4. August 1906: Marie José von Italien – die „Maikönigin“

4. August 1906: Marie José von Italien – die „Maikönigin“

6 Tage 13 Stunden her
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Bildhinweis: Königin Marie José von Italien in einer kolorierten und digital restaurierten Fassung eines Porträts aus den 1930er Jahren.

4. August 1906: Marie José von Italien – die „Maikönigin“

Zum 120. Geburtstag der letzten Königin Italiens

Am 4. August 1906 wurde in Ostende Prinzessin Marie José von Belgien geboren. Sie war das jüngste Kind und die einzige Tochter König Alberts I. der Belgier und dessen Gemahlin Elisabeth, einer geborenen Herzogin in Bayern.

Ihr Lebensweg führte sie früh zwischen verschiedene europäische Welten: vom belgischen Königshaus über ihre Schulzeit in England und Florenz bis an den italienischen Hof. Am 8. Januar 1930 heiratete sie den italienischen Thronfolger Umberto von Savoyen, Fürst von Piemont. Die Trauung wurde in der Cappella Paolina des Quirinalspalastes in Rom vollzogen.

Eine Königin für nur 34 Tage

Als König Viktor Emanuel III. am 9. Mai 1946 zugunsten seines Sohnes abdankte, bestieg dieser als Umberto II. den italienischen Thron. Marie José wurde damit Königin von Italien.

Ihre Zeit als Königin sollte jedoch nur 34 Tage dauern. Deshalb ging sie als la regina di maggio – die „Maikönigin“ – in die Geschichte ein.

Bei der Volksabstimmung vom 2. und 3. Juni 1946 entschied sich eine Mehrheit der italienischen Wähler für die Republik. Am 12. Juni gingen die Befugnisse des Staatsoberhauptes auf Ministerpräsident Alcide De Gasperi über. Einen Tag später, am 13. Juni 1946, verließen Umberto II. und Marie José Italien und gingen ins Exil.

Marie José blieb damit die letzte Königin des Königreiches Italien.

Zwischen Krone, Krieg und persönlicher Freiheit

Marie José entsprach nur bedingt dem traditionellen Bild einer Königin. Sie galt als geistig unabhängig, kunstinteressiert und gegenüber den starren Formen des Hoflebens ausgesprochen kritisch. Sie suchte die Gesellschaft von Künstlern, Wissenschaftlern und Intellektuellen und machte aus ihrer Ablehnung des faschistischen Regimes keinen Hehl.

Gerade diese Verbindung von königlicher Herkunft, politischem Bewusstsein und persönlichem Freiheitsdrang macht sie bis heute zu einer der bemerkenswertesten Frauen der europäischen Monarchiegeschichte.

Erinnerungen eines Enkels

Am 9. Juni 2026 veröffentlichte ihr Enkel Emanuele Filiberto di Savoia bei Sperling & Kupfer das Buch:

La regina di maggio. Gli ultimi giorni della Corona: i ricordi di mia nonna sulla fine della Monarchia

Das Buch beruht auf persönlichen Erinnerungen und Gesprächen, die Emanuele Filiberto während langer sonntäglicher Spaziergänge mit seiner Großmutter auf ihrem Anwesen in Merlinge bei Genf geführt hatte. Im Mittelpunkt stehen nicht nur die letzten Tage der italienischen Monarchie, sondern auch das Leben einer Frau, deren persönliche Geschichte untrennbar mit den politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts verbunden war.

Der Band ist zugleich seinen Töchtern Vittoria und Luisa gewidmet. Sie sollen durch die Erinnerungen ihres Vaters jene Frau kennenlernen, die an der Spitze ihrer eigenen Familiengeschichte steht.

Erinnerung an die „Maikönigin“

Marie José starb am 27. Januar 2001 in der Nähe von Genf. Ihr Name bleibt mit dem Ende der italienischen Monarchie verbunden – zugleich aber auch mit dem Bild einer gebildeten, eigenständigen und politisch wachen Frau, die sich von Krone und höfischem Zeremoniell niemals vollständig vereinnahmen ließ.

Anlässlich ihres 120. Geburtstages erinnern wir an Marie José von Belgien, Fürstin von Piemont und letzte Königin von Italien: eine Königin für nur wenige Wochen, deren Persönlichkeit die kurze Dauer ihrer Herrschaft weit überdauerte.

Quellen und weiterführende Hinweise:

– Enciclopedia Italiana, Eintrag zu Maria José von Savoyen
– Historisches Archiv der Präsidentschaft der Italienischen Republik
– Archivio Storico Luce, Aufnahmen der Hochzeit vom 8. Januar 1930
– Emanuele Filiberto di Savoia: La regina di maggio, Sperling & Kupfer, 2026
– Mondadori, Buchvorstellung vom 9. Juni 2026
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