Familie Uggeri – Besitz, Herrschaft und Erbe einer brescianischen Adelsfamilie

Familie Uggeri – Besitz, Herrschaft und Erbe einer brescianischen Adelsfamilie

4 Wochen 12 Stunden her - 2 Tage 11 Stunden her
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Geschichte von Milzanello bei Leno (Brescia) und der Familie Uggeri – Besitz, Herrschaft und Erbe einer brescianischen Adelsfamilie

Milzanello, heute eine Fraktion der Gemeinde Leno in der Provinz Brescia, ist ein besonders interessantes Beispiel dafür, wie Ortsgeschichte, Grundherrschaft, Familiengeschichte, Kirchenpatronat, Bewässerungswesen und Architektur über Jahrhunderte miteinander verbunden sein können.

1. Milzanello im historischen Umfeld der Abtei Leno

Die Geschichte Milzanellos steht in engem Zusammenhang mit dem Gebiet von Leno und der ehemaligen Benediktinerabtei San Benedetto di Leno. Diese Abtei wurde im 8. Jahrhundert im langobardischen Herrschaftsraum gegründet und entwickelte sich im Mittelalter zu einem wichtigen geistlichen, wirtschaftlichen und territorialen Zentrum der Bassa Bresciana.

Für Milzanello selbst sind sehr frühe Siedlungsspuren anzunehmen. Archäologische Hinweise aus dem Gebiet Leno–Milzanello–Porzano zeigen eine lange Besiedlungsgeschichte von der Vorgeschichte über die römische Zeit bis ins Frühmittelalter. Besonders bedeutsam ist der Hinweis auf frühmittelalterliche bzw. langobardische Befunde im weiteren Gebiet. Der Kirchenpatron San Michele Arcangelo passt gut in dieses Umfeld, da die Verehrung des Erzengels Michael im langobardischen Raum besonders verbreitet war. Eine direkte Herleitung des Ortsnamens „Milzanello“ aus dem Michaelkult bleibt jedoch quellenkritisch als Deutung bzw. Hypothese zu behandeln.

2. Von der Abtei- und Feudalherrschaft zur Familie Uggeri

Nach den älteren Herrschaftsverhältnissen im Gebiet der Abtei und nach mehreren Besitzwechseln erscheinen in der Überlieferung verschiedene brescianische Adels- bzw. Grundbesitzerfamilien, darunter Avelongo/Lavellongo, Poncarali, Lomelli, Martinengo und Gambara.

Der entscheidende Einschnitt erfolgte im 15. Jahrhundert: Die Familie Uggeri aus Brescia erwarb Milzanello von den Gambara. Hermann von Schullern gibt in Brixia Sacra 1914 den Erwerb mit „circa 1420“ an; eine andere lokalhistorische Überlieferung nennt 1424 und einen Kaufpreis von 1000 Dukaten. Solange der Kaufakt selbst nicht im Original oder in einer zuverlässigen Edition vorliegt, empfiehlt sich im Forum die vorsichtige Formulierung:

„um 1420/1424 gelangte Milzanello von den Gambara an die Familie Uggeri.“

Damit begann eine jahrhundertelange Prägung des Ortes durch die Uggeri.

 

3. Die Familie Uggeri – Herkunft und Aufstieg

Die Uggeri gehörten zu den brescianischen Familien, deren Bedeutung weniger auf spektakulären militärischen Leistungen, sondern vor allem auf Besitzkontinuität, kluger Heiratspolitik, Verwaltung, städtischer Einbindung und wirtschaftlicher Festigung beruhte.

In den genealogischen Notizen wird als früher Stammvater ein Alberto genannt. Ein Giovanni, Sohn des Alberto, erscheint als Bürger von Brescia und Besitzer von Gütern in Scarpizolo und Sambiago. Über Bettino, Giacomo, Pietro, Cristoforo und deren Nachkommen verlagerte sich der Schwerpunkt der Familie zunehmend auf Besitzungen im Raum Manerbio, Leno und Milzanello.

