, Güter- beziehungsweise Landtafelquaterne des Znaimer Kreises.
Verlassenschaftsakten des mährisch-schlesischen Landrechts, insbesondere Signatur 13/904.
Digitalisat der Zeitschrift des Deutschen Vereines für die Geschichte Mährens und Schlesiens, Jahrgang 1935
Staré Hobzí – heutige tschechische Bezeichnung von Alt-Hart
Johann Peter Ritter von Flick gehört zu den bemerkenswertesten Unternehmerpersönlichkeiten des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts im südwestlichen Mähren. Sein Lebensweg führte ihn aus vergleichsweise bescheidenen Verhältnissen über den herrschaftlichen Dienst zum Gründer einer bedeutenden Baumwollmanufaktur, zum Besitzer der Herrschaft Alt-Hart und schließlich in den österreichischen Ritterstand.
Grundlage der folgenden Darstellung ist die umfangreiche, quellenreiche Untersuchung:
Rudolf Hruschka: „Johann Peter Ritter von Flick und seine Erben“, in: Zeitschrift des Deutschen Vereines für die Geschichte Mährens und Schlesiens, 37. Jahrgang, Brünn 1935, Hefte 1/2 und 3/4. Vollständiger Artikel als Link in den Quellen.
Herkunft und frühe Jahre
Nach Hruschka wurde Johann Peter Flick am 24. Februar 1737 als Sohn des Kaufmannes Jakob Flick in einem im Aufsatz als „Tellitz-Kem“ beziehungsweise auf dem Grabstein als „Tellitz-Kem in Ostpreußen“ bezeichneten Ort geboren. Die genaue heutige Zuordnung dieses Geburtsortes bleibt klärungsbedürftig; in späteren genealogischen Darstellungen begegnet auch die Schreibweise „Teilnitz“.
Flick war ursprünglich Protestant beziehungsweise nach einer anderen Stelle des Aufsatzes Calvinist. Wann und wo er zum katholischen Glauben übertrat, konnte bereits Hruschka nicht mehr feststellen. Der Glaubenswechsel muss jedoch vor 1771 erfolgt sein.
Am 18. Juni 1771 heiratete Flick in der Pfarre St. Nikolaus in Znaim Theresia Erber, geboren am 21. Juli 1750 in Znaim. Sie war eine Tochter des Kirchenmusikers und späteren Organisten Christian Erber und dessen Ehefrau Sophie.
Hruschka berichtigt ausdrücklich die in älteren Darstellungen, unter anderem bei Gregor Wolny, enthaltene Angabe, Flicks Ehefrau sei eine „von Erben“ gewesen. Nach den von ihm ausgewerteten Znaimer Kirchenmatriken hieß sie eindeutig Theresia Erber. Erst nach der Nobilitierung ihres Mannes führte sie den Namen Theresia von Flick.
Flick als Diener des Grafen von Deblin
1772 stand Flick im Dienst des Besitzers der Herrschaft Alt-Hart, Josef Franz Graf von Deblin. In der Altharter Taufmatrik wird er zunächst als „servus“, also als Diener, und später als „triclinarius“, das heißt als Tafeldecker, bezeichnet.
Die Familie wohnte zunächst im herrschaftlichen Kleinhaus Nr. 14, später im Kleinhaus Nr. 20.
Damit widerlegt Hruschka eine in Alt-Hart verbreitete Sage, nach der Flick Leibjäger oder Büchsenspanner des Grafen von Deblin gewesen sei. Die Kirchenbücher weisen ihn vielmehr als Tafeldecker aus.
Die Ermordung des Grafen Josef Franz von Deblin
Am 21. Juni 1784 wurde Graf Josef Franz von Deblin im Waldrevier Lusthof bei Alt-Hart von Johann Schwarzinger überfallen und tödlich verletzt. Schwarzinger war ein aus der Festung Graz entflohener Deserteur des Karl-Toskanischen Infanterieregiments.
Nach den zeitgenössischen Nachrichten versetzte Schwarzinger dem Grafen mehrere Hiebe gegen den Kopf, schlug ihm die rechte Hand ab, verletzte die linke und raubte Geld, Uhr und Gewehr. Der schwer verwundete Graf wurde vom Revierjäger Philipp Poppauer gefunden und in die Jägerwohnung im Lusthof gebracht, wo er noch am selben Abend gegen 23.15 Uhr starb.
