Caroline / Carolina v. Leiß, Leyß bzw. Leis von Laimburg, um 1760

Caroline / Carolina v. Leiß, Leyß bzw. Leis von Laimburg, um 1760

2 Wochen 5 Tage her
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Liebe Mitforscher,

im Zusammenhang mit einer Abbildung im Österreichischen Staatsarchiv stellt sich mir die Frage, ob eine dort bzw. auf dem Bild als Caroline / Carolina (?) v. Leiß erkennbare Dame des Jahres 1760 zur Familie Leis / Leiß / Leyß von Laimburg gehört.

Der im ÖStA-AIS nachweisbare Akt betrifft die Familie Leyss / Leyß / Leiß von Laimburg:
AT-OeStA/AVA Adel RAA 248.17 – Bestätigung des an Johann Leiß am 16. Jänner 1591 verliehenen rittermäßigen Adelsstandes, mit dem Prädikat „von Laimburg“, Rotwachsfreiheit, Freisitz, exemptio, privilegium denominandi sowie kaiserlichem Schutz und Schirm; Verleihungsdatum Wien, 22. Jänner 1624. Als Wappenhinweis ist im AIS „WB II, 101“ angegeben; digitale Aufnahme ist vorhanden, zugleich findet sich der Hinweis „Akt liegt nicht ein“.
Quelle / Ausgangslink: www.archivinformatio...22&DEID=10

Nach dem sichtbaren Wappen spricht einiges dafür, dass es sich tatsächlich um eine Angehörige der Leiß/Leyß von Laimburg handeln könnte. Das Wappen wird u. a. als geteilt beschrieben: oben in Gold ein wachsender roter Greif, unten in Blau eine goldene Lilie über einem goldenen Kreuz. Diese Blasonierung entspricht auch dem in italienischen Armorialen geführten Leiss di Laimburg.

 

Auf dem Gemälde soll rechts oben unter dem Namen CAROLINE die Angabe AET XXIV stehen. Das wäre als aetatis 24, also „im Alter von 24 Jahren“, zu lesen. Ist das Bild tatsächlich von 1760, ergäbe sich daraus ein Geburtsjahr um 1735/1736; streng genommen hängt es davon ab, ob der Geburtstag im Jahr 1760 bereits vorüber war.

 

In den bislang herangezogenen Stammtafeln und genealogischen Darstellungen konnte ich jedoch keine Caroline / Carolina Leiß von Laimburg eindeutig finden. Die ältere Genealogie ist vor allem durch Hermann v. Schullern-Schrattenhofen, Zur älteren Genealogie der Leis von Leimburg, im Monatsblatt der k. k. heraldischen Gesellschaft ADLER, Wien 1916, S. 559–564, erschlossen. Dort werden mehrere Linien dargestellt, aber eben keine Caroline. In späteren Zusammenstellungen werden Grabmayrs Stammtafeln alter Tiroler Familien und das Monatsblatt ADLER 1916 als maßgebliche ältere Grundlagen genannt.

Für die noch blühende Linie wird in einer späteren Zusammenfassung auf Johann Michael Leyß von Laimburg, Richter in Matrei, † 1711, und dessen Ehe mit Maria Sabina Freiin von Manikor zu Casez verwiesen; von ihm sollen die später lebenden Leyß von Laimburg abstammen. Besonders interessant ist daher die Frage, ob Caroline um 1735/36 als Tochter oder nahe Verwandte der damaligen fortblühenden Linie einzuordnen ist. Zeitlich käme etwa das Umfeld von Josef Franz Anton v. Leyß und Barbara Schmied von Schmiedfelden in Betracht; das ist aber derzeit nur eine Arbeitshypothese und müsste über Matriken bzw. Verlassenschaftsakten gesichert werden.

Zu beachten ist außerdem eine mögliche Namensproblematik: Caroline könnte ein Rufname gewesen sein oder einer von mehreren Taufnamen, der in gedruckten Genealogien nicht als erster Name erscheint. Vergleichsfälle mit abweichenden Vornamen gibt es offenbar: Die bei Schullern als Maria Franziska genannte Leiß, verehelichte Unterrichter von Rechtenthal, wird andernorts als Maria Anna / Marianna Emerenzina bzw. Emmerentia geführt. Diese Person dürfte allerdings wegen der abweichenden Lebensdaten nicht ohne Weiteres mit Caroline gleichgesetzt werden.

 

Italienische Nachweise bestätigen jedenfalls, dass die Familie auch als Leiss di Laimburg geführt wurde. Pagnotta nennt für LEISS DI LAIMBURG das Prädikat di Laimburg und verweist auf das Diplom Ferdinands II. vom 22. Jänner 1624; außerdem werden ministerielle Anerkennungen vom 16. Juni 1932 für Paride, Raimondo, Umberto und Emanuele Leiss di Laimburg genannt. Das italienische Armoriale führt Leiss di Laimburg, Venedig/Genua, mit dem Titel nobile del S. R. I. col predicato di Laimburg.