Für die weitere Familiengeschichte sind besonders folgende Linien und Personen hervorzuheben:
  • Pietro Uggeri, verheiratet mit Camilla Cigola, mit Besitzungen in Milzanello, Leno und Manerbio.
  • Antonio Maria Uggeri, der im 16. Jahrhundert weitere Güter erwarb und 1558 testierte.
  • Paolo Uggeri, aus dessen Nachkommenschaft die spätere Hauptlinie hervorging.
  • Pierfrancesco Uggeri, verheiratet 1695 mit Gabriela Nassini.
  • Paolo Antonio Uggeri, geboren 1665, gestorben 1746.
  • Vincenzo Uggeri, geboren 1717, gestorben 1789, verheiratet 1764 mit Bianca Maria Capece della Somaglia.
  • Paola Uggeri, geboren 1770, gestorben 1840, verheiratet 1787 mit Conte Rutilio Calini.
  • Dorotea Uggeri, verheiratet 1787 mit Conte Galeazzo bzw. Vespasiano/Galeazzo Luzzago; über ihre Tochter gelangten Teile des Besitzes an die Marchesi Di Bagno.

4. Milzanello unter der Familie Uggeri

Unter der Familie Uggeri wurde Milzanello über Jahrhunderte in wirtschaftlicher, baulicher und kirchlicher Hinsicht geprägt. Lombardia Archivi fasst dies sehr klar zusammen: Während der venezianischen Herrschaft war Milzanello eine kleine Ortschaft nahe der Mella, nicht einer Quadra unterstellt, weil sie im Besitz der Familie Uggeri stand, und als steuerbefreites Gebiet genannt. Die Einwohner waren überwiegend Bauern, die eine als sehr fruchtbar beschriebene Erde bearbeiteten.

Die Familie Uggeri war nicht nur Grundherrin, sondern auch Gestalterin des Ortsbildes. Der Besitz konzentrierte sich praktisch auf große Teile des kleinen Gemeindegebietes. Später gingen einzelne Teile durch Erbschaft an Familien wie Cigola, Fenaroli, Luzzago, Calini und Di Bagno über.

5. Kirche San Michele Arcangelo und jus patronatus

Ein besonders wichtiger Punkt ist die Kirche San Michele Arcangelo in Milzanello. Ihre Ursprünge reichen in die Mitte des 15. Jahrhunderts. Die Kirche wurde am 29. September 1462 durch den Bischof von Brescia Bartolomeo Malipiero geweiht. 1468 wurde sie zur Pfarrkirche erhoben; das Patronatsrecht, also das jus patronatus, wurde der Familie Uggeri zugestanden.

Dieses Patronatsrecht ist genealogisch und sozialgeschichtlich sehr bedeutsam. Es zeigt, dass die Uggeri nicht nur Landbesitzer waren, sondern auch eine kirchlich-rechtliche Stellung im Ort innehatten. Sie konnten damit Einfluss auf die Besetzung der Pfarrstelle und auf das kirchliche Leben nehmen.

Im Archiv der Familie Uggeri befindet sich ausdrücklich eine eigene Überlieferungsgruppe zu „Ius patronato di Milzanello“, Privilegien und Steuerbefreiungen. Das macht diesen Bestand für die weitere Forschung besonders wertvoll.

6. Wasser, Landwirtschaft und die Seriola Uggera

Die Geschichte Milzanellos ist auch eine Geschichte des Wassers. In der Bassa Bresciana waren Bewässerung, Mühlen, Kanäle und Wasserrechte für den wirtschaftlichen Erfolg eines Gutes entscheidend.

Die nach der Familie benannte Seriola Uggera erinnert bis heute an diese Verbindung. Sie war ein künstlicher Kanal im Gebiet von Bagnolo Mella und Leno und wird mit der Familie Uggeri in Verbindung gebracht, die in Milzanello begütert war. Wasserrechte, Nutzungskonflikte und Bewässerungsfragen erscheinen auch in den Archivalien des alten Gemeindearchivs von Leno und im Familienarchiv Uggeri.

Gerade für die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte ist dies ein spannender Ansatzpunkt: Wer Wasser kontrollierte, kontrollierte in der fruchtbaren Ebene nicht nur Felder, sondern auch Ertrag, Mühlen, Pachten und lokale Abhängigkeiten.

