Salamanca in Österreich – Gradisca-Linie

Salamanca in Österreich – Gradisca-Linie

1 Woche 4 Tage her - 1 Woche 4 Tage her
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Salamanca in Österreich – Wappen, Gradisca-Linie und Verhältnis zu den Grafen von Ortenburg

Liebe Mitforschende,

ich möchte hier die bisherigen Hinweise zur Familie Salamanca in Österreich sammeln, ordnen und zugleich einige offene Fragen zur Diskussion stellen. Ausgangspunkt sind zwei Wappendarstellungen:
  • eine kleinere Abbildung „Salamanca – Esp. Flandre“, wohl aus einem armorialen Zusammenhang Spanien/Flandern;
  • eine Siebmacher-Abbildung mit der Überschrift „SALAMANCA, II. Gfn. zu ORTENBURG“, bei der besonders der Herzschild bzw. das Stammwappen schwer zu erkennen ist.

Meine Hauptfragen sind daher:
  • Gibt es eine farbige und schärfere Darstellung des Wappens, insbesondere des Herzschildes?
  • Ist das in der Siebmacher-Abbildung erkennbare zentrale Schildchen tatsächlich das Salamanca-Stammwappen?
  • Blüht eine Linie der Familie Salamanca in Österreich bzw. Gradisca noch?

1. Salamanca-Ortenburg in Kärnten

Die Linie der Grafen von Ortenburg aus dem Hause Salamanca ist von der späteren Gradisca-Linie zu unterscheiden.

Gabriel von Salamanca, aus einer spanischen Familie stammend, kam unter Ferdinand I. zu hohem Einfluss. Er wurde Kanzler in Tirol, später Generalschatzmeister und erhielt 1524 die Grafschaft Ortenburg in Kärnten; danach erscheint er als Gabriel Graf von Ortenburg.

Für die Besitzgeschichte ist wichtig: Spittal bzw. die Herrschaft kam 1524 an Salamanca-Ortenburg und blieb bis 1639 bei dieser Familie. Mit dem Tod Johann Georgs Salamanca, Grafen zu Ortenburg, im Jahr 1639 erlosch diese Linie; danach gingen die Besitzverhältnisse weiter.

Damit scheint die Frage nach dem Fortbestand der Salamanca-Ortenburg klar zu beantworten: diese gräfliche Linie blüht seit 1639 nicht mehr.

Zu beachten ist allerdings, dass ältere biographische Literatur zu Gabriel von Salamanca teils abweichende Angaben enthält, etwa zur Frage eigener Nachkommenschaft. Hier wäre eine saubere Gegenüberstellung der älteren ADB-Angabe mit neueren prosopographischen Daten sinnvoll.

 

2. Das Salamanca-Wappen – Hinweis auf die Farben

Besonders hilfreich ist die in der ÖAW-Inschriftendatenbank wiedergegebene Blasonierung eines Wappens Salamanca-Hoyos. Dort wird für das Salamanca-Feld beschrieben:

„in Gold eine aufsteigende geschweifte Spitze, belegt mit einer silbernen Lilie, begleitet zu beiden Seiten von je einem aufsteigenden, gekrönten roten Löwen“

Das passt auffallend gut zu der kleineren Abbildung „Salamanca – Esp. Flandre“: zwei einander zugewandte Löwen und darunter bzw. dazwischen eine aufsteigende Spitze mit Lilie.

Damit ergibt sich als Arbeitsblasonierung des Salamanca-Stammwappens:

Stammwappen Salamanca:
In Gold eine aufsteigende, geschweifte Spitze, belegt mit einer silbernen Lilie, begleitet von zwei aufsteigenden, gekrönten roten Löwen.

Die in der Siebmacher-Abbildung schwer erkennbare Binnenfigur dürfte daher sehr wahrscheinlich mit diesem Stammwappen zusammenhängen. Für eine endgültige Sicherheit wäre aber eine bessere farbige Vorlage aus dem Siebmacher oder einem verwandten Wappenbuch nötig.


3. Siebmacher-Fundstellen

Der Generalindex zum Siebmacher weist mehrere Fundstellen zu Salamanca nach, darunter:
  • Salamanca, Stammwappen – Niederösterreichischer Adel, Teil 2, S. 9, Tafel 3;
  • Salamanca, Grafen zu Ortenburg – Niederösterreichischer Adel, Teil 2, S. 9, Tafel 3;
  • Ortenburg-Salamanca / Grafen Ortenburg-Salamanca – Niederösterreichischer Adel, Teil 1, S. 323, Tafel 171;
  • außerdem ein Eintrag Salamanca Spanien im Bereich des Allgemeinen / ausländischen Adels.

