Die Sepp von Seppenburg
- USchu
-
Autor
- Offline
- Beiträge: 652
Die Sepp von Seppenburg
2 Wochen 6 Tage her - 2 Wochen 6 Tage her
Textspeicher: Quelle: ANNO Zeitungen: Allgemeiner Tiroler Anzeiger, 15. April 1930
Die Sepp von Seppenburg
Rudolf Granichstaedten-Czerva
Aus Kaltern, dem Urquell für Genealogen, die sich für alte Deutsch-Südtiroler Adelsfamilien interessieren, stammen auch die SEPP VON SEPPENBURG. Der erste dieser Familie, auf den wir in der Geschichte stoßen, ist Anton Klemenz. Am 22. November 1655 zu Kaltern geboren, trat er in den Jesuiten-Orden ein und wurde einer jener Missionäre die Ende des 17. Jahrhunderts nach Paraguay (Südamerika) zogen, um dort das verwilderte Heidenvolk zur christlichen Religion zu bekehren.
Don Pedro FARADO aus dem Orden „der Erlösung der Gefangenen“, Bischof von Buenos-Aires, besuchte die Missionsstation jener Gegen, schilderte in einem Schreiben an Philipp V., König von Spanien (1700 bis 1746), den Zustand dieser Völker und versicherte, unter SEPP’s Leitung sei die katholische Religion tief in die Herzen dieser Wilden gedrungen.
Die Reisebeschreibung, die Anton v. SEPP von seinen Reisen von Spanien nach Paraguay verfasste, sandte er in Briefen an seinen Bruder Gabriel in die Heimat. Gabriel sammelte die Briefe und ließ sie im Jahre 1696 in Nürnberg in Druck legen. Wir finden in diesem Büchlein den eifrigen Missionär nicht nur am Altare, auf der Kanzel, in der Schule und am Krankenbette in unermüdlicher Tätigkeit, sondern auch als Komponist, als Musiklehrer in allen Instrumenten, als Meister der Handwerke und Künste, so dass man staunen muss, wie die Kräfte eines Einzelnen solchen Anstrengungen gewachsen sein konnten. Anton starb fern der Heimat.
Anton (Klemens Ignaz) S. J. und Gabriel waren Söhne des Johann Baptist, dessen Bruder Alexander (Kaltern) am 2. Juni 1684 von Kaiser Leopold I. geadelt wurde. Gabriel, der bei den Franzoseneinfällen 1703 tapfer mitfocht, wird urkundlich im Jahre 1696 als Besitzer des Edelsitzes Rechegg bei Klausen, Gemeinde Villanders, erwähnt und nannte sich auch „von und zu Rechegg“.
Im Jahre 1847 ging Rechegg in den Besitz des Kaiserjägerhauptmannes Johann RUMPELMAYER (geb. 1791 Königgrätz, gest. 24. November 1863 in Rechegg) über (1823 ein Verantwortlicher der Überführung der Gebeine Andreas HOFERs). Am 11. Juli 1714 verlieh Kaiser Karl VI. dem Gabriel und seinem Bruder Stephan Ignaz v. SEPP, Doktor Theologie und Dekan in Gaspoltshofen (Oberösterreich), geb. 27. Oktober 1670 in Kaltern, Pfarrer in Gaspoltshofen 1704 bis 1743, 73 Jahre alt, den Ritterstand mit dem Prädikat „von Seppenburg“.
Gabriel Franz v. SEPP war (1729) Hofkriegssekretär und mit Barbara GIB (gest. 1771) vermählt. Sein Sohn Johann Baptist ehelichte am 28. Jänner 1646 Eva von LEYS-LAIMBURG (gest. 9. August 1679). Im Jahre 1734 wurden die SEPP in die Tiroler Adelsmatrikel eingetragen. Im 17. Jahrhundert erbauten die SEPP den Edelsitz Salegg bei Kaltern. Da Andreas v. SEPP „von und zu Salegg“ (seit 1686) mit Anna v. UNTERRICHTER-Rechtental und Anna v. SEPP (seit 1639) mit Valentin von UNTERRICHTER vermählt war, ging Salegg (durch Kauf) auf die UNTERRICHTER-Rechtental über. Im Jahre 1849 kauft Erzherzog Rainer (1783-1853) Salegg und von ihm erbte es seine Enkelin, Fürstin Maria Raineria von CAMPOFRANCO (geb. 21. Juli 1782), die zum Schloss einen prächtigen Zubau aufführen ließ (1901).