Literatur- und Quellenhinweise
  • Österreichisches Staatsarchiv, AIS: AT-OeStA/AVA Adel RAA 248.17 Leyss / Leyß / Leiß von Laimburg
    www.archivinformatio...22&DEID=10
  • GHdA-Adelslexikon, Bd. 7 / 97, Limburg a. d. Lahn 1989, S. 254.
  • Karl Friedrich Frank, Standeserhebungen und Gnadenakte, Bd. 3, S. 124.
  • Otto Titan von Hefner, Der Adel der gefürsteten Grafschaft Tirol, in: Siebmacher, Bd. 4, 1. Abt., Nürnberg 1857, S. 10, Tafel 12.
  • Otto Titan von Hefner, Ergänzungen und Nachträge zum Tiroler Adel, in: Siebmacher, Nürnberg 1859, S. 24, Tafel 10.
  • Georg von Grabmayr, Stammtafeln alter Tiroler Familien, Schlern-Schriften Bd. 48, Innsbruck 1940, S. 78.
  • Rudolf Granichstaedten-Czerva, Überetsch – Ritterburgen und Edelleute, in: Österreichisches Familienarchiv Bd. 2, 1960, S. 57–60.
  • Hermann von Schullern-Schrattenhofen, Zur älteren Genealogie der Leis von Leimburg, in: Monatsblatt der k. k. heraldischen Gesellschaft ADLER, Bd. VII, Nr. 69, Wien September 1916, S. 559–564.
  • Hermann von Schullern-Schrattenhofen, Rezension zu F. S. Tuccimei, La nobile ed antica famiglia Tirolese Leiss de Laimburg, in: Monatsblatt ADLER, 1927, S. 289. Der ADLER-Index weist diese Rezension für Bd. 10, Heft 23/24, 1927, S. 289 nach.
  • F. S. Tuccimei, La nobile ed antica famiglia Tirolese Leiss de Laimburg, Rom 1927.
  • Conte Vittorio Spreti, Enciclopedia storico-nobiliare italiana, insb. Bd. 4 bzw. Ergänzungsband.
  • Walter Pagnotta, Riconoscimenti di predicati italiani e di titoli pontifici nella Repubblica italiana, Roma 1997.
  • Giovanni Dolcetti, Il Libro d’argento delle famiglie venete, Bd. 4, S. 113.
  • Brünner Taschenbuch, Bd. 1, 1870, Artikel Leis, und Bd. 13, 1888, Artikel Leiß.
  • Libro d’oro della Nobiltà Italiana, Bd. 18, 1977/80.
  • Elenco ufficiale della nobiltà italiana, Roma 1933.
  • Sovrano Militare Ordine Gerosolimitano di Malta: Elenco storico della nobiltà italiana, Roma 1960.
  • Corpo della Nobilità Italiana – Famiglie nobili delle Venezie, Udine 2001.
  • Annuario della Nobilità Italiana, Bd. 30/2, Milano 2001.
  • Alte Familienseite Leis / Leiss di Laimburg:  web.quipo.it/Leis/b2...ml#tedesco
  • Tiroler Portraits:  www.tirolerportraits...uchen.aspx
Offene Fragen
  1. Kann jemand die Inschrift des Bildes in hoher Auflösung bestätigen: lautet der Name wirklich Caroline, Carolina oder eventuell etwas anderes?
  2. Ist AET XXIV eindeutig lesbar, und ist das Bild sicher mit 1760 datiert?
  3. Findet sich in den Matriken von Kaltern, Barbian, Matrei, Innsbruck, Trient, Venedig oder Genua um 1735/36 eine Taufe einer Caroline / Carolina / Maria Carolina Leis, Leiß, Leyß von Laimburg?
  4. Gibt es in den Verlassenschaftsakten oder Familienakten der Linie um Josef Franz Anton v. Leyß von Laimburg Hinweise auf eine bislang in den gedruckten Genealogien übersehene Tochter Caroline?
  5. Hat jemand Zugriff auf Tuccimeis Schrift von 1927 oder auf italienische Adelsanerkennungsakten von 1932, in denen weibliche Familienmitglieder des 18. Jahrhunderts mitgeführt sein könnten?
  6. Falls jemand aktuellen Kontakt zu Nachkommen oder Namensträgern der Familie Leis / Leiss di Laimburg hat, wäre eine Kontaktvermittlung per Privatnachricht hilfreich; öffentliche Privatadressen sollten bitte nicht ins Forum gestellt werden.
Zwischenstand
Die Zugehörigkeit der dargestellten Caroline zur Familie Leiß/Leyß von Laimburg ist aufgrund des Wappens gut möglich, genealogisch aber noch nicht bewiesen. Entscheidend wären nun eine sichere Lesung des Bildes und ein Matriken- oder Verlassenschaftsnachweis für eine Caroline / Carolina um 1735/36.
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