7. Architektur: Palazzo, Cascine und ländliche Herrschaft

Das Ortsbild Milzanellos ist bis heute von großen landwirtschaftlichen Baukomplexen geprägt. Lombardia Archivi spricht sinngemäß von den Cascine als „Kathedralen in der Landschaft“. Zu nennen sind insbesondere:
  • Castelletto bzw. Palazzo/Casa Uggeri an der Hauptstraße von Milzanello, mit Garten und Resten der alten herrschaftlichen Struktur.
  • Cascina Palazzo, ein bedeutender geschlossener Hofkomplex.
  • Cascina Fabbrica und weitere landwirtschaftliche Baugruppen.
  • Mühlen- und Wirtschaftsgebäude, die auf Verarbeitung, Handwerk und landwirtschaftliche Produktion hinweisen.

Zur Cascina Palazzo ist überliefert, dass sie 1852 an Contessa Dorotea Uggeri, Tochter des verstorbenen Vincenzo, Witwe Luzzago, kam. Ihre Tochter, verheiratet mit einem Marchese Di Bagno, brachte Besitz an dieses mantuanische Haus. Damit wird zugleich das Erlöschen bzw. Aufgehen der patrizischen Familie Uggeri in anderen Familienzusammenhängen sichtbar.

8. Bevölkerungsentwicklung – quellenkritische Korrektur

In einem der Ausgangstexte wurden für Milzanello Einwohnerzahlen von etwa 170–180 im 17. Jahrhundert, etwa 630 gegen Ende desselben Jahrhunderts und rund 800 im 19. Jahrhundert genannt. Diese Zahlen konnten bei der kurzen Gegenprüfung nicht bestätigt werden.

Die bei Lombardia Archivi nachweisbaren Angaben lauten:
  • zur venezianischen Zeit: 150 Seelen in 24 Familien;
  • 1861: 406 Einwohner;
  • 1871: 1037 Einwohner;
  • 1901: 1619 Einwohner;
  • 1921: 1670 Einwohner;
  • 2005: 295 Einwohner.

Diese Zahlen sollten im Forumsbeitrag verwendet werden, bis eine bessere Primärquelle für die abweichenden Angaben vorliegt.

9. Die letzten Uggeri und der Übergang an Calini, Luzzago und Di Bagno

Die genealogisch besonders wichtige Endphase der Familie Uggeri liegt im 18. und 19. Jahrhundert.

Vincenzo Uggeri, geboren 1717 und gestorben 1789, heiratete am 30. September 1764 Bianca Maria Capece della Somaglia aus Piacenza. Bianca war eine gebildete und kulturell bedeutende Frau; in Brescia ist sie als Salonnière und als Förderin literarischer und theatralischer Kultur bekannt. Sie starb 1822.

Aus dieser Verbindung stammen u. a.:
  • Paola Uggeri, geboren am 5. Februar 1770, verheiratet am 24. April 1787 mit Conte Rutilio Calini.
  • Dorotea Uggeri, geboren 1771, verheiratet am 10. Oktober 1787 mit Conte Galeazzo Luzzago.

Hermann von Schullern hat in Brixia Sacra 1914 Auszüge aus den Pfarrbüchern von Milzanello veröffentlicht. Dort werden die Eheschließungen Vincenzo Uggeri/Bianca Capece della Somaglia, Paola Uggeri/Ruttilio Calini und Dorotea Uggeri/Galeazzo Luzzago ausdrücklich genannt. Ebenso werden Sterbeeinträge mehrerer Angehöriger der Familie Uggeri wiedergegeben.

Über Dorotea Uggeri und ihre Tochter gelangte ein Teil des Erbes an die Marchesi Di Bagno. Über Paola Uggeri und Conte Rutilio Calini kam ein anderer Teil in die Besitz- und Erbzusammenhänge der Familie Calini.

10. Verbindung Calini – Finetti – Schullern

Von besonderem Interesse für die weitere genealogische Forschung ist die Besitz- und Erbfolge über die Familie Calini.

Nach den vorliegenden Notizen kam durch die Ehe Paola Uggeri mit Conte Rutilio Calini ein Teil der Uggeri’schen Besitz- und Herrschaftsrechte an die Familie Calini di Calino ai Fiumi. Diese Linie soll im 19. Jahrhundert mit Contessa Caterina Calini di Calino ai Fiumi erloschen sein. Caterina hinterließ Besitzungen ihren Töchtern aus der Verbindung mit Johann Baptist Ritter von Finetti. Über deren Tochter Paula gelangte der Besitz schließlich in die Familie Schullern.