In den Franzosenkriegen des Jahres 1809 spielte Franz SEPP von Seppenburg eine nicht unbedeutende Rolle. Er war im Jahre 1770 in Graz geboren, widmete sich dem Militärdienst und wurde Major beim Infanterie-Regiment Nr. 26 „Prinz Hohenlohe-Bartenstein“, bei dem er ein Bataillon kommandierte.
Am 13. April 1809 um 3 Uhr früh trat er mit seinem Bataillon, vom Süden kommend, den Marsch zum Brenner an und berichtete am 14. April um 5 Uhr früh von der Brennerhöhe aus seinem General, FML v. CHASTELER: „Ich habe die Ehre, Eurer Exzellenz gehorsamst zu melden, dass ich gestern nachts um 10 Uhr mit dem Bataillon hier angekommen bin, die Kompagnie Jäger mit einer Abteilung Kavallerie aber heute nachts um 1 Uhr schon bis Matrei vorgerückt sind. Ich breche nun von hier auf, gedenke vier Kompagnien vom Bataillon auf die Anhöhe von Matrei stehen zu lassen und mit einer Division vom Bataillon, einer Kompagnie Jäger und einer Halbeskadron Kavallerie gegen Innsbruck und womöglich auch in die Stadt hineinzumarschieren. Vermöge sicherer Berichte sind alle in Innsbruck befindlichen Franzosen und Bayern nach einem ziemlich (!) hartnäckigen Widerstande von den Bauern gefangen genommen worden. Von dem Korps des FML v. JELLACHICH soll nach den Nachrichten noch nichts angekommen sein, aber stündlich erwartet werden.“
Am 14. April rückte v. SEPP in Deutsch-Matrei ein, am 15. brach er gegen Innsbruck auf, vereinigte sich noch am selben Tage mit dem Stabe seines Generals und hielt 7 Uhr abends als Kommandant des Vortrabs seinen Einzug in Innsbruck. Eine riesige Menschenmenge durchflutete die Straßen, die Jubelrufe und Freudenbezeugungen wollten kein Ende nehmen; die Szenen, die sich da den Augen des Beschauers boten, überstiegen jede Beschreibung. Die Landstürmer standen in den buntesten Anzügen mit bayerischen Helmen, Reiterstiefeln und anderen erbeuteten Kleidungsstücken in Wilten. Ein unbeschreibliches Jubelgeschrei erhob sich, aus den Häusern winkten Hunderte mit weißen Tüchern, alles Volk drängte sich zu den Soldaten heran, so dass sie förmlich geschoben und getragen wurden. Nach vier Jahren (seit 5. November 1805) stand wieder auf der Hauptwache ein österreichscher Soldat, der in jeder Minute Gegenstand neuer Ovationen wurde.Am 14. Mai finden wir Major v. SEPP in Zirl, anfangs Juni hielt er seinen Standort bei Klagenfurt und wurde dort bei einem Gefecht am Kalvarienberg (6. Juni 1809) gefangengenommen und von dem französischen General MARMONI abgeführt. Er starb als Oberstleutnant i. R. am 6. Juni 1846 in Laibach.
Von anderen Mitgliedern dieser Familie sind zu erwähnen: der Landrichter (1810) von Glurns, später Appellationsrat (1814) v. SEPP, der Beamte der Tabakhofbuchhaltung in Wien (1847) Josef v. SEPP und der Steuerinspektor in Wien (1866) Gustav v. SEPP. Im Jahre 1875 ist diese alte Tiroler Familie im Mannesstamme ausgestorben.