Schwarzinger wurde bereits am folgenden Tag im niederösterreichischen Grenzort Brunn aufgegriffen, dem Gericht in Iglau übergeben und zu lebenslanger Festungsstrafe auf dem Spielberg verurteilt. Er starb dort am 11. Oktober 1785 im Alter von 26 Jahren.
Die Sage vom verbrecherischen Diener Flick
Im örtlichen Sagengut wurde Flick später mit der Ermordung des Grafen in Verbindung gebracht. In unterschiedlichen Varianten soll er
- den Mörder Schwarzinger gedungen,
- ein Testament gefälscht,
- eine Erbin des Grafen vergiftet oder
- sich auf andere unrechtmäßige Weise in den Besitz der Herrschaft gebracht haben.
Hruschka weist diese Erzählungen anhand der Matriken, Grundbücher, Landtafeln, Verlassenschaftsakten und zeitgenössischen Zeitungsmeldungen zurück.
Flick war zwar früher Diener des Grafen gewesen, hatte seine Stellung als Tafeldecker zur Zeit des Mordes aber bereits aufgegeben beziehungsweise befand sich schon im Übergang zum selbständigen Unternehmer. Vor allem gelangte er nicht durch ein Testament des ermordeten Grafen an die Herrschaft. Alt-Hart fiel aufgrund der bestehenden Fideikommissbestimmungen zunächst an den Staat und wurde Flick erst später ordnungsgemäß verpachtet und schließlich verkauft.
Die Verbindung Flicks mit dem Mordfall gehört daher in den Bereich der örtlichen Sagenbildung und ist historisch nicht haltbar.
Gründung der Baumwollmanufaktur
Am 8. Mai 1781 wird Flick erstmals als „Baumwollfaktor“ bezeichnet. Spätestens 1782 wohnte er in dem von ihm errichteten Fabriksgebäude Nr. 77 in Alt-Hart.
Die Fabrik dürfte nicht auf einmal, sondern durch schrittweise Erweiterungen entstanden sein. Der ursprünglich unregelmäßig viereckige Gebäudekomplex besaß im Erdgeschoß zwölf und im ersten Stock neun Räume. Auf dem Dach befand sich ein kleines Türmchen mit Viertel- und Stundenuhr.
Anfangs wurden vor allem Musselin, Pikee und Gradel erzeugt.
1787 erhielt Flick von Kaiser Joseph II. ein k. k. Fabriksprivileg. Als sichtbares Zeichen dieses Privilegs befanden sich auf den Torpfeilern der Fabrik zwei steinerne Putten. Eine hielt einen Schild mit den Initialen Flicks, die andere einen Schild mit dem kaiserlichen Adler.
Bereits um 1787 beschäftigte Flick
- 65 Personen an 19 Webstühlen in der Fabrik und
- etwa 200 weitere Webstühle im Raum Zlabings sowie im böhmisch-niederösterreichischen Grenzgebiet.
1791 richtete er eine Niederlage in Wien ein. 1797 waren bereits 90 Webstühle in Betrieb.
Die Fabrik erzeugte unter anderem Musselin, Musselinet, Frauenröcke, Kleiderstoffe, Tücher, Kammertücher, Kattun und Zitz. Ein erheblicher Teil der Produktion wurde nach Polen, Ungarn und Siebenbürgen verkauft.
1802 sollen etwa 400 Weber und 3.000 Spinner für das Unternehmen tätig gewesen sein. 1810 erreichte die Fabrik mit rund 25.000 Stück Baumwollzeug zu je 16 Wiener Ellen vermutlich ihren wirtschaftlichen Höhepunkt.
Damit zählte Alt-Hart neben Lettowitz und Pirnitz zu den bedeutenden Zentren der mährischen Baumwollindustrie.
Die Fabrik als Motor der Ortsentwicklung
Der wirtschaftliche Aufstieg der Fabrik veränderte Alt-Hart tiefgreifend. Facharbeiter, Weber, Drucker, Färber, Zeichner, Formstecher, Koloristen, Maschinenarbeiter, Buchhalter und Werkmeister zogen aus zahlreichen Regionen zu.
Als Herkunftsgebiete nennt Hruschka unter anderem:
- Böhmen und Mähren,
- Niederösterreich,
- Ungarn,
- Sachsen, Brandenburg, Ostpreußen und Schlesien,
- die Pfalz,
- die Schweiz und
- Italien.