Die von mir beigelegte Siebmacher-Abbildung mit der Überschrift „SALAMANCA, II. Gfn. zu ORTENBURG“ dürfte also sehr wahrscheinlich zu diesen Nachweisen gehören.

Online-Hinweis:
CERL-Siebmacher-Suche „Salamanca“


4. Die Gradisca-Linie Salamanca

Neben Salamanca-Ortenburg erscheint eine weitere, offenbar aus Spanien stammende und in Gradisca ansässige Linie.

Nach den in den bisherigen Postings genannten Quellen – insbesondere Schiviz von Schivizhoffen, Czoernig sowie den von Hermann Schullern herangezogenen Angaben aus Coronini – stammt dieses Gradisca-Geschlecht von Peter von Salamanca, einem Oheim Gabriels von Salamanca, des späteren Grafen von Ortenburg.

Nach der überlieferten Darstellung lässt sich die frühe Linie ungefähr so ordnen:
  1. Peter von Salamanca, aus Burgos in Altkastilien; Lehensbesitzer zu Sandino und Sasamon in Kastilien.
  2. Christoph von Salamanca, Besitzer derselben Lehen; vermählt mit Theresia de Cisneros.
  3. Dessen Söhne:
    • Alfons
    • Nikolaus, kommt nach Gradisca.
  4. Nikolaus von Salamanca, vermählt mit Eleonore nob. Miuttini aus Cividale; nach einer anderen Angabe außerdem oder zuvor/nachher mit Bianca (...).
  5. Söhne des Nikolaus:
    • Christoph Horaz, geb. 1577, Sohn der Bianca.
    • Sigmund Erasmus, Sohn der Eleonore Miuttini; vermählt mit Pyramida, Tochter des Hauptmanns Alfonso de Robles und der Lacentia de Gastellù.
  6. Söhne des Sigmund Erasmus:
    • Alfons
    • Eustach
    • Sigmund Erasmus, geb. 1617, gest. 1672, Kastellan von Gradisca.

Dieser jüngere Sigmund Salamanca, Kastellan der Festung Gradisca, reichte ein Gesuch ein, damit er und sein Bruder Eustach in das Adelskonsortium von Gradisca aufgenommen würden. Aufgrund der nachgewiesenen Herkunft und der militärischen Verdienste der Vorfahren sowie seiner eigenen Verdienste beschloss das Konsortium am 20. März 1654 die Aufnahme.

Später erscheinen die Nachkommen als „saeculares primi ordinis“, sogenannte „Cavalieri titolari“.

Nach Hermann Schullern beriefen sich die Nachkommen des Sigmund Erasmus auch auf das Diplom vom 20. Oktober 1520 für Gabriel von Salamanca, dessen Brüder Franz und Alfons sowie dessen Oheim Peter. Auf dieses Diplom stützten sich offenbar auch Ansprüche auf die Würde von Comites palatini, die jedoch aus nicht näher bekannten Gründen keine Anerkennung fanden.


