Langenmantel – vom doppelten R, von Westheim und von und zu Langenthal

Langenmantel – vom doppelten R, von Westheim und von und zu Langenthal

4 Tage 8 Stunden her
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Langenmantel – vom doppelten R, von Westheim und von und zu Langenthal: genealogische und adelsrechtliche Plausibilisierung

Die Diskussion zeigt sehr schön, weshalb man bei einem so alten und weit verzweigten Geschlecht wie den Langenmantel mit Generalisierungen vorsichtig sein muss. Die verfügbaren Adelsakten bestätigen tatsächlich, dass wir es mit verschiedenen genealogischen Zweigen und mehreren, zeitlich getrennten Standeserhebungen bzw. Wappenbesserungen zu tun haben.

1. Nicht alle Langenmantel gehören genealogisch in dieselbe Linie

Bereits die ältere Literatur unterscheidet zwei Hauptstämme. Das Jahrbuch der k. k. heraldischen Gesellschaft „Adler“ beschreibt 1891 einen Stamm mit dem sogenannten Sparrenwappen und den Stamm mit dem silbernen Doppel-R in Rot.

Das Österreichische Staatsarchiv bestätigt diese heraldische Bezeichnung erfreulich eindeutig. Im Akt von 1562 heißt es ausdrücklich:

„vom R“ bezieht sich auf das Wappenbild: in Rot ein silbernes doppeltes R.

Die häufig anzutreffende Aussage, dieses Doppel-R sei das Wappen „aller von Rüdiger IV. abstammenden Langenmantel“, bedarf allerdings einer Korrektur. Das moderne Stadtlexikon Augsburg führt die Langenmantel vom RR auf Rüdiger I. († 1342) zurück. Der eigene Zweig des späteren Rüdiger IV. († 1391/93) war demnach bereits um 1430 erloschen.

Auch „Langenmantel von Westheim“ bezeichnet daher nicht einfach sämtliche Augsburger Langenmantel. Nach dem Stadtlexikon geht die eigentliche Linie von Westheim auf Wolfgang II. († 1568) zurück.

2. Die Adels- und Standeserhebungen sind auseinanderzuhalten

Die Akten des Österreichischen Staatsarchivs ergeben folgende bemerkenswerte Abfolge:

17. Jänner 1562 – Wolfgang, David und Heinrich Langenmantel vom R

Adels- und Wappenbesserung, Lehenberechtigung sowie weitere Privilegien. Das Archiv erläutert hier zugleich ausdrücklich das Doppel-R-Wappen.

ÖStA, AVA Adel RAA 241.6

24. Jänner 1653 – Franz Adam Langenmantel

Freiherrenstand und Wappenbesserung. Der Katalog des Haus-, Hof- und Staatsarchivs bezeichnet ihn als:

„Herr von Reichenburg, Freiherr zu Thronin, Grafenwart, Castel und Thurn Unter-Reichenburg“.

ÖStA, AVA Adel HAA AR 503.3

Bemerkenswert ist die Lesung „Thronin“ im heutigen Archivkatalog. In der genealogischen Literatur begegnet dagegen regelmäßig Tramin. Ohne Einsicht in das Originaldiplom sollte die Archivlesung daher nicht stillschweigend in „Tramin“ geändert werden; möglicherweise liegt eine ältere Schreibform oder eine moderne Fehltranskription vor.

17. Februar 1702 – die Söhne des verstorbenen Octavian

Hieronymus Ambros, Johann Wilhelm, Karl Sebastian, Johann Friedrich und Ignaz Langenmantel vom R erhielten eine Wappenbesserung im rittermäßigen Adelsstand. Im Akt befinden sich auch Abschriften älterer Nobilitations- und Wappenverleihungen.

ÖStA, AVA Adel RAA 241.7

Auch dies zeigt: Der Vorgang von 1702 war eine konkrete Begünstigung dieser Brüder und keine neuerliche pauschale Standeserhebung sämtlicher Namensträger.

21. Jänner 1766 – Cajetan von Langenmantel

Cajetan, damals erblicher Postmeister zu Kalsdorf in Untersteiermark, erhielt den Ritterstand mit der Bezeichnung

„Langenmantel von Reichenburg, Ritter und Edler von Langenmantel von und zu Langenthal“

sowie eine Wappenbesserung.

ÖStA, AVA Adel HAA AR 503.4

10. November 1777 – Anton Langenmantel

Für Anton ist eine eigene Prädikatsverleihung „Edler von“ belegt.

ÖStA, AVA Adel HAA AR 503.5

27. Dezember 1779 – Cajetan Edler von Langenmantel von und zu Langenthal

Als kaiserlicher Rat und Kreishauptmann in Cilli erhielt Cajetan schließlich den erbländischen Freiherrenstand als

„Freiherr von Langenmantel von und zu Langenthal“.