Viele der aus den deutschen Ländern kommenden Arbeiter waren Protestanten. Einige traten in Alt-Hart zum katholischen Glauben über, andere blieben protestantisch, ließen ihre Kinder jedoch katholisch taufen.
Das Schloss von Alt-Hart wurde ab 1786 teilweise in den Fabriksbetrieb einbezogen. Es diente als Wohnung der Familie Flick, als Unterkunft für Angestellte sowie als Kanzlei, Warenlager, Gespunstmagazin, Farbküche, Laboratorium und Produktionsstätte.
Zwischen 1790 und 1808 wuchs Alt-Hart um 33 Häuser. Flick ließ selbst Wohn- und Fabriksgebäude errichten oder gestattete seinen Angestellten und Untertanen, auf herrschaftlichem Grund Häuser zu bauen.
Erbpacht der Herrschaft Alt-Hart
Am 27. Juni 1789 übernahm Johann Peter Flick die Herrschaft Alt-Hart, Neu-Hart und Mutten samt Qualkowitz in Erbpacht. Der jährliche Pachtzins betrug nach Hruschka 5.732 Gulden 20¼ Kreuzer.
Damit war Flick noch nicht Eigentümer der Herrschaft, sondern Erbpächter des staatlich verwalteten ehemaligen Deblin’schen Besitzes.
Seine Amtsführung als Grundherr beziehungsweise Erbpächter erscheint bei Hruschka zwiespältig. Einerseits trug Flick wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung, zum Bevölkerungswachstum und zum Wiederaufbau des 1790 abgebrannten Kirchturms bei. Andererseits schildert Hruschka mehrere Auseinandersetzungen mit den Bauern.
Nach einem Brand von 1790 verweigerte Flick geschädigten Untertanen sowohl eine vorübergehende Befreiung von der Robot als auch die kostenlose Bereitstellung von Bauholz. In einem weiteren Streit hielt er trotz gegenteiliger kreisamtlicher Entscheidungen Eichenstämme zurück, welche die Gemeinde Alt-Hart-Untergut auf ihrem Grund gefällt hatte.
Auch die von den Bauern 1803 gewünschte Ablösung der Naturalrobot durch Geldzahlungen kam unter Flick nicht zustande. Hruschka urteilt daher deutlich kritisch über dessen Verhältnis zu den Untertanen.
Diese Abschnitte sind allerdings auch als zeitgebundene Wertung des Autors zu lesen. Die überlieferten Akten zeigen jedenfalls einen wirtschaftlich streng rechnenden und seine vertraglichen Rechte konsequent verteidigenden Grundherrn.
Kauf der Herrschaft
Mit Hofdekret vom 30. August 1805 genehmigte Kaiser Franz II. den Verkauf der Herrschaft.
Der Kaufvertrag wurde am 1. August 1806 mit Johann Peter Flick, seiner Ehefrau Theresia und ihren Nachkommen abgeschlossen und am 26. September 1806 vom Kaiser bestätigt.
Zum Besitz gehörten Alt-Hart und Neu-Hart samt Qualkowitz sowie die zugehörigen Dörfer und Besitzungen, darunter Frauendorf, Margarethen, Mudlau, Mutten, Wenzelsdorf und Wispitz.
Der Kaufpreis betrug 114.646 Gulden 45 Kreuzer. Die Hälfte wurde sofort bezahlt, für die zweite Hälfte wurden fünfjährige Zahlungsfristen bei einer Verzinsung von fünf Prozent eingeräumt.
1807 verkaufte Flick zahlreiche bis dahin obrigkeitliche Bauernwirtschaften an die jeweiligen Inhaber. Damit wurden die Bauern Eigentümer ihrer Häuser und Grundstücke. Hruschka weist jedoch darauf hin, dass Flick dadurch zugleich erhebliche Geldmittel zur Bezahlung des Herrschaftskaufs gewann.
Erhebung in den Ritterstand
Aufgrund seiner „patriotischen Gesinnung“ und seiner Verdienste um Industrie und Landwirtschaft wurde Flick von der Regierung für eine Adelserhebung vorgeschlagen.