5. Stammfolge der Gradisca-Salamanca nach den vorliegenden Angaben

Nach den Schivizhoffen’schen Matriken und Czoernig ergibt sich folgende Arbeits-Stammfolge. Die Schreibungen der Namen folgen im Wesentlichen der Vorlage und sollten an den Originalquellen nochmals kontrolliert werden:
  1. Peter von Salamanca.
  2. Christoph.
  3. Alfons.
  4. Nikolaus, vermählt mit Bianca (...); kommt als erster aus Spanien nach Gradisca.
  5. Sigismund, vermählt mit Bramida (...).
  6. Christoph Horaz, geb. 1577.
  7. Alfons, geb. 1603.
  8. Franz Eustach, geb. 1608.
  9. Sigismund, geb. 1617, gest. 1672; vermählt 1.) 1646 mit Artemisia, Tochter des Franz nob. Alessio; 2.) 1648 mit Justina von Baselli, gest. 1695. Mit seinen Brüdern Landstand in Gradisca.
  10. Johann Oktav Felix, geb. 1668.
  11. Johann Josef, geb. 1650, gest. 1718; vermählt 1.) 1674 (?) mit Pyramida nob. Alessio de Periboni; 2.) mit Belisandra (...).
  12. Johann Alfons Anton, geb. 1657.
  13. Karl Eustach, aus zweiter Ehe, geb. 1682; vermählt 1712 mit Klara von Porta.
  14. Oktav Benedikt, aus zweiter Ehe, geb. und gest. 1684.
  15. Siegmund Franz, aus zweiter Ehe, geb. 1678, gest. 1686 (?).
  16. Siegmund, geb. 1723; 1754 Landstand von Görz.
  17. Franz Anton Josef, geb. 1713, gest. 1754; vermählt 1746 mit Camilla von Lottieri, geb. 1719, gest. 1803.
  18. Josef Anton, geb. 1715, gest. 1774; vermählt 1747 mit Faustina von Baselli, geb. 1712, gest. 1789.
  19. Karl Hannibal, geb. 1746; vermählt mit Eleonore von Gorzar.
  20. Johann Gabriel, geb. 1750, gest. 1827; vermählt 1800 mit Angela von Wassermann, gest. 1846.
  21. Anton Josef Franz, geb. 1750, gest. 1835; vermählt 1781 mit Marianna nob. Toscani.
  22. Klara, geb. 1751; vermählt 1794 mit Cesar Conte Manzano.
  23. Franz Maria Anton, geb. und gest. 1780.
  24. Johann, geb. 1819, gest. 1848.
  25. Franz Anton, geb. 1801, gest. 1861; vermählt mit Maria Comelli von Stuckenfeld, geb. 1819, gest. 1881.
  26. Josefa Lucretia, vermählt 1830 mit Peter Donda.
  27. Anton, vermählt 1828 mit Karolina Plenario.
  28. Johann Nepomuk, geb. 1798, gest. 1869.
  29. Josef Franz, geb. 1783, gest. 1852; vermählt 1822 mit Josefa von Finetti.
  30. Klara, vermählt 1809 mit Emanuel Lombard.
  31. Franz Anton, geb. 1785.
  32. Angela Johanna, geb. 1849; vermählt 1874 mit Johann Ludwig von Bachich.
  33. Margherita, geb. 1830.
  34. Anna, geb. 1831, gest. 1889.
  35. Ursula, geb. 1832.
  36. Maria, geb. 1836.


6. Vorläufige Einschätzung zum Fortbestand

Für die Linie Salamanca-Ortenburg in Kärnten ist das Erlöschen 1639 gut belegt.

Für die Gradisca-Linie Salamanca ist die Frage schwieriger. Die vorliegende Stammfolge reicht bis in das 19. Jahrhundert. In den letzten Generationen werden jedoch vor allem Töchter bzw. verheiratete Frauen genannt. Ein sicherer Nachweis einer heute noch blühenden agnatischen Linie ergibt sich aus den hier vorliegenden Angaben bislang nicht.

Besonders zu prüfen wären:
  • ob Johann Nepomuk, geb. 1798, gest. 1869, Nachkommen hatte;
  • ob Josef Franz, geb. 1783, gest. 1852, aus der Ehe mit Josefa von Finetti Nachkommen hatte;
  • ob Franz Anton, geb. 1785, weiter nachweisbar ist;
  • ob aus der Ehe Anton Salamanca oo Karolina Plenario außer den genannten Töchtern noch Söhne hervorgingen;
  • ob die Nennungen in Görz/Gradisca-Matriken oder im Adelskataster des 19. Jahrhunderts eine Fortsetzung erkennen lassen.


7. Offene Fragen an die Runde
  1. Hat jemand Zugriff auf eine farbige Vorlage des Siebmacher-Eintrags Salamanca, Stammwappen / Grafen zu Ortenburg, Niederösterreichischer Adel, Teil 2, S. 9, Tafel 3?
  2. Gibt es eine bessere Abbildung der Fundstelle Ortenburg-Salamanca im Niederösterreichischen Adel, Teil 1, S. 323, Tafel 171?
  3. Ist der Herzschild in der Siebmacher-Abbildung eindeutig als Salamanca-Stammwappen zu lesen?
  4. Hat jemand den Textband zu Siebmacher Niederösterreich zur Hand und kann die genaue Blasonierung des Gesamtwappens wiedergeben?
  5. Kann jemand die Angaben bei Schiviz von Schivizhoffen und Czoernig zur Gradisca-Linie kontrollieren?
  6. Hat jemand Zugang zu Coronini, Operum Miscellanea, Teil I, S. 51 ff., und kann die Angaben zum Diplom von 1520 sowie zur Aufnahme ins Gradiscaer Adelskonsortium 1654 überprüfen?
  7. Gibt es Nachweise zu einer noch blühenden Linie Salamanca in Görz/Gradisca, Italien, Österreich oder Spanien?
  8. Steht die kleinere Abbildung „Salamanca – Esp. Flandre“ in einem nachweisbaren Zusammenhang mit der österreichischen bzw. Gradiscaer Linie, oder handelt es sich um einen gesonderten spanisch-flämischen Zweig?


8. Quellen und Hinweise
Für Ergänzungen, Korrekturen und besonders für eine farbige Wappenvorlage wäre ich sehr dankbar.
"IN OMNIBUS ORDO"

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