Diese Linie ist genealogisch plausibel und wird durch vorhandene Ahnentafeln zur Familie Schullern gestützt. Für eine endgültige Besitzgeschichte wären jedoch zusätzlich Grundbuch-, Kataster-, Erb- und Enteignungsakten heranzuziehen.

Die im Ausgangstext genannte Enteignung im Jahr 1922 durch das faschistische Regime unter Benito Mussolini ist als Familienüberlieferung bzw. Forschungsbehauptung aufzunehmen, sollte aber im nächsten Schritt anhand italienischer Verwaltungs-, Grundbuch- oder Entschädigungsakten überprüft werden.

11. Wappen der Familie Uggeri

Im Ausgangsmaterial wird das Wappen der Uggeri beschrieben als:

„Ein schräggestelltes rotes Gitter auf blauem Grund, darüber drei goldene Lilien.“

Diese Beschreibung sollte heraldisch noch anhand einer Abbildung, eines Grabdenkmals, eines Siegels oder eines Wappenbuches überprüft werden. Besonders interessant wäre das am Palazzo bzw. an Casa Uggeri in Marmor angebrachte Wappen, sofern davon ein gutes Foto vorliegt.

 

Mögliche Blasonierung nach der vorliegenden Beschreibung:

In Blau ein schräggestelltes rotes Gitter, darüber drei goldene Lilien.

Zu prüfen wäre:
  • ob das „Gitter“ als Rost, Gitterwerk, Schräggitter oder anderes heraldisches Gerät zu deuten ist;
  • ob die Lilien im Schildhaupt stehen oder frei im oberen Schildteil angeordnet sind;
  • ob die Tingierung Blau/Rot/Gold korrekt ist;
  • ob es Varianten des Wappens in Brescia, Milzanello oder in den Familienarchiven gibt.

12. Genealogische Arbeitsnotizen zur Familie Uggeri

Die folgende Übersicht ist als Arbeitsgerüst zu verstehen und sollte anhand der genannten Quellen weiter überprüft werden:

Genealogische Notizen Uggeri


13. Offene Forschungsfragen
  1. Gibt es eine digitale oder archivalisch genau zitierbare Abschrift des Kaufvertrags, mit dem Milzanello um 1420/1424 von den Gambara an die Uggeri gelangte?
  2. Ist der im Ausgangstext erwähnte Zusatzkauf bzw. die Besitzfestigung von 1444 oder 1446 im Archivio famiglia Uggeri nachweisbar?
  3. Lässt sich das Wappen der Uggeri am Palazzo/Casa Uggeri in Milzanello fotografisch dokumentieren?
  4. Welche Besitzanteile kamen über Paola Uggeri an Calini, über Dorotea Uggeri an Luzzago/Di Bagno, und welche später an Finetti bzw. Schullern?
  5. Gibt es Grundbuch-, Kataster- oder Verwaltungsakten zur behaupteten Enteignung des Besitzes im Jahr 1922/1925?
  6. Wo befindet sich heute der ältere Teil des Familienarchivs Uggeri: vollständig im Archivio di Stato di Brescia, teilweise in Mantua/Di Bagno, oder zusätzlich in Privatbesitz?
  7. Welche Rolle spielten die Wasserrechte an der Seriola Uggera und Seriola Milzanella in den Streitigkeiten zwischen Milzanello, Leno und den Grundbesitzerfamilien?

14. Quellen und weiterführende Hinweise
15. Kurzfazit

Milzanello ist ein lohnendes Beispiel für genealogische Ortsforschung im besten Sinn: Die Geschichte eines kleinen Dorfes öffnet den Blick auf Abtei- und Feudalgeschichte, brescianischen Stadtadel, Wasserrechte, Kirchenpatronat, Architekturgeschichte, weibliche Erbfolgen und den Übergang von adeliger Grundherrschaft in moderne Verwaltungs- und Besitzverhältnisse.