Am 23. März 1810 erfolgte seine Erhebung in den österreichischen Ritterstand. Seither führte er den Namen:
Johann Peter Ritter von Flick
Das Wappen
Nach Kadich und Blažek führte die Familie von Flick folgendes Wappen:
Halbgeteilt und gespalten:
- Feld 1: in Schwarz ein goldener Bienenkorb, umschwärmt von sechs goldenen Bienen;
- Feld 2: in Gold auf grünem Boden ein Turm mit drei Zinnen, einem Fenster und geschlossenem Tor;
- Feld 3: in Blau ein silbernes Schiff mit gespanntem Segel.
Zwei gekrönte Helme:
- Helm I: drei Straußenfedern in Schwarz, Gold und Schwarz; Decken schwarz-golden;
- Helm II: ein geschlossener, von Blau und Silber gevierter Flug; Decken blau-silbern.
Der Bienenkorb lässt sich als Sinnbild von Fleiß, Ordnung und gewerblicher Tätigkeit verstehen. Das Schiff könnte auf Handel und Absatz der Erzeugnisse verweisen, während der Turm möglicherweise Herrschaftsbesitz, Festigkeit oder Schutz symbolisiert.
Tod und Grabdenkmal
Johann Peter Ritter von Flick starb am 18. Mai 1812 in Alt-Hart im Alter von 75 Jahren, zwei Monaten und 23 Tagen.
Sein Grab befand sich auf dem alten Friedhof bei der Kirche von Alt-Hart. Das Grabmal zeigte eine geflügelte, in ein Tuch gehüllte männliche Gestalt als Personifikation des Todes. Die Figur hielt eine Steinplatte mit dem Familienwappen und der Inschrift:
„Johann Peter Ritter von Flick, geboren 24. Feber 1737 zu Tellitz-Kem in Ostpreußen; gestorben 18. Mai 1812. Ruhe seiner Asche, Freude seiner Seele.“
1912 ließ Dechant Anton Bärtek das Grabdenkmal gemeinsam mit dem Grabstein von Flicks Sohn Philipp zum Schutz vor Witterungseinflüssen in die Kirche übertragen.
Vermögen und Verlassenschaft
Die am 4. August 1812 vorgenommene Schätzung des Nachlasses ergab nach Hruschka folgende wesentliche Vermögenswerte:
- Herrschaft Alt- und Neu-Hart samt Qualkowitz: rund 584.000 Gulden,
- Fabrik: rund 189.000 Gulden,
- Amtsbestände: rund 35.000 Gulden,
- Bargeld: rund 34.000 Gulden,
- Wertgegenstände: rund 3.200 Gulden,
- Trumauer Wirtschaft: 25.000 Gulden.
Der Gesamtwert wurde mit 829.527 Gulden 48 Kreuzern berechnet. Nach Abzug der gemeinschaftlichen Schulden verblieb ein Reinvermögen von rund 802.775 Gulden.
Damit gehörte Flick bei seinem Tod zweifellos zu den vermögenden Unternehmern und Grundbesitzern der Monarchie.
Testament und Erben
In seinem Testament vom 12. Mai 1812 setzte Flick seine Ehefrau Theresia zur Universalerbin des nach Abzug der Pflichtteile, Legate und sonstigen Verbindlichkeiten verbleibenden Vermögens ein.
Das ererbte Vermögen durfte sie jedoch nur zugunsten ihrer gemeinsamen Kinder verwenden beziehungsweise testamentarisch weitergeben.
Als Erben beziehungsweise Repräsentanten der bereits verstorbenen Kinder werden in der Erbteilung genannt:
- Katharina, verehelichte Kurz,
- Marie, verehelichte Vacano,
- Johann Max von Flick,
- Josef von Flick,
- Thekla, verehelichte von Welzenstein,
- Helene, verehelichte Rißler,
- Alois von Flick,
- Vinzenz von Flick,
- Dominik von Flick,
- Wilhelm von Flick,
- Philippine von Flick als Tochter des verstorbenen Philipp,
- Friedrich und Katharina als Kinder beziehungsweise Repräsentanten des Christophor Flick.
Daneben verfügte Flick mehrere Legate und eine Armenstiftung. Aus einem Stiftungskapital sollten regelmäßig zwei der ältesten und ärmsten Untertanen der Herrschaft unterstützt werden.
