HOLLEGHA, Wolfgang von Hollegau (1929-2023)
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HOLLEGHA, Wolfgang von Hollegau (1929-2023)
1 Woche 6 Tage her - 1 Woche 6 Tage herWolfgang Hollegha (1929–2023) – abstrakter Maler und Angehöriger der Familie Hollegha von Hollegau
Am 2. Dezember 2023 verstarb der österreichische Maler Wolfgang Hollegha im Alter von 94 Jahren in seinem Haus auf dem Rechberg in der Steiermark.
Hollegha gehörte zu den bedeutendsten Vertretern der österreichischen Nachkriegskunst. Er war ein Wegbereiter der abstrakt-expressiven Malerei und entwickelte eine eigenständige, stark von der Beobachtung der Natur ausgehende Bildsprache, die gelegentlich als „Naturlyrismus“ bezeichnet wird.
Neben seiner kunsthistorischen Bedeutung ist Wolfgang Hollegha auch aus genealogischer und heraldischer Sicht interessant: Er entstammte der im Jahre 1897 nobilitierten Familie Hollegha Edle von Hollegau.
Lebensdaten und Herkunft
Wolfgang Hollegha wurde am 4. März 1929 in Klagenfurt geboren. Die genealogische Literatur nennt als vollständigen Namen:
Wolfgang Robert Karl Hollegha
Sein Vater war der Jurist
Robert Hollegha
* 1. September 1885 auf Schloss Cekin bei Laibach/Ljubljana
† 6. Februar 1929 in Völkermarkt
Robert Hollegha starb somit knapp vier Wochen vor der Geburt seines Sohnes.
Wolfgangs Mutter war
Lina, eigentlich Karoline, geborene Wranitzky
* 27. August 1895 in Graz
† 16. Februar 1939 in Völkermarkt
Die Eltern hatten am 29. Oktober 1921 in Klagenfurt geheiratet. Aus der Ehe gingen die Tochter Traute und der Sohn Wolfgang hervor.
Nach dem Tod seines Vaters und dem Tod seiner Mutter während seiner Kindheit wuchs Wolfgang Hollegha bei der Schwester seiner Mutter im steirischen Frohnleiten auf. Dort beziehungsweise in der nahe gelegenen Landschaft um den Rechberg fand er jene enge Beziehung zur Natur, die später sein künstlerisches Werk nachhaltig prägen sollte.
Ausbildung und künstlerischer Aufstieg
Nach der Matura in Graz studierte Wolfgang Hollegha von 1947 bis 1954 an der Akademie der bildenden Künste in Wien in der Meisterklasse von Josef Dobrowsky.
Während seiner Studienzeit lernte er mehrere Künstler kennen, die für die Entwicklung der österreichischen Nachkriegskunst von großer Bedeutung werden sollten:
- Josef Mikl,
- Arnulf Rainer,
- Markus Prachensky.
Im Jahre 1956 gründeten Hollegha, Mikl, Prachensky und Rainer die sogenannte „Malergruppe St. Stephan“. Ihr geistiges und organisatorisches Zentrum war die Galerie nächst St. Stephan des Wiener Geistlichen und Kunstförderers Monsignore Otto Mauer.
Die Gruppe trug wesentlich dazu bei, die expressive Abstraktion in Österreich durchzusetzen und österreichische Künstler wieder mit der internationalen Avantgarde zu verbinden.
Internationale Anerkennung
Wolfgang Hollegha erlangte bereits in jungen Jahren internationale Aufmerksamkeit.
Zu den wichtigsten Stationen gehörten:
- 1958: Guggenheim International Award für Österreich,
- 1959: Teilnahme an einer von Clement Greenberg kuratierten Ausstellung in New York,
- 1960: große Einzelausstellung bei French & Co. in New York,
- 1961: Carnegie Prize anlässlich der Pittsburgh International,
- 1964: Beteiligung an der documenta III in Kassel,
- 1964: Ausstellung im Solomon R. Guggenheim Museum in New York,
- 1967: österreichischer Vertreter bei der 9. Biennale von São Paulo, gemeinsam mit Alfred Hrdlicka.
Der einflussreiche amerikanische Kunstkritiker Clement Greenberg hatte Hollegha früh gefördert und ihn gemeinsam mit bedeutenden Vertretern der amerikanischen abstrakten Malerei präsentiert.
Damit schien eine internationale Karriere in New York vorgezeichnet. Hollegha entschied sich jedoch bewusst gegen eine dauerhafte Übersiedlung in die Vereinigten Staaten.
