Fritz Ritter von Huymann

Fritz Ritter von Huymann

1 Woche 5 Tage her
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Fritz Ritter von Huymann – Brauereidirektor, Bürgermeister und umstrittener Kommunalpolitiker

Fritz Ritter von Huymann gehörte um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zu den wirtschaftlich und kommunalpolitisch einflussreichen Persönlichkeiten im Süden von Graz. Sein Name ist vor allem mit der Brauerei Puntigam, der Gemeinde Feldkirchen bei Graz und den damaligen Bestrebungen verbunden, Teile des Feldkirchner Gemeindegebietes an die Stadt Graz abzutreten.

Die biografischen und genealogischen Angaben zu seiner Person sind bislang allerdings nicht vollständig geklärt. Insbesondere bei seinem Geburtsjahr, seinem Todesjahr, seiner Amtszeit als Bürgermeister sowie der Herkunft seines Adelstitels bestehen noch offene Fragen.

Name und Lebensdaten

In verschiedenen Darstellungen erscheint er als

Fritz Ritter von Huymann

beziehungsweise als Oberdirektor der Brauerei Puntigam.

Als Lebensdaten werden im Zusammenhang mit seiner Person teilweise die Jahre 1847–1912 genannt. Die Ortsgeschichte von Feldkirchen bei Graz bezeichnet ihn dagegen als 1848 in Wien geboren. Zugleich wird dort seine Tätigkeit als Feldkirchner Bürgermeister mit den Jahren 1900 bis 1913 angegeben.

Damit liegt eine offensichtliche Unstimmigkeit vor: Sollte Huymann tatsächlich bereits 1912 verstorben sein, könnte er nicht bis 1913 Bürgermeister gewesen sein. Denkbar wären ein unrichtig überliefertes Todesjahr, ein ungenau angegebenes Ende seiner Amtszeit oder eine bloß formelle Weiterführung in einem Bürgermeisterverzeichnis.

Bis zur Einsicht in einen Tauf- oder Geburtsmatrikeneintrag, einen Sterbeeintrag beziehungsweise eine zeitgenössische Todesanzeige sollten die Lebensdaten daher nur unter Vorbehalt verwendet werden.

Berufliche Tätigkeit bei der Brauerei Puntigam

Huymann war im Hauptberuf Oberdirektor der Brauerei Puntigam. Die Brauerei gehörte zu den bedeutenden Industrieunternehmen im Grazer Süden und lag damals nicht innerhalb der Stadt Graz, sondern auf dem Gebiet der Katastralgemeinde Rudersdorf, die zur politischen Gemeinde Feldkirchen gehörte.

Huymann dürfte spätestens in den 1890er-Jahren eine leitende Stellung bei der Brauerei eingenommen haben. Eine historische Darstellung über die Kämpfe des Jahres 1809 bei Graz erwähnt ihn im Zusammenhang mit einem Fund aus dem Jahre 1893 ausdrücklich als Oberdirektor der Brauerei Puntigam.

Bei Erdarbeiten für die Anlage einer Baumschule waren damals in der Gegend von Puntigam Waffenreste und menschliche Gebeine gefunden worden. Diese wurden als Überreste von Gefallenen der Kämpfe des Jahres 1809 angesehen. Huymann ließ die Gebeine in einem Sarg beisetzen und nach kirchlicher Einsegnung auf den Pfarrfriedhof von Feldkirchen überführen.

Diese Handlung zeigt Huymann nicht nur als Wirtschaftsleiter, sondern auch als eine Persönlichkeit, die im öffentlichen und regionalgeschichtlichen Leben der Umgebung hervortrat.

Bürgermeister von Feldkirchen bei Graz

Nach der Feldkirchner Ortsgeschichte kam Huymann im Jahre 1898 nach Feldkirchen. Um 1900 wurde er Bürgermeister der Gemeinde. Eine Bildunterschrift bezeichnet ihn als Feldkirchner Bürgermeister der Jahre 1900 bis 1913.

Seine Amtsführung wird in der lokalen Überlieferung ausgesprochen kritisch beurteilt. Die Ortsgeschichte bezeichnet ihn sogar als den „verräterischen“ Bürgermeister von Feldkirchen. Hintergrund dieser scharfen Bezeichnung war sein Einsatz für die Abtrennung der Katastralgemeinde Rudersdorf beziehungsweise des Gebietes um die Brauerei Puntigam von Feldkirchen und dessen Angliederung an Graz.

Die Brauerei Puntigam war für Feldkirchen von großer wirtschaftlicher und steuerlicher Bedeutung. Eine Abtrennung des Brauereigebietes hätte daher für die Gemeinde erhebliche finanzielle Nachteile bedeutet.

Der Konflikt um Rudersdorf und die Erweiterung von Graz

Die Stadt Graz bemühte sich bereits seit dem späten 19. Jahrhundert um eine Erweiterung ihres Gemeindegebietes. Ziel war es, die wirtschaftlich und räumlich eng mit Graz verbundenen Vororte stärker in die Stadtentwicklung einzubeziehen.

