Earls of Denbigh-Hapsburg – eine britische Peerage-Kuriosität von 1857
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Earls of Denbigh-Hapsburg – eine britische Peerage-Kuriosität von 1857
4 Wochen 1 Tag her
Earls of Denbigh-Hapsburg – eine britische Peerage-Kuriosität von 1857
KASTULUS
Beim Durchsehen einer britischen Peerage-Ausgabe von 1857 bin ich auf einen bemerkenswerten Eintrag zu den Earls of Denbigh aus der Familie Feilding gestoßen. Dort wird William Basil Percy Feilding, 7th Earl of Denbigh, nicht nur mit seinen englischen und irischen Peerage-Titeln genannt, sondern zusätzlich als:
Im selben Artikel heißt es weiter, Lord Denbigh sei:
und die Familie nehme für sich eine Abstammung von den Grafen von Habsburg in Anspruch. Der Stammvater Geffery/Geoffrey, Count of Hapsburg, soll demnach zur Zeit Heinrichs III. nach England gekommen sein. Am Ende des Artikels wird ausdrücklich behauptet:
Auch heraldisch ist der Eintrag auffällig. Als Wappen wird nicht nur das Feilding-Wappen beschrieben, sondern ein mit dem österreichischen Adler verbundenes Wappenbild:
Zusätzlich wird ein angeblich „deutsches“ Wappen genannt:
Als „German crest“ wird ferner eine Palme mit Gewichten an den Zweigen beschrieben, dazu das sprechende Motto:
Das macht den Fall besonders interessant: Wir haben hier nicht nur eine genealogische Behauptung, sondern offenbar auch eine heraldische und titulare Selbstdarstellung, die den Earls of Denbigh eine Nähe zum Hause Habsburg-Laufenburg-Rheinfelden zuschreibt.
Wie ist das zu bewerten?
Nach jetzigem Eindruck ist große Vorsicht angebracht. Der Eintrag belegt zunächst einmal, dass die Denbighs diese Tradition im 19. Jahrhundert in britischen Peerage-Werken geführt bzw. zugeschrieben bekommen haben. Er beweist aber noch nicht, dass ein reichsrechtlich tragfähiger Titel „Graf von Habsburg-Laufenburg und Rheinfelden“ tatsächlich durch Diplom, kaiserliche Bestätigung oder sonstigen anerkennbaren Akt bestand.
J. Horace Round hat den Fall später ausführlich unter dem bezeichnenden Titel Our English Hapsburgs: A Great Delusion behandelt. Er kommt sinngemäß zum Ergebnis, dass die Habsburg-Abstammung der Feilding/Earls of Denbigh auf sehr zweifelhaften genealogischen Konstruktionen beruhe. Besonders bemerkenswert ist, dass Round die frühesten greifbaren Spuren der deutschen Würdenführung erst in der Zeit Karls II. sieht und dass er die auf „Rheinfelden“ bezogenen Feilding-Dokumente entschieden verwirft. Nach Round verschwand die ganze Habsburg-Geschichte schließlich auch aus Burke’s Peerage um 1900.
Ein weiterer zeitgenössischer Hinweis ist fast noch aufschlussreicher: In einem Artikel „Anglo-German Nobility“ von 1851 wird William Basil Feilding, Earl of Denbigh, zwar als Count of the Holy Roman Empire bezeichnet, jedoch mit dem Zusatz:
Das ist für unsere Fragestellung sehr wichtig: Es deutet darauf hin, dass schon im 19. Jahrhundert zwar eine Tradition oder Behauptung bestand, aber gerade kein Patent und kein Verleihungsdatum greifbar waren.
Zwischenfazit zu Denbigh-Hapsburg
Ich würde den Fall derzeit so einordnen:
Die Denbighs führten bzw. beanspruchten im britischen Kontext zeitweise eine Habsburg-Laufenburg-Rheinfelden-Tradition, die auch in Peerage-Werken und in der Wappenbeschreibung Niederschlag fand. Als belastbarer Nachweis eines echten Reichsgrafentitels genügt das aber nicht. Ohne Diplom, kaiserliche Bestätigung, Eintragung in maßgeblichen Reichs- oder Hofunterlagen oder eine gesicherte Anerkennung bleibt es vorerst eine genealogisch-heraldische Familienlegende mit erstaunlich langer Nachwirkung.
Zweites Kuriosum: De La Feld
In derselben Peerage-Ausgabe findet sich unter „Foreign Nobility“ auch ein Eintrag:
Die angegebene Genealogie ist ebenfalls ausgesprochen „großartig“ formuliert. Die Familie sei von sehr alter deutscher Herkunft, habe in Feldkirch im österreichischen Tirol und im Château de La Feld im Elsass gesessen. Schon im 11. Jahrhundert habe Hubert, Count de la Feld, Papst Leo IX. auf dessen Weg zur Weihe des Straßburger Münsters empfangen.