Der Rechberg als Lebens- und Arbeitsmittelpunkt
Anfang der 1960er-Jahre erwarb Hollegha einen mehrere Jahrhunderte alten Bauernhof am Rechberg nördlich von Graz.
Dort errichtete er ein ungewöhnlich hohes Atelier aus Holz, dessen großzügiger Innenraum für die Entstehung seiner großformatigen Gemälde besonders geeignet war. Der Rechberg wurde für ihn Rückzugsort, Beobachtungsraum und künstlerisches Labor.
Obwohl Hollegha international ausstellte und von 1972 bis 1997 eine Meisterklasse für Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien leitete, blieb er dem ländlichen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt treu.
Seine Malerei ging meist von der sichtbaren Wirklichkeit und von Naturbeobachtungen aus. Der konkrete Gegenstand wurde jedoch nicht naturalistisch wiedergegeben, sondern in Farbe, Bewegung, Rhythmus und räumliche Spannung übersetzt.
Seine Werke befinden sich unter anderem in der Albertina, im Belvedere, im mumok, in der Neuen Galerie Graz sowie in mehreren internationalen Sammlungen.
Die Familie Hollegha von Hollegau
Die genealogische Darstellung bei Mariano Rugále und Miha Preinfalk führt die Familie auf Vorfahren in Böhmen zurück. Die Stammreihe soll zumindest bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts verfolgt werden können.
Der Großvater des Malers war:
Karl Hollegha
* 9. Mai 1845 in Wien-Meidling
† 14. Juli 1921 in Ljubljana
Karl Hollegha schlug wie bereits sein Vater eine militärische Laufbahn ein. Er wurde schon als Kind in militärischen Erziehungsanstalten ausgebildet und trat 1862 in die Armee ein. Im Jahre 1866 nahm er an den militärischen Auseinandersetzungen gegen Italien teil.
Seine Tätigkeit im militärischen Vermessungswesen führte ihn in den 1870er-Jahren unter anderem nach Krain. Dort lernte er die Familie Kosler kennen.
Am 27. April 1880 heiratete er auf Schloss Cekin in Ljubljana:
Marijana, Maria Anna Johanna Kosler
* 18. Januar 1858 in Ljubljana
† 23. Januar 1913 in Ljubljana
Marijana Kosler entstammte einer bekannten Laibacher Familie. Ihr Vater Janez Kosler gehörte nach der Darstellung von Rugále und Preinfalk zu den Begründern der Brauerei Kosler; ihr Onkel Peter Kosler wurde als Verfasser einer bedeutenden Karte der slowenischen Länder bekannt.
Karl und Marijana Hollegha hatten acht Kinder. Zu ihnen gehörte der spätere Vater des Malers, Robert Hollegha.
Nach zahlreichen dienstlich bedingten Wohnortwechseln ließ sich die Familie um 1900 in Ljubljana nieder. Nach dem Ende der Habsburgermonarchie verließen mehrere Familienmitglieder das slowenische Gebiet und übersiedelten nach Kärnten.
Damit verbinden sich in der Familiengeschichte mehrere historische Räume:
- Böhmen als ältere Herkunftsregion,
- Wien als Geburts- und Ausbildungsort Karl Holleghas,
- Krain und Ljubljana als familiärer Mittelpunkt um 1900,
- Kärnten als späterer Wohnsitz mehrerer Familienzweige,
- die Steiermark als Lebens- und Wirkungsraum Wolfgang Holleghas.
Die Nobilitierung von 1897
Karl Hollegha beantragte nach rund drei Jahrzehnten ununterbrochener militärischer Dienstzeit die Erhebung in den erblichen Adel.
Am 25. Mai 1897 erhielt er den erblichen österreichischen Adelsstand mit dem Ehrenwort „Edler“ und dem Prädikat:
„von Hollegau“
Die historische Namensform lautete somit:
Hollegha Edler von Hollegau
Karl Hollegha hatte mehrere mögliche Prädikate vorgeschlagen, darunter „Hollegau“, „Hollfels“, „Hollenstein“, „Hollhof“ und „Sannegg“. Bewilligt wurde „Hollegau“.
Nach der Darstellung von Rugále und Preinfalk hatte er ursprünglich sogar eine Veränderung des Familiennamens in „Holleg-Au“ angestrebt. Dieser Wunsch wurde jedoch abgelehnt, da die Schreibweise den Eindruck eines zusammengesetzten oder durch Adoption entstandenen Namens hätte erwecken können.