ÖStA, AVA Adel HAA AR 503.6

Daneben existiert die Intimation über die Verleihung im Reichsadelsarchiv:

ÖStA, AVA Adel RAA 241.9

Wichtige Quellenkorrektur: Der bisher angegebene Link

ID 1361940

gehört nicht zu Kajetans Freiherrenstand. Er betrifft vielmehr Anna Regina Bauhoff, Tochter eines Oberhausener Wirtes und Braut des Augsburger Patriziers Bernhard Valentin Langenmantel von Westheim, die 1717 den Adelsstand mit „von“ erhielt.

3. Ein besonders wichtiger Akt von 1912/13

Für die Frage, ob Titel und Prädikate ohne weiteres von einer Langenmantel-Linie auf eine andere übertragen werden konnten, ist ein späterer Akt ausgesprochen aufschlussreich:

Franz und Josef Langenmantel, 1912–1913

Der Akt trägt die eindeutige Bezeichnung:

„Nichtberechtigung zu Führung des Ritterstandes und Prädikates, Berechtigung zur Führung des einfachen Adels“.

ÖStA, AVA Adel HAA AR 503.7

Das ist genealogisch und adelsrechtlich bedeutsam. Es zeigt, dass selbst innerhalb derselben Familie die Berechtigung zur Führung von Rang und Prädikat an die konkrete Abstammungs- und Verleihungslinie gebunden geprüft wurde.

Daher sollte auch die erwähnte spätere Übertragung des Freiherrenprädikates über eine Baronin Pittoni an andere Langenmantel-Zweige und eine angebliche familieninterne Rückübertragung nach 1921 vorerst nur als Forschungshypothese behandelt werden. Hier wäre eine lückenlose Kette aus Diplom, Transsumpt, Genealogie und gegebenenfalls behördlichen Entscheidungen erforderlich.

4. Das vorliegende Siegel

Das abgebildete rote Wachssiegel ist trotz Beschädigungen heraldisch recht gut ansprechbar.

Im Zentrum erkennt man einen gevierten beziehungsweise vermehrten Schild mit Herzschild. In diesem Herzschild ist das charakteristische Doppel-R noch deutlich wahrnehmbar. Oberhalb bzw. seitlich befinden sich mehrere Helm- und Kleinodbestandteile.

Damit passt das Siegelbild grundsätzlich sehr gut zu der vermehrten Wappenform der freiherrlichen Langenmantel-Linie, während das Doppel-R das ältere Stammwappen bewahrt.

Eine Schwierigkeit ergibt sich jedoch bei der überlieferten Zuschreibung „Siegel Franz Adam Freiherr von Langenmantel, 1749“. Franz Adam wird in der genealogischen Literatur gewöhnlich mit 1629–1683 angegeben. Sollte das Jahr 1749 aus dem dazugehörigen Originaldokument zweifelsfrei hervorgehen, kann das Siegel daher nicht von Franz Adam persönlich im Jahre 1749 angebracht worden sein.

Zu prüfen wären dann insbesondere:
  • Verwendung des gleichen Wappens durch einen späteren Angehörigen seiner Linie,
  • Weiterverwendung einer älteren Petschaft,
  • oder eine fehlerhafte Zuschreibung des Siegels bzw. des Dokumentdatums.

Heraldisch spricht das Siegel jedenfalls klar für die Freiherrenlinie mit dem Doppel-R im Herzschild.

5. Tramin, Kostel, Grafenwart, Reichenburg und Rotenturn

Auch die Ortsangaben lassen sich teilweise präzisieren.

Die Verbindung nach Tramin ist bereits in der älteren ADLER-Literatur gut dokumentiert. Georg Langenmantel siedelte sich dort an; genannt werden die später als Oberspaur und Unterspaur bezeichneten Ansitze. Am unteren Haus befand sich noch im 19. Jahrhundert das Langenmantel-Wappen mit der Jahreszahl 1544.

Der heute als Ansitz Langenmantel bzw. Grafenhaus bezeichnete historische Bau besteht weiterhin. Die Aussage, dort werde erst ein Hotel mit „Langenmantel-Suiten“ eingerichtet, ist inzwischen überholt: Die ersten Suiten wurden bereits 2024 eröffnet; seit August 2026 firmiert das Ensemble als Langenmantel Historic Suites.

Langenmantel Historic Suites, Tramin

Auch Grafenwart und Kostel sollte man nicht völlig gleichsetzen. Eine ältere Beschreibung Krains bezeichnet Kostel/Costel als Markt auf einem Bergkegel, dessen Spitze das Schloss Grafenwart krönte. Beides gehört also unmittelbar zusammen, bezeichnet aber nicht exakt dasselbe Objekt.