Die Familie Uggeri prägte Milzanello über mehrere Jahrhunderte. Ihr Erbe ging über weibliche Linien an Calini, Luzzago und Di Bagno weiter; über die Linie Calini–Finetti ergeben sich weitere Verbindungen zur Familie Schullern. Gerade diese Übergänge machen den Fall für Heraldiker und Genealogen besonders spannend.
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Re: Anmerkungen, Korrekturen und Ergänzungen zur Familie Uggeri di Milzanello

3 Tage 10 Stunden her - 3 Tage 8 Stunden her
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Anmerkungen, Korrekturen und Ergänzungen zur Familie Uggeri di Milzanello

Zunächst möchte ich mich für den ausführlichen und kenntnisreichen Beitrag zur Familie Uggeri di Milzanello bedanken. Besonders verdienstvoll ist der Versuch, die Geschichte des Grundbesitzes in Milzanello mit der Genealogie der Familie und ihren späteren Verbindungen zu den Häusern Calini, Finetti und Schullern zusammenzuführen.

Bei der Überprüfung einzelner Angaben anhand der veröffentlichten Pfarrbuchauszüge von Milzanello und weiterer brescianischer Quellen ergeben sich einige Ergänzungen und Korrekturen. Sie stellen die Grundlinie des Beitrags nicht infrage, sondern sollen dazu beitragen, die Darstellung an mehreren Stellen präziser und quellenkritisch belastbarer zu machen.

Die Ehe zwischen Vincenzo Uggeri und Bianca Maria Capece della Somaglia ist durch die von Hermann von Schullern im Jahr 1914 veröffentlichten Auszüge aus den Pfarrmatriken von Milzanello belegt. Demnach fand die Eheschließung am 30. September 1764 in Piacenza statt.

Für Vincenzo Uggeri nennt der Sterbeeintrag den 21. Februar 1789 und ein Alter von 72 Jahren. Daraus ergibt sich ein ungefähres Geburtsjahr 1716 oder 1717. Solange kein Taufeintrag vorliegt, wäre daher die vorsichtige Formulierung vorzuziehen:
Vincenzo Uggeri, geboren um 1716/17, gestorben am 21. Februar 1789.
Bianca Maria Capece della Somaglia starb nach demselben Quellenkomplex am 23. März 1822. Die Namensform Capece della Somaglia erscheint in den bislang geprüften Quellen besser abgesichert als die gelegentlich verwendete Variante „Cavazzi della Somaglia“. Letztere sollte nur dann verwendet werden, wenn sich dafür ein konkreter zeitgenössischer Beleg anführen lässt.

Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor. Sicher feststellbar sind unter anderem Paolo, getauft am 22. April 1766, Carlo Giuseppe Maria Francesco Baldassare, getauft am 19. Dezember 1767, Paola, geboren am 5. Februar 1770, und Dorotea, geboren am 14. Juli 1771. Da die Wiedergabe der älteren Matrikeleinträge teilweise schwer lesbar ist, wäre für eine vollständige Kinderliste die Einsicht in die Originalmatriken oder hochwertige Digitalisate wünschenswert.

Für Paola Uggeri ist das korrekte Heiratsdatum mit Rutilio Conte Calini der 24. April 1787. Diese Verbindung wird nicht nur durch die Pfarrbuchauszüge, sondern auch durch einen zeitgenössischen Hochzeitsdruck bestätigt. Luigi Macchis Schrift Il rapimento di Elena fatto da Teseo a Sparta nella danza dell’innocenza erschien 1787 in Brescia ausdrücklich zu den „glückverheißenden Hochzeiten“ des Conte Rutilio Calini und der Contessa Paola Uggeri. Der Druck ist Bianca della Somaglia-Uggeri als der „liebevollsten Mutter der Braut“ gewidmet. Damit bestätigt er zugleich die Ehe und die mütterliche Abstammung Paolas.

Ein an anderer Stelle genanntes Datum, der 26. Juni 1787, dürfte auf einem Irrtum beruhen und sollte nicht weitergeführt werden.

Auch bei Dorotea Uggeri ist eine kleine, aber wichtige Korrektur notwendig. Sie heiratete am 10. Oktober 1787 den Conte Galeazzo Luzzago. Vespasiano war nicht ein alternativer Vorname des Ehemannes, sondern dessen Vater. Die Formulierung „Galeazzo beziehungsweise Vespasiano Luzzago“ ist daher missverständlich.