Hinweis zur Namensführung:
Der Maler selbst wurde in österreichischen öffentlichen Quellen ausschließlich als Wolfgang Hollegha geführt. Die Bezeichnung „von Hollegau“ ist daher im Zusammenhang mit ihm als historische beziehungsweise genealogische Familienbezeichnung zu verstehen. Adelszeichen und Adelsprädikate wurden für österreichische Staatsbürger durch das Adelsaufhebungsgesetz von 1919 aufgehoben.
Das Familienwappen
Die Publikation von Rugále und Preinfalk enthält auch eine Abbildung und Beschreibung des Wappens der Familie Hollegha von Hollegau.
Nach dieser Darstellung zeigt das Wappen:
- einen schwarz-roten, schräg geteilten beziehungsweise durch einen silbernen schrägen Balken gegliederten Schild,
- beiderseits des silbernen Elements je ein Schwert mit goldenem Griff,
- die beiden Schwerter in entgegengesetzter Richtung gestellt,
- einen gekrönten Turnierhelm,
- schwarz-silberne und rot-silberne Helmdecken,
- als Helmzier drei Straußenfedern – eine silberne Feder zwischen einer schwarzen und einer roten.
Besonders bemerkenswert ist der Hinweis der Autoren, dass die von ihnen verwendete Darstellung des Familienwappens von Wolfgang Hollegha selbst verwahrt worden sei.
Damit stellt sich die interessante Frage, ob sich das ursprüngliche Wappenbild, eine Ausfertigung des Adelsdiploms oder weitere familiengeschichtliche Unterlagen heute noch im Nachlass des Künstlers befinden.
Quellenkritische Anmerkungen
Bei der Überprüfung der Angaben ergaben sich folgende Präzisierungen:
- Das Buch Blagoslovljeni in prekleti, 2. del erschien laut Titelblatt und WorldCat im Jahre 2012. Die gelegentlich genannte Jahreszahl 2011 dürfte daher zu korrigieren sein.
- Die Akademie der bildenden Künste schrieb in ihrem Nachruf, Holleghas Mutter sei „bald“ nach dem bereits vor seiner Geburt verstorbenen Vater gestorben. Die genealogische Darstellung nennt dagegen den 16. Februar 1939. Wolfgang Hollegha war damals beinahe zehn Jahre alt. Sachlich genauer ist daher die Formulierung, dass seine Mutter während seiner Kindheit starb.
- Die Lebensdaten des Vaters erklären, weshalb Wolfgang Hollegha seinen Vater nicht mehr kennenlernen konnte: Robert Hollegha starb am 6. Februar 1929, Wolfgang wurde am 4. März 1929 geboren.
Würdigung
Wolfgang Hollegha verband internationale Moderne mit einer ausgesprochen eigenständigen, in der österreichischen Landschaft verwurzelten Lebens- und Arbeitsweise.
Seine Biografie reicht dabei weit über die reine Kunstgeschichte hinaus. Über seine Vorfahren führt sie in die Militärgeschichte der Habsburgermonarchie, nach Böhmen, Wien, Krain und Kärnten, zur Laibacher Familie Kosler und schließlich auf den steirischen Rechberg.
Mit ihm verstarb nicht nur einer der bedeutendsten österreichischen Maler des 20. Jahrhunderts, sondern auch der wohl bekannteste Angehörige der historischen Familie Hollegha von Hollegau.
Fragen zur weiteren Forschung
- Existieren Fotografien der Familie Hollegha in der Villa Kosler oder auf Schloss Cekin?
- Ist die Grabstätte Wolfgang Holleghas öffentlich bekannt und dokumentiert?
Quellen und weiterführende Verweise
Kleine Zeitung: Maler Wolfgang Hollegha mit 94 Jahren gestorben
Akademie der bildenden Künste Wien: Die Akademie trauert um Wolfgang Hollegha
Nachlass Wolfgang Hollegha: Life – biografische Übersicht
Neue Galerie Graz: Wolfgang Hollegha zum 95. Geburtstag
PARNASS: Wolfgang Hollegha ist gestorben
Mariano Rugále/Miha Preinfalk: Blagoslovljeni in prekleti, 2. del – Abschnitt Hollegha von Hollegau, Seiten 50–57
WorldCat: Bibliografischer Nachweis der Publikation
RIS: Adelsaufhebungsgesetz
"IN OMNIBUS ORDO"
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