Weiter heißt es, aus diesem Ursprung seien mehrere Linien hervorgegangen, darunter:
Besonders auffällig ist die angebliche Standeserhöhung:
Hier liegt allerdings sofort ein Problem: Die Schlacht bei Zenta fand 1697 statt. Ein Patent „bearing date 1695“ kann daher nicht eine Auszeichnung „nach“ oder „wegen“ Zenta gewesen sein. Entweder ist das Datum falsch gelesen/gedruckt, oder die Erzählung ist in sich unstimmig. Schon dieser Punkt macht eine Überprüfung in den Originalquellen zwingend.
Auch bei De La Feld: was ist gesichert?
Gesichert ist vorerst nur, dass der Name und die behauptete Würde in der britischen Peerage-Literatur auftauchen. Eine Bestätigung in Frank’s Standeserhebungen oder bei Hefner scheint nach bisheriger Durchsicht nicht greifbar zu sein. Gerade deshalb wäre hier zu prüfen, ob es ein kaiserliches Diplom Leopolds I., eine spätere Adelsbestätigung, eine österreichische Naturalisation oder eine Registrierung in englischen heraldischen Unterlagen gab.
Der Eintrag selbst verweist für den protestantischen englischen Zweig auf Burke’s History of the Landed Gentry. Das wäre ein weiterer Ansatzpunkt, ersetzt aber natürlich kein Diplom.
Mögliche Prüfstellen und Folgefragen
Hat jemand den vollständigen Denbigh-Artikel der Peerage-Ausgabe 1857 vorliegen, insbesondere die fehlenden Spalten 2 und 3?
Gibt es im College of Arms eine registrierte Wappenführung der Earls of Denbigh mit dem österreichischen Adler bzw. mit Bezug auf Habsburg-Laufenburg-Rheinfelden?
Ist eine kaiserliche Anerkennung oder ein Diplom für die angebliche Reichsgrafenwürde der Denbighs irgendwo nachweisbar, oder handelt es sich nur um eine in England tradierte Familienbehauptung?
Wurde der Titel „Count of Hapsburg-Laufenburg and Rheinfelden“ jemals in kontinentalen Adelsverzeichnissen, im Gotha, in österreichischen Hof- oder Staatskalendern oder in Reichsadelsakten anerkannt?
Gibt es zu De La Feld ein kaiserliches Diplom Leopolds I. aus 1695, 1697 oder 1698? Die Angabe „Zenta“ macht das gedruckte Datum 1695 jedenfalls verdächtig.
Was ist mit den angeblichen römischen Bestätigungen von 1578 und 1697 gemeint? Handelt es sich um päpstliche Ordens-/Rangbestätigungen, um bloße genealogische Anerkennungen oder um eine spätere Ausschmückung?
Kann jemand die Familie De La Feld in Frank, Hefner, Siebmacher, im Österreichischen Staatsarchiv oder in einschlägigen Reichsadelsregistern nachweisen?
Quellen und Ansatzpunkte
Dodd’s Peerage/Baronetage/Knightage, Ausgabe 1857, Artikel „Denbigh“ und „De La Feld“; Scans liegen vor.