Richtig wäre:
Dorotea Uggeri, geboren am 14. Juli 1771, heiratete am 10. Oktober 1787 Galeazzo Conte Luzzago, Sohn des Vespasiano Luzzago.
Galeazzo Luzzago starb am 18. März 1824 in Brescia.

Auch beim Erwerb Milzanellos ist eine gewisse Vorsicht angezeigt. Gesichert erscheint, dass der Besitz im frühen 15. Jahrhundert von der Familie Gambara an die Uggeri gelangte. In der Literatur begegnen jedoch zwei Datierungen: einerseits um 1420, andererseits der genauere Termin 19. Februar 1424.

Für das Jahr 1424 werden Pietro und Cristoforo Uggeri, Söhne des verstorbenen Bettino Uggeri, als Käufer und Marsilio und Maffeo Gambara als Verkäufer genannt. Auch ein Kaufpreis von 1.000 Dukaten wird überliefert. Solange der Originalakt oder zumindest ein präzises archivalisches Regest nicht vorliegt, wäre eine zurückhaltende Formulierung sinnvoll:
Um 1420/1424 gelangte Milzanello von den Gambara an Pietro und Cristoforo Uggeri, Söhne des Bettino. Das genaue Datum und der genannte Kaufpreis bedürfen noch der Überprüfung am Kaufakt.
Die Uggeri waren ohne Zweifel über Jahrhunderte die wirtschaftlich dominierende Familie Milzanellos. Belegt sind umfangreicher Grundbesitz, Wasser- und Bewässerungsrechte, Abgabenprivilegien, das Patronatsrecht über die Pfarrkirche und eine weitreichende bauliche und soziale Prägung des Ortes.

Der Begriff „Grundherrschaft“ sollte dennoch mit Bedacht verwendet werden. Es wäre rechtshistorisch sinnvoll, zwischen Großgrundbesitz, Patronatsrecht, Steuer- und Abgabenprivilegien, lokaler Einflussnahme und einer eigentlichen feudalen Herrschaft zu unterscheiden. Eine wirtschaftlich überragende Grundbesitzerfamilie war nicht automatisch in jedem rechtlichen Sinn Grundherrin des gesamten Ortes.

Für die weitere Forschung von zentraler Bedeutung ist das Archivio famiglia Uggeri, dessen Unterlagen den Zeitraum von 1318 bis 1839 umfassen. Der Bestand gehört zur Überlieferung des Comune di Brescia und wird heute durch das Archivio di Stato di Brescia verwahrt beziehungsweise über dessen Findmittel erschlossen.

Besonders aufschlussreich dürften darin Testamente, Mitgiftverträge, Eheverträge, Erbteilungen, Besitzkäufe, Investituren, Wasserrechtsakten sowie Unterlagen zum ius patronatus und zu Steuerbefreiungen sein. Gerade die frühe Stammfolge sollte nach Möglichkeit aus diesen Urkunden aufgebaut und nicht allein aus späteren genealogischen Tabellen übernommen werden.

Die im Beitrag dargestellte frühe Genealogie ist als Arbeitsgrundlage nützlich, weist aber noch einige chronologische und personelle Unklarheiten auf. So erscheint etwa ein Bettino Uggeri mit Todesdaten um 1580 oder 1591, während bereits im Zusammenhang mit dem Erwerb Milzanellos im frühen 15. Jahrhundert ein Bettino als Vater von Pietro und Cristoforo begegnet. Hier dürften mindestens zwei gleichnamige Personen miteinander vermischt worden sein.

Ähnlich problematisch ist die Angabe zu Pietro Uggeri, der 1537 gestorben sein soll, verbunden mit Camilla Cigola und der Jahreszahl 1560. Falls 1560 als Heiratsjahr gemeint ist, kann die Angabe nicht stimmen. Denkbar wäre vielmehr, dass sich die Jahreszahl auf ein Testament, einen Rechtsakt, einen Besitzübergang oder auf Camillas Todesjahr bezieht.