Huymann unterstützte als Direktor der Brauerei Puntigam die Loslösung Rudersdorfs von Feldkirchen. Dabei arbeitete er offenbar mit dem Grazer Bürgermeister Dr. Franz Graf zusammen.

Graf hatte seinerseits eine enge wirtschaftliche Verbindung zur Brauerei: Durch seine Ehe mit Therese Hold, einer Tochter des Brauereimitbegründers Franz Hold, war er in den Besitz eines größeren Aktienpaketes gelangt. Nach dem Tod seiner Ehefrau verfügte er nach der Feldkirchner Darstellung allein über diese Beteiligung.

Damit waren mehrere beteiligte Personen nicht nur kommunalpolitisch, sondern zugleich wirtschaftlich mit der Brauerei verbunden. Die Feldkirchner Ortsgeschichte beurteilt dieses Zusammenwirken kritisch und sieht darin einen Interessenkonflikt zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Brauerei und den Interessen der Gemeinde Feldkirchen.

Am 23. August 1910 legten Bürgermeister Franz Graf und Oberstadtrat Rudolph Spohn einen Bericht über die mögliche Erweiterung des Grazer Stadtgebietes durch die Eingliederung angrenzender Landgemeinden oder von Teilen derselben vor.

Diese Pläne scheiterten zunächst am Widerstand der betroffenen Gemeinden sowie an den erwarteten Kosten für Wasserversorgung, Kanalisation und andere kommunale Einrichtungen. Auch weitere Bestrebungen der Jahre 1911 und 1918 führten vorerst nicht zu der geplanten umfassenden Eingemeindung.

Das Gebiet von Puntigam und Rudersdorf wurde schließlich erst im Zuge der Bildung von „Groß-Graz“ im Jahre 1938 in die Stadt Graz eingegliedert – also lange nach Huymanns Amtszeit.

Historische Bedeutung

Fritz Ritter von Huymann steht beispielhaft für die enge Verbindung von Industrie, Gemeindepolitik und Stadtentwicklung in der späten Habsburgermonarchie.

Seine Bedeutung liegt insbesondere in drei Bereichen:
  • Industriegeschichte: Als Oberdirektor der Brauerei Puntigam war er an der Leitung eines wichtigen steirischen Großbetriebes beteiligt.
  • Kommunalgeschichte: Als Bürgermeister von Feldkirchen wirkte er in einer Zeit, in der Graz und seine Umlandgemeinden zunehmend wirtschaftlich und infrastrukturell zusammenwuchsen.
  • Regionalgeschichte: Sein Einsatz für die Bestattung der 1893 gefundenen Gebeine erinnert an die Kämpfe des Jahres 1809 und an den damaligen Umgang mit historischen Kriegstoten.

Seine Rolle wird dabei unterschiedlich zu bewerten sein. Aus Sicht der Brauerei konnte eine Eingliederung nach Graz wirtschaftliche und infrastrukturelle Vorteile versprechen. Aus Sicht Feldkirchens bedrohte die Abtrennung Rudersdorfs dagegen einen wichtigen Teil des Gemeindegebietes und eine bedeutende Einnahmequelle.

Die abwertende Bezeichnung als „verräterischer“ Bürgermeister ist deshalb als Ausdruck einer bestimmten lokalen Perspektive zu verstehen und nicht als neutraler historischer Befund.

Familie und genealogische Fragen

Über Huymanns Eltern, seine Ehefrau, mögliche Kinder und weitere Nachkommen konnten in den bislang zugänglichen Quellen keine ausreichend gesicherten Angaben festgestellt werden.

Für die weitere genealogische Erforschung wären insbesondere folgende Unterlagen heranzuziehen:
  • Tauf- beziehungsweise Geburtsmatriken von Wien für die Jahre 1847 und 1848,
  • Trauungsmatriken am jeweiligen Wohn- oder Heiratsort,
  • Meldeunterlagen und historische Wiener Adressbücher,
  • Matriken der Pfarre Feldkirchen bei Graz,
  • Sterbematriken, Todesanzeigen und Verlassenschaftsakten,
  • Personal- und Verwaltungsunterlagen der Brauerei Puntigam,
  • zeitgenössische Schematismen und Industrieadressbücher,
  • Gemeinderatsprotokolle und Bürgermeisterverzeichnisse von Feldkirchen.

Von besonderem Interesse wäre auch die bereits im 19. Jahrhundert in Wien nachweisbare Anna von Huymann, die zwischen 1872 und 1876 sowie erneut ab 1879 als Mitglied beziehungsweise Sängerin des Singvereines der Gesellschaft der Musikfreunde erscheint. Ob zwischen ihr und Fritz Ritter von Huymann eine verwandtschaftliche Beziehung bestand, lässt sich aus dieser Namensnennung allein jedoch nicht ableiten.