Die Sepp von Seppenburg
Rudolf Granichstaedten-Czerva
Aus Kaltern, dem Urquell für Genealogen, die sich für alte Deutsch-Südtiroler Adelsfamilien interessieren, stammen auch die SEPP VON SEPPENBURG. Der erste dieser Familie, auf den wir in der Geschichte stoßen, ist Anton Klemenz. Am 22. November 1655 zu Kaltern geboren, trat er in den Jesuiten-Orden ein und wurde einer jener Missionäre die Ende des 17. Jahrhunderts nach Paraguay (Südamerika) zogen, um dort das verwilderte Heidenvolk zur christlichen Religion zu bekehren.
Don Pedro FARADO aus dem Orden „der Erlösung der Gefangenen“, Bischof von Buenos-Aires, besuchte die Missionsstation jener Gegen, schilderte in einem Schreiben an Philipp V., König von Spanien (1700 bis 1746), den Zustand dieser Völker und versicherte, unter SEPP’s Leitung sei die katholische Religion tief in die Herzen dieser Wilden gedrungen.
Die Reisebeschreibung, die Anton v. SEPP von seinen Reisen von Spanien nach Paraguay verfasste, sandte er in Briefen an seinen Bruder Gabriel in die Heimat. Gabriel sammelte die Briefe und ließ sie im Jahre 1696 in Nürnberg in Druck legen. Wir finden in diesem Büchlein den eifrigen Missionär nicht nur am Altare, auf der Kanzel, in der Schule und am Krankenbette in unermüdlicher Tätigkeit, sondern auch als Komponist, als Musiklehrer in allen Instrumenten, als Meister der Handwerke und Künste, so dass man staunen muss, wie die Kräfte eines Einzelnen solchen Anstrengungen gewachsen sein konnten. Anton starb fern der Heimat.
Anton (Klemens Ignaz) S. J. und Gabriel waren Söhne des Johann Baptist, dessen Bruder Alexander (Kaltern) am 2. Juni 1684 von Kaiser Leopold I. geadelt wurde. Gabriel, der bei den Franzoseneinfällen 1703 tapfer mitfocht, wird urkundlich im Jahre 1696 als Besitzer des Edelsitzes Rechegg bei Klausen, Gemeinde Villanders, erwähnt und nannte sich auch „von und zu Rechegg“.
Im Jahre 1847 ging Rechegg in den Besitz des Kaiserjägerhauptmannes Johann RUMPELMAYER (geb. 1791 Königgrätz, gest. 24. November 1863 in Rechegg) über (1823 ein Verantwortlicher der Überführung der Gebeine Andreas HOFERs). Am 11. Juli 1714 verlieh Kaiser Karl VI. dem Gabriel und seinem Bruder Stephan Ignaz v. SEPP, Doktor Theologie und Dekan in Gaspoltshofen (Oberösterreich), geb. 27. Oktober 1670 in Kaltern, Pfarrer in Gaspoltshofen 1704 bis 1743, 73 Jahre alt, den Ritterstand mit dem Prädikat „von Seppenburg“.
Gabriel Franz v. SEPP war (1729) Hofkriegssekretär und mit Barbara GIB (gest. 1771) vermählt. Sein Sohn Johann Baptist ehelichte am 28. Jänner 1646 Eva von LEYS-LAIMBURG (gest. 9. August 1679). Im Jahre 1734 wurden die SEPP in die Tiroler Adelsmatrikel eingetragen. Im 17. Jahrhundert erbauten die SEPP den Edelsitz Salegg bei Kaltern. Da Andreas v. SEPP „von und zu Salegg“ (seit 1686) mit Anna v. UNTERRICHTER-Rechtental und Anna v. SEPP (seit 1639) mit Valentin von UNTERRICHTER vermählt war, ging Salegg (durch Kauf) auf die UNTERRICHTER-Rechtental über. Im Jahre 1849 kauft Erzherzog Rainer (1783-1853) Salegg und von ihm erbte es seine Enkelin, Fürstin Maria Raineria von CAMPOFRANCO (geb. 21. Juli 1782), die zum Schloss einen prächtigen Zubau aufführen ließ (1901).