Auch bei Antonio Maria Uggeri und seinen beiden Ehefrauen Eleonora Calini und Eleonora Feroldi sollte deutlicher getrennt werden, welche Kinder aus welcher Ehe hervorgingen.

Für Paolo Uggeri nennt der veröffentlichte Pfarrbuchauszug den 16. Februar 1747 als Sterbedatum und ein Alter von 82 Jahren. Das im Stammbaum genannte Todesjahr 1746 sollte daher überprüft und wahrscheinlich korrigiert werden.

Für die weitere Bearbeitung wäre es hilfreich, die Stammtafel mit einfachen Quellenkürzeln zu versehen. So ließe sich unmittelbar erkennen, ob eine Angabe aus einem Kirchenbuch, einem Notariatsakt, einem Testament, einer Archivakte oder lediglich aus späterer Literatur stammt. Unsichere Zuordnungen könnten zusätzlich mit einem Fragezeichen gekennzeichnet werden.

Auch die Angabe, Paola Uggeri sei Hofdame der „Kaiserin Maria Luigia von Frankreich“ gewesen, bedarf noch eines konkreten Nachweises. Gemeint sein dürfte Marie-Louise von Österreich, Kaiserin der Franzosen und spätere Herzogin von Parma, Piacenza und Guastalla.

Sollte sich die Tätigkeit als Hofdame bestätigen lassen, wäre eine historisch passendere Formulierung:
Paola Uggeri war Hofdame der Kaiserin Marie-Louise beziehungsweise der Herzogin Maria Luigia von Parma.
Bis zum Fund eines Hofkalenders, eines Personalverzeichnisses, eines Briefes oder einer anderen zeitgenössischen Quelle sollte diese Angabe jedoch als nicht verifiziert gelten.

Die genealogische Verbindung Uggeri – Calini – Finetti – Schullern ist grundsätzlich nachvollziehbar. Aus der Ehe Paola Uggeris mit Rutilio Calini lässt sich jedoch nicht automatisch schließen, dass der gesamte oder auch nur ein genau bestimmbarer Teil des Uggerischen Besitzes an die Calini überging.

Zu berücksichtigen wären insbesondere die Mitgift Paolas, mögliche Erbteilungen mit Dorotea, fideikommissarische Bindungen, Nutzungsrechte, Verkäufe, Ausgleichszahlungen und spätere Neuerwerbungen. Daher wäre die vorsichtige Formulierung, dass möglicherweise ein Teil des Uggerischen Vermögens über Paola an die Familie Calini gelangte, derzeit sachgerechter als eine definitive Besitzbehauptung.

Auch die familiengeschichtlich überlieferte Enteignung um 1922 sollte noch genauer untersucht werden. Die Bezeichnung als „faschistische Enteignung“ ist in dieser pauschalen Form problematisch, da Mussolini erst Ende Oktober 1922 die Regierung übernahm. Eine tatsächliche Enteignung müsste daher exakt datiert und rechtlich eingeordnet werden.

Denkbar wären ebenso eine Enteignung für öffentliche Zwecke, ein Zwangsverkauf, eine steuerbedingte Verwertung, eine Flurbereinigung, eine kommunale Neuordnung oder die Ablösung älterer Nutzungs- und Wasserrechte. Bis zum Fund einschlägiger Akten wäre daher folgende Formulierung angemessen:
Eine familiengeschichtlich überlieferte Enteignung um 1922 ist bislang archivalisch nicht verifiziert.

Rekapitulation der offenen Fragen
Offen bleiben vor allem die lückenlose Stammfolge vor dem 18. Jahrhundert, die genaue rechtliche Stellung der Uggeri in Milzanello, die Herkunft und Anerkennung des Contetitels, das authentische vollumfängliche Familienwappen, der konkrete Besitzübergang an Calini, Finetti und Schullern sowie die behauptete Enteignung im frühen 20. Jahrhundert.

Der bestehende Beitrag sollte daher nicht ersetzt, sondern schrittweise ergänzt werden. Besonders wertvoll wäre eine klare Trennung zwischen gesicherten Tatsachen, plausiblen Rekonstruktionen und noch offenen Forschungsfragen. Gerade diese Transparenz erhöht den wissenschaftlichen Wert einer genealogischen Darstellung erheblich!
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