Reichenburg entspricht dem heutigen Rajhenburg bei Brestanica oberhalb der Save.

Rotenturn ist tatsächlich als der heutige Dvorec Rotenturn in Slovenj Gradec identifizierbar.

Die Aussage, alle Langenmantel der jüngeren Geschichte seien über das heutige Slowenien nach Graz gelangt, ist dagegen zu weit gefasst. Die Quellen kennen gleichzeitig Augsburger, Traminer, Meraner, Brunecker sowie kärntnisch-krainische und steirische Zweige. Wanderungswege müssen daher für jede Linie genealogisch einzeln rekonstruiert werden.

6. Die Matrikel- und Handbuchhinweise

Der angeführte Nachweis

Bayern/Tirol: v. Langenmantel (e.) 5/442 (St.R. u. Ä.G.), 10/418

ist nachvollziehbar. Das Stadtlexikon Augsburg zitiert ausdrücklich das

Genealogische Handbuch des in Bayern immatrikulierten Adels, Band 5 (1955), S. 442–452

für die Familie Langenmantel. Damit ist insbesondere der Verweis 5/442 bibliographisch bestätigt. Der Registerhinweis nennt daneben Band 10, S. 418.

Auch der Hinweis

Langenmantel v. Westheim u. Langenthal – 1562, 1763, 1766

ist differenziert zu betrachten: 1562 und 1766 lassen sich durch die oben angeführten Originalakten unmittelbar bestätigen. Eine Adelsbestätigung von 1763 wird in genealogischer Sekundärliteratur ebenfalls genannt; ein eigener entsprechender Akt ließ sich bei dieser Online-Prüfung im Österreichischen Staatsarchiv jedoch nicht eindeutig identifizieren. Hier sollte das zugrunde liegende Matrikel- oder Handbuchzitat im Original kontrolliert werden.

Der Hinweis FROE – genealogische Notizen Langenmantel (von und zu Langenthal) ist deshalb ebenfalls wertvoll, sollte für eine zitierfähige Genealogie aber noch um Band, Seite bzw. genaue Signatur ergänzt werden.

Als weitere wichtige Quelle verdient außerdem der in der Bayerischen Staatsbibliothek erhaltene großformatige

„Stammbaum der Familie Langenmantel, Augsburg“, BSB Cgm 3579, 18. Jahrhundert

Beachtung.

BSB – Stammbaum der Familie Langenmantel, Cgm 3579

Schlussbetrachtung

Die eingangs geäußerte Vermutung ist somit im Kern zu bestätigen: „die Langenmantel“ können adelsgeschichtlich nicht als eine einzige, mit identischen Titeln ausgestattete Familie behandelt werden.

Das Doppel-R schafft zwar eine wichtige heraldisch-genealogische Verbindung innerhalb des entsprechenden Stammes, daraus folgt aber noch keine automatische Berechtigung an allen später verliehenen Prädikaten und Rangstufen.

Besonders deutlich werden mindestens folgende, voneinander zu unterscheidende Komplexe:
  • der alte Augsburger Stamm der Langenmantel vom RR,
  • die Augsburger Linie von Westheim,
  • die krainisch-steirische Freiherrenlinie Franz Adams von 1653,
  • die Traminer bzw. steirische Linie Cajetans „von und zu Langenthal“ mit Ritterstand 1766 und Freiherrenstand 1779,
  • sowie weitere Nachkommen, deren konkrete Berechtigung zu Rang und Prädikat teilweise sogar noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts behördlich geprüft wurde.

Gerade der Akt von 1912/13 mahnt hier zur Vorsicht: gleicher Name und gemeinsames Stammwappen ersetzen nicht den genealogischen Nachweis der Berechtigung zu einem bestimmten Adelstitel oder Prädikat.

Spannend und verworren – ja. Aber mit den Adelsakten beginnt sich das Knäuel doch recht ordentlich zu entwirren.

Quellen und weiterführende Literatur:

Österreichisches Staatsarchiv, AVA, Reichsadelsarchiv und Hofadelsakten, insbesondere RAA 241.6, 241.7 und 241.9 sowie HAA AR 503.3–503.8.

Jahrbuch der k. k. heraldischen Gesellschaft „Adler“ zu Wien, 1891, Artikel „Langenmantel“.

Peter Geffcken: Langenmantel II, Stadtlexikon Augsburg, 2. Auflage.

Genealogisches Handbuch des in Bayern immatrikulierten Adels, Bd. 5, 1955, S. 442–452; Registerverweis ferner Bd. 10, S. 418.

Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 3579: Stammbaum der Familie Langenmantel, Augsburg, 18. Jahrhundert.
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