In den Franzosenkriegen des Jahres 1809 spielte Franz SEPP von Seppenburg eine nicht unbedeutende Rolle. Er war im Jahre 1770 in Graz geboren, widmete sich dem Militärdienst und wurde Major beim Infanterie-Regiment Nr. 26 „Prinz Hohenlohe-Bartenstein“, bei dem er ein Bataillon kommandierte.
Am 13. April 1809 um 3 Uhr früh trat er mit seinem Bataillon, vom Süden kommend, den Marsch zum Brenner an und berichtete am 14. April um 5 Uhr früh von der Brennerhöhe aus seinem General, FML v. CHASTELER: „Ich habe die Ehre, Eurer Exzellenz gehorsamst zu melden, dass ich gestern nachts um 10 Uhr mit dem Bataillon hier angekommen bin, die Kompagnie Jäger mit einer Abteilung Kavallerie aber heute nachts um 1 Uhr schon bis Matrei vorgerückt sind. Ich breche nun von hier auf, gedenke vier Kompagnien vom Bataillon auf die Anhöhe von Matrei stehen zu lassen und mit einer Division vom Bataillon, einer Kompagnie Jäger und einer Halbeskadron Kavallerie gegen Innsbruck und womöglich auch in die Stadt hineinzumarschieren. Vermöge sicherer Berichte sind alle in Innsbruck befindlichen Franzosen und Bayern nach einem ziemlich (!) hartnäckigen Widerstande von den Bauern gefangen genommen worden. Von dem Korps des FML v. JELLACHICH soll nach den Nachrichten noch nichts angekommen sein, aber stündlich erwartet werden.“
Am 14. April rückte v. SEPP in Deutsch-Matrei ein, am 15. brach er gegen Innsbruck auf, vereinigte sich noch am selben Tage mit dem Stabe seines Generals und hielt 7 Uhr abends als Kommandant des Vortrabs seinen Einzug in Innsbruck. Eine riesige Menschenmenge durchflutete die Straßen, die Jubelrufe und Freudenbezeugungen wollten kein Ende nehmen; die Szenen, die sich da den Augen des Beschauers boten, überstiegen jede Beschreibung. Die Landstürmer standen in den buntesten Anzügen mit bayerischen Helmen, Reiterstiefeln und anderen erbeuteten Kleidungsstücken in Wilten. Ein unbeschreibliches Jubelgeschrei erhob sich, aus den Häusern winkten Hunderte mit weißen Tüchern, alles Volk drängte sich zu den Soldaten heran, so dass sie förmlich geschoben und getragen wurden. Nach vier Jahren (seit 5. November 1805) stand wieder auf der Hauptwache ein österreichscher Soldat, der in jeder Minute Gegenstand neuer Ovationen wurde.Am 14. Mai finden wir Major v. SEPP in Zirl, anfangs Juni hielt er seinen Standort bei Klagenfurt und wurde dort bei einem Gefecht am Kalvarienberg (6. Juni 1809) gefangengenommen und von dem französischen General MARMONI abgeführt. Er starb als Oberstleutnant i. R. am 6. Juni 1846 in Laibach.
Von anderen Mitgliedern dieser Familie sind zu erwähnen: der Landrichter (1810) von Glurns, später Appellationsrat (1814) v. SEPP, der Beamte der Tabakhofbuchhaltung in Wien (1847) Josef v. SEPP und der Steuerinspektor in Wien (1866) Gustav v. SEPP. Im Jahre 1875 ist diese alte Tiroler Familie im Mannesstamme ausgestorben.
"IN OMNIBUS ORDO"
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