J. Horace Round, Studies in Peerage and Family History, 1901, Kapitel „Our English Hapsburgs: A Great Delusion“, S. 216 ff.:
archive.org/details/...02rounuoft
Zeitgenössischer Hinweis „Anglo-German Nobility“, mit Bezug auf das „Red Book of Vienna“ / Almanach impérial 1851:
trove.nla.gov.au/new...le/3709648
De-La-Feild-Tradition bei Library Ireland / Irish Pedigrees, als späterer Traditionsbeleg, nicht als Diplomnachweis:
www.libraryireland.c...-feild.php
College of Arms, naheliegende Anfragestelle für englische Wappen- und Pedigree-Registrierungen:
www.college-of-arms.gov.uk/
KASTULUS
Beim Durchsehen einer britischen Peerage-Ausgabe von 1857 bin ich auf einen bemerkenswerten Eintrag zu den Earls of Denbigh aus der Familie Feilding gestoßen. Dort wird William Basil Percy Feilding, 7th Earl of Denbigh, nicht nur mit seinen englischen und irischen Peerage-Titeln genannt, sondern zusätzlich als:
„Count of Hapsburg-Laufenburg and Rheinfelden, in Germany“
Im selben Artikel heißt es weiter, Lord Denbigh sei:
„a Count of the Holy Roman Empire“
und die Familie nehme für sich eine Abstammung von den Grafen von Habsburg in Anspruch. Der Stammvater Geffery/Geoffrey, Count of Hapsburg, soll demnach zur Zeit Heinrichs III. nach England gekommen sein. Am Ende des Artikels wird ausdrücklich behauptet:
„His lordship’s ancestor, William, 3rd Earl of Denbigh, resumed the ancient denomination of Hapsburg, which his descendants still use.“
Auch heraldisch ist der Eintrag auffällig. Als Wappen wird nicht nur das Feilding-Wappen beschrieben, sondern ein mit dem österreichischen Adler verbundenes Wappenbild:
Arms: „A field, argent, thereon an eagle displayed, sable, armed and membered, or, bearing the ensigns of Feilding, argent, on a fess, azure, three lozenges, or.“
Zusätzlich wird ein angeblich „deutsches“ Wappen genannt:
„The German arms are The Austrian eagle, with a lion, rampant, gules, on a shield, or.“
Als „German crest“ wird ferner eine Palme mit Gewichten an den Zweigen beschrieben, dazu das sprechende Motto:
„Crescit sub pondere virtus.“
Das macht den Fall besonders interessant: Wir haben hier nicht nur eine genealogische Behauptung, sondern offenbar auch eine heraldische und titulare Selbstdarstellung, die den Earls of Denbigh eine Nähe zum Hause Habsburg-Laufenburg-Rheinfelden zuschreibt.
Wie ist das zu bewerten?
Nach jetzigem Eindruck ist große Vorsicht angebracht. Der Eintrag belegt zunächst einmal, dass die Denbighs diese Tradition im 19. Jahrhundert in britischen Peerage-Werken geführt bzw. zugeschrieben bekommen haben. Er beweist aber noch nicht, dass ein reichsrechtlich tragfähiger Titel „Graf von Habsburg-Laufenburg und Rheinfelden“ tatsächlich durch Diplom, kaiserliche Bestätigung oder sonstigen anerkennbaren Akt bestand.
J. Horace Round hat den Fall später ausführlich unter dem bezeichnenden Titel Our English Hapsburgs: A Great Delusion behandelt. Er kommt sinngemäß zum Ergebnis, dass die Habsburg-Abstammung der Feilding/Earls of Denbigh auf sehr zweifelhaften genealogischen Konstruktionen beruhe. Besonders bemerkenswert ist, dass Round die frühesten greifbaren Spuren der deutschen Würdenführung erst in der Zeit Karls II. sieht und dass er die auf „Rheinfelden“ bezogenen Feilding-Dokumente entschieden verwirft. Nach Round verschwand die ganze Habsburg-Geschichte schließlich auch aus Burke’s Peerage um 1900.
Ein weiterer zeitgenössischer Hinweis ist fast noch aufschlussreicher: In einem Artikel „Anglo-German Nobility“ von 1851 wird William Basil Feilding, Earl of Denbigh, zwar als Count of the Holy Roman Empire bezeichnet, jedoch mit dem Zusatz:
„neither patent nor date extant“
Das ist für unsere Fragestellung sehr wichtig: Es deutet darauf hin, dass schon im 19. Jahrhundert zwar eine Tradition oder Behauptung bestand, aber gerade kein Patent und kein Verleihungsdatum greifbar waren.
Zwischenfazit zu Denbigh-Hapsburg
Ich würde den Fall derzeit so einordnen:
Die Denbighs führten bzw. beanspruchten im britischen Kontext zeitweise eine Habsburg-Laufenburg-Rheinfelden-Tradition, die auch in Peerage-Werken und in der Wappenbeschreibung Niederschlag fand. Als belastbarer Nachweis eines echten Reichsgrafentitels genügt das aber nicht. Ohne Diplom, kaiserliche Bestätigung, Eintragung in maßgeblichen Reichs- oder Hofunterlagen oder eine gesicherte Anerkennung bleibt es vorerst eine genealogisch-heraldische Familienlegende mit erstaunlich langer Nachwirkung.
Zweites Kuriosum: De La Feld
In derselben Peerage-Ausgabe findet sich unter „Foreign Nobility“ auch ein Eintrag:
JOHN, COUNT DE LA FELD, a Count of the Holy Roman Empire, and a knight of the chapteral Order of St. Sepulchre, born 23 Dec. 1795; married 18 March 1828 Lady Cecil Jane Pery, daughter of Edmond-Henry, Earl of Limerick.