Die Kinder Johann Peter Flicks
Aus der Ehe mit Theresia Erber gingen nach Hruschka insgesamt 16 Kinder hervor, von denen mehrere jung starben:
- Katharina Theresia, geboren 26. April 1772,
- Philipp, geboren 6. Februar 1774,
- Eleonora, geboren 18. Februar 1776,
- Johann Leopold, geboren 23. April 1777, gestorben 1780,
- Maria Anna Franziska, genannt Marie, geboren 6. Februar 1779,
- Johann beziehungsweise Johann Max, geboren 18. November 1780,
- Elisabeth Katharina, geboren 11. November 1782,
- Thekla Theresia, geboren 23. August 1784,
- Josef, geboren 8. Januar 1786,
- Euphemia Magdalena, geboren 27. Januar 1787, gestorben 1788,
- Franz Jakob, geboren 26. Februar 1788, gestorben im März 1788,
- die Zwillinge Alois Raimund und Vinzenz Ignaz, geboren 20. Juni 1789,
- Helene, geboren 18. August 1790,
- Dominik, geboren 21. Januar 1792,
- Wilhelm Anton, geboren 30. März 1794.
Daneben hatte Flick einen um 1764 im Deutschen Reich geborenen außerehelichen Sohn Christophor. Dieser trat am 2. April 1782 in Alt-Hart vom Calvinismus zum katholischen Glauben über und wurde später Kontrollor in der väterlichen Fabrik.
Hruschka vermutet, dass Flick in seinem Testament von einer angeblichen ersten und zweiten Ehe sprach, um die außereheliche Geburt Christophors zu verschleiern. Einen Nachweis für eine tatsächlich vor 1771 geschlossene erste Ehe konnte er nicht finden.
Ausgewählte Nachkommen und Schwiegerkinder
Katharina Theresia von Flick
Katharina heiratete 1789 Anton Spina, Konzipist bei der mährisch-schlesischen Staatsgüter-Oberdirektion in Brünn. Nach dessen Tod heiratete sie 1807 den Sekretariatsadjunkten Johann Nepomuk Kurz.
Philipp Ritter von Flick
Philipp war Direktor der väterlichen Fabrik und heiratete 1804 Theresia Friedl, Tochter des Oberamtmannes von Bruck. Er starb bereits am 23. Mai 1806 an einem Blutsturz.
Seine Tochter Philippine von Flick erhielt aus dem Nachlass ihres Großvaters mehr als 20.000 Gulden. Sie starb 1827 ledig und hinterließ eine außereheliche Tochter namens Maria Aloisia.
Marie von Flick, verehelichte Vacano
Marie heiratete 1798 den Fabriksbuchhalter Anton Vacano. Dieser diente während der Kriege gegen Napoleon als Offizier und Hauptmann der mährischen Landwehr. Außerdem veröffentlichte er 1810 im „Hesperus“ eine Übersicht der österreichischen und mährischen Baumwollfabriken.
Das Ehepaar hatte neun in Alt-Hart geborene Kinder.
Thekla von Flick, verehelichte von Welzenstein
Thekla heiratete 1804 den k. k. Kreisamtssekretär Johann Ritter von Welzenstein. Das Ehepaar lebte später in Trumau in Niederösterreich.
Josef von Flick
Josef schlug zunächst die militärische Laufbahn ein, war 1808 Leutnant und 1810 Oberleutnant. Später wurde er Mitbesitzer von Fabrik und Herrschaft.
1820 verzichtete er zugunsten seines Bruders Johann Max auf seinen Anteil und trat wieder in den Staats- beziehungsweise Militärdienst. 1831 war er Katastralschätzungskommissär in Wels und 1839 Gubernial-Wappenarchivar in Triest.
Vinzenz von Flick
Vinzenz leitete die Altharter Wollspinnmaschinenanlage. 1818 heiratete er heimlich Katharina Flick, eine Tochter seines Halbbruders Christophor und damit seine Nichte.
Später war er Gastwirt in Wienerbruck. Er starb um 1831 völlig verschuldet. Seine Witwe Katharina lebte in Alt-Hart in großer Armut und starb dort 1839.
Alois von Flick
Alois, der Zwillingsbruder des Vinzenz, war k. k. Katastralschätzungsinspektor.
Helene von Flick, verehelichte Rißler
Helene heiratete 1806 den Kaufmann Jeremias Rißler aus Mühlhausen.