 

Adelsgeschichtliche Einordnung

Auch die Herkunft des von Huymann geführten Rittertitels ist noch nicht geklärt.

Der Name „Ritter von Huymann“ kann auf mehrere Möglichkeiten hinweisen:
  • Fritz von Huymann gehörte einer bereits früher in den Ritterstand erhobenen Familie an;
  • der Adel war von seinem Vater oder einem entfernteren Vorfahren erworben worden;
  • es handelte sich um einen aus einem anderen Kronland übernommenen oder anerkannten Adel;
  • oder Huymann selbst beziehungsweise ein naher Angehöriger war aufgrund beruflicher oder staatlicher Verdienste nobilitiert worden.

Ohne Adelsakt, Ritterstandsdiplom oder Eintrag in einem genealogischen Taschenbuch kann derzeit nicht sicher festgestellt werden, wann und durch wen die Familie geadelt wurde.

Für eine belastbare adelsgeschichtliche Untersuchung wären vor allem die Adelsakten des Allgemeinen Verwaltungsarchivs im Österreichischen Staatsarchiv, die Wappenbücher und Standeserhebungsregister sowie genealogische Handbücher des österreichischen Adels zu prüfen.

Dabei wären folgende Fragen zu klären:
  • Wer war der ursprüngliche Erwerber des Adels?
  • Wann erfolgte die Erhebung in den Ritterstand?
  • Wurde ein Prädikat oder Ehrenwort verliehen?
  • Welches Wappen führte die Familie?
  • Welche Personen waren in das Diplom einbezogen?
  • Bestanden weitere Linien der Familie in Wien, der Steiermark oder anderen Ländern der Monarchie?

Vorläufiges Fazit

Fritz Ritter von Huymann war eine bedeutende Persönlichkeit der Wirtschafts- und Kommunalgeschichte im Raum Graz–Puntigam–Feldkirchen. Als Oberdirektor der Brauerei Puntigam und Bürgermeister von Feldkirchen verband er wirtschaftliche Leitungsfunktionen mit politischem Einfluss.

Sein Einsatz für die Abtrennung Rudersdorfs von Feldkirchen machte ihn in der örtlichen Überlieferung zu einer umstrittenen Figur. Während seine Pläne aus Sicht der Brauerei und der Stadt Graz wirtschaftlich nachvollziehbar erscheinen konnten, wurden sie in Feldkirchen als Schädigung der eigenen Gemeindeinteressen wahrgenommen.

Seine genaue Biografie, seine Familie und insbesondere die Geschichte seines Ritterstandes bedürfen jedoch weiterer archivalischer Forschung. Die derzeit genannten Lebensdaten 1847–1912 sind mit der Angabe einer Geburt im Jahre 1848 und einer Bürgermeisterzeit bis 1913 nicht widerspruchsfrei vereinbar.

Offene Fragen an das Forum
  1. Ist jemandem ein Taufeintrag für Fritz beziehungsweise Friedrich von Huymann in Wien aus den Jahren 1847 oder 1848 bekannt?
  2. Wo und wann ist Fritz Ritter von Huymann tatsächlich verstorben? Existiert eine Todesanzeige oder ein Sterbematrikeneintrag?
  3. War Huymann tatsächlich bis 1913 Bürgermeister von Feldkirchen, oder endete seine Amtszeit bereits 1912?
  4. Wer waren seine Eltern, und war er verheiratet?
  5. Sind Kinder oder andere Nachkommen von Fritz Ritter von Huymann bekannt?
  6. Wann wurde die Familie Huymann in den Adels- beziehungsweise Ritterstand erhoben?
  7. Existiert ein Adelsakt oder Ritterstandsdiplom im Österreichischen Staatsarchiv?
  8. Ist ein Wappen der Familie von Huymann überliefert?
  9. Könnte die in Wien nachgewiesene Anna von Huymann aus dem Umfeld des Singvereines der Gesellschaft der Musikfreunde mit Fritz von Huymann verwandt gewesen sein?
  10. Sind im Archiv der Brauerei Puntigam Personalakten, Fotografien oder Korrespondenzen Huymanns erhalten?
  11. Befindet sich auf dem Friedhof von Feldkirchen, Puntigam oder einem Grazer Friedhof ein Grabmal der Familie von Huymann?

Quellen und weiterführende Hinweise
Hinweis zur Quellenlage: Die Angaben zu Huymanns Tätigkeit bei der Brauerei Puntigam, seinem Bürgermeisteramt und seiner Rolle bei den Eingemeindungsbestrebungen beruhen auf der genannten Feldkirchner Ortsgeschichte. Die Lebensdaten, Familienverhältnisse und die Herkunft des Ritterstandes konnten bislang nicht durch einen Primärbeleg bestätigt werden. Die widersprüchlichen Jahresangaben wurden daher bewusst nicht vereinheitlicht, sondern als offene Forschungsfragen kenntlich gemacht.
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