Die angegebene Genealogie ist ebenfalls ausgesprochen „großartig“ formuliert. Die Familie sei von sehr alter deutscher Herkunft, habe in Feldkirch im österreichischen Tirol und im Château de La Feld im Elsass gesessen. Schon im 11. Jahrhundert habe Hubert, Count de la Feld, Papst Leo IX. auf dessen Weg zur Weihe des Straßburger Münsters empfangen.
Weiter heißt es, aus diesem Ursprung seien mehrere Linien hervorgegangen, darunter:
„the Barons Von der Feld of Estonia, the Counts de la Feld of Breslau and of Westphalia, now extinct, and the branch settled in England.“
Besonders auffällig ist die angebliche Standeserhöhung:
Count John de la Feld, ancestor to the present Count, having greatly distinguished himself in the imperial service against the Turks, and having taken a standard from the enemy at the battle of Zenta, in Hungary, was created by the Emperor Leopold I. a Count of the Holy Roman Empire, the patent bearing date 1695, and the dignity to descend to his heirs for ever.
Hier liegt allerdings sofort ein Problem: Die Schlacht bei Zenta fand 1697 statt. Ein Patent „bearing date 1695“ kann daher nicht eine Auszeichnung „nach“ oder „wegen“ Zenta gewesen sein. Entweder ist das Datum falsch gelesen/gedruckt, oder die Erzählung ist in sich unstimmig. Schon dieser Punkt macht eine Überprüfung in den Originalquellen zwingend.
Auch bei De La Feld: was ist gesichert?
Gesichert ist vorerst nur, dass der Name und die behauptete Würde in der britischen Peerage-Literatur auftauchen. Eine Bestätigung in Frank’s Standeserhebungen oder bei Hefner scheint nach bisheriger Durchsicht nicht greifbar zu sein. Gerade deshalb wäre hier zu prüfen, ob es ein kaiserliches Diplom Leopolds I., eine spätere Adelsbestätigung, eine österreichische Naturalisation oder eine Registrierung in englischen heraldischen Unterlagen gab.
Der Eintrag selbst verweist für den protestantischen englischen Zweig auf Burke’s History of the Landed Gentry. Das wäre ein weiterer Ansatzpunkt, ersetzt aber natürlich kein Diplom.
Mögliche Prüfstellen und Folgefragen
Hat jemand den vollständigen Denbigh-Artikel der Peerage-Ausgabe 1857 vorliegen, insbesondere die fehlenden Spalten 2 und 3?
Gibt es im College of Arms eine registrierte Wappenführung der Earls of Denbigh mit dem österreichischen Adler bzw. mit Bezug auf Habsburg-Laufenburg-Rheinfelden?
Ist eine kaiserliche Anerkennung oder ein Diplom für die angebliche Reichsgrafenwürde der Denbighs irgendwo nachweisbar, oder handelt es sich nur um eine in England tradierte Familienbehauptung?
Wurde der Titel „Count of Hapsburg-Laufenburg and Rheinfelden“ jemals in kontinentalen Adelsverzeichnissen, im Gotha, in österreichischen Hof- oder Staatskalendern oder in Reichsadelsakten anerkannt?
Gibt es zu De La Feld ein kaiserliches Diplom Leopolds I. aus 1695, 1697 oder 1698? Die Angabe „Zenta“ macht das gedruckte Datum 1695 jedenfalls verdächtig.
Was ist mit den angeblichen römischen Bestätigungen von 1578 und 1697 gemeint? Handelt es sich um päpstliche Ordens-/Rangbestätigungen, um bloße genealogische Anerkennungen oder um eine spätere Ausschmückung?
Kann jemand die Familie De La Feld in Frank, Hefner, Siebmacher, im Österreichischen Staatsarchiv oder in einschlägigen Reichsadelsregistern nachweisen?
Quellen und Ansatzpunkte
Dodd’s Peerage/Baronetage/Knightage, Ausgabe 1857, Artikel „Denbigh“ und „De La Feld“; Scans liegen vor.
J. Horace Round, Studies in Peerage and Family History, 1901, Kapitel „Our English Hapsburgs: A Great Delusion“, S. 216 ff.:
archive.org/details/...02rounuoft
Zeitgenössischer Hinweis „Anglo-German Nobility“, mit Bezug auf das „Red Book of Vienna“ / Almanach impérial 1851:
trove.nla.gov.au/new...le/3709648
De-La-Feild-Tradition bei Library Ireland / Irish Pedigrees, als späterer Traditionsbeleg, nicht als Diplomnachweis:
www.libraryireland.c...-feild.php
College of Arms, naheliegende Anfragestelle für englische Wappen- und Pedigree-Registrierungen:
www.college-of-arms.gov.uk/
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