Dominik von Flick
Dominik studierte Rechtswissenschaften und nahm als Offizier an den Feldzügen von 1813 und 1815 teil. Später war er Verwalter der Herrschaften Alt-Hart und Jamnitz.
Er heiratete zunächst Theresia Friedländer, eine zum katholischen Glauben konvertierte Jüdin und Witwe des Altharter Wundarztes Johann Kiridus. Nach ihrem Tod heiratete er Aloisia Trampusch.
Dominik bezeichnete sich 1843 als „Oberdirigent und Mitglied mehrerer gelehrter Gesellschaften“. Später war er Gutsdirektor im Dienste des Grafen Moritz Sándor, gerichtlicher Schätzmann und Mitglied mehrerer Katastralschätzungskommissionen. Außerdem veröffentlichte er landwirtschaftliche Schriften. Er starb 1856.
Wilhelm von Flick
Wilhelm war 1812 Kadett in einem Banater Grenzregiment und 1819 Leutnant im Infanterieregiment Kutschera Nr. 28. Er starb vermutlich 1825 in Kirchberg am Walde.
Johann Max von Flick und das Ende des Familienbesitzes
Nach dem Tod des Vaters wurde Johann Max von Flick zur zentralen Persönlichkeit der Familie.
Die Fabrik übernahm er bereits am 24. August 1812. Zunächst führte er sie gemeinsam mit seinem Bruder Josef und seiner Schwester Marie Vacano, später allein.
1815 kaufte er von seiner Mutter das Gut Qualkowitz um 40.000 Gulden.
Mit Vertrag vom 24. August 1818 übertrug Theresia von Flick die Herrschaft Alt-Hart, Neu-Hart und Mutten an die Kinder Johann Max, Josef und Marie Vacano. Marie schied 1819 aus der Eigentümergemeinschaft aus. Josef verzichtete 1820 zugunsten Johann Max’ auf seinen Anteil.
Johann Max war damit alleiniger Eigentümer von
- Alt-Hart,
- Neu-Hart,
- Mutten,
- Qualkowitz,
- der Zitz- und Baumwollfabrik,
- der Spinnfabrik und
- weiterer gewerblicher Anlagen.
Der Besitz war jedoch stark verschuldet. Johann Max verkaufte daher die gesamte Herrschaft samt den Fabriken mit Vertrag vom 27. Dezember 1823 um 270.785 Gulden Konventionsmünze an Gräfin Therese von Trauttmansdorff, geborene Gräfin Nádasdy.
Damit endete bereits rund elf Jahre nach dem Tod des Familiengründers die Herrschaft der Familie von Flick über Alt-Hart.
Johann Max übersiedelte später nach Sitzgras. Dort betrieb seine Familie eine Fabrik für chemische Produkte, unter anderem Grünspan, Berlinerblau, Holzsäure und Bleizuckerersatz. Das Unternehmen geriet jedoch ebenfalls in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde schließlich aufgegeben.
Historische Bedeutung
Johann Peter Ritter von Flick verkörpert den sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg des frühindustriellen Unternehmertums in der Habsburgermonarchie.
Innerhalb von rund vier Jahrzehnten entwickelte er sich
- vom herrschaftlichen Tafeldecker,
- zum Baumwollfaktor,
- zum Fabrikanten,
- zum Großunternehmer,
- zum Erbpächter und Eigentümer einer Herrschaft und
- zum Angehörigen des Ritterstandes.
Seine Fabrik brachte Kapital, Facharbeiter und neue Produktionsmethoden in eine zuvor überwiegend landwirtschaftlich geprägte Region. Alt-Hart wurde zeitweilig zu einem bedeutenden Industrieort mit weitreichenden Handelsbeziehungen.
Sein Bild bleibt dennoch widersprüchlich. Hruschka würdigt Flicks Fleiß, Arbeitskraft und unternehmerische Leistung, schildert ihn gegenüber seinen bäuerlichen Untertanen aber auch als hart, eigennützig und wenig kompromissbereit.
Gerade diese Gegensätze machen seine Biografie interessant: Flick war kein sagenhafter Verbrecher, der durch Mord und Testamentsfälschung zu Reichtum gelangte, sondern ein außergewöhnlich erfolgreicher Unternehmer – allerdings auch ein Grundherr, der die sozialen Vorstellungen und wirtschaftlichen Interessen seiner Zeit konsequent vertrat.
Bewertung der örtlichen Überlieferung
Der besondere Wert von Hruschkas Untersuchung liegt im Vergleich von Sage und archivalisch belegbarer Geschichte.
Als gesichert gelten können:
- Flicks Tätigkeit als Tafeldecker des Grafen von Deblin,
- die Gründung der Fabrik bereits vor der Ermordung des Grafen,
- die staatliche Verwaltung des Deblin’schen Fideikommisses,
- die ordnungsgemäße Erbpacht ab 1789,
- der Kauf der Herrschaft 1806,
- die Nobilitierung 1810 und
- die dokumentierte Nachlass- und Erbteilung.
Nicht belegt und nach dem Aktenbefund historisch unhaltbar sind dagegen:
- eine Anstiftung Schwarzingers durch Flick,
- die Fälschung eines Testaments des Grafen von Deblin,
- eine Vergiftung der Deblin’schen Erbin und
- ein unmittelbarer Erwerb der Herrschaft aus dem Nachlass des ermordeten Grafen.
Offene Forschungsfragen
- Welcher heutige Ort verbirgt sich genau hinter der Bezeichnung „Tellitz-Kem“ beziehungsweise „Teilnitz“ in Ostpreußen?
- Hat sich das Ritterstandsdiplom Johann Peter von Flicks vom 23. März 1810 im Österreichischen Staatsarchiv oder in einem Familiennachlass erhalten?
- Enthält das Diplom eine amtliche Blasonierung, die mit der Darstellung bei Kadich und Blažek vollständig übereinstimmt?
- Sind Abbildungen oder Fotografien des Flick’schen Grabdenkmals und der beiden privilegienbezogenen Putten der Fabrik erhalten?
- Wo befinden sich heute die von Alt-Hart nach Budkau verbrachten Steinfiguren?
- Lässt sich das weitere Schicksal Johann Max von Flicks und seiner Nachkommen in Sitzgras genauer rekonstruieren?
- Bestehen heute noch männliche oder weibliche Nachkommen der Familien von Flick, Vacano, von Welzenstein, Kurz, Rißler oder Kauba?
- Wo und wann starben Theresia von Flick, geborene Erber, und ihr Sohn Johann Max?
- Lassen sich die im Mährischen Landesarchiv genannten Landtafel- und Verlassenschaftsakten heute digital oder durch Archivkopien einsehen?
- Sind Geschäftsunterlagen, Stoffmuster, Firmenzeichen oder Korrespondenzen der Altharter Zitz- und Cottonfabrik erhalten geblieben?
Quellen und Literatur
Rudolf Hruschka: Johann Peter Ritter von Flick und seine Erben, in: Zeitschrift des Deutschen Vereines für die Geschichte Mährens und Schlesiens, 37. Jahrgang, Brünn 1935, Hefte 1/2 und 3/4, S. 11–23 und 49–75.
Adalbert Král von Dobrá Voda: Der Adel von Böhmen, Mähren und Schlesien, Prag 1904, S. 59.
Heinrich Kadich von Pferd und Konrad Blažek: Der mährische Adel, Nürnberg 1899, S. 31 und Tafel 22.
Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren topographisch, statistisch und historisch geschildert, Band III: Znaimer Kreis, Brünn 1837.
Johann Slokar: Geschichte der österreichischen Industrie und ihrer Förderung unter Kaiser Franz I., Wien 1914.
Balthasar Strach: Der Hauptmann Vacano in Mähren, in: Hesperus, 1811, S. 101–106.
Anton Vacano: Übersicht der österreichischen und mährischen Cottonfabriken, in: Hesperus, 1810, S. 192–202.
Brünner Zeitung, Jahrgang 1784, insbesondere Nr. 51 und Nr. 53; Jahrgang 1785, Nr. 84.
Mährische Landtafel, Güter- beziehungsweise Landtafelquaterne des Znaimer Kreises.
Verlassenschaftsakten des mährisch-schlesischen Landrechts, insbesondere Signatur 13/904.
Digitalisat der Zeitschrift des Deutschen Vereines für die Geschichte Mährens und Schlesiens, Jahrgang 1935
Staré Hobzí – heutige tschechische Bezeichnung von Alt-Hart
"IN OMNIBUS